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Veröffentlicht am 15.09.2016

Worte in meiner Hand

Worte in meiner Hand
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Helena ist die Magd eines verschrobenen Buchhändlers im Amsterdam der 17. Jahrhunderts. Aus Not und Hunger ist sie in die Stadt gekommen, um zu lernen, wie man einem anderen Herren dient als nur sich selbst, ...

Helena ist die Magd eines verschrobenen Buchhändlers im Amsterdam der 17. Jahrhunderts. Aus Not und Hunger ist sie in die Stadt gekommen, um zu lernen, wie man einem anderen Herren dient als nur sich selbst, wie man nicht mehr hungert. Irgendetwas macht sie anders als die anderen, sei es, dass sie in die Kirche geht, um nicht gesehen zu werden, oder, dass sie an beiden Seiten der Prinsengracht entlang gelaufen ist und Amsterdam nun kennt. Vielleicht auch, dass sie lesen und schreiben kann.

Helena hat eine sehr poetische Seele, die in ihren Gedanken zum Ausdruck kommt. Sie erzählt die Geschichte in der erlebten Rede und bunten Farben. Schillernd wie ihr Schal, der den Sonnenschein einfängt. Das historische Amsterdam wird vor den Augen des Lesers lebendig, gemalt von Helenas Fantasie. Sie ist ein faszinierender Charakter voller Widersprüche: auf der einen Seite sehr unbedarft,geradezu naiv, auf der anderen gebildet für ihre Zeit. Sie ist das Mädchen, das ihre Arme mit Wörtern vollschreibt, um das Schreiben zu üben, von dem sie beschlossen hat, dass sie es kann. Auch mit Tinte und Feder.
All das spielt eine Rolle, als sie auf den Monsieur trifft, René Descartes, der ihrem Dienstherren, Mr. Sergeant, die große Ehre erweist, für die Dauer seines Amsterdam-Aufenthalts zu wohnen. Die Geschichte zwischen Helena und René ist wie eine buntes Farbenspiel, das das ganze Spektrum ausfüllt. Musik, die mal fröhlich, mal traurig ist.
Ein sehr schönes und vor allem sehr poetisches Buch, dem es trotzdem gelungen ist, die Facetten der Zeit einzufangen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Der tiefe Fall der Cecelia Price

Der tiefe Fall der Cecelia Price
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Cecelia, genannt CeCe, hat in ihren eigenen Augen nichts mehr zu verlieren. Die Schuld drückt sie nieder, zwingt sie in die Knie. Begraben sind ihre Träume von Liebe, einem sicheren Zuhause, einem gesunden ...

Cecelia, genannt CeCe, hat in ihren eigenen Augen nichts mehr zu verlieren. Die Schuld drückt sie nieder, zwingt sie in die Knie. Begraben sind ihre Träume von Liebe, einem sicheren Zuhause, einem gesunden Bruder und dem College. Dabei ist sie erst siebzehn, aber es fühlt sich so an, als sei ihr Leben vorbei. Begraben gemeinsam mit der Hoffnung, die sie sich erstmals wieder erlaubt hatte, nachdem ihr Bruder clean war. Überhaupt scheint der Tod ein besonderes Auge auf CeCes Familie geworfen zu haben, schließlich hat er bereits ihre Mutter geholt.

Dieses Buch hält, was es verspricht. In jeder Hinsicht. Der Klapptext weist auf den berührenden Inhalt der Erzählung hin, das Cover tut ein Übriges. Das Thema ist sehr prekär und nimmt ein ernstes gesellschaftliches Problem unter die Lupe. Ist Cecelia schuldig oder nur ein Opfer der Umstände? Was waren die Beweggründe des scheuen jungen Mädchens, was genau ist passiert und wer war darin verwickelt? Wie begegnet die Welt einem Mädchen, das in den Tod ihres Bruders verwickelt ist? Wie reagiert eine solche Gesellschadt? Wie verhält man sich ihr gegenüber?
Es sind Grundsatzfragen, die sich hier stellen.

Vom Anfang bis zum Ende bleibt das Buch spannend, ich habe es in einem Rutsch durchgelesen und war auch danach noch nachhaltig beeindruckt. Es hat mich auch fasziniert, wie Kelly Fiore Cecelia darstellt, wie gut man ihre Gefühle nachvollziehen kann. Es ist sehr heikel, dass Cecelia sich selbst am allermeisten für schuldig hält.

Unbedingt lesenswert!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Kalix

Kalix. Werwölfin von London
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Kalix´ Familie hasst sie, und als ob das noch nicht genug wäre, setzen die Mitglieder auch noch alles daran, sie möglichst schnell unter die Erde zu bringen - nicht, dass Kalix das nicht schon allein erledigen ...

Kalix´ Familie hasst sie, und als ob das noch nicht genug wäre, setzen die Mitglieder auch noch alles daran, sie möglichst schnell unter die Erde zu bringen - nicht, dass Kalix das nicht schon allein erledigen könnte....
Neben den unweigerlichen Werwolfjägern hat Kalix jetzt auch noch ganz andere Probleme, was für die junge Werwölfin gar nicht so einfach ist.
Das sehr originelle Konzept einer flüchtigen Werwolf-Jugendlichen, die sich in ihrer Freizeit gern mal mit dem Genuss von mehr oder weniger legalen Drogen beschäftigt, ist sehr spannend. Kalix´ Clan ist weit verzweigt, die Beziehungen kompliziert - man weiß gar nicht so recht, wer jetzt eigentlich alles wen umbringen will. Im Verlauf des Geschehens wird klar, dass es unter den schottischen Werwölfen einen ernst zu nehmenden Führungskonflikt gibt, der dringend an Klärung bedarf. Niemand schreckt hier vor Mord und Gräueltaten zurück!
Kalix selbst ist eine jugendliche Rebellin, wie sie im Buche steht^^. Als sie bei den beiden Studenten Daniel und Moonglow unterkommt, die keinen Schimmer von der fantastischen Welt haben, ist Chaos vorprogrammiert...

Auf jeden Fall zu empfehlen! Diese Fantasynovelle ist sehr spannend geschrieben, mit einem gutem Maß Fantasie ausgestattet und trotzdem nicht zu surreal. Auch für Leser, die dem Jugendalter schon entwachsen sind, gibt es hier keine Einschränkungen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Die Wildrose

Die Wildrose
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Wenn herzenserweichende Sehnsucht und das Wissen, das alles, was jetzt noch unfassbar erscheint, am Ende gut wird, dann ist es Jennifer Donelly. Auch dieser finale Teil der Rosen-Trilogie ist genau so ...

Wenn herzenserweichende Sehnsucht und das Wissen, das alles, was jetzt noch unfassbar erscheint, am Ende gut wird, dann ist es Jennifer Donelly. Auch dieser finale Teil der Rosen-Trilogie ist genau so zum Weinen schön, so traurig, voll taumelnder Gefühle und Unsicherheiten wie die beiden vorangegangenen.

Willa und Seamus kennen einander besser als der Rest der Welt - und das aus gutem Grund. Sie müssen sich aufeinander verlassen können bei ihren Bergtouren. Die Leidenschaft des Paares gilt dem Klettern. Scheinbar unzertrennlich, reißt das Unglück von Willas Absturz sie auseinander und lässt sie weit voneinander weg treiben. Willa kann nicht vergessen - trägt sie den Beweis von Seamus´ Schuld doch an ihrem Körper. Konsequent stößt sie ihn von sich und bricht ihm damit das Herz. Und dennoch...keiner der beiden findet einen Partner, der so gut wie der andere zu ihm passt...
So schwelt der Schmerz unter der Haut beider Liebenden, alles scheint verloren, als auch noch die Wirren des zweiten Weltkrieges hinzukommen.

Die Erzählung ist sehr authentisch geschrieben, geschichtlich (soweit ich beurteilen kann) korrekt und die Charaktere sind absolut nachvollziehbar. Die Familien Finnegan und Alden könnten gedanklich unsere Nachbarn sein, wäre da nicht der zeitliche Unterschied. Historische Tatsachen werden mit Feingefühl behandelt und rücken näher an den Leser heran. Auch die hintersten Winkel der Welt lernen wir kennen, das ferne Nepal und die glühend heiße Wüste. Eine Trilogie mit Suchtpotential, ganz gleich, über welchen Teil man stolpert. Die im Buch vorherrschende Atmosphäre passt hervorragend zum Thema, man lacht und leidet mit den Figuren. Dementsprechend ist auch die Sprachwahl.
Am schönsten ist für mich persönlich das Ende ;).

Veröffentlicht am 15.09.2016

Digby

Digby #01
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Stephanie Tromlys erstes Jugendbuch ist einfach genial! Von der ersten Seite an fesselnd, zieht es den Leser in eine spannende und oft durcheinander gewürfelte Leseerfahrung. Das Cover ist das, was mich ...

Stephanie Tromlys erstes Jugendbuch ist einfach genial! Von der ersten Seite an fesselnd, zieht es den Leser in eine spannende und oft durcheinander gewürfelte Leseerfahrung. Das Cover ist das, was mich zum Lesen bewegt hat und gefällt mir sehr :)

Zoe ist neu in der Stadt und als Kind einer chronisch ignorierenden Mutter und eines erfolgsstrebenden Vaters, die es nicht mehr miteinander aushalten, nachdem er betrogen hat, nicht wirklich ein Einzelfall. Ihr primäres Ziel ist die Versetzung auf eine bessere Schule durch Schulschwänzen.
Auf Digby trifft sie durch eine nervige, aber effiziente Sturmklingelaktion. Kurzerhand erklärt er sich zu ihrem Freund - oder etwas ähnlichem, Freunde sind nur Ballast - und zieht sie in seine Ermittlungen zum Verschwinden seiner Schwester mit hinein. Zoe bleibt oft im Dunkeln, und das bis zum Schluss, weil der überdurchschnittlich intelligente Digby seinen eigenen Regeln folgt. Verquer, herrlich kurios und mehr als nur ein bisschen schräg.

Zoe ist personale Erzählerin des Buches. Erfrischenderweise geht es nicht um Teenagerliebe, sondern einfach darum, den eigenen Weg zu finden und zu verfolgen. Die Charaktere sind allesamt sehr stofflich und gut vorstellbar. Digby ist bis zum Ende hin ein Mysterium und besonders faszinierend.

Kurz und gut: Dieses Buch ist genial.