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Veröffentlicht am 15.04.2019

Langgezogener Roadtrip

Secret Fire
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Im letzten Moment haben es Taylor und Sacha nach Oxford geschafft, hinter die sicheren Mauern von St. Wilfred. Dort vergräbt sich Sacha in den alten Büchern, um eine Lösung für sein Problem zu finden, ...

Im letzten Moment haben es Taylor und Sacha nach Oxford geschafft, hinter die sicheren Mauern von St. Wilfred. Dort vergräbt sich Sacha in den alten Büchern, um eine Lösung für sein Problem zu finden, während Taylor unter Anleitung von Louisa ihre Kräfte trainiert. Dass St. Wilfred nicht so sicher ist wie erwartet, bemerken sie aber schnell. Ein alter Feind des Colleges zeigt sich und er ist derjenige, der die beiden schon die ganze Zeit verfolgt hat. Statt seiner Todbringer hat er jetzt eine Art übermächtiger Zombies dabei. Es gibt vielleicht ein Entkommen, aber dafür müssen Taylor und Sacha nach Carcassonne - dorthin, wo vor so vielen Generationen alles begann, kann es auch enden. Doch dafür müssen sie alle ihr Leben riskieren und gegen einen übermächtigen Feind antreten.

Ich bemerkte Daughertys Problem schon bei der Nightschool. Sie entwickelt eine coole Idee, kann diese aber weder spannend auf Nachfolger des ersten Bandes umsetzen noch zu einem befriedigenden Ende führen. So ging es mir auch hier. Taylors Training entpuppt sich als eine Art Abklatsch von Luke Skywalker, dann gibt es ewig lange und langweilige Perioden, in denen die beiden Pärchen unterwegs sind und sich näherkommen und die eigentlichen Kämpfe zeichnen sich eher durch Kopflosigkeit als durchdachte Pläne aus. Mit dem Schluss macht es sich die Autorin so richtig einfach: Ach, wir wissen zwar nicht, wie es funktioniert, aber das können wir ja demnächst in Oxford gründlich studieren. Hm, ja. Macht mal. Überzeugend ist allerdings was anderes. 2,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 09.04.2019

Theater mit Dracula

Oscar Wilde & Mycroft Holmes - Folge 20
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In London verschwinden immer wieder einflussreiche Bürger. Als ein Agent von Mycroft Holmes sich auf die Spur begibt, passiert etwas Schreckliches: Seine Leiche wird vor dem Haus von Holmes von einer Kutsche ...

In London verschwinden immer wieder einflussreiche Bürger. Als ein Agent von Mycroft Holmes sich auf die Spur begibt, passiert etwas Schreckliches: Seine Leiche wird vor dem Haus von Holmes von einer Kutsche geworfen, zusammen mit einem Drohbrief, sich nicht mehr einzumischen. Das kann Mycroft natürlich schlecht auf sich sitzenlassen. Er holt Wilde von der Küste zurück, wo der auf die Blutsauger gestoßen war. Der Dichter kommt mit einem Landsmann und Kollegen wieder in die Hauptstadt: Bram Stoker, der sich als außerordentlich nützlich erweist. Zusammen finden sie heraus, dass sich eine alte Kreatur in einem neuen Theater aufhält: niemand anders als Stokers geheimnisvoller Fremder, über den er überall auf dem Balkan gestolpert ist.

Es plätschert so dahin. Was das Ganze hier noch mit der Bedrohung durch den Zirkel der Sieben zu tun hat, weiß allein der Autor der Reihe allein. Die letzten Folgen scheinen nur noch dafür da zu sein, die Serie um der Serie Willen aufrecht zu erhalten. Wenn sich ein Hörer fragt, warum der Zirkel immer so lange stillhält, wenn gerade eine andere oder neue Bedrohung für England auftaucht - geschenkt. Frag weiter. Wahrscheinlich aus Fairnessgründen, mit zwei Mordsgegnern auf einmal sollen sich der arme Wilde und Konsorten wohl nicht rumschlagen müssen. (Ironie an/aus.) Wir treten auf der Stelle, es geht nicht voran, aber zumindest gab es nicht wieder übermäßige Logikpatzer. Dank der großartigen Sprecher ist es auch noch immer erträglich. Trotzdem wäre es doch mal eine coole Idee, ein richtiges, versöhnliches und finales Ende zu schaffen, das mit einem krassen Showdown überzeugt. 2,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 08.09.2018

If we shadows have offended ...

Norra Latin - Die Schule der Träume
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Norra Latin ist eine Schauspielschule in Stockholm und als solche hochangesehen. Wer dort angenommen wird, hat Talent und hart dafür gearbeitet. Clea und Tamar haben es geschafft. Wobei es bei Clea sowieso ...

Norra Latin ist eine Schauspielschule in Stockholm und als solche hochangesehen. Wer dort angenommen wird, hat Talent und hart dafür gearbeitet. Clea und Tamar haben es geschafft. Wobei es bei Clea sowieso keine Zweifel gab. Obwohl noch nicht ganz 16 Jahre alt, ist sie schon ein Profi im Filmgeschäft und Kinderstar, wächst schließlich mit ihrer Mutter, einer relativ bekannten Schauspielerin heran und ist mit Tim Helander befreundet, ebenfalls Kinderstar und Sohn des berühmten Jack Helander, der sogar in Auslandsproduktionen Hauptrollen bekommt. Tamar hingegen kommt aus der Provinz und träumt von der Schauspielerei. Diese entpuppt sich nach und nach als Alptraum. In Norra Latin ist und bleibt sie ein Außenseiter, und als sie dann noch scheinbar mit einem Geist zu tun hat, wird ihr Leben nicht nur einsam, sondern auch gefährlich.

Der Klappentext klang so gut und versprach so viel Spannung und Geheimnisse. Tatsache jedoch ist, dass man die meiste Zeit das Gefühl hatte, eher in einem schwedischen Gute Zeiten - Schlechte Zeiten zu stecken mit so viel Teeniedrama, das ständig neu durchgekaut und wiederholt wurde, dass ich zwischendrin schon überlegte, das Buch abzubrechen. Die eigentlichen Geheimnisse gingen dabei so unter und schlimmer noch, vieles wurde bereits im Prolog, der mir völlig unnötig erscheint, schon im Voraus gespoilert. Es war nicht durchgehend langweilig. Die Atmosphäre an so einer Schule und mit den ganzen durchgeknallten Künstlern wurde gut eingefangen, und auch dass Sexualität in jeder Spielart erlaubt ist, solange es allen Partnern gefällt, ist eine coole Message. Nach den ersten hundert Seiten war zwar nicht viel passiert, aber man wusste, wo man sich befand und wie die Dynamik funktioniert. Dabei hätte es belassen werden sollen, Leser verstehen das auch, wenn nicht alle drei Seiten dasselbe wieder passiert.

Bleiben mir zum Abschluss nur noch Pucks Worte:
And this weak and idle theme,
no more yielding but a dream.

Veröffentlicht am 23.06.2018

Leni Landei

Das Haus der Mädchen
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Leni Irgendwas kommt nach Hamburg, um in einem Verlag zu arbeiten und Erfahrungen im Verlagsgeschäft zu sammeln. Zum Glück hat sie eine preiswerte Unterkunft gefunden, in einer großen Wohnung, in welcher ...

Leni Irgendwas kommt nach Hamburg, um in einem Verlag zu arbeiten und Erfahrungen im Verlagsgeschäft zu sammeln. Zum Glück hat sie eine preiswerte Unterkunft gefunden, in einer großen Wohnung, in welcher WG-artig verschiedene Menschen leben. Gleich am ersten Tag lernt sie Vivien kennen, die das Gegenteil von ihr ist. Freizügig, großspurig, auf der Jagd nach einem Millionär. Doch dann verschwindet Vivien spurlos, was ihr seltsam vorkommt. Zur selben Zeit beobachtet der ehemalige Geschäftsmann und jetzige Obdachlose Freddy einen Mord, wird aber vom Mörder gesehen und muss fliehen. Beide auf der Suche treffen sie aufeinander - aber auch auf Serienkiller.

Was mir gut gefallen hat: Wie Hamburg und seine vielen Kanäle und miteinander verbundenen Flussarme beschrieben wurden. Da kam Atmosphäre auf.
Was mir nicht gefallen hat: Die Charakterzeichnungen. Klischee, wohin das Auge schaut. Leni vom Lande (das schreit ja der Name schon), die superaufgeschlossene Vivien (mondän bis zum Abwinken), der smarte Bootseigner, der verfettete Bulle mit spektakulärer Vergangenheit, der auf der Straße gelandete Geschäftsmann, der geile Verleger mit seinen Herrenwitzen.
Auch die Logik ließ gern mal zu wünschen übrig. Mal ehrlich, wer fürchtet sich mehr davor, von seinen Schuldnern gefunden zu werden als von einem Mörder? Und warum flieht so einer nicht aus der Stadt? Und warum muss die meganaive Landei-Leni wirklich so abgrundtief verängstigt sein, nur weil sie jetzt in einer großen Stadt ist? Das Motiv war mir zum Schluss auch enttäuschend schwachbrüstig, geradezu asthmatisch. Alles in allem hätte das Buch ein bisschen mehr Tiefe vertragen können. 2,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 08.05.2018

Superteenies im Kampf gegen Ungerechtigkeit

Legend (Band 1) - Fallender Himmel
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Day ist der Name eines "unbekannten" Terroristen, der für Anschläge auf die Republik verantwortlich ist - und für den Mord an Captain Isparis, einem Armeeangehörigen eben jener Republik. Davon zumindest ...

Day ist der Name eines "unbekannten" Terroristen, der für Anschläge auf die Republik verantwortlich ist - und für den Mord an Captain Isparis, einem Armeeangehörigen eben jener Republik. Davon zumindest ist June überzeugt, die Schwester des Ermordeten. Sie ist ein Wunderkind, das jeden Test mit Höchstpunktzahl besteht und der beste Anwärter der Armee überhaupt ist. Jetzt geht sie auf die Mission, den Mörder ihres Bruders zu finden, und sie lässt sich nicht von Seuchen, Slums und Militär aufhalten.

Dystopien finde ich eigentlich sehr cool, und zumindest ist hier ein typisch dystopisches Szenario entwickelt worden. Auf der einen Seite die Reichen und Mächtigen, auf der anderen Seite die, die nichts haben und in den Slums wohnen, als Guinea Pigs benutzt werden und sich kaum wehren können. Und vielleicht hätte das Buch vor meinen Augen besser bestehen können, denn immerhin ist es gut geschrieben, wenn es nicht so maßlos übertrieben wäre. Sowohl bei dem "Terroristen" als auch bei June handelt es sich um 15jährige Teenager, die mal eben so in fünf Sekunden ein fünfstöckiges Haus hochklettern, nur mit einem Umhang als Fallschirm aus dem zweiten Stock eines anderen springen, Kugeln ausweichen, kämpfen, erwachsene, trainierte Soldaten ausschalten ... es war so ermüdend, das zu lesen. Dazu große Gefühle innerhalb eines Lidschlags, ein Fünfzehnjähriger, dem alle Frauen zu Füßen liegen, Hass wandelt sich innerhalb von zwei Gesprächen zu Verständnis, Einsicht und Liebe, Mädchen und Junge finden sich gegenseitig unwiderstehlich, obwohl sie seit Tagen auf der Straße und von der Straße leben, also stinkend und schmutzig sein müssten. Es wird nicht erklärt, warum Day über Spidermanfähigkeiten verfügt, obwohl ihn nie eine radioaktive Spinne gebissen hat oder warum die alles sehende June das Offensichtliche nicht erkennt, das ihr geradezu in die Nase beißt oder warum sich die Slums erheben sollten, nur weil ein jugendlicher Terrorist hingerichtet wird. Im Nachwort steht etwas davon, dass die Autorin das Buch schrieb, als sie vierzehn war und ich dachte nur: Ja, das erklärt alles. Schade, dass kein Lektor mit einem erwachsenen Auge drübergesehen hat. 2,5/5 Punkten.