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Veröffentlicht am 06.04.2019

Die Zeit kann selbst die tiefsten Wunden heilen.

Sommer der Versöhnung
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Die Zeit kann selbst die tiefsten Wunden heilen.

„Ermöglicht Liebe wirklich Vergebung, oder erschwert sie diese nur?“

Diese Frage stellte sich die Witwe Josephine „Josie“ Collard diSanti vermutlich unzählige ...

Die Zeit kann selbst die tiefsten Wunden heilen.

„Ermöglicht Liebe wirklich Vergebung, oder erschwert sie diese nur?“

Diese Frage stellte sich die Witwe Josephine „Josie“ Collard diSanti vermutlich unzählige Male. Sie hatte es niemals aufgegeben, um eine Versöhnung zwischen ihren fürchterlich zerstrittenen Töchtern Rose und Emily zu kämpfen. Die Ursache für deren Entfremdung war dramatisch und tiefgreifend. Während die stets auf das Äußerliche bedachte Rose nun mit ihrem Ehemann Sheldon und ihrem neunjährigen Sohn Alex in einem luxuriösen Apartment an der Park Avenue in New York lebt, führt ihre Schwester Emiliy ein Nomadenleben. Sie ist in jeder Hinsicht das völlige Gegenteil zu ihrer überheblichen und aufbrausenden Schwester Rose. Emily liebt bequeme Kleidung, ist auch ohne Make-up und modische Ausstaffierung eine faszinierende Schönheit, und liebt handwerkliche Tätigkeiten. Ihr Beruf wurde zu ihrer Leidenschaft - Emiliy renoviert viktorianische Häuser, ist bodenständig, nach einigen gescheiterten Beziehungen jedoch ziemlich einsam. In Gus, einem gutmütigen Hund aus dem Tierheim, fand sie einen treuen Begleiter. Aufgrund ihrer unüberwindlichen Differenzen haben Rose und Emily mit ihrer geschwisterlichen Beziehung bereits abgeschlossen, keine der beiden ist nun noch dazu bereit, auf die andere zuzugehen. Als die Nachricht vom Ableben ihrer Mutter eintrifft, stehen sich die beiden Schwestern nach vielen Jahren anlässlich der Gedenkfeier in Mill River zum ersten Mal wieder gegenüber. In ihrem Testament startet Josephine Collard diSanti einen allerletzten verzweifelten Versuch, ihre über alles geliebten Töchter zu versöhnen. Sie macht einen zweimonatigen Aufenthalt von Rose und Emily in ihrer Heimat Mill River zur Bedingung, damit sie das ansehnliche Erbe antreten können. Doch die verfeindeten Schwestern müssen nicht nur in zwei nebeneinanderstehenden Häusern leben, sondern gemeinsam Aufgaben lösen. Eine scheinbar nicht zu bewältigende Herausforderung, bei der jede Menge Ärger vorprogrammiert ist. Doch manchmal kann selbst eine aussichtslos scheinende Situation zu etwas Großem führen…

Dacie Chan erzählt diese tragische Familiengeschichte in einnehmendem Schreibstil, begleitet mit tiefen Emotionen. Bei ihren Ausführungen wechselt sie stets zwischen zwei Erzählsträngen. Ihr Handlungsstrang in der Gegenwart startet mit dem Tag von Josies Beerdigung im Jahr 2013 und schildert die nachfolgenden Ereignisse. In einem zweiten Handlungsstrang versetzt die Autorin ihre Leser zurück ins Jahr 1983, als die junge Witwe Josie mit ihren kleinen Töchtern nach Mill River kommt. Die Vergangenheit wird nach und nach aufgerollt und man erhält tiefe Einblicke in das Leben der Familie diSanti in Mill River, erfährt von schmerzlichen Ereignissen und darf die beiden so unterschiedlichen Mädchen näher kennenlernen.

Rose und Emily nehmen als Protagonisten den größten Raum ein, doch in den vielen Rückblicken wird auch dem Leben und der persönlichen Entwicklung von Josephine Collard di Santi große Aufmerksamkeit zuteil. Sämtliche Charaktere sind wundervoll ausgearbeitet, sie wirken lebendig und sehr überzeugend. Zu meiner großen Freude traf ich auf viele bekannte Figuren aus dem Vorgängerband „Sehnsucht nach Mill River“. Es war schön, dass der betagte Priester Father Michael O’Brien, die etwas einfältige, aber äußerst liebenswürdige Daisy Delaine und das Ehepaar Fitzgerald ebenfalls zur Handlung beitrugen. Dem örtlichen Polizeibeamten Kyle Hansen und seiner Beziehung zu Claudia Simon wurde sogar eine etwas größere Rolle zuteil.

„Sommer der Versöhnung“ sorgte mit dem gewichtigen Thema der Vergebung und durch emotionsgeladene Szenen für ausgezeichnete Unterhaltung. Ich bedauerte es, mich nach der letzten Seite von den liebenswürdigen Einwohnern dieser netten kleinen Stadt in Vermont verabschieden zu müssen und würde mich über eine Fortsetzung dieser Reihe sehr freuen.

Ein wunderschönes Leseerlebnis, welches ich ebenso wie den Vorgänger „Sehnsucht nach Mill River“ nur allzu gerne weiterempfehle.


Veröffentlicht am 29.03.2019

Pass auf, dass du deine Seele nicht verlierst!

Das Elixier der teuflischen Wünsche
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Pass auf, dass du deine Seele nicht verlierst!

"Ich gebe dir einen guten Rat: Warte nicht zu lange damit, die Flasche zu verkaufen. Riskier nicht zu sterben, solange sie in deinem Besitz ist. Sonst nimmt ...

Pass auf, dass du deine Seele nicht verlierst!

"Ich gebe dir einen guten Rat: Warte nicht zu lange damit, die Flasche zu verkaufen. Riskier nicht zu sterben, solange sie in deinem Besitz ist. Sonst nimmt dich der Teufel mit."

Johann und Kathleen Silver müssen sich aufgrund ihrer prekären finanziellen Situation einschränken und ziehen mit ihren Kindern Gabriel, Meg und Georgina in eine preisgünstige Wohnung der „Bright House Apartments“, die sich als regelrechte Bruchbude herausstellt. Als der dreizehnjährige Gabriel in einem Käseladen einem alten Mann begegnet, verrät ihm dieser ein unglaubliches Geheimnis. Die beiden schließen einen Handel ab, und Gabriel ist daraufhin stolzer Besitzer eines „Flaschengeistes“, der ihm jeden geäußerten Wunsch erfüllt. Doch der Besitz der Flasche lastet schwer auf der Seele seiner jeweiligen Eigentümer, denn das Ganze hat einen Haken: Wünsche werden nicht umsonst erfüllt. Für jeden Vorteil, den jemand lukriert, wird einem anderen Menschen Schaden zugefügt. Und schon bald hegt jeder Besitzer nur noch einen einzigen Wunsch: diese teuflische Flasche möglichst rasch wieder loszuwerden. Doch das ist gar nicht so einfach.

Tom Llewellyn erzählt eine moderne Version der allseits bekannten und fantastischen Geschichte aus Tausendundeiner Nacht, in der ein Flaschengeist seinem Besitzer zum Dienst verpflichtet ist. An der Seite des jugendlichen Protagonisten Gabriel taucht man in dieses Abenteuer ein, erlebt die Sehnsucht nach scheinbar unerreichbaren Dingen und die plötzliche Realisierung sämtlicher Wünsche. Der Autor verstand es geschickt, die Träume und Wünsche eines Jungen im Teenageralter darzustellen, und durch Dialoge auch jene der erwachsenen Vorbesitzer dieser magischen Flasche. In sehr einnehmendem und locker-leichtem Schreibstil beschreibt Tom Llewellyn den Weg der Flasche und deren Auswirkungen auf die Menschen, die damit in Kontakt kamen. Im Verlauf der Handlung wird klar, dass die Erfüllung materieller Wünsche nicht glücklich macht, sondern im Gegenteil sogar eine große Belastung darstellen kann. Gewissenskonflikte wurden hervorragend ausgearbeitet, die Charakterzeichnung der handelnden Figuren ist trefflich gelungen. Allen Bewohnern der Anlage „Bright House Apartments“ wurde in gleichem Maße Aufmerksamkeit zuteil. Gabriel stellt dem Leser sämtliche für die Handlung relevanten Personen bereits zu Beginn vor, man lernt sie und ihre Geheimnisse im Verlauf der Seiten schließlich immer besser kennen. Als böse Antagonistin in diesem Buch fungiert die hinterhältige und geizige Besitzerin der Wohnanlage namens Mrs. Appleyard, die ihre Mieter betrügt und abzockt. Einen besonderen Stellenwert nimmt Gabriels bester Freund Henry ein, und auch dem mürrischen Gothic-Girl Joanne Sedley wird eine tragende Rolle in diesem Roman zuteil.

Durch die zerstörerische Macht der Flasche wird ein gewisser Spannungsbogen ins Buch gebracht, der am Ende der Geschichte in einem aufregenden Finale seinen Höhepunkt findet. Gabriel Silver darf Abenteuer erleben, er erkennt, wie nahe Aufstieg und Fall beieinanderliegen, und was letztendlich im Leben wirklich wichtig ist.

Fazit: „Das Elixier der teuflischen Wünsche“ ist eine märchenhafte, jedoch auch sehr lehrreiche Geschichte, ein Garant für ausgezeichnete Unterhaltung mit originellen handelnden Figuren und einer wirklich gelungenen optischen Aufmachung.

Veröffentlicht am 23.03.2019

Du bist aus dem richtigen Holz geschnitzt, aus Heldenholz!

Emilia und der Junge aus dem Meer
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Du bist aus dem richtigen Holz geschnitzt, aus Heldenholz!

Emilia ist das einzige Kind des Leuchtturmwärters Augustus Wassermann, auf ihren zarten Schultern lastet große Verantwortung. Seit dem Tod ihrer ...

Du bist aus dem richtigen Holz geschnitzt, aus Heldenholz!

Emilia ist das einzige Kind des Leuchtturmwärters Augustus Wassermann, auf ihren zarten Schultern lastet große Verantwortung. Seit dem Tod ihrer Mutter ist sie die einzige Person an der Seite des Vaters, der durch sein amputiertes Bein und seinem übergroßen Verlangen nach Alkohol immer mehr der Unterstützung seiner Tochter bedarf. Emilia obliegt es unter anderem, täglich bei Anbruch der Dämmerung das Leuchtturmfeuer zu entzünden. Doch eines Tages vergisst das kleine Mädchen, das sich am liebsten im Freien aufhält und am Strand nach Muscheln sucht, Zündhölzer zu besorgen. In der darauffolgenden Nacht zerschellt ein Schiff an den Felsen. Um den finanziellen Schaden wiedergutzumachen, wird Emilia zum Schwarzen Haus gebracht, wo sie im Haushalt eines sehr angesehenen Admirals arbeiten soll. Augustus muss zukünftig alleine zurechtkommen und auf den Leuchtturm aufpassen.

Emilias Angst vor dem düsteren Anwesen ihres zukünftigen Arbeitgebers scheint berechtigt. Im Dorf munkelt man von einem Monster, das dort sein Unwesen treiben soll. Furchterregende Geräusche und ein geheimnisvolles Turmzimmer, das zu Betreten Emilia strikt verboten ist, scheinen diese Gerüchte zu bestätigen. Doch Emilia möchte herausfinden, was es mit dem Turm auf sich hat und steht bald darauf tatsächlich einem unheimlichen Wesen gegenüber: einem Jungen namens Edward, der in besagtem Turmzimmer versteckt wird und nicht laufen kann. Sein wirres grünes Haar, die tiefschwarzen Augen und die spitzen Zähne sowie seine zu einem Fischschwanz verwachsenen Beine wirken fremdartig und erschreckend. Doch Emilia hat noch niemals aufgegeben und stellt sich dem aggressiven und fremdartigen Wesen. Es folgt eine vorsichtige Annäherung, die sich letztendlich für beide als Bereicherung entpuppt.

Annet Schaap hat mit dieser Geschichte einen zauberhaften Roman um jene Mischwesen aus Menschen- und Fischkörper ersonnen, von denen in den Fabeln die Rede ist. Im vorliegenden Buch erzählt sie von einem Kind aus der Beziehung zwischen einem Menschen und einer Meerjungfrau, das zwischen zwei Welten gefangen ist, und zu keiner davon wirklich gehört. Der kleine Edward sehnt sich nach der Liebe und Anerkennung seines Vaters, er bemüht sich verzweifelt, seinen Wünschen zu entsprechen. Doch sein ungewöhnliches Aussehen verurteilt ihn zu einem Leben als Außenseiter, er wird als Scheusal und Monster bezeichnet und gemieden. Bis eines Tages die kleine Tochter des Leuchtturmwächters, die liebevoll „Lämpchen“ genannt wird, auftaucht. Sie erhellt mit ihrem freundlichen Wesen und der resoluten und offenen Art nicht nur das düstere Turmzimmer, sondern auch Edwards Herz. Die Autorin gewährt dem Leser durch ihre kleine Protagonistin Einblicke in die Welt eines Kindes, das sehr früh erwachsen werden und viel zu große Verantwortung übernehmen musste. Die kursiv gedruckten gedanklichen Dialoge mit ihrer verstorbenen Mutter erlauben einen tieferen Einblick in Emilias Gefühls- und Gedankenwelt. Durch den kleinen Fischjungen Edward kann man in die Rolle eines von seinen Mitmenschen gemiedenen Außenseiters schlüpfen und dessen Emotionen und Probleme hautnah miterleben.

Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen, sie berichtet in eindrucksvollen Worten von den schwierigen Umständen, unter denen ihre kleinen Protagonisten aufwachsen mussten. Auf eine ausführliche und authentische Charakterzeichnung der handelnden Personen wurde in diesem Jugendbuch großer Wert gelegt. Sowohl die Haupt-, als auch die Nebenfiguren wirken überzeugend und haben mich unverzüglich für sich eingenommen. Zwar liegt der Fokus auf Emilia und Edward, doch auch der zurückgebliebene Sohn der Haushälterin Martha mit seinem liebenswürdigen Wesen, als auch der fürsorgliche alte Mann namens Josef, der leider nur einen kurzen Gastauftritt hatte, sind mir ans Herz gewachsen.

Die Botschaften dieses Buches wurden in kindgerechter Art und Weise vermittelt, wobei für jedes Problem letztendlich auch eine Lösung gefunden wurde. „Emilia und der Junge aus dem Meer“ sorgt für abenteuerliche und spannende Unterhaltung, vermittelt Werte und vor allen Dingen Verständnis für Menschen aus schwierigen Verhältnissen sowie jenen, die auch äußerlich von den herkömmlichen Normen abweichen. Zu guter Letzt sorgt die Geschichte der verliebten Meerjungfrauen, die sich zwischen einem Leben im Wasser, oder aber einem Leben auf der Seite eines geliebten Menschen an Land entscheiden können, für eine märchenhafte und etwas melancholisch wirkende Stimmung.

Dieses Jugendbuch hat auch mir als Erwachsene ausgezeichnet gefallen und ich kann es jedem ans Herz legen, der noch einmal in die Fabelwelt der Kindheit eintauchen, Abenteuer erleben und von geheimnisvollen und betörend schönen Meerjungfrauen träumen möchte.

Veröffentlicht am 17.03.2019

Mir bedeuten Menschen etwas, nicht Dinge.

Die unnahbare Miss Ellison
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Mir bedeuten Menschen etwas, nicht Dinge.

"Ich wünschte, die Leute dächten nicht, nur weil jemand arm ist, verdient er unseren Respekt nicht. Es sind Menschen, mit den gleichen Gefühlen und Träumen wie ...

Mir bedeuten Menschen etwas, nicht Dinge.

"Ich wünschte, die Leute dächten nicht, nur weil jemand arm ist, verdient er unseren Respekt nicht. Es sind Menschen, mit den gleichen Gefühlen und Träumen wie all die anderen, die zufällig in privilegiertere Umstände hineingeboren sind.“

Lavinia Ellison wuchs in einem liebevollen und gemütlichen Zuhause in St. Hampton Heath, Cloucestershire, auf. Das Verhältnis zu ihrem Vater David ist innig und von großer Herzlichkeit erfüllt. Die Predigten des sanften und gutmütigen Landpfarrers handeln häufig von Liebe und Vergebung. Lavinias Tante Patience spielt ebenfalls eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Die unabhängige und gebildete Frau unterrichtet in der Sonntagsschule, um die Kinder des Dorfes im Lesen und Schreiben zu unterweisen und ihnen den Glauben nahezubringen. Patience besitzt eine äußerst selbstbewusste und unverblümte Art, dem Adel steht sie misstrauisch und ablehnend gegenüber. Lavinia ist ebenso unkonventionell und unabhängig wie ihre Tante, besitzt einen wachen Verstand, ist bescheiden und unkompliziert. Sie kümmert sich mit großer Hingabe um die Armen und Kranken im Dorf. Als Nicholas Stamford, der neue Graf von Hawkesbury, Lavinia zum ersten Mal begegnet, ist er von ihrer ruhigen und gelassenen Selbstsicherheit irritiert. Die Tatsache, dass er die Tochter eines einfachen Geistlichen weder mit seinem Titel, noch mit seinem attraktiven Äußeren oder seinem überheblichen Gebaren beeindrucken kann, verunsichert ihn. Eine Liebe zwischen diesen beiden jungen Menschen scheint vollkommen ausgeschlossen, jenseits des Möglichen. Und dennoch besteht eine gewisse Anziehungskraft zwischen ihnen, die weder der distanzierte Nicholas, noch die unnahbare Miss Ellison leugnen können…

Bereits auf den ersten Seiten dieses Romans, der in der Zeit des Regency angesiedelt ist, war ich vom wunderschönen Schreibstil und der gewählten Ausdrucksweise der Autorin fasziniert. Man spürt den Einfluss von Carolyn Millers Lieblingsschriftstellerinnen Jane Austen und Georgette Heyer, die beide das frühe 19. Jahrhundert in England als Schauplatz für ihre Romane wählten. Das gesellschaftliche Leben des niederen und hohen Adels, Konventionen und Standesdünkel werden dem Leser vor Augen geführt. Durch Lavinia Ellisons Einsatz für die Armen und Kranken in ihrem Umfeld wird darüber hinaus auch ein Bild der Lebensumstände der mittellosen ländlichen Bevölkerung gezeichnet. Die handelnden Personen wurden liebevoll charakterisiert, sie wirken ebenso überzeugend wie die Darstellung ihrer inneren Glaubenskämpfe und ihrer persönlichen Entwicklung. Dem Glauben wird in diesem Buch große Aufmerksamkeit zuteil, Gebete und Bibelzitate sind in kursiver Schrift dargestellt. Das zentrale Thema „Vergebung“ wurde gemeinsam mit einer zarten Liebesgeschichte zu einem eindrucksvollen Roman verwoben, wobei die Autorin mich mit einer völlig unerwarteten Wendung überraschte.

FAZIT: „Die unnahbare Miss Ellison“ stellt für mich ein herausragendes Highlight dar, das meinem Lesegeschmack voll und ganz entsprochen hat. Ich fühlte mich ausgezeichnet unterhalten und genoss die stimmungsvolle Atmosphäre, die wunderschöne Sprache und die Überzeugungskraft der handelnden Figuren in vollen Zügen. Liebhaber dieses Genres werden sich nur allzu gerne in diesem Buch verlieren und tief in die Ereignisse im Jahre 1813 in der ländlichen Idylle des englischen Cloucestershire eintauchen.

Veröffentlicht am 17.03.2019

Das Grauen kommt zurück nach Martinsfehn.

Nur wer die Hölle kennt
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Das Grauen kommt zurück nach Martinsfehn.

Mit der geschiedenen alleinerziehenden Melody Bella Labohm kehrt auch das Grauen in das beschauliche Martinsfehn zurück. Als vor zwanzig Jahren Melodys Mutter ...

Das Grauen kommt zurück nach Martinsfehn.

Mit der geschiedenen alleinerziehenden Melody Bella Labohm kehrt auch das Grauen in das beschauliche Martinsfehn zurück. Als vor zwanzig Jahren Melodys Mutter Verena Matzke, ihr kleiner Halbbruder Michel Matzke sowie die junge Auszubildende Daniela Finke bei einem schrecklichen Brand ums Leben kamen, wurde die fünfzehnjährige Melody trotz fehlender Beweise von der Dorfgemeinschaft als Brandstifterin verurteilt. Melodys Stiefvater Wulf Leutnant war am Boden zerstört, angesichts des Todes seiner Lebensgefährtin und des gemeinsamen dreijährigen Sohnes Michel richtete sich sein ganzer Hass gegen die unliebsame Stieftochter. Melody wird in eine Wohngruppe nach Lübeck gebracht, es blieben nicht nur äußerliche, sondern auch innerliche Narben zurück. Ihr weiteres Leben gerät immer mehr außer Kontrolle, bis sie endlich beschließt, sich von ihrem gewalttätigen Lebensgefährten zu trennen. Sie kehrt mit ihrem kleinen Sohn Linus zurück in ihr Heimatdorf. Ihr Auftauchen verursacht einen kleinen Aufruhr im Ort, einige Menschen reagieren besonders heftig auf ihre Rückkehr. Melodys ehemalige Freundin Simone Jakobi kündigt an, relevante Informationen zu den damaligen Ereignissen und zur Identität des wahren Täters in Form eines Buches zu veröffentlichen. Kurz darauf wird sie tot aufgefunden. Die Kommissare des Polizeireviers in Martinsfehn sind gefordert, und es scheint unumgänglich, neben den aktuellen Ermittlungen auch den alten Fall neu aufzurollen. Nola van Heerden und Renke Nordmann befassen sich mit den Fakten, führen Zeugenbefragungen durch und hoffen, dabei auf den Täter zu stoßen, der mit großer Brutalität und Skrupellosigkeit vorgeht, um nicht entlarvt zu werden.

Barbara Wendelken hat mit dem vorliegenden Roman einen hoch interessanten Kriminalfall ersonnen, der sich als komplexer erweist, als es zunächst den Anschein hat. Die Handlung wird in zwei Zeitebenen erzählt. Während Nola und Renke in der Gegenwart ermitteln, rollt die Autorin in einem zweiten Handlungsstrang die Ereignisse im Jahre 1997 um den schrecklichen Brand auf Verena Matzkes Hof auf. Das verheerende Feuer vor zwanzig Jahren steht im Zentrum dieses Kriminalromans. Der Autorin ist es gelungen, mich mehrfach durch falsche Fährten und unerwartete Wendungen aufs Glatteis zu führen. Kaum war ich davon überzeugt, die Identität des Täters herausgefunden zu haben, wurde ich durch aktuellere Erkenntnisse erneut verunsichert. Auf diese Weise wurde der Spannungsfaktor bis zu den letzten Seiten des Buches konstant hochgehalten.

Die handelnden Personen sind sorgfältig ausgearbeitet und punkten durch Authentizität. Das größte Augenmerk wurde auf die Protagonisten Melody Labohm, Thore Bremer, Nola van Heerden und Renke Nordmann gelegt. Einige Anmerkungen im Buch weisen darauf hin, dass Nola und Renke bereits eine gemeinsame Geschichte in einem der Vorgängerbücher haben. Dennoch fand ich mich auch ohne Vorkenntnisse dieser Bände sehr gut in der Handlung zurecht. Barbara Wendelken besitzt einen flüssigen und einnehmenden Schreibstil und brachte darüber hinaus ein paar starke Nebenfiguren in die Handlung ein. Der winzige Cliffhanger am Ende des Buches erweckte in mir die Vorfreude auf den nächsten Band um das Ermittlerduo Nola und Renke.

„Nur wer die Hölle kennt“ war mein erstes Buch von Barbara Wendelken, und ich werde mir vermutlich nicht nur ihre zukünftigen Neuerscheinungen zum Gemüte führen, sondern auch sämtliche bisherigen Werke. Dieser Kriminalroman bescherte mir ein spannendes Leseerlebnis und hat mir ausgezeichnet gefallen!