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Veröffentlicht am 07.05.2019

Der Kara ben Nemsi der Gerichtsmedizin

Mörderisches Lavandou (Ein-Leon-Ritter-Krimi 5)
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In Le Lavandou kehrt nach dem Sommer langsam Ruhe ein. Die meisten Touristen sind verschwunden, das geruhsame Leben kann beginnen. Oder könnte es zumindest, denn jemand hat andere Vorstellungen. Plötzlich ...

In Le Lavandou kehrt nach dem Sommer langsam Ruhe ein. Die meisten Touristen sind verschwunden, das geruhsame Leben kann beginnen. Oder könnte es zumindest, denn jemand hat andere Vorstellungen. Plötzlich findet sich mitten auf einem öffentlichen Platz der abgeschnittene Fuß einer Frau, wenig später ihre Leiche. Doch es soll nicht das einzige Opfer bleiben, denn jemand befindet sich auf einer Mission und dieser Jemand ist noch lange nicht fertig. Wie üblich ist Leon Ritter, der deutsche Gerichtsmediziner, der Einzige, der den Durchblick hat - leider hören die französischen Polizisten nicht auf ihn.

Das ist mittlerweile der fünfte Streich für Leon Ritter und seit Nummer 3 bin ich mit ihm bekannt. Das heißt, ich kann die Art und Weise des Aufbaus der Bücher ein wenig einschätzen. Und ich stelle fest: Es ist immer dasselbe. Sicher ist es schön, wieder "zurückzukehren" nach Lavandou, mit den Boulespielern, den Cafégängern, den bekannten Gesichtern. Aber muss es echt sein, dass die Person des Gerichtsmediziners so dermaßen auf Kara ben Nemsi gestaltet wird? Egal, wobei - er ist immer der Beste. Er erkennt sofort den Unterschied zwischen Selbstmord und Unfall, er spielt besser Boule als die alteingesessenen Bewohner, er ist der Einzige, der immer sofort den Durchblick hat. Bei Karl May wirkt so was noch nostalgisch-amüsant, hier ist es einfach nur lächerlich. Zumal Ritter auch noch der heißeste Feger diesseits und jenseits des Mittelmeers ist und problemlos die Hauptrolle bei SoG ergattern würde. Alle Frauen würden ihm am liebsten ihre Höschen hinterherwerfen, alle Männer finden ihn entweder kumpelmäßig megatoll oder sind auf seine Intelligenz, Schönheit, allgemeine Megaklasse eifersüchtig. Es ist auch nicht hilfreich, dass die Nebenprotagonisten vom Reißbrett runtergerissen wurden. Sie sind fast alle minderbemittelt, gerade die Polizisten. Der Mörder war übrigens vom ersten Auftauchen an klar - ich hatte wirklich auf ein bisschen mehr Raffinesse gehofft, wurde aber am Schluss bei dem üblichen Showdown, bei dem auch wie üblich Ritter die Hauptrolle spielte, enttäuscht. Bleibt nur noch das Fazit zu ziehen: Trotz angenehmer und routinierter Schreibweise darf es demnächst gern mal originieller werden. 2,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 03.05.2019

Break a leg!

Blackwood
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Gesine hat ein schweres Schicksal. Kaum fünfzehn ist sie, ihre Mutter starb bei einem tragischen Unfall, sie selbst muss nach Irland gehen, wo ihre letzte Verwandte, Tante Wanda, lebt. Dort, in Blackwood, ...

Gesine hat ein schweres Schicksal. Kaum fünfzehn ist sie, ihre Mutter starb bei einem tragischen Unfall, sie selbst muss nach Irland gehen, wo ihre letzte Verwandte, Tante Wanda, lebt. Dort, in Blackwood, fühlt sie sich als Außenseiter. Sie ist das Schnitzelmädchen, das in jedes Fettnäpfchen tritt und kaum weiß, wie sie klarkommen soll. Doch dann erscheinen in dem antiken Schreibtisch im oberen Zimmer Briefe - von ihrem zukünftigen Ich. Und sie selbst hat mehr aus Zufall die Hauptrolle in dem Theaterstück der Schule ergattert, zusammen mit dem Schulprinzen Arian Mary - was der Schulprinzessin so überhaupt nicht passt. Zum Glück gibt es Mimi, die Cafébesitzerin, die die besten Essen der Welt macht und immer einen Rat parat hat. Doch ob das hilft, als Gesine eines Diebstahls beschuldigt wird?

Eigentlich eine interessante Idee. Briefe aus der Zukunft - wer würde die nicht lesen? Aber ehrlich gesagt, blieb genau dieser Aspekt der Geschichte so blass wie die Geister, die sich im Butterschloss herumtreiben. Ob die ältere Gesine jetzt geschrieben hätte, oder die jüngere Gesine einen Glückskeks von nächsten Chinesen mitgenommen hätte - der Erkenntnisgewinn wäre bei beiden in etwa gleich gewesen. Wozu schreibt man seinem jüngeren Ich, wenn man ihm nicht wirklich konkret helfen will? Die klischeehaften Darstellungen der Schulbeziehungen wurden lediglich ein wenig durch Sam aufgelockert, die Schulprinzessin zeichnet sich wie vom Reißbrett als wunderschön und wunderfies aus. Immer wieder unverständlich ist mir auch, warum sich ein heldenhafter, reicher Junge in ein tollpatschiges, wenig schlagfertiges Mädchen verlieben soll; die von anderen behauptete Stärke Gesines fand ich so gut wie nie. Auch ist mir der Magiestrang um den Schreibtisch völlig unverständlich geblieben. Warum sollte sich das Schicksal ändern lassen durch das, was dem Schreibtisch passiert oder auch nicht? Da fehlten mir - Jugendbuch hin oder her - ein paar Erklärungen, die über "Isso" hinausgingen. Das Buch ließ sich schnell lesen, wenn man sein Augenrollen halbwegs im Griff hatte und war an und für sich auch nicht langweilig. Für ein gutes oder richtig gutes Buch ist das jedoch zu wenig. 2,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 15.04.2019

Langgezogener Roadtrip

Secret Fire
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Im letzten Moment haben es Taylor und Sacha nach Oxford geschafft, hinter die sicheren Mauern von St. Wilfred. Dort vergräbt sich Sacha in den alten Büchern, um eine Lösung für sein Problem zu finden, ...

Im letzten Moment haben es Taylor und Sacha nach Oxford geschafft, hinter die sicheren Mauern von St. Wilfred. Dort vergräbt sich Sacha in den alten Büchern, um eine Lösung für sein Problem zu finden, während Taylor unter Anleitung von Louisa ihre Kräfte trainiert. Dass St. Wilfred nicht so sicher ist wie erwartet, bemerken sie aber schnell. Ein alter Feind des Colleges zeigt sich und er ist derjenige, der die beiden schon die ganze Zeit verfolgt hat. Statt seiner Todbringer hat er jetzt eine Art übermächtiger Zombies dabei. Es gibt vielleicht ein Entkommen, aber dafür müssen Taylor und Sacha nach Carcassonne - dorthin, wo vor so vielen Generationen alles begann, kann es auch enden. Doch dafür müssen sie alle ihr Leben riskieren und gegen einen übermächtigen Feind antreten.

Ich bemerkte Daughertys Problem schon bei der Nightschool. Sie entwickelt eine coole Idee, kann diese aber weder spannend auf Nachfolger des ersten Bandes umsetzen noch zu einem befriedigenden Ende führen. So ging es mir auch hier. Taylors Training entpuppt sich als eine Art Abklatsch von Luke Skywalker, dann gibt es ewig lange und langweilige Perioden, in denen die beiden Pärchen unterwegs sind und sich näherkommen und die eigentlichen Kämpfe zeichnen sich eher durch Kopflosigkeit als durchdachte Pläne aus. Mit dem Schluss macht es sich die Autorin so richtig einfach: Ach, wir wissen zwar nicht, wie es funktioniert, aber das können wir ja demnächst in Oxford gründlich studieren. Hm, ja. Macht mal. Überzeugend ist allerdings was anderes. 2,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 09.04.2019

Theater mit Dracula

Oscar Wilde & Mycroft Holmes - Folge 20
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In London verschwinden immer wieder einflussreiche Bürger. Als ein Agent von Mycroft Holmes sich auf die Spur begibt, passiert etwas Schreckliches: Seine Leiche wird vor dem Haus von Holmes von einer Kutsche ...

In London verschwinden immer wieder einflussreiche Bürger. Als ein Agent von Mycroft Holmes sich auf die Spur begibt, passiert etwas Schreckliches: Seine Leiche wird vor dem Haus von Holmes von einer Kutsche geworfen, zusammen mit einem Drohbrief, sich nicht mehr einzumischen. Das kann Mycroft natürlich schlecht auf sich sitzenlassen. Er holt Wilde von der Küste zurück, wo der auf die Blutsauger gestoßen war. Der Dichter kommt mit einem Landsmann und Kollegen wieder in die Hauptstadt: Bram Stoker, der sich als außerordentlich nützlich erweist. Zusammen finden sie heraus, dass sich eine alte Kreatur in einem neuen Theater aufhält: niemand anders als Stokers geheimnisvoller Fremder, über den er überall auf dem Balkan gestolpert ist.

Es plätschert so dahin. Was das Ganze hier noch mit der Bedrohung durch den Zirkel der Sieben zu tun hat, weiß allein der Autor der Reihe allein. Die letzten Folgen scheinen nur noch dafür da zu sein, die Serie um der Serie Willen aufrecht zu erhalten. Wenn sich ein Hörer fragt, warum der Zirkel immer so lange stillhält, wenn gerade eine andere oder neue Bedrohung für England auftaucht - geschenkt. Frag weiter. Wahrscheinlich aus Fairnessgründen, mit zwei Mordsgegnern auf einmal sollen sich der arme Wilde und Konsorten wohl nicht rumschlagen müssen. (Ironie an/aus.) Wir treten auf der Stelle, es geht nicht voran, aber zumindest gab es nicht wieder übermäßige Logikpatzer. Dank der großartigen Sprecher ist es auch noch immer erträglich. Trotzdem wäre es doch mal eine coole Idee, ein richtiges, versöhnliches und finales Ende zu schaffen, das mit einem krassen Showdown überzeugt. 2,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 08.09.2018

If we shadows have offended ...

Norra Latin - Die Schule der Träume
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Norra Latin ist eine Schauspielschule in Stockholm und als solche hochangesehen. Wer dort angenommen wird, hat Talent und hart dafür gearbeitet. Clea und Tamar haben es geschafft. Wobei es bei Clea sowieso ...

Norra Latin ist eine Schauspielschule in Stockholm und als solche hochangesehen. Wer dort angenommen wird, hat Talent und hart dafür gearbeitet. Clea und Tamar haben es geschafft. Wobei es bei Clea sowieso keine Zweifel gab. Obwohl noch nicht ganz 16 Jahre alt, ist sie schon ein Profi im Filmgeschäft und Kinderstar, wächst schließlich mit ihrer Mutter, einer relativ bekannten Schauspielerin heran und ist mit Tim Helander befreundet, ebenfalls Kinderstar und Sohn des berühmten Jack Helander, der sogar in Auslandsproduktionen Hauptrollen bekommt. Tamar hingegen kommt aus der Provinz und träumt von der Schauspielerei. Diese entpuppt sich nach und nach als Alptraum. In Norra Latin ist und bleibt sie ein Außenseiter, und als sie dann noch scheinbar mit einem Geist zu tun hat, wird ihr Leben nicht nur einsam, sondern auch gefährlich.

Der Klappentext klang so gut und versprach so viel Spannung und Geheimnisse. Tatsache jedoch ist, dass man die meiste Zeit das Gefühl hatte, eher in einem schwedischen Gute Zeiten - Schlechte Zeiten zu stecken mit so viel Teeniedrama, das ständig neu durchgekaut und wiederholt wurde, dass ich zwischendrin schon überlegte, das Buch abzubrechen. Die eigentlichen Geheimnisse gingen dabei so unter und schlimmer noch, vieles wurde bereits im Prolog, der mir völlig unnötig erscheint, schon im Voraus gespoilert. Es war nicht durchgehend langweilig. Die Atmosphäre an so einer Schule und mit den ganzen durchgeknallten Künstlern wurde gut eingefangen, und auch dass Sexualität in jeder Spielart erlaubt ist, solange es allen Partnern gefällt, ist eine coole Message. Nach den ersten hundert Seiten war zwar nicht viel passiert, aber man wusste, wo man sich befand und wie die Dynamik funktioniert. Dabei hätte es belassen werden sollen, Leser verstehen das auch, wenn nicht alle drei Seiten dasselbe wieder passiert.

Bleiben mir zum Abschluss nur noch Pucks Worte:
And this weak and idle theme,
no more yielding but a dream.