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Veröffentlicht am 17.08.2019

Spannende Ermittlungen auch im 4. Fall

Inspektor Takeda und das doppelte Spiel
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Ich bin ein begeisterter Anhänger dieser Reihe, deshalb wollte ich auch den 4. Band sofort lesen. Inspektor Kenjiro Takeda ist immer noch zum Austausch in Hamburg und seine Zusammenarbeit mit Kriminalhauptkommissarin ...

Ich bin ein begeisterter Anhänger dieser Reihe, deshalb wollte ich auch den 4. Band sofort lesen. Inspektor Kenjiro Takeda ist immer noch zum Austausch in Hamburg und seine Zusammenarbeit mit Kriminalhauptkommissarin Claudia Harms wird immer besser. Sie kennen sich und ihre Eigenheiten mittlerweile gut und stellen sich auf den anderen ein.

In Hamburg wird der japanische Fußballer des HSV Ryutaro Matsumoto (Matsu) erschossen in einem Hinterhof aufgefunden. Ferner hat er eine Einstichstelle unterhalb des Nabels und es sieht direkt nach einer Hinrichtung aus. Er war Publikumsliebling, Werbeikone, Frauenschwarm, aber trotzdem bescheiden und seit der Winterpause in einem Formtief. Es ist davon auszugehen, daß die Nachricht in Japan wie eine Bombe einschlagen wird. So geschieht es auch, denn Ken erhält einen Anruf vom stellvertretenden japanischen Innenminister, der eine schnelle Aufklärung des Falles erwartet. Bei ihren Nachforschungen in Hamburg begegnen sie dem Hamburger Geschäftsmann Henningsen, der ein Faible für japanische Fußballer hat und als Schiffsausrüster schon viele Jahre mit Japan zusammenarbeitet. Daher hat er in Hamburg einen japanischen Freundeskreis aufgebaut und ist Sponsor einer Glaubensgemeinschaft. Als dann aus Japan ein arroganter Regierungsrat anreist, wird es Ken und Claudia zuviel, denn so simpel sehen sie die Sache nicht. Offiziell nehmen sie Urlaub, tatsächlich reisen sie nach Tokio, um dort weiter zu ermitteln und kommen sogar in Kontakt mit den Yakuza. Nach ihrer Rückkehr kommt es zu einem großen Showdown und der Lösung des Falles.


Auch bei diesem Band spürte man die Liebe des Autors zu Japan und seine fundierten Kenntnisse der Menschen und der Lebensweise. Das macht für mich diese Krimis zu etwas Besonderem. Vor allem bei jedem Band hat er einen neuen Einfall, damit etwas Abwechslung in die Ermittlungen kommt und es kein 08/15-Krimi wird. Mittlerweise kennt man Ken und seine Marotten bezüglich Zigaretten, Alkohol und Musik, da gab es keine großen Neuigkeiten zu berichten. Gut gefallen mir auch die immer wieder eingestreuten Schmunzelpassagen. So z.B., daß Ken sich vornimmt, künftig Mettbrötchen mit Zwiebeln zu essen, um lästige Damen abzuwimmeln oder auch die Szene wie Claudia die Sitzung verlässt – ganz großes Kino. Sehr gut fand ich, daß ein Teil des Buches in Japan spielt und der Autor – ohne oberlehrerhaft zu sein - den Leser mit der Deutschen Claudia mitgenommen hat, um Japan - seine Menschen, die Kultur und das Leben - kennen zu lernen. Ken und Claudia akzeptieren die Mentalität des anderen und aus der Sympathie scheint jetzt mehr zu werden. Der Fall selbst wurde spannend beschrieben, nach einigen Wendungen und Überraschungen wurde er zufriedenstellend gelöst.



Ich fühlte mich wieder sehr gut unterhalten und bleibe den beiden Ermittlern weiterhin treu. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 27.07.2019

Eine spannende Jagd nach dem Wolf

Im Wald der Wölfe (Jan-Römer-Krimi 4)
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Der vierte Band mit dem Journalisten Jan Römer, seiner Kollegin Stefanie Schneider, genannt Mütze und ihrem türkischen Freund Arslan.

Jan macht derzeit in einer Blockhütte im Thüringer Wald Urlaub als ...

Der vierte Band mit dem Journalisten Jan Römer, seiner Kollegin Stefanie Schneider, genannt Mütze und ihrem türkischen Freund Arslan.

Jan macht derzeit in einer Blockhütte im Thüringer Wald Urlaub als bei ihm abends eine blutüberströmte Frau klopft und um Hilfe bittet. Hannah Wozniak, Kinderpsychologin erzählt Jan von ungeklärten Mordfällen noch zu Zeiten der DDR im nahe gelegenen Wald der Wölfe. Eines hatten die Toten gemeinsam – ihnen wurde ein Wolfsmal in die Stirn gebrannt. Der letzte Tote war der Unternehmer Werner Lehmann, 62 Jahre, Rassist, unsympathisch und er wurde erschossen. Ein anderer Todesfall war Martina Thalbach, sie wurde 1984 getötet und für sie wurde ein Holzkreuz an ihrem Fundort aufgestellt mit ihren Daten und dem Spruch „Der Mensch ist des Menschen Wolf“. Hannah gibt Jan noch den Hinweis auf den Journalistenkollegen Peter Drechsler, der ihm mehr erzählen kann. Und hier beginnt die Sache spannend zu werden, denn Mütze und Arslan wollen nicht von Köln aus helfen, sondern reisen mit der neuen Freundin von Arslan, einer Psychologiestudentin, nach Frauenwald. Bei ihrer gemeinsamen Suche entdecken sie ein imposantes Areal mit alten Autos und einem Bunker mit Schießanlage, der vom Schützenclub Tarot frequentiert wird. Aber bei allen ihren Aktivitäten werden sie aus dem Hintergrund beobachtet und der Wolf kommt ihnen ganz gefährlich nahe.

Als weiteren Strang – kursiv gedruckt - kommt der Wolf zu Wort. Der Leser erfährt einiges aus seiner Kindheit und seinem Großvater, dem großen Wolf. Dieser hatte ihn unter seine Fittiche genommen, weil er den Vater für zu weich und unterwürfig hielt. Der große Wolf arbeitete für die Regierung, wurde von allen respektiert und geachtet. Er selbst sah sich als Gott und lernte dem kleinen Wolf schon mit 8 Jahren wie man eine Pistole zerlegt, wie man sich prügelt und den Schmerz besiegt.


Der Autor hat verschiedene Fährten auslegt, wer hinter den Morden stecken könnte. Aber da die ersten Taten schon 60 Jahre zurückliegen, dürften der oder die Mörder selbst schon gestorben sein. Mittlerweile handelt es sich schon um die dritte Generation und die Ausgangslagen unterscheiden sich definitiv, nur das eingebrannte Wolfsmal bleibt. Am Ende gibt es zur schlüssigen Auflösung einen filmreifen Showdown.


Ich kannte alle Vorgängerbände und deshalb habe ich mich auf diesen 4. Band sehr gefreut und das zu Recht. Kurze Kapitel brachten mich dazu, das Buch in einem Rutsch zu lesen. Der Schreibstil war flüssig zu lesen und die Spannung steigerte sich bis zum Ende. Jan und Mütze waren sich in den anderen Bänden schon sympathisch, jetzt hat sich das allerdings gesteigert. Nur sie mussten sich das selbst erst einmal eingestehen, daß aus ihrer Freundschaft Liebe wird. Auch Arslan und seine Handlungen waren wieder authentisch und manchmal konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Seine Freundin Lena fand ich gut beschrieben, sie hat sich gut in das Team eingefügt und wertvolle Tipps gegeben. Linus Geschke hat alle Figuren sehr gut charakterisiert, ich hatte stets Bilder vor Augen und auch die einsame Atmosphäre im Wald sowie die Bedrohung durch den Wolf wurden gut beschrieben. Sehr informativ und interessant fand ich die Erläuterungen des Autors im Anhang.


Alles in allem fühlte ich mich gut unterhalten und empfehle diesen Krimi gerne weiter!

Veröffentlicht am 07.07.2019

Auch der 2. Band erschütternd und bewegend

Zeit aus Glas
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Band 1 endete mit der Progromnacht und in Band 2 beginnt mit der gleich anschließenden Zeit. Das Haus von Familie Meyer wurde verwüstet und sie mussten sich notgedrungen trennen und sind getrennt untergekommen. ...

Band 1 endete mit der Progromnacht und in Band 2 beginnt mit der gleich anschließenden Zeit. Das Haus von Familie Meyer wurde verwüstet und sie mussten sich notgedrungen trennen und sind getrennt untergekommen. Die 17jährige Ruth beweist in der nachfolgenden Zeit wieder ihren Mut und ihre Stärke. Mutter Martha hingegen ist verzweifelt, verbittert, voll mit Hass, Wut, Trauer und bricht schlussendlich zusammen . Es gibt ständig neue Gesetze und Auflagen, die der jüdischen Bevölkerung das Leben noch schwerer machen. In der jüdischen Bevölkerung tragen sich die meisten mit dem Gedanken an Flucht, nur diese ist teuer und die Nazis lassen sich die Ausreise mit viel Geld bezahlen. Das einzig positive ist, daß sie sich auf die Freundschaft der früheren Chauffeursehepaar Aretz und deren Kindern verlassen können. Von Freund Helmuth erhält Ruth einen Tipp, daß Aushilfen in England gesucht werden. Sie glaubt, daß von dort aus die Chancen höher sind, ihre Familie zu retten. Vater Meyer wird verhaftet, verurteilt und muß binnen 24 Stunden eine Besuchserlaubnis vorweisen oder er wird in ein Konzentrationslager verlegt. Und wiederum ist es Ruth, die mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln kämpft.


Im vorliegenden zweiten Band spürt der Leser in jeder Zeile die Tragweite der neuen Gesetze. Durch Ruth Meyers Tagebuch als Basis für diesen Roman, werden die Geschehnisse besonders erschütternd und berührend. Der Leser wird durch diese realistische Beschreibung förmlich mit hineinkatapultiert in die Geschehnisse und umso bewegender und deprimierender ist sie und jedem muß klar sein, daß diese sich wirklich niemals wiederholen dürfen und alles dafür getan werden muß! Die Autorin klärt in ihrem Nachwort über Wahrheit und Fiktion auf. Aufgrund der Thematik ist dies kein Wohlfühlbuch, aber der angenehme und auch durchdringende Schreibstil der Autorin, hat mich das Buch erst nach dem Ende wieder aus der Hand legen lassen. Den Titel des 2. Bandes fand ich sehr gut gewählt und passend.

Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen und jetzt heißt es warten auf den letzten Band der Trilogie. Von mir gibt es für diesen Band auch wieder eine unbedingte Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 26.04.2019

Tolle Fortsetzung der Reihe

Weiße Fracht
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Leander Lost ist als Austauschpolizist an der Algarve. Ihn und seine Kollegen Graciana Rosado und Carlos Esteves kennt der Leser der Serie bereits aus den beiden Vorgängerbänden. Lost, der am Asperger-Syndrom ...

Leander Lost ist als Austauschpolizist an der Algarve. Ihn und seine Kollegen Graciana Rosado und Carlos Esteves kennt der Leser der Serie bereits aus den beiden Vorgängerbänden. Lost, der am Asperger-Syndrom leidet, hat sich mittlerweile gut eingelebt und Graciana und Carlos wissen um seine Stärken, aber auch seine Schwächen. Sie haben sie akzeptiert und berücksichtigen sie bei ihrer Arbeitsweise. Da Lost niemals lügt, müssen sie so manches Detail vor ihm verbergen, um sie alle nicht zu gefährden. Mit Soraia Rosado verbindet Lost etwas mehr als nur Bekanntschaft, aber die Annäherung wird durch seine Eigenheiten etwas erschwert bzw. es kommt zu Mißverständnissen. Im Moment geht es um diverse Morde, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Der eine betrifft einen deutschen Aussteiger, Uwe Ronneberg. Er wurde erschossen und aus seinem Auge ragt eine Feder. Die Falkenfeder war in Wachs getaucht und das gab es bereits schon einmal bei einem anderen Mordfall vor einigen Jahren im benachbarten Spanien. Ronneberg war der Bruder des stellvertretenden Hamburger Polizeipräsidenten. Aus diesem Grunde werden extra zwei frühere Kollegen von Lost aus Hamburg eingeflogen. Manz und Mohrmann sind eine ganz besondere Spezie und dies im negativen Sinne. Lost und die beiden kennen sich aus der Vergangenheit, aber im Gegensatz zu den portugiesischen Kollegen haben sie sich offensichtlich nie mit ihm und seiner Krankheit auseinandergesetzt und beschäftigt. Deshalb sind sie umso erstaunter über die positive Einstellung, die Graciana und Carlos in der Zusammenarbeit mit Lost an den Tag legen. Wie in den Vorgängerbänden spielt auch Losts Schützling Zara eine kleine, aber wichtige Rolle.

In einem anderen Strang erlebt der Leser einen Drogenhändler in einem spanischen Gefängnis bzw. wie er aus diesem entkommt und seine Geschäfte wieder in Freiheit fortführen kann. Und irgendwie führt bei der Klärung doch alles zusammen - die Zusammenarbeit zwischen den portugiesischen und den spanischen Kollegen, denen aus Hamburg und am Ende schweben auch noch die Familie Rosado und ihr engstes Umfeld in größter Gefahr.

Der Autor hat diese Reihe für mich erfolgreich weiter geführt und vor allem die Figur des Leander Lost weiter ausgebaut. Die Dialoge sind teilweise für den Leser unfreiwillig komisch, aber aus Sicht von Lost logisch. Es war eine Freude zu erleben, wie positiv die Kollegen mit ihm umgehen. Sie akzeptieren ihn und möchten ihn deshalb nach dem Austauschjahr nicht mehr hergeben, deshalb kämpfen sie für ihn. Der Autor hat es auch wunderbar verstanden, die hochsommerliche Hitze, die Bewohner und dadurch die Atmosphäre Fusetas für den Leser bildhaft zu beschreiben.. Der vorliegende Band las sich wieder spannend, komplex und ich fühlte mich mitgenommen, war mittendrin im Geschehen.

Ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung und von mir gibt es eine eindeutige Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 09.04.2019

Ein verschlafener Ort und sein Theaterfestival

Das Verschwinden der Stephanie Mailer
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Handlungsort ist vor allem Orphea, ein kleines Städtchen an der Atlantikküste der USA und das dort stattfindende Theaterfestival.

1994 als fast alle Bewohner und Gäste des Festivals zum Aufführungsort ...

Handlungsort ist vor allem Orphea, ein kleines Städtchen an der Atlantikküste der USA und das dort stattfindende Theaterfestival.

1994 als fast alle Bewohner und Gäste des Festivals zum Aufführungsort strömen, erschüttert und lähmt ein Vierfachmord den Ort. Meghan Padalin, die jeden Tag ihre Joggingrunden dreht, wurde vor dem Haus des damaligen Bürgermeisters erschossen. Im Haus selbst wurde der Bürgermeister, seine Frau und der Sohn niedergestreckt. Die Ermittlungen wurden durch zwei junge Polizeibeamte geführt, die sehr schnell den Täter ermittelten. 2014 hat Stephanie Mailer, eine junge Journalistin, neue Nachforschungen angestellt. War Ted Tennenbaum tatsächlich als Täter? Da er sich mittlerweile erhängt hat, kann er keine Antworten geben. Aber jetzt ist Stephanie Mailer verschwunden. Was hat sie bei ihren Nachforschungen erfahren, ist das der Grund für ihr Verschwinden?


Der Autor hat mich bereits mit seinen zwei Romanen „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ und „Die Geschichte der Baltimores“ begeistert und das kann ich auch von diesem behaupten.

Er dröselt den alten Fall und auch die Gegenwart akribisch auf und tatsächlich möchte ich von den 660 Seiten keine einzige entbehren. Als Leser ist man gefordert, aufmerksam bei der Sache zu bleiben, denn Dicker führt sehr viele Figuren ein, beschreibt sie samt ihrer Geheimnisse und Charaktereigenschaften ausführlich und bildhaft. Ein Personenregister ist am Ende des Buches zu finden. Dicker läßt vor allem die beiden Beamten Derek Scott die Sicht von 1994 erzählen und Jesse Rosenberg die von 2014. Nebenbei erfährt man auch ihr privates Drama, das mit den damaligen Ermittlungen im Zusammenhang steht. Außerdem kommt der damalige Polizeichef Kirk Harvey und die neu zugezogene Beamtin Anna Kanner zu Wort und sie unterstützen Derek und Jesse tatkräftig.

Dieser komplexe Kriminalfall wurde spannend und natürlich sehr ausführlich beschrieben. Als Leser wurde man mitgenommen auf falsche Fährten, man konnte die neu gewonnenen Erkenntnisse gut nachvollziehen, einordnen und vor allem eigene Überlegungen anstellen. Ich möchte keine einzige Seite des Buches missen. Es ließ sich flüssig lesen und man kann richtig abtauchen in die Geschichte. Meine Lieblingsfigur war unbestritten Anna Kanner, die zweite stellvertretende Leiterin der Polizei von Orphea. Sie ist nach ihrem Eheende in New York mit dieser neu geschaffenen Position in den „verschlafenen“ Ort gelockt worden. Anfangs muß sie sich als einzige weibliche Beamtin gegen alle Widerstände der männlichen Kollegen durchsetzen und sie schafft das erfolgreich. Privat muß sie sich gegenüber ihren Eltern behaupten, die sie gerne wieder an der Seite des Ex-Ehemanns sehen würden und auch in einem hübschen Häuschen in ihrer Nachbarschaft. Aber sie schafft es, ihren eigenen Kopf durchzusetzen, akzeptiert zu werden und ist dabei äußerst clever.

Von mir eine eindeutige Leseempfehlung für diesen opulenten Roman!