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Veröffentlicht am 15.09.2016

Lebwohl Harry Hole?!

Koma
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„Die letzten drei Kugeln waren erst vor kurzem abgefeuert worden, die Pistole roch noch immer danach. Sie hatten den früheren Polizisten Harry Hole, in Brust und Kopf getroffen.“
Tja, was ist denn nun ...

„Die letzten drei Kugeln waren erst vor kurzem abgefeuert worden, die Pistole roch noch immer danach. Sie hatten den früheren Polizisten Harry Hole, in Brust und Kopf getroffen.“
Tja, was ist denn nun mit Harry? Ist er tot? Oder liegt er schwer verletzt im Krankenhaus? Oder, oder, oder? Ich werde mich hüten hier irgendwas zu verraten, nur so viel: Nesbo versteht es den Leser auf die Folter zu spannen. Konnte man die bisherigen Bände gut ohne Vorwissen lesen, sollte man vor Koma zumindest Die Larve gelesen haben, denn die Geschichte knüpft mehr oder weniger nahtlos an. Nesbo bemüht sich zwar um eine kurze Einleitung um alle auf den Stand des Geschehens zu bringen, aber das reicht meiner Meinung nach nicht aus um alle Hintergründe zu durchblicken.
Gewohnt spannend geht es zu, auch nach den dramatischen Ereignissen aus „Die Larve“ werden in Oslo weiterhin Verbrechen begangen und Fälle gelöst. Am Schauplatz eines Mordes wird lange Zeit später ein neuer begangen. Prekäre Situation, denn das Mordopfer ist ausgerechnet einer der alten Ermittler. Gewohnt flüssig schreibt der Herr Autor, gewohnt schnell liest man sich durch die Seiten. Ich betone das „gewohnt“, weil mir an diesem Band einfach der letzte Schliff fehlte, wobei ich noch nicht mal genau sagen kann, woran genau das liegt. „Koma“ ist spannende und starke Unterhaltung, aber Nesbo kann es – meiner Meinung nach - noch einen Hauch besser.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Fenella, Anthony und Sylvester

Kinder des Meeres
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Fenella, Anthony und Sylvester. Dieses Dreiergestirn ist seit Kindertagen sehr eng miteinander befreundet, gemeinsam gehen sie durch dick und dünn. Anthony ist ein sehr verschlossener Junge, seit dem Tag ...

Fenella, Anthony und Sylvester. Dieses Dreiergestirn ist seit Kindertagen sehr eng miteinander befreundet, gemeinsam gehen sie durch dick und dünn. Anthony ist ein sehr verschlossener Junge, seit dem Tag an dem er an dem Tod seines Bruders beteiligt war, wird er zudem von der Bevölkerung in Portsmouth gemieden und als herzloser Teufel verschrien. Doch die beiden anderen bilden seine Familie, stehen ihm zur Seite und schaffen es manchmal ihn aus seinem Schneckenhaus zu locken. Die drei verbindet zudem die Nähe zum Meer, sie sind quasi auf einer Werft aufgewachsen und besonders Anthony hat sich dem Schiffsbau geradezu verschrieben. Besonders das große Kriegsschiff Mary Rose hat es ihm angetan.

Das hier war mein erstes Buch von der Autorin und vielleicht lag es daran, dass ich mich doch erst in ihre Art zu erzählen einfinden musste. Dann jedoch hat mir der Schreibstil sehr gut gefallen, sehr bildhaft und detailliert wurde ich schnell in die Zeit von Heinrich VIII. transportiert und bin mit den drei Hauptfiguren in der würzigen Seeluft von Portsmouth unterwegs gewesen. Die Handlung erstreckt sich über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren, da jedoch zu Kapitelbeginn immer Ort und Jahreszahl angegeben sind, kommt es zu keinen Verwirrungen. Die Erzählperspektive wechselt zwischen verschiedenen Personen, sodass unterschiedliche Seiten des Geschehens im Fokus stehen; trotzdem geriet der Erzählfluss nie ins Stocken. Vielleicht blieb mir Anthony auch deswegen ein Rätsel, weil nie aus seiner Perspektive erzählt wird. Bis zuletzt konnte ich mich nicht so recht mit ihm anfreunden geschweige denn ihn verstehen. Auch die anderen beiden blieben mir etwas fremd, sowohl bei Fenella auch als bei Sylvester konnte ich die tiefe Liebe und Freundschaft zueinander und zu Anthony nicht immer nachvollziehen, manchmal waren mir die beiden einfach zu nachsichtig mit ihm. Sehr gut gefallen hat mir wie die Autorin Anne Boleyn dargestellt hat und auch die gelegentlichen Gastspiele von Heinrich VIII. sind sehr gut gelungen. Der Schiffsbau und insbesondere die Geschichte der Mary Rose ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch, nicht zuletzt weil Anthony eine starke Bindung dazu hat, ja geradezu besessen von dem Schiff ist. Man merkt, dass hier ausgiebig recherchiert wurde und gerade deshalb finde ich es schade, dass man als Leser nicht noch etwas mehr zum Thema erfährt. Vielleicht bin ich mit falschen Erwartungen ans Buch herangegangen, mir wäre mehr Schiffsbau und weniger Freundschaftsliebesdrama lieber gewesen. Gerade gegen Ende wurde mir die Handlung dann doch einfach zu kitschig und ich mochte dem Geschehen nicht mehr so gerne folgen, weil der historische Input viel zu kurz kam.

Fazit: ein guter historischer Roman, der mir aber insgesamt doch zu sehr den Fokus auf das Freundschaftsliebesdrama legt, wodurch der historische Kontext und die Erklärungen zum Schiffsbau zu kurz kommen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein Ring und eine turbulente Reise

Die Burg der Könige
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1524, Pfalz: Die Vogtstochter Agnes wächst behütet auf der Burg Trifels auf und hat in Mathis, dem Sohn des Burgschmieds einen treuen Freund. Eines Tages erhält sie auf ungewöhnliche Weise einen alten, ...

1524, Pfalz: Die Vogtstochter Agnes wächst behütet auf der Burg Trifels auf und hat in Mathis, dem Sohn des Burgschmieds einen treuen Freund. Eines Tages erhält sie auf ungewöhnliche Weise einen alten, goldenen Siegelring mit dem Antlitz von Barbarossa. Dem großen Herrscher, der der Legende nach schon jahrhundertelang unter dem Trifels schläft und dessen Nachfolger den großen Normannenschatz hierherbrachte. Agnes wird von erschreckend realen Alpträumen heimgesucht, doch bald darauf wird auch ihr Leben zu einem Alptraum. Denn im Land brodelt es: die Bauern erheben sich und wollen den verhassten Adel und die Kirche stürzen. Und Mathis? Der kann Agnes nicht mehr beistehen, denn er steckt mittendrin im Aufruhr…

Das war mein erstes Buch von Oliver Pötzsch und es wird definitiv nicht das Letzte gewesen sein. Mir hat der Stil sehr gut gefallen und ich habe das Buch trotz der knapp 1000 Seiten innerhalb weniger Tage verschlungen, weil ich es kaum aus der Hand legen konnte. Es ist spannend geschrieben und scheinbar mühelos sind hier historische Fakten über den deutschen Bauernkrieg und Fiktion zu einem großen Ganzen verwoben.

An wenigen Stellen haben sich ein paar Längen ergeben und einige Wendungen waren mir zu konstruiert oder vorhersagbar. Auch der übersinnliche Teil war nicht so ganz mein Fall, aber insgesamt hat mir Die Burg der Könige wirklich gut gefallen und ich würde sie definitiv weiterempfehlen. Ein Nachwort der besonderen Art gibt der Autor dem Leser mit: einen kleinen Reiseführer, sodass man auf den Spuren von Agnes und Mathis wandeln kann und die Geschichte auf ganz besonders intensive Weise erleben kann.

Veröffentlicht am 25.04.2026

Marsi

Home Before Dark
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Vor zehn Jahren ist Marsibils Schwester Stina auf dem Weg nach Hause verschwunden, nur ihre blutverschmierte Jacke wurde gefunden. Zum Jahrestag des Verschwindens verschlägt es Marsi aus der Hauptstadt ...

Vor zehn Jahren ist Marsibils Schwester Stina auf dem Weg nach Hause verschwunden, nur ihre blutverschmierte Jacke wurde gefunden. Zum Jahrestag des Verschwindens verschlägt es Marsi aus der Hauptstadt zurück in ihre dörfliche Heimat; dort werden nicht nur alte Wunden wieder aufgerissen, sondern auch verschollene Träume und Erinnerungen. Oder sind es gar keine?

Meine Erwartungen an den Thriller waren dank der Reihe „Mörderisches Island“ relativ hoch gesteckt, voll erfüllt wurden sie dann aber leider doch nicht. Am Stil lag es nicht, die Autorin schreibt sehr gefällig, versteht es Atmosphäre aufzubauen und kann die feinen zwischenmenschlichen Töne zwischen den Figuren hervorragend herausarbeiten. Marsis Verhältnis zu ihren Eltern ist kompliziert, geprägt vom gemeinsamen Verlust, doch immer mehr erkennt man auch, dass hier keiner mit offenen Karten spielt und es viel Ungesagtes gibt. Auch ihre ehemaligen Freunde und Klassenkameraden biegen sich die Tatsachen schon mal zurecht, sodass man als Leser schon mal länger grübeln kann was denn nun stimmt. Marsi ist eine Person mit Schwächen, sie ist durch das Verschwinden ihrer Schwester traumatisiert, und kämpft mit ihren eigenen Dämonen. Trotzdem bleibt sie am Ball und versucht die Geschehnisse endlich aufzuklären. Ich fand die Grundidee wirklich spannend, aber es hat mich einfach nicht komplett packen wollen. Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen, 1966 und 1977; für mich hat die Geschichte aber eher in einem zeitlosen Setting gespielt. Es herrscht eine gewisse Grundspannung, aber von atemberaubend würde ich nicht sprechen. Der Psychothriller hat seine Momente, aber insgesamt bleibt mir doch zu viel Potential liegen.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Nicolaus und sein Schrein

Der Schrein der Könige
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Goldschmied Nicolaus vergeht nach dem Tod seiner Frau und eines seiner Kinder fast vor Kummer. Weit über Verduns Grenzen hinaus hat er sich mit seinen Fertigkeiten einen Namen gemacht, doch jetzt lässt ...

Goldschmied Nicolaus vergeht nach dem Tod seiner Frau und eines seiner Kinder fast vor Kummer. Weit über Verduns Grenzen hinaus hat er sich mit seinen Fertigkeiten einen Namen gemacht, doch jetzt lässt er alle Zügel schleifen. Bis sein Bruder ihm von einem Schrein erzählt, der in Köln entstehen soll. Ein Schrein für nicht nur einen Heiligen, sondern gleich dreien davon: den Heiligen Drei Königen.

Sabine Weiß widmet der Entstehungsgeschichte eines der wohl bekanntesten Reliquiare Deutschlands ihren neuesten historischen Roman. Ich habe ihn ganz gerne gelesen, denn die Autorin schafft sehr farbenfrohe Bilder, lebendige Figuren und entführt den Leser so spielend ins mittelalterliche Köln.
Die Beschreibung der Goldschmiedearbeit fand ich sehr interessant. Die Techniken werden verständlich erklärt, und man kann sich ein gutes Bild von der Arbeit am Schrein machen. Ein hohes Maß an Können, Genauigkeit und Hingabe zur Perfektion waren nötig, um auch noch die kleinsten Details am Schrein möglichst prächtig zu gestalten. Tatsächlich hätte ich gerne noch mehr über die Arbeit daran gelesen, gerade am Schluss geht der Schrein trotz seiner Größe etwas unter. Der historische Kontext der Geschichte kam für meinen Geschmack zu kurz. Warum das so ist, lässt die Autorin im Nachwort anklingen, trotzdem war mir die Mischung aus Fakt und Fiktion dann doch etwas unausgewogen vorgekommen. Die Geschichte um Nicolaus‘ Familie ist nämlich gänzlich fiktiv, nur wenige Quellen geben über ihn und sein Schaffen Aufschluss. Ich fand die ihm angedichtete Familie durchaus glaubhaft dargestellt, auch wenn das ein oder andere Familienmitglied einen zur sprichwörtlichen Weißglut bringen kann. Manchmal war mir die Entwicklung des Familienlebens dann doch eine Spur zu dramatisch, doch das ist sicherlich Geschmackssache. Zum Ende hin waren mir die Geschehnisse zu schnell abgearbeitet, auch die Zeitsprünge zu lang, sodass ich in den ersten zwei Dritteln der Handlung doch deutlich glücklicher mit der Lektüre war als zum Schluss.
Der Schrein der Könige ist ein lebendig erzählter, farbenfroher Roman, der mich gut unterhalten hat, auch wenn mein historisches Beuteschema nicht gänzlich getroffen wurde. Die nächste Reise nach Köln kommt bestimmt, und dann werde ich Nicolaus‘ Schrein mit ganz neuem Blick besuchen können. (3,5 Sterne)

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