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Veröffentlicht am 11.06.2019

Kurzgeschichten aus dem wahren Leben

Das rote Notizbuch
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„DAS ROTE NOTIZBUCH“ VON PAUL AUSTER
ZUM INHALT „DAS ROTE NOTIZBUCH“
„Das rote Notizbuch“ von Paul Auster ist eine Sammlung von kurzen Geschichten, von denen keine länger als zehn Seiten ist. Es sind Erlebnisse ...

„DAS ROTE NOTIZBUCH“ VON PAUL AUSTER
ZUM INHALT „DAS ROTE NOTIZBUCH“
„Das rote Notizbuch“ von Paul Auster ist eine Sammlung von kurzen Geschichten, von denen keine länger als zehn Seiten ist. Es sind Erlebnisse aus dem „Real Life“ des Autors oder seinem Umfeld.

Bei der Recherche stieß ich auf den Text „Ein Leben in Worten“ von Paul Auster – Ein Gespräch mit Inge Brigitte Siegumfeldt“. Frau Siegumfeldt ist Professorin für Literaturwissenschaft in Kopenhagen und hat für eine Studie über Paul Austers Werk, über eine Dauer von drei Jahren, mit dem Autor intensive Gespräche zu den einzelnen Büchern geführt und in diesem Text niedergeschrieben. Auch „Das rote Notizbuch“ wurde besprochen.



PAUL AUSTERS GEDANKEN ZU „DAS ROTE NOTIZBUCH“
Paul Auster bezeichnet „Das rote Notizbuch“ als ars poetica.

Für den Autor zeigen diese Texte die „Mechanik der Realität“, er stellt fest, dass es seltsame Überschneidungen von Ereignissen geben kann, die wir manchmal als „schicksalhaft“ bezeichnen.

Es sind Geschichten, die man durchaus unterschiedlich interpretieren kann. Manche Deutungen schließen sich gegenseitig aus, dennoch sind beide gleich wahr.



Paul Auster erzählt in „Das rote Notizbuch“ Geschichten, die nicht in der Phantasie entstanden sind, sondern reale Erlebnisse sind. Er zeigt damit, wie komplex unser Leben ist.

Was ist Zufall? Was ist Schicksal? Haben wir einen freien Willen? Sind wir vorbestimmt? Manche Texte haben bei mir ein Gänsehautfeeling entfacht. Können solche Zusammenhänge wirklich Zufall sein?

Die Texte weisen aber auch darauf hin, dass Erinnerungen sehr subjektiv. Wir erinnern der Vergangenheit mit heutigem Wissen, Gefühlen und Werten. Vergangene Vorkommnisse werden durch Emotionen, Gerüche oder sonstige Empfindungen ausgelöst und bzw. oder verstärkt. Paul Auster erinnert sich voll Stolz an eine Begebenheit seiner Kindheit und befragt die andere an dieser Szene beteiligte Person, wie sie das Geschehen empfand. Aber die andere Person erinnert sich gar nicht mehr daran, weil sie die Wichtigkeit der Handlung damals gar nicht wahrnahm.

Wer kennt nicht den Spruch: „Und wenn du denkst es geht nicht mehr, dann kommt von irgendwo ein Lichtlein her!“ Auch dazu gibt es eine Geschichte. Wenn so etwas passiert, ist man dankbar und verwundert.

Ich glaube, wir alle können mit solchen Geschichten aufwarten, der eine mehr, der andere weniger, weil er nicht darauf achtet.

Das Leben steckt voller Widersprüche. Dialektisch zieht es uns in unterschiedliche Richtungen, letztendlich werden wir nur glücklich, wenn wir die goldene Mitte wählen.

5/5 Punkten

SPRACHLICHE GESTALTUNG
Paul Auster sagt selbst, dass die kleinen Texte dem Aufbau von Witzen entsprächen. Es gibt Keine raffinierten Wortschöpfungen, nein! In minimalistischer Sprache läuft alles auf die Pointe zu.

Der Autor erzählt ohne Dramaturgie oder narrativen Kniffe. Es geht nur um den Inhalt und der spricht für sich selbst.

5/5 Punkten

COVER UND ÄUSSERE ERSCHEINUNG
Diese Originalausgabe gab es erstmalig vollständig 2012 bei New Directions, New York. Die Texte wurden zuvor schon in einer der u. g. Ausgaben veröffentlicht:

Englische Fassung „The Red Notebook and Other Writings“, London 1995

Deutsche Fassung: „Das rote Notizbuch“ Rowohlt 1996.

„Die Kunst des Hungers“ Rowohlt Paperback 1997

„Das rote Notizbuch“ erweiterte Neuausgabe 2001.


Das Buch ist ein wahres Schmuckstück. Wie bei mehreren Büchern von Paul Auster dominieren im Cover die Farben Rot, Schwarz und Weiß.

Der Untergrund ist ein dunkleres Grau, worauf P A U L A U S T E R D A S R O T E N O T I Z B U C H in genausolchen Lettern und ohne Zeilenumbruch gedruckt wurde. Der Name des Autors in Rot und der Titel in Schwarz. Rechts unten steht noch der Verlag, Rowohlt in kleineren Lettern. Das sieht richtig edel aus.

Das Buch wird im August als Taschenbuch von Rowohlt erneut herausgegeben.

5/5 Punkten

FAZIT
Paul Auster entdeckte ich über die Recherche zur Literatur seiner Frau Siri Hustvedt, die inzwischen zu meiner Lieblingsautorin wurde. Im Netz findet man gemeinsame Auftritte der beiden, die mein Interesse immer mehr wachsen ließen. Beide thematisieren Bereiche aus dem täglichen Leben und hinterfragen diese. Was hat dazu beigetragen, der Mensch zu werden, der man heute ist? Was wäre, wenn wir vor Jahren eine andere Entscheidung getroffen hätten. Jede Entscheidung, die wir treffen, hat weitreichende Folgen. Und dann gibt es noch genau diese Zufälle oder unbegreiflichen Zusammenhänge, wovon die Geschichten in „Das rote Notizbuch“ handeln.

Beim Lesen stelle ich mir die Frage, was will der Autor mit dem Text erreichen? Will er überhaupt etwas bezwecken? Oder ist es für den Autor ein Zwang, die Geschichte niederzuschreiben, ohne zu hinterfragen? Auch hier fragte ich mich, Was will Paul Auster mit dem kleinen roten Notizbuch den Lesern vermitteln?

Ich glaube, er möchte zeigen, dass wir, wenn wir mit offenen Augen durchs Leben gehen und vielleicht einmal innehalten, beobachten oder anderen Menschen zuhören, wir die unglaublichsten Zusammenhänge oder Zufälle entdecken.. Geschichten werden nicht nur erfunden. Sie geschehen in jeder Sekunde in unserem Leben, wir müssen sie nur sehen.

@Rowohlt: Vielen Dank für das wunderschöne Rezensionsexemplar!

Ich vergebe insgesamt 5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 04.06.2019

Doppelmord im Périgord

Menu surprise
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REZENSION "MENU SURPRISE" VON MARTIN WALKER
Kurzvita zu Martin Walker
Martin Walker studierte Geschichte und Internationale Beziehungen und Wirtschaft in Oxford und Harvard. Er war 25 Jahre für den britischen ...

REZENSION "MENU SURPRISE" VON MARTIN WALKER
Kurzvita zu Martin Walker
Martin Walker studierte Geschichte und Internationale Beziehungen und Wirtschaft in Oxford und Harvard. Er war 25 Jahre für den britischen The Guardian tätig. Seit einigen Jahren ist er Senior Fellow bei Global Business Policy Council ein, einer Denkfabrik der Unternehmensberatung A.T. Kearney.
Er veröffentlichte auch Bücher über den Kalten Krieg, die Perestroika und über die USA. Sein Zukunftsthriller „Germany 2064“ stand 2015 auf der Shortlist für den deutschen Wirtschaftsbuchpreis.

1999 zog er mit seiner Familie ins Périgord.

ZUM INHALT "MENU SURPRISE"
Martin Walker hat „Menu surprise“, den elften Band der Reihe „Bruno, Chef de police“ eindrucksvoll im Steigenberger Hotel Bad Homburg vorgestellt. Wir waren dabei und im Artikel dazu: Martin Walker in Bad Homburg könnt ihr sehen, wie begeistert wir waren.

Wie bei jedem Band der Reihe, handelt sich nicht nur um einen Krimi, sondern es werden auch politische brisante und sozialkritische Themen behandelt. Und das alles geschieht in der Atmosphäre des „Savoire vivre“ und der französischen Küche, im Besonderen mit Köstlichkeiten aus dem Périgord. Und was wäre Frankreich ohne L’Amour? Also es ist für jeden etwas dabei.

Warnung: Auf keinen Fall mit hungrigem Magen lesen! Sogar wenn du satt bist, bekommst du soooo Lust aufs „Genießen“.

Wer diese Reihe kennt, weiß, dass Bruno Courrèges nicht nur der Dorfpolizist in der fiktiven Kleinstadt Saint-Denis, sondern auch die gute Seele und der Rugby Trainer der Frauenjugendmannschaft. Er weiß alle Geburtstage, Jubiläen und kennt die Beziehungsgeflechte seiner Mitbürger.

Es gibt eine Homepage von Bruno, die von Martin Walkers Tochter Kate betreut wird. Hier erfährt man schnell das Wichtigste über Bruno. Sogar seine Playlist von Spotify!

Es gibt auch eine deutsche Seite, die allerdings nicht aktuell, aber dennoch amüsant ist.



In „Menu surprise“ darf Bruno in Pamelas Kochschule zeigen, was er als Chef de Cuisine drauf hat. Allerdings fehlt noch eine prominente Teilnehmerin.

Es gibt natürlich einen Kriminalfall, sogar einen Doppelmord, der wieder einen politschen bzw. terroristischen Hintergrund hat. Der Fall ist nicht so einfach gelagert, weil wie im Klappentext schon zu lesen ist, Bruno die vermisste Frau „in einem vermeintlichen Liebesnest“ findet. Was steckt wirklich dahinter?

Aber auch seine soziale Seite wird benötigt. Seine beste Rugbyspielerin ist ungewollt schwanger. Wie geht man damit um? Auch die Thematik des Schwangerschaftsabbruchs steht im Focus. Vor allem Bruno stellt sich die Frage, wozu darf oder kann er dem Mädchen raten?

Und der Leser leidet zusammen mit Bruno. Wird Isabelle diese Nacht bleiben? Es wäre so einfach, wenn Isabelle keine Karriere machen wollen würde oder Pamela Kinder wollen würde. Aber ihr wisst ja:

Wenn das Wörtchen wenn nicht wär‘, dann wär das Leben halb so schwer.

5/5 Punkten

SPRACHLICHE GESTALTUNG "MENU SURPRISE"
Martin Walker erzählt aus der Perspektive Brunos. Das lässt den Leser/Hörer sehr nahe ans Geschehen und vor allem die Hauptperson kommen. Die Kapitellänge ist angenehm.

Martin Walker gelingt es, in seinen Büchern politisches Zeitgeschehen einzubauen, ohne dass es konstruiert wirkt. Er war, wie schon erwähnt, 25 Jahre politischer Berichterstatter und weiß worüber er schreibt, und das merkt man seinen Büchern an. Also kurz und gut: Es liest sich wunderbar!.

5/5 Punkten

COVER UND ÄUSSERE ERSCHEINUNG
Das Covermotiv ist ein Foto (Adobe Stock) von Jean-Michel Priaux. Es zeigt ein altes Landhaus und passt so richtig gut zu Martin Walkers Bruno Reihe.

Ich mag die Diogenes Bücher dieser Reihe, weißer Coverumschlag, auf dem Buchrücken das Diogenes Logo, Autor und Titel. Das sieht auch sehr schön im Bücherschrank aus.

Bruno wird übrigens in elf Sprachen übersetzt.

5/5 Punkten

DIE PLAYLIST ZU "MENU SURPRISE" LOHNT SICH, ANZUSEHEN!

GIBT ES EIN HÖRBUCH?
Ja, es gibt ein ungekürztes Hörbuch, das sehr gut von Johannes Steck gesprochen wird. Er verleiht Bruno eine passende Stimme. Kopfkino klappt prima.

Allerdings, wer auf einer Lesung von Martin Walker schon einmal Moritz Stöpel gehört hat, gibt mir sicher Recht, dass man glauben kann, man hört Bruno selbst.

FAZIT "MENU SURPRISE"
Ich hatte die große Freude, Martin Walker auf einer Lesung in Bad Homburg kennenzulernen. Er ist ein großer Autor, ein genialer Entertainer und ein wirklich sehr sympathischer Mensch, der freudig auf seine Leser zu geht.

Die Bruno Reihe gefällt mir sehr gut, weil aktuelles Zeitgeschehen, politische Sichtweisen und eine schwierige Liebesgeschichte in der Kriminalgeschichte verpackt sind. Ich finde es raffiniert, wie Martin Walker diese Liebe ohne viel Worte beschreibt und es dennoch einen Hauch von versteckter Erotik besitzt.

Na ja, und jeder, der gerne gut isst, kommt hier auf seine Kosten. Selbst, wenn man wie ich Vegetarierin ist und nie im Leben so etwas wie eine Stopfleber essen würde. Ich finde, das ist Tierquälerei. Ich esse gerne so ziemlich alles, was keine Augen besitzt und bekomme bei Martin Walkers Büchern immer Hunger.

Martin Walker zeigt an Brunos Alltag, wie eine gut gehende Gemeinschaft funktioniert. Bruno ist nicht nur Chef de Police, sondern übernimmt viele ehrenamtliche Tätigkeit für die kleine Stadt. „Man kümmert sich umeinander!“

Ich habe „Germany 2064“ bestellt und auf meine Leseliste gesetzt. Wisst ihr, was total traurig ist, gleichgültig wie lange ihr lebst, ihr werdet nie alle Bücher lesen können. Schluchz!

Ich vergebe insgesamt 5/5 Punkten

Veröffentlicht am 18.05.2019

Heisser Sciencefiction mit großartigen Charakteren

Dignity Rising 3: Geteilter Schmerz
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„DIGNITY RISING BAND 3″
2. ZUM INHALT „GETEILTER SCHMERZ“
S P O I L E R A L A R M

Die Rezension „Geteilter Schmerz“ bitte erst nach Lektüre der ersten zwei Bände weiterlesen.

Zu den Rezensionen von „Gefesselte ...

„DIGNITY RISING BAND 3″
2. ZUM INHALT „GETEILTER SCHMERZ“
S P O I L E R A L A R M

Die Rezension „Geteilter Schmerz“ bitte erst nach Lektüre der ersten zwei Bände weiterlesen.

Zu den Rezensionen von „Gefesselte Seelen“ und „Schwarze Prophezeiung“.

Wir befinden uns im 24. Jahrhundert des intergalaktischen Weltenbaus von Hedy Loewe. Der oberste Rat wird von Telepathen mit außerordentlichen Fähigkeiten angeführt. Die Räte haben keine gemeinsamen Ziele, sondern kochen jeder ein eigenes Süppchen. Die Bevölkerung ist nicht zufrieden. Die Rebellion schwelt. Nachdem Shay und Jon die Kinder in Sicherheit wissen, widmen sie sich mit ganzer Kraft der Rebellion und führen diese an.

Im dritten Band geschieht sehr viel. Fragen aus den ersten beiden Bänden werden hier beantwortet.

Was ist aus Trystan, dem Boten ersten Grades und seiner Botenkriegerin Devenja geworden? Sucht der Rat nach ihnen? Werden noch weitere Boten kommen?

Und wie immer bei Dignity Rising haben wir einen Bösewicht. Die Crew hat einen Verräter in den eigenen Reihen. Wer ist der Verräter? Welche Ziele hat er?

Jon und Shay müssen nun getrennt füreinander kämpfen. Shay hat diesmal einen anderen Beschützer und Krieger an ihrer Seite. Werden die beiden Jon helfen können?

Hanout glaubt, durch eine Fehlentscheidung, das Leben ihrer Crew auf dem Gewissen zu haben. Das lähmt sie vollständig.

Und immer wieder stellt sich die Frage: Sind die Kinder tatsächlich in Sicherheit, oder sind ihnen die Boten des Rates schon auf den Fersen?

Der Leser kennt zwar die Geschichte Shays, aber über Jon Matthews wissen wir wenig. Wer ist Jon Matthews? Wo ist Jon Matthews jetzt? Ist er in Gefahr? Der Leser wird staunen, zumindest habe ich das getan. Unvorhergesehene Wendungen erhöhen die Spannung.

Der dritte Band ist für mich der stärkste Teil. Die Paare müssen voreinander getrennt, ihre Stärke zeigen. Hanout muss mit Schuldgefühlen kämpfen. Jon Matthews kennt nun seine Vergangenheit, weiß aber noch nicht, was das für seine Zukunft bedeutet.

Shays blaues Licht demonstriert, zusammen mit Jons Schwert, Macht und Stärke, damit unterstützen sie die Rebellion .

Aus persönlichen Problemen sind es jetzt die Probleme der Menschheit auf dem Planeten geworden. Die Helden stellen sich ihren Aufgaben.

Und dann lässt uns Hedy Loewe mit einem Cliffhanger zurück. Absolut spannend!

Da bleibt mir nur noch zu sagen: Auf zum nächsten Band!

5/5 Punkten

3. PROTAGONISTEN „GETEILTER SCHMERZ“
„In geteilter Schmerz“ ist eindeutig Devenja meine Lieblingsheldin. Ich mag Charaktere, die sich entwickeln. Hedy Loewe schildert diese Entwicklung anschaulich in kleinen Episoden.

Devenja findet unter den Stämmen des alten Volkes einen Partner auf Augenhöhe. Die Autorin verwöhnt den Leser mit einer starken Liebesgeschichte, sehr geschmackvoll und heißen erotischen Szenen und Herzschmerz. Wird Devenja sich in ihr neues Leben finden? Wird sie sich vom Rat vollständig lösen können. Kann man ihr vertrauen?

Die Charaktere der Autorin sind gut gezeichnet, haben Vergangenheit und Pläne für die Zukunft. Sie meistern ihre Aufgaben und sind authentisch.

5/5 Punkten.

4. SPRACHLICHE GESTALTUNG
Die Kapitel haben eine angenehme Länge und die Autorin wechselt öfter die Erzählperspektive. Dadurch kommt der Leser den Charakteren ziemlich nah.

Eigentlich liest sich das Buch ganz von alleine.

5/5 Punkten

5. COVER UND ÄUSSERE ERSCHEINUNG
5/5 Punkten

6. FAZIT „GETEILTER SCHMERZ“
Wie ich schon erwähnt habe, gefällt mir der dritte Band bisher am besten. Die Rädchen der Geschichte greifen ineinander und man merkt, dass der Plot rund ist. Es ist ähnlich, wie bei einem Puzzle. Du fängst mit den Ecken an und arbeitest dich dann anhand von Farben und Design immer weiter voran, bis du das erwartete Bild erkennen kannst.

Genauso empfinde ich das Lesen einer Reihe. Wenn die Reihe gut aufgebaut ist, wird das Erscheinungsbild mit jeder Seite genauer. Die Figuren werden lebendig. Der Leser weiß nicht nur, wie die Helden aussehen, sondern auch, wie sie denken, was sie planen, vielleicht sogar, wie sie fühlen.

Das ist Hedy Loewe zumindest bei mir gelungen. Ich bin schon sehr auf das Ende gespannt. Ich finde, das Ende ist bei einer Reihe das Wichtigste. Hier sieht man letztendlich, ob es sich zu einem erfolgreichen Ganzen entwickelt hat. Bis jetzt sieht das richtig gut aus! Also lasst uns schnell weiterlesen.

Ich vergebe insgesamt 5/5 Punkten.

@Hedy Loewe und Carlsen Verlag: Vielen Dank für das schöne Rezensionsexemplar!

Veröffentlicht am 08.05.2019

Das Ich und die Kunst

Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen
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„Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“


Ich habe Siri Hustvedts Essayband „Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“, zeitgleich mit ihrem aktuellen Roman „Damals“ gelesen. Beide ...

„Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“


Ich habe Siri Hustvedts Essayband „Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“, zeitgleich mit ihrem aktuellen Roman „Damals“ gelesen. Beide Bücher gehören zusammen, weil beide Bücher dieselben Themen behandeln:

Das Ich in der Zeit, das sich mithilfe von Erinnerungen, kontinuierlich neu zusammensetzt und verändert. Was hat Kunst mit Erinnerung zu tun? Wie entsteht beim Betrachter Kunst? Woher kommen die Ideen? Wie kommt es von der Idee zur Kunst.

Im Roman „Damals“ wird der Weg zum „Ich“ beschrieben. Der Vorgang des „Erinnerns“ wird beispielhaft belegt.

Die Essays zeigen anhand von Künstlern, ihren Werken und deren Wirkung auf den Betrachter, dass kreative Vorgänge sehr komplex sind und Kunstgegenstände nicht einfach als Objekt gesehen werden können, sondern selbst etwas „Subjektives“ haben.

Der Essayband ist für mich ein Füllhorn an Kunst, Philosophie, Geschlecht und Geist, und schon sind wir beim Untertitel:



Essays über Kunst, Geschlecht und Geist



Die amerikanische Originalausgabe „A Woman Looking at Man Looking at Woman“ beeinhaltet als ersten Teil die deutsche Ausgabe „Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“, sowie als zweiten Teil „Die Illusion der Gewissheit“, der in Deutschland 2018 als selbständiges Buch von Rowohlt verlegt wurde.



“Die Illusion der Gewissheit“, beschäftigt sich mit dem Leib-Seele- bzw. Körper-Geist-Problem. Wo finden wir Erinnerung? An welcher Stelle finden wir die Seele? Wo ist die Heimat des Ichs?

Der vorliegende Essayband ist in Deutschland in zwei Teile geteilt. Der erste Teil hat den Titel des Buches,

„Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“,

der zweite Teil

“Was sind wir? Vorträge über das Mensch sein“.

Es sprengt den Rahmen einer Buchbesprechung hier auf alle Essays einzugehen, deswegen habe ich mir drei Essays rausgepickt, „Meine Louise Bourgeois“, „Mapplethorpe/Almodovar“, „Warum diese Geschichte und nicht eine andere“, die mich am meisten gefordert haben.

Meine Louise Bourgeois

Siri Hustvedt zeigt uns neben der Künstlerin Louise Bourgeois auch das Bild, das sie über die Künstlerin selbst in Gedanken, oder als aktiven Akt der Kunstbetrachtung erstellt hat. Die Theorie über die Wirkung von Kunst auf den Betrachter setzt die Autorin um.

Ich versuche es, mit meinen Worten zu skizzieren:

Die Wahrnehmung der Kunst manifestiert sich im Betrachter. Dieser ist keineswegs nur passiver Empfänger, sondern macht Kunst, mittels eigener Vergangenheit, und den erlittenen positiven, aber auch negativen Schicksalsschlägen und der eigenen Befindlichkeit zum Zeitpunkt der Betrachtung, das Werk zur Kunst, ja zum Erlebnis. Die eigene Befindlichkeit ist der strukturierte Raum, wo dieses Erlebnis entsteht oder sich manifestiert. Gute Kunst ermuntert uns dazu, die Struktur aufzubrechen und neu zusammenzusetzen.

Aus der Theorie ist die Praxis der Kunstbetrachtung von Siri Hustvedt, am Beispiel Louise Bourgeois, geworden. Das ist sehr beeindruckend und es hat die Theorie verifiziert.

Über das Werk der Künstlerin sagt Siri Hustvedt:

Wenn ihre zwingend zitierbaren Analysen ihres Werkes zusammengefasst werden, ergeben sie keine Synthese, sondern eine Antithese. Es sind die Ejakulationen eines schnellen Geistes, der sich vor allem für seine eigenen Inhalte interessierte.

Mapplethorpe / Almodovar

Die Ausführungen von Siri Hustvedt zu Robert Mapplethorpe und Pedro Almodovar sind sehr interessant und haben mich zum Recherchieren veranlasst. Bislang waren mir beide Künstler zwar oberflächlich bekannt, aber jetzt habe ich Lust auf mehr. Apollo meets Dionysos – oder die cleane Form des Apollinischen gegen die Leidenschaft des Dionysischen. Es lassen sich einige gemeinsame Begegnungspunkte herausarbeiten

Mapplethorpe liebte das „Perfekte“. In der von Almodovar organisierten Ausstellung hängt auch das Bild von Patti Smith. Das Bild wird als Solo Ereignis präsentiert. Dieses Bild hat nichts von Perfektion, sondern es zeigt in seiner Zärtlichkeit vielmehr die Verletzbarkeit – das Menschliche. Siri Hustvedt kam es so vor, als sei das Bild zur Kommunikation bereit. Patti Smith wird nicht objektiviert.



„Ihre Subjektivität, ihre Persönlichkeit sind Teil des Bildes.“

Patti Smith und Robert Mapplethorpe hatten eine einzigartige Beziehung: Sie waren Freunde, Liebhaber, künstlerische Mitarbeiter und Seelenverwandte.

Siri Hustvedt sieht in Mapplethorpe einen Künstler, der mit klassischer formaler Ästhetik, die Bedrohung und Gewalt der sexuellen Bilder abschwächt. Vor allem sexuelle Phantasien über Kontrolle und Unterwerfung, machen den Fotografen und den Betrachter zu Beteiligten. Maplethorpe arrangierte Menschen, als leblose Objekte – sozusagen als Stillleben

m Gegensatz dazu Pedro Almodovar: Er ist ein Geschichtenerzähler. Während Maplethorpe die Formen wahrt, und begrenzt, reißt Almodovar die Grenzen ein.

Almodovar zeigt in seiner Kunst Maßlosigkeit, während Mapplethorpe minimalistisch arbeitet.

„Wie Maplethorpe schafft Alomodvar starke visuelle Grenzen in seinen Filmen, Licht- und Fabkontraste, die ein leuchtendes, schönes Kinobild ergeben. Das verbindet ihn mit dem Fotografen und dem Apollillnischen.“


Warum diese Geschichte und nicht eine andere?

Woher nehmen Sie Ihre Ideen?

Spielt die Biografie des Autors eine Rolle? Sind es Variationen eigener Erinnerungsstücke? Die Verknüpfung von Erinnerung und Kreativität geht auf die griechische Philosophie zurück. Ich komme hier auf den Punkt Erinnerung zurück, den ich schon bei der Rezension „Damals“ von Siri Hustvedt ausführte.<

Im Gegensatz zu der mittelalterlichen Vorstellung, unsere Erinnerungen werden in einem Apothekerschrank verwahrt und wir müssen sie nur einfach aus der Schublade holen, ist das Erinnern ein komplexer Vorgang, dessen Ergebnis variabel ist. Unsere Erinnerung wird mittels unserer Erfahrungen neu zusammengesetzt und damit auch bewertet. Dadurch ist Erinnerung nicht statisch, sondern dynamisch. Wenn unsere Erinnerungen dynamisch sind, was ist dann wahr? Wie wahr sind unsere Erinnerungen. Die Erinnerung von gestern ist nicht identisch mit der Erinnerung von heute.

Es ist eine spannende Sicht auf das, was beim Schreiben im Akt des Schöpfens geschieht. Jeder der schreibt, kennt das Gefühl, dass ihm die Geschichten aus den Fingern gleiten, dass die Protagonisten ein Eigenleben annehmen.

Siri Hustvedt unterscheidet zwischen dem, was sich in einer Geschichte ereignet (Fabula), und dem, wie es erzählt wird (Sujet). Fabula steckt im Autor, er weiß vielleicht noch nichts Genaues, aber er ahnt ihr Vorhandensein und muss sie nur greifen. Beim Sujet handelt es sich um bewusste Entscheidungen. Beispiele hiefür sind: In welches Genre die Geschichte eingeordnet wird, die Erzählperspektive, sprachliche Gestaltung und das spätere Layout.

Das erinnert mich sehr an Platons Ideenlehre. Wir haben die Ideen in uns (a Apriori vor jeder Erfahrung), müssen sie erkennen und darauf zugreifen.

Deswegen wissen wir intuitiv, dass die Geschichte so nicht stimmt und ändern sie, im Glauben, dass sich die Handlung verselbständigt hat, oder die Protagonisten machen, was sie wollen. Und das wissen wir, obwohl wir im Schreibprozess zeitweilig die Welt einer anderen Person betreten. Nur dann wirkt es authentisch.

Sprachliche Gestaltung

Die einzelnen Essays sind in sich geschlossen und können für sich gelesen werden. Die Auswahl und die Themen sind so vielfältig und bereichernd, dass dieses Buch noch die nächsten Wochen auf meinem Tisch liegen bleibt, um auch noch die restlichen Beiträge durchzuarbeiten und die dazugehörigen Kunstwerke kennenzulernen und zu entdecken. Das macht richtig Spaß!

Cover und äußere Erscheinung

Das Cover ist minimalistisch gehalten und vermittelt durch die Linien, die Betrachtung der unterschiedlichen Perspektiven. Weniger ist manchmal mehr! Gefällt mir gut!



Zu meiner großen Freude hat das Buch nicht nur ein Lesebändchen, sondern auch ein Literaturverzeichnis. Der Leser hat die Möglichkeit auf den Spuren Siri Hustvedts zu wandeln.

Gibt es ein Hörbuch?

Leider gibt es bislang kein Hörbuch.

Fazit oder „meine Siri Hustvedt“

Worum geht es?

Um Erkenntnistheorie, Kunst, den „Menschen an sich“ oder, wie wird aus einer Idee ein Kunstwerk? Siri Hustvedt möchte dem „Ich“ nachspüren und es erahnen. Kunst kann nur in der Begegnung eines Kunstwerkes und des Betrachters entstehen. Und das „Ich“ des Betrachters ist mit seinen Erinnerungen und Erlebnissen verwoben.



Ich möchte die Rezension mit Siri Hustvedts Gedanken beenden:

Ich habe diese Rezension zu „Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“ im Hinblick auf Meine Siri Hustvedt geschrieben. Deswegen erlaube ich mir Siri Hustvedt

"...als meine in Anspruch zu nehmen. Sie ist natürlich auch deine Siri Hustvedt. Aber darum geht es mir nicht. Meine S. H. und deine mögen Verwandte sein, aber es ist unwahrscheinlich, dass sie eineiige Zwillinge sind“.

Connie Ruoff frei nach Siri Hustvedt

Leseempfehlung an alle, die Philosophie, Kunst und die großen Fragen des Ichs und der Welt lieben!

@Rowohlt: Vielen Dank für das schöne Rezensionsexemplar!



Ich vergebe insgesamt 5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 26.04.2019

Wer bin ich?

Damals
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Wer bin ich ...
ZUM INHALT „DAMALS“ VON SIRI HUSTVEDT

„Damals“ von Siri Hustvedt trägt im Original den Titel „Memories of the Future“ („Erinnerungen an die Zukunft“). Der Titel lässt bereits erahnen, ...

Wer bin ich ...
ZUM INHALT „DAMALS“ VON SIRI HUSTVEDT

„Damals“ von Siri Hustvedt trägt im Original den Titel „Memories of the Future“ („Erinnerungen an die Zukunft“). Der Titel lässt bereits erahnen, dass es sich bei diesem Buch nicht, wie in der Presse (Zeit online, Kulturradio) erwähnt, um einen „weiblichen Narzissmus“ handelt. Nein! Die Autorin hat das Konzept der Zeit und der Erinnerungen, aus wissenschaftlicher Sicht betrachtet. Es geht dabei nicht um die Ebene der Ereignisse, sondern eher, um die Spuren, die Ereignisse hinterlassen, woraus wir später unsere Erinnerungen formen.



DER VORGANG DES ERINNERNS

An dieser Stelle versuche ich, mit eigenen Worten wiederzugeben, wie Siri Hustvedt am 9. April 2019 im Schauspiel Frankfurt, den Vorgang des Erinnerns kognitionswissenschaftlich beschreibt:

Im Gegensatz zu der mittelalterlichen Vorstellung, unsere Erinnerungen werden in einem Apothekerschrank verwahrt und wir müssen sie nur einfach aus der Schublade holen, ist das Erinnern ein komplexer Vorgang, dessen Ergebnis variabel ist.



Unsere Erinnerung wird mittels unserer Erfahrungen neu zusammengesetzt und damit auch bewertet. Dadurch ist Erinnerung nicht statisch, sondern dynamisch.



Wenn unsere Erinnerungen dynamisch sind, was ist dann wahr? Wie wahr sind unsere Erinnerungen. Die Erinnerung von gestern ist unter Umständen nicht mehr die gleiche, wie die Erinnerung von heute.



Siri Hustvedt versucht in „Damals“ das Geheimnis zu ergründen:

Wie ist aus Minnesota Siri Hustvedt geworden?



Oder stellt sich Minnesota die Frage?

Wie sehr prägten die Jahre in New York das Leben Siri Hustvedts?



DAS DOPPELGÄNGERMOTIV

Die Autorin fächert diese unterschiedlichen Ebenen des Ichs, in der Zeitlinie, elegant durch das Doppelgänger-Motiv auf. Die Protagonisten Minnesota, die junge Autorin, die auf der Suche nach ihrem ersten Romanhelden nach New York zieht, S. H. die vierzig Jahre ältere Autorin, die als Erzählerin auftritt. Über den beiden steht ein virtueller Detektiv, der die Sachlage „objektiv“ und ganzheitlich betrachtet und bewertet.



Wofür steht S. H.?



Für Siri Hustvedt?

Für Sherlock Holmes?

Oder

Für Standard Hero?



Zu Beginn unseres Lebens stehen uns noch viele Möglichkeiten offen, wir haben noch keine Entscheidung gefällt und somit keine Richtung eingeschlagen, mit jeder Entscheidung, die wir treffen, wird der Weg präziser und die weiteren Möglichkeiten beschränkter.



Minnesota hat noch alle Möglichkeiten offen, während S. H. schon durch ihr bisheriges Leben, die bislang getroffenen Entscheidungen, die noch offenen Möglichkeiten schmälern. Es geht auch um den Gedanken: Was hätte sonst noch aus mir werden können. Dazu gehört auch, dass „Wahrheit“ in einem anderen Kontext gesehen werden muss. Paul Auster, (verheiratet mit Siri Hustvedt), hat genau diese Thematik in seinem letzten Roman „1, 2, 3, 4“, auch durchgespielt. Ich werde das Buch lesen.



Siri Hustvedts Buch kann man fast schon interaktiv nennen. Die Autorin ist der Gamemaster im Rollenspiel und entwirft ein Konzept, an dem sich der Leser orientieren kann.



Der Leser nimmt abwechselnd unterschiedliche Perspektiven ein. Minnesota, S. H. oder der Detektiv und hierbei gilt es noch zu unterscheiden, an welche Geschehnisse, die die Autorin dem Tagesjournal anvertraute, erinnert sie sich tatsächlich, und wie identisch ist das mit dem Niedergeschriebenen.



5/5 Punkten



SPRACHLICHE GESTALTUNG

Siri Hustvedt malt mit Buchstaben und Wörtern ein Bild aus unterschiedlichen Farbtönen im Gerüst der Zeit. Es ist mitnichten ein Narzissmus, der unkritisch sich selbst als wichtiger betrachtet als der Rest der Welt. Nein es ähnelt geradezu einer schriftlichen Psychoanalyse, die versucht das Erlebte, und die Erwartungen an die Zukunft, zusammen mit der Gegenwart, ins Verhältnis zu setzen.



Ist es exhibitionistisch! Sicherlich kann man das so sehen. Siri Hustvedt zieht sich bis auf Innerste aus und lädt den Leser oder Zuhörer dazu ein, mit ihr die Analyse vorzunehmen. Der Leser, zumindest ging es mir so, wird angeregt, seine eigene Vergangenheit, die Erinnerungen und die damaligen Erwartungen an die Zukunft (also an die eigene Gegenwart) gegenüberzustellen. Der Text der Autorin lädt zum Mitmachen ein.



Aber die Autorin macht nicht zur Befriedigung des Egos, sondern ich glaube, Siri Hustvedt geht Erkenntnis im ureigensten Sinn über alles. Sie will verstehen, „Was die Erde im Innersten zu sammenhält“ und wie Bewusstsein bzw. das „Ich“ sich zusammensetzt.



Ist es voyeuristisch? Ja, ich habe schon in einigen Rezensionen bemerkt, dass in jedem von uns ein kleiner Voyeur steckt. Vor allem jeder, der schreibt, beobachtet seine Umwelt sehr genau. Wir suchen immer die Story dahinter.



5/5 Punkten



COVER UND ÄUSSERE ERSCHEINUNG

Mir gefällt das Cover sehr gut! Minnesota fliegt mit dem Messer „Baroness“ in der Hand der Zukunft entgegen. Keine Kleidung behindert sie oder versteckt sie. Sie ist einfach nur sie selbst.



Das Cover ist ästhetisch und geschmackvoll. Auf den letzten Seiten findet man die Quellenangaben für die Zitate.



5/5 Punkten



FAZIT

Ich habe im letzten Jahr „Die Illusion der Gewissheit“ gelesen. Am 9. April war ich bei der Lesung von „Damals“ im Schauspiel Frankfurt. Zeitgleich lese ich gerade den Essay Band „Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“. Die charismatische Autorin hat mich sehr beeindruckt.



Ihre Art der Suche nach Erkenntnis ist auch auf eine gewisse Art, die Beantwortung der kantischen Fragen. Das finde ich sehr inspirierend.



1. Was kann ich wissen?

2. Was soll ich tun?

3. Was darf ich hoffen?

4. Was ist der Mensch?



Woraus sich schließlich die eine Frage ergibt: Wer oder was bin ich?



Warum bin ich genauso geworden, wie ich heute bin. Was wäre gewesen, wenn ich am 12. November 2000, diese Straße nicht überquert hätte. Was wäre anders geworden. Hätte es überhaupt einen Unterschied in meinem Leben, oder meinem Ich gegeben?



Ich möchte an dieser Stelle daran erinnern, dass es sich bei „Damals“ um eine Fiktion handelt. Ich gehe davon aus, dass der Roman autobiographisch ist, Siri Hustvedt selbst lässt offen, wie viel Fiktion bzw. wie viel Wahrheit darin enthalten ist.



Sehr gut hat mir „Baroness“ gefallen. Minnesota bekam von einer Freundin, ein Messer geschenkt, dem sie einen Namen gab: Baroness.

Wie in meinem Artikel zur Lesung von Siri Hustvedt im Schauspiel Frankfurt schon erwähnt:



In Siri Hustvedts Leben hatte Kunst schon immer einen hohen Stellenwert. Die 22-jährige Minnesota folgte in New York den Spuren des Dadaismus. Dabei spielt Baroness Elsa von Freytag-Loringhoven, deren Namen, wie sich bei der Lesung, vielmehr beim Gespräch in Frankfurt herausstellte, nicht nur mir völlig unbekannt war, Eine wichtige Rolle. Sie war eine deutsche Künstlerin des Dadaismus und das als Muse, Aktmodell, Malerin, Bildhauerin, Dichterin und Rezitatorin. Das berühmte Kunstwerk „The Fountain“ wird bis heute Marcel Duchamp zugeordnet, obwohl es Beweise gibt, dass die Baroness die Schöpferin des Werkes war.

Aber davon unabhängig handelt es sich um Erkenntnistheorie! Siri Hustvedt betrachtet das Individuum auf wissenschaftlicher Basis und ordnet mittels empirischer Werte (Erfahrungswerte) ein.



Wie ich schon erwähnt habe, hat Paul Auster in „4 3 2 1“, die gleiche Problematik literarisch umgesetzt. Ich werde das Buch lesen.



Ich vergebe insgesamt 5/5 Punkten