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Veröffentlicht am 26.05.2019

Die Zechen stehen still, aber der „Pott“ lebt mehr denn je!

DuMont Bildatlas 206 Ruhrgebiet
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Das Ruhrgebiet ist längst nicht (mehr) so grau und trist, wie das Klischee aus der Zeit des Kohleabbaus. Nachdem zunächst ein wichtiger Erwerbszweig weggefallen war und eine regelrechte Depression nach ...

Das Ruhrgebiet ist längst nicht (mehr) so grau und trist, wie das Klischee aus der Zeit des Kohleabbaus. Nachdem zunächst ein wichtiger Erwerbszweig weggefallen war und eine regelrechte Depression nach sich zog, hat sich dieses wunderschöne Gebiet zu einer Gegend gewandelt, die mehr als sehenswert ist. Die alten Fördertürme, die Stollen, die vielen Zeichen der Zechen-Zeiten – sie wurden wunderbar umfunktioniert und in Szene gesetzt.

Nicht nur der Rest Deutschlands, auch die Bewohner des Ruhrgebietes, können nicht zuletzt mit Hilfe dieses wunderbaren Bildatlas „das Revier“ neu entdecken und sich darin verlieben. Der harte, steinige Weg von der Hochburg des Kohleabbaus über die Zeiten der Auswandererregion bis hin zu den schönen Landschaftsparks und traumhaft schönen Radwegen, hat sich gelohnt. Das Ergebnis, wenn auch noch nicht komplett fertig, kann sich sehen lassen.

Dieser Bildatlas ist, wie alle dieser Art von Dumont, voll mit gut recherchierten Informationen. Zahllose wunderbare Fotos regen das Interesse noch mehr an, einen Ausflug zu machen. Aufgeteilt ist er in die Regionen westliches, mittleres, östliches, südliches und nördliches Ruhrgebiet. Es gibt Landkarten zur Orientierung und immer wieder besondere Informationen, Tipps, Dumont aktiv, und Specials. Für jeden Geschmack und Geldbeutel finden sich Vorschläge. Das Magazin-Format eignet sich hervorragend, um darin zu stöbern.

Auch wer keine Reise oder keinen Ausflug ins Ruhrgebiet plant, bekommt mit diesem Bildatlas eine unterhaltsame „Heimatkundelektion“. Der „Pott“ ist ein Stück Geschichte Deutschlands und dieses Buch feiert seinen Mut und seine Kraft. Ich bin begeistert und drücke dies in fünf Sternen aus!

Veröffentlicht am 24.05.2019

Spannendes Abenteuer ohne übernatürliche Kräfte – super!

TKKG Junior, Zwischen Gauklern und Ganoven
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TKKG haben Spaß auf dem Mittelaltermarkt. Die Menschen und deren Sprache, die Schaukämpfe und die Stände – sie sind begeistert. Doch dann kommt Karls Vater in eine unangenehme Situation: Er soll Falschgeld ...

TKKG haben Spaß auf dem Mittelaltermarkt. Die Menschen und deren Sprache, die Schaukämpfe und die Stände – sie sind begeistert. Doch dann kommt Karls Vater in eine unangenehme Situation: Er soll Falschgeld in Umlauf gebracht haben! Die vier Freunde machen sich sofort daran, den Fall zu lösen …!

Dies ist Band sechs der Reihe, aber man kann ihn sehr gut lesen, ohne die Vorgänger zu kennen. Ich bin mir aber sehr sicher, dass die Zielgruppe die ganze Reihe haben und lesen möchte! Die Kids sind sehr gut getroffen und spiegeln ihre Altersgruppe sehr real wider, auch wenn nicht allzu viele Kids im wahren Leben Kriminalfälle lösen. Aber ihre Art, miteinander umzugehen, ihre Freundschaft, ihre Überlegungen und Gespräche – all das ist ihrem Alter angemessen. Hier fühlen sich die Kids beim Lesen nicht mit übermächtigen Helden konfrontiert, die sie niemals erreichen können, sondern fühlen sich in ihrer eigenen Haut wohl, so wie sie sind. Das gefällt mir!

Die Länge der Geschichte finde ich sehr gut abgestimmt. So werden auch Kids, die nicht so viel oder gerne lesen, nicht überfordert. Dazu sind die einzelnen Kapitel nicht überlang und es gibt viele, sehr schön gestaltete Illustrationen. Für Leseanfänger angenehm zu lesen ist die Größe der Schrift und der Zeilenabstand. Die Bindung ist fest und stabil, der Bucheinband robust. Auch für grobmotorische Kinder also gut geeignet.

Mir gefällt die Idee der „TKKT junior“. Modern, kindgerecht, nicht abgehoben, die „Helden“ erreichbar und nicht mit übernatürlichen Kräften versehen – so baut man die jungen Leser auf. Ich gebe fünf Sterne.

Veröffentlicht am 23.05.2019

Mojo für Katze und Mensch

Der Katzenflüsterer
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Das Buch ist interessant gestaltet – man wird an ein Schulbuch mit Lehrstoff erinnert. Ganz abwegig ist das ja auch nicht, denn hier gibt es viel über Katzen zu lernen. Selbst alte Hasen finden hier noch ...

Das Buch ist interessant gestaltet – man wird an ein Schulbuch mit Lehrstoff erinnert. Ganz abwegig ist das ja auch nicht, denn hier gibt es viel über Katzen zu lernen. Selbst alte Hasen finden hier noch neue Erkenntnisse! Wer nicht total in seiner Erziehung gefangen ist, traut sich hier auch, wichtige Stellen zu markieren, im Buch zu arbeiten, Notizen einzutragen. So findet man viel schneller wieder die entsprechenden Kapitel und Tipps.

Sehr schön ist, dass es immer wieder kleine Zeichnungen, Grafiken, Bilder und Fotos gibt. Das lockert das Buch noch mehr auf und hilft, das Gelesene optisch noch zu speichern. Obwohl die einzelnen Abschnitte knackig kurz sind, sind sie informativ. Oder vielleicht auch genau deshalb? Hier wird man nicht mit pseudo-wissenschaftlichen Ergüssen gelangweilt, sondern jung und flott informiert.

Die Liebe des Autors zu Katzen ist in jedem Satz spürbar, ohne dass er kitschig oder albern werden würde. Sein Wissen ist enorm. Und wie außergewöhnlich Jackson Galaxy ist, erkennt man schon daran, dass er sein Buch nicht mit der Danksagung beendet, sondern beginnt!

Sein Wissen über diese wunderbaren Tiere vermag er dem Leser sehr gut zu vermitteln. Dabei lässt er auch deutlich erkennen, dass eine Katze kein Spielzeug oder untergeordnetes Wesen, sondern ein Partner im Leben ist. Gleichberechtigung ist Katzen wichtig, könnte man sagen.

Die vielen Informationen von der Urkatze bis zu unserem Stubentiger ergeben ein Gesamtbild, das Mensch und Tier dabei hilft, lange und glücklich miteinander zu leben. Dabei nutzt Galaxy eine Sprache, die fesselt, kein bisschen langweilt, Spaß macht und so umso besser hängenbleibt. Für jedes Problem weiß er eine Lösung – und man sehe und staune, er deckt auch da Verbesserungsmöglichkeiten auf, wo man dachte, alles sei prima! Man lernt eben immer dazu!

Mich hat das Buch rundum begeistert. Modern und jung geschrieben, bietet es mehr als die üblichen Fachbücher für Katzen. Neben Haltung und Pflege liegt der Schwerpunkt auf der Psychologie der Katzen. Selbst in meiner riesigen Katzen-Bücher-Sammlung sticht es deutlich hervor. Von mir bekommt „Der Katzenflüsterer“ die vollen fünf Sterne.

Veröffentlicht am 19.05.2019

Atemberaubend!

Liebes Kind
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Nach langen vierzehn Jahren schafft sie die Flucht. Sie lässt das Martyrium in der Hütte zurück. Die Kinder sind auch frei. Im Krankenhaus rettet man ihr das Leben, denn sie ist in ein Auto gelaufen. Doch ...

Nach langen vierzehn Jahren schafft sie die Flucht. Sie lässt das Martyrium in der Hütte zurück. Die Kinder sind auch frei. Im Krankenhaus rettet man ihr das Leben, denn sie ist in ein Auto gelaufen. Doch der Weg zurück in die Normalität ist mit mehr Problemen gepflastert, als ein Mensch ertragen kann …

Hannah ist ein wenig überheblich. Einerseits passt das zu Kindern, andererseits ist es gerade bei ihr zunächst nicht nachvollziehbar. Es ist auch schwer, auseinanderzuhalten, was wahr ist und was eine Art Wahn, denn lügen darf man nicht, das weiß Hannah. Doch mit der Zeit macht dies alles einen Sinn. Von ihr und ihrer Mama wird nach und nach erzählt, was geschehen ist. Beide Stränge sind herzergreifend und atemberaubend. Kaum hat man sich an eine Begebenheit halbwegs gewöhnt, kommt halbwegs mit der Situation klar, kommt eine Wendung, die einem den Boden unter den Füßen wegzieht. Man kommt nicht umhin, die eine oder andere Vermutung zu haben, die sich nahezu aufdrängt und erst recht fassungslos macht. Fast wünscht man, man würde sich irren. Die kleinen Ungereimtheiten, die man sorglos unkommentiert lässt, werden immer mehr zu wichtigen Hinweisen.

Nur Matthias, Lenas Vater, ist extrem unsympathisch. Seine cholerischen Reaktionen richten sich meiner Meinung nach gegen die falschen Personen. Da fällt es schwer, Mitgefühl für ihn zu haben. Er bzw. seine Sicht und Erzählung bilden den dritten Erzählstrang. So bildet sich nach und nach aus den vielen Puzzleteilen ein überwältigendes Gesamtbild. Jonathan, der Bruder von Hannah, taucht immer nur am Rande auf. Selbst für Matthias, der Hannah abgöttisch liebt, ist er nur eine Randfigur. Die Emotionen, Gedanken und Handlungen von Karin, Lenas Mutter, kann ich am besten verstehen und nachvollziehen.

Insgesamt gibt das alles ein perfektes Ganzes. Die Idee, die Umsetzung, der Stil (fast schon drei Stile – nicht nur die Stränge unterscheiden sich, eigentlich auch jeweils tatsächlich der ganze Stil), die Wendungen – alles ist perfekt aufeinander abgestimmt und ineinander verwoben, wie feinste Seide.

Das Leben der beiden Kinder ist geprägt von der lebenslangen Gefangenschaft. Sie haben also weit weniger Probleme damit, wie die Mutter. Das Ganze erinnert an die Fälle, die in der Presse zu finden waren und sicher stammt daraus auch die Inspiration. Die Verarbeitung des Themas von einer völlig unerwarteten Seite gefällt mir besser, als ich erwartet hatte. Und die Wendungen sind erschreckend, kaum bis gar nicht vorhersehbar und gehen tief, tief, tief unter die Haut.

Ich gebe zu, dass mir um die Autorin zu viel Wind gemacht worden war und ich genau deshalb bisher noch kein Buch von ihr gelesen hatte. „Liebes Kind“ hat mich aber so schnell so tief so restlos in seinen Bann gezogen, dass ich mich für mein Vorurteil herzlich entschuldige und Romy Hausmann gerne bestätige, dass ihr ein extrem guter Thriller gelungen ist. Respekt! Die Spannung ist fast durchgehend auf höchstem Anschlag. Zum Verschnaufen kommt man so gut wie nie.

Die drei Sprecher Heikko Deutschmann, Leonie Landa und Ulrike C. Tscharre machen einen großartigen Job. Die Idee, dieses Buch nicht von einer einzigen Person einlesen zu lassen, war super. Dadurch wird der Zuhörer viel leichter und schneller ganz tief in die Geschichte gezogen. Jeder Erzählstrang eine eigene Stimme – mir kommt das sehr entgegen.

Dass ich diesem Buch fünf Sterne gebe, wird an diesem Punkt keine Überraschung mehr sein.

Veröffentlicht am 17.05.2019

Traumhaft schöne „Zufälle“!

Zufälle im Museum
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Fast möchte man glauben, dass die Fotos – zumindest zum Teil – gestellt sind. Aber das Leben besteht aus so unfassbaren Zufällen, dass ich bereit bin, an das glückliche Zusammentreffen von Kunst, passendem ...

Fast möchte man glauben, dass die Fotos – zumindest zum Teil – gestellt sind. Aber das Leben besteht aus so unfassbaren Zufällen, dass ich bereit bin, an das glückliche Zusammentreffen von Kunst, passendem Betrachter und die Anwesenheit eines Fotografen zu glauben. Viele der Gemälde werden durch diese Fotos noch viel faszinierender. Auf diese Weise betrachtet, wirken sie besonders stark und mich bringen sie dazu, Kunst ab sofort mit anderen Augen zu sehen und besonders stark auf das zu achten, was rings darum ebenfalls zu finden ist. Ich werde nie wieder einfach nur ein Gemälde ansehen, sondern immer zuerst von weitem darauf achten, wie die Betrachter „dazu passen“. Und vermutlich werde ich auch immer überlegen, wie ich selbst gerade zum entsprechenden Gemälde – oder Kunstobjekt allgemein – passe.

Durch die Fotos wird einem bewusst, dass zwischen den oft historischen Motiven und den hochmodernen Zeiten heute mehr Gemeinsamkeiten bestehen, als man gedankenlos angenommen hatte. Auch wenn es nur der Stoff oder das Muster eines Kleidungsstückes des Betrachters ist, die Körperhaltung, eine Geste – all das verbindet die Gegenwart mit der Vergangenheit auf eine Weise, die mich sehr berührt und bewegt, auch wenn sich das pathetisch oder albern anhören mag.

Gleichzeitig fällt mir auf, wie viele der Personen selbst im Museum den Blick oder das Ohr nicht vom Smartphone wegbekommen. Auch das verstärkt erstaunlicherweise den Effekt oftmals. Teils wirken die Museumsbesucher, als seien sie aus den Bildern herausgefallen oder würden gleich in ein Gemälde „einsteigen“ können. Vielleicht unbewusst, vielleicht lese ich zu viel heraus – aber bei vielen der Fotos habe ich das Gefühl, dass die Menschen mit den Kunstobjekten tatsächlich insgesamt sehr harmonieren. Je besser sie zusammenpassen, desto mehr scheinen die Menschen auch von den Bildern fasziniert zu sein.

Es finden sich aber auch urkomische Fotos von Zufällen, die anderer Art sind. Männer, die aussehen, als fielen sie ins Dekolleté der Dame auf dem Bild, das sie betrachten. Menschen, die so vor einem Objekt stehen, dass sie aussehen, als würden sie daraus herauswachsen. Bilder, die moderner aussehen, als die Menschen davor (quasi moderne Bilder und Leute, die scheinen, als kämen sie aus dem 17. Jahrhundert, statt umgekehrt). Und manchmal ergänzen sich Kunst und Mensch erst zu einem wirklich bemerkenswerten Gesamtbild, werten sich quasi gegenseitig auf, um es überspannt auszudrücken.

Es wird nicht langweilig, im Buch zu blättern. Immer wieder entdeckt man neue Zufälle und Besonderheiten. Das ist faszinierend und einfach wunderbar. Ich gebe sehr gern die vollen fünf Sterne.