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Veröffentlicht am 10.06.2019

SOMETHING NEW – eine Modenschau der besonderen Art

Das Leben ist nie perfekt
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SOMETHING NEW – eine Modenschau der besonderen Art

„Auf Ivy Clark. Ein schönes Gesicht. Ein toller Körper. Und ein leeres Herz.“

Ivy Clark arbeitet seit zehn Jahren als Model und wird von ihrem Onkel ...

SOMETHING NEW – eine Modenschau der besonderen Art

„Auf Ivy Clark. Ein schönes Gesicht. Ein toller Körper. Und ein leeres Herz.“

Ivy Clark arbeitet seit zehn Jahren als Model und wird von ihrem Onkel Bruce Olsen, New Yorks einflussreichsten Agenten, betreut. Doch Ivys Karriere befindet sich bereits auf dem absteigenden Ast. Als Bruce ein Angebot aus Greenbriar in South Carolina erhält, schickt er Ivy daher sofort in das kleine Inselstädtchen. Ivy soll das neue Gesicht für elegante und ungewöhnliche Kreationen einer Boutique für Brautmodelkollektionen werden, die sich „Something New“ nennt. Doch bei der Auftraggeberin handelt es sich um Marilyn Olsen, die Witwe von Ivys leiblichem Vater James, der seine uneheliche Tochter zeitlebens abgelehnt hatte. Ivy ist gezwungen, sich der unangenehmen Situation zu stellen und legt ein distanziertes und professionelles Auftreten an den Tag. Doch in Greenbriar wird sie nicht nur mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, sondern darüber hinaus auch mit Menschen, die sich von ihrem wunderschönen Äußeren und ihrer glamourösen Fassade nicht blenden lassen. Ivy ist zutiefst verunsichert, denn niemand soll ihr verletztes Innerstes und die große Leere in ihr entdecken. Dass darüber hinaus der talentierte Modefotograf Davis Knight nicht auf Ivys Verführungskünste reagiert, sondern viel zu tief in ihr Innerstes blickt, verunsichert die junge Frau und wirft sie vollends aus der Bahn. Ihrem Glauben an Geld, Ruhm und Schönheit steht Davis‘ tiefer, unerschütterlicher Glaube an Gott, der nach und nach auch den Schutzwall um die verletzte junge Frau durchdringt. Wird dieser Auftrag Ivys Karriere wieder in Schwung bringen, oder sie endgültig beenden und sie der einzigen Perspektive berauben, die sie jemals zu haben glaubte?

Was angesichts des Coverfotos und der Beschreibung eine leichte Sommerlektüre vermuten lässt, entpuppte sich rasch als tiefgründiger Roman um die verletzte Seele eines Kindes, das väterliche Liebe vermissen und viel zu schnell erwachsen werden musste. Katie Ganshert beschreibt die steile Karriere eines jungen Mädchens, dessen perfektes Äußeres sie in der Modewelt rasch nach oben brachte. Sie beschreibt das Leben hinter den Kulissen und die Erkenntnis, dass Schönheit nur allzu vergänglich ist und keine echte Basis im Leben sein kann.

In Ivy Clark erschuf die Autorin eine Protagonistin, die ihr ganzes Leben lang vergeblich nach Liebe und Anerkennung rang und von ihrem Agenten und der Männerwelt stets als Objekt behandelt wurde. In eindrucksvollen Worten und in einem wunderschönen Schreibstil berichtet Katie Ganshert von James und Marilyn Olsen, die durch James Affäre mit einer anderen Frau unverhofft zu einem Kind kommen. Ein Kind, das James nicht anzunehmen, und schon gar nicht zu lieben vermag. Ivys tiefe seelische Verletzungen und ihre enttäuschte Hoffnung auf die Liebe ihres Vaters stehen Marilyns sanfte, aber hartnäckige Versuche entgegen, die Liebe dieses Kindes zu erringen.

In Davis Knight steht Ivy ein männlicher Protagonist zur Seite, der seinerseits eine schwere Last aus der Vergangenheit zu bewältigen hat. Davis gab nach einem schrecklichen Ereignis vor zwei Jahren seine größte Leidenschaft auf und beendete seine erfolgreiche Karriere als hoch begabter Modefotograf. Die Menschen in seinem Umfeld zweifeln jedoch an der Richtigkeit seiner Entscheidung. „Gott hat dir einen besonderen Blick für seine Schönheit geschenkt. Du siehst Dinge, die wir anderen nicht sehen. Das ist eine wichtige Gabe. Also halte die Augen offen. Fang Gottes Schönheit ein und zeige sie dann der Welt. Denn diese Welt leidet, Davis. Die Menschen sind orientierungslos und suchen nach etwas Besonderem. Gott will, dass du ihnen hilfst, es zu sehen.“

Die Autorin hat sowohl bei der Charakterzeichnung der handelnden Personen, als auch in der Darstellung ihrer Gedanken, Glaubenssätze und Emotionen ausgezeichnete Arbeit geleistet. In einfühlsamen Worten und in einem behutsamen Tempo erzählt Katie Ganshert ihre Geschichte, die durch zahlreiche liebenswerte Nebenfiguren bereichert wird. Mein Herz flog der kranken kleinen Twila Welch zu, deren größter Traum eine Modelkarriere darstellt. Jordan Ludd, der sich nach seiner großen Liebe verzehrt, galt meine Sympathie, und Davis Schwester Sara Knight meine Bewunderung. Die anziehende Persönlichkeit mit ihrer großen inneren Schönheit, ihrer Lebensfreude und ihrem Lächeln spielt eine nicht unwesentliche Rolle in dieser Geschichte. Meine Favoritin und ganz persönliche Protagonistin war jedoch Marilyn Olsen, die mit ihrer liebevollen sanften Art und ihrer großzügig verschenkten Zuneigung hartnäckig um Ivys Liebe kämpft und dabei niemals aufgibt. Marilyns Bestreben, das ungeliebte Mädchen zu einer geliebten Tochter zu machen, rührte mich an mancher Stelle zu Tränen.

Fazit: „Das Leben ist nie perfekt“ wartet mit einer zutiefst berührenden und tiefgründigen Geschichte auf, deren zentrale Themen Liebe und Vergebung darstellen. Verletzungen aus der Vergangenheit müssen bewältigt und überwunden, die Prioritäten der handelnden Figuren in deren Leben überdacht und neu gesetzt werden. Der Glaube durchdringt das gesamte Buch und offenbart sich in Gesprächen und Gebeten, wird vor allem jedoch durch das Vorleben christlicher Werte seitens der handelnden Figuren vermittelt. Dieser Roman weist alle Faktoren auf, die ich an christlichen Romanen so sehr schätze – und ich kann dieses wunderschöne Buch uneingeschränkt weiterempfehlen.

Veröffentlicht am 10.06.2019

Egal was passiert, wir werden einander nie verlassen, solange wir uns lieben!

Solange sie tanzen
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Egal was passiert, wir werden einander nie verlassen, solange wir uns lieben!

„Es war mein Traum, mit dir mein ganzes Leben zu verbringen. Und dieser Traum ist in Erfüllung gegangen. Gibt es etwas Schöneres?“ ...

Egal was passiert, wir werden einander nie verlassen, solange wir uns lieben!

„Es war mein Traum, mit dir mein ganzes Leben zu verbringen. Und dieser Traum ist in Erfüllung gegangen. Gibt es etwas Schöneres?“ (Hans Friedberg)

Ada Friedberg ist seit einem Jahr verwitwet und lebt in einer kleinen Wohnung am Stadtrand von München. Der Tod ihres Ehemannes hinterließ eine riesengroße Lücke in ihrem Leben. Einzig der alte Boxerrüde Hemingway und Adas abendliche Beobachtungen der Nachbarschaft gestalten ihren einsamen Alltag ein wenig unterhaltsamer. Doch während Ada in Erinnerungen schwelgt und die goldenen Jahre mit Hans in ihren Gedanken Revue passieren lässt, ergreift sie eine leise Unruhe. Ada hat das Gefühl, immer vergesslicher zu werden, sie registriert kurze Momente der Verwirrtheit. In einem ehemals leerstehenden alten Haus erblickt Ada eines Nachts ein tanzendes Paar… hätte Hans doch bei ihr sitzen und es sehen können, hätte Ada doch noch einmal mit ihm tanzen können…

Barbara Leciejewski erzählt von der Witwe Ada, die ein einsames, aber zufriedenes Leben in einer kleinen Wohnung führt und auf bewegte und erfüllte Jahre zurückblicken darf. Die Autorin macht ihre Leser mit der reizenden alten Dame und deren Umfeld bekannt, macht sie mit Adas Alltag vertraut. Sie stellt ihnen Adas erwachsene Kinder Susanne und Thomas, deren Partner und Kinder, aber auch Adas Nachbarn vor, von denen besonders der nette alte Witwer Herr Lenz und ein hilfsbereiter junger Mann namens Leo eine wichtige Rolle spielen. Barbara Leciejewskis Geschichte wurde in zwei Erzählebenen verfasst und beginnt mit der Gegenwart, in der Ada sich in ihrem einsamen Leben als Witwe zurechtfinden muss. Der Fokus des zweiten Handlungsstrangs ist auf die Vergangenheit gerichtet, die liebevoll und in bedächtigen Schritten aufgerollt wird. Man darf die junge Ada zurück ins Jahr 1957 zu ihrer ersten Begegnung mit Hans Friedberg begleiten, erlebt die wunderschöne Zeit des Kennenlernens, ihre Verliebtheit und die gemeinsame Leidenschaft für den Tanz. Im Verlauf der Jahre überwindet das Paar einige Hürden und kann dabei stets auf eine tiefe und unerschütterliche gegenseitige Liebe bauen. Zwar verblassen mit zunehmender Vergesslichkeit das Leben und die klaren Bilder der Gegenwart immer mehr vor Adas Augen, doch die wunderschönen Erinnerungen und tiefen Gefühle der Vergangenheit bleiben bestehen. Und Ada wünscht sich nichts sehnlicher, als noch ein einziges Mal mit Hans zu tanzen.

„Es geht nicht darum, dass man ein Versprechen einhält, sondern darum, dass man es gerne einhält und dass man es an jedem einzelnen Tag wieder genauso geben würde.“

Sowohl der einfühlsame und wunderschöne Schreibstil der Autorin, als auch die starken Emotionen und tiefgründigen Gedanken machten diesen Roman zu einer herzerwärmenden Lektüre, die einerseits wehmütig stimmt, zugleich jedoch einen Rückblick in liebevoller Dankbarkeit für wunderschöne erlebte Jahre darstellt. Es gibt Bücher, die mich als Leser tief berühren und unter die Haut gehen. „So lange sie tanzen“ ist eines davon – eine erlesene kleine Perle, die mich vollständig in den Sog dieser Geschichte zog und mich durch Adas Erzählungen oftmals zu Tränen rührte. Barbara Leciejewski bedient sich hervorragend ausgearbeiteter Charaktere und schreibt von dem Kampf um eine Liebe gegen alle Hindernisse, eine Liebe, die ein ganzes Leben lang währte und auch über den Tod des Partners hinaus bestehen blieb. Das Thema Demenz wurde in die Handlung verwoben und ist von einem Aufruf, die kostbare Lebenszeit zu nützen und den Augenblick zu leben, begleitet.

„Man schiebt zu viel auf in seinem Leben. Später werde ich dies und später können wir das. Dabei wissen wir doch überhaupt nicht, ob es ein Später gibt. Wir halten uns alle für unsterblich.“

„Manchmal wünsche ich mir, ich könnte die Uhr zurückdrehen. Ich würde alles anders machen. Und ich würde jede Sekunde genießen, jede einzelne Sekunde. Warum merkt man immer zu spät, wie kostbar das Leben ist?“


Fazit: „So lange sie tanzen“ stellt eine zauberhafte Hommage an die Liebe dar und ist eine Lektüre, die man nicht so rasch wieder vergessen kann.

Begeisterte fünf Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 06.06.2019

Tod hinter Glas

Schneewittchensarg
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Tod hinter Glas

Die Veranstaltung „250 Jahre Gustavssons – eine Kulturgeschichte in Glas“ dokumentiert die Erfolgsgeschichte eines Weltkonzerns und bildet den Hintergrund einer Ausstellung. Bei einem ...

Tod hinter Glas

Die Veranstaltung „250 Jahre Gustavssons – eine Kulturgeschichte in Glas“ dokumentiert die Erfolgsgeschichte eines Weltkonzerns und bildet den Hintergrund einer Ausstellung. Bei einem der Exponate handelt es sich um die Leihgabe eines amerikanischen Sammlers, eine Installation, die sich „Schneewittchen nennt“. Zum Entsetzen der geladenen Ehrengäste und des Firmenpatriarchs Gunnar Gustavsson befinden sich in diesem illuminierten gläsernen Sarkophag die menschlichen Überreste seiner Ehefrau Berit, die vor siebenundvierzig Jahren am Tag ihrer Hochzeit spurlos verschwand. Die Kriminalpolizei unter der Leitung von Ingrid Nyström rollt den knapp fünfzig Jahre alten Vermisstenfall neu auf und muss feststellen, dass er weit komplexer ist, als es zunächst den Anschein hat. Denn sowohl bei der jungen, selbstbewussten Berit, als auch bei den Familienmitgliedern der Gustavssons, gab es sorgsam gehütete Geheimnisse. Ingrid Nyström als ranghöchste Ermittlerin für Gewaltverbrechen der gesamten Region macht sich an die Arbeit und trotz eines schwelenden Konflikts zwischen ihnen beiden betraut sie auch ihre fähigste Mitarbeiterin Stina Forss mit diesem Fall. Ihnen zur Seite stehen wie gewohnt Lasse Knutsson, Anette Hultin, Hugo Delgado sowie die Pathologin Ann-Vivika Kimsel.

Die Geschichte wird in zwei Erzählsträngen dargebracht. Den Einstieg bildet eine Szene aus dem Jahr 1971, wo in einer warmen Sommernacht eine Braut spurlos verschwindet. Die Ereignisse in der Gegenwart thematisieren die Arbeit des Ermittlungsteams und die Interaktionen zwischen den Kriminalbeamten und den Mitgliedern der Familien Gustavsson, Lundberg und Thurstan. Der hervorragend konstruierte Kriminalfall wartet mit einem hohen Spannungsfaktor und vielversprechenden Fährten auf. Durch deren kursive Tagebucheinträge lernt man die verschollene Braut Berit Gustavsson näher kennen, und trotz einiger hoch brisanter und adrenalingeladener Szenen warten Voosen und Danielsson auch mit einer gewissen Situationskomik auf: „Aus großer Kraft wächst große Verantwortung“ proklamierte Forss mit aufgesetztem Pathos. – „Konfuzius?“ fragte der Mann von Gullvi Lundberg interessiert. – „Spiderman“, antwortete Forss trocken.

Wie in den Vorgängerbänden kam auch in diesem Fall das Privatleben der Kriminalbeamten nicht zu kurz. Während Ingrid Nyströms liebevoller Ehemann Anders mit Tochter Anne und dem kleinen Enkelsohn Albert für ein Jahr nach Tansania geht, wird die Deutschschwedin Stina Forss von den Dämonen ihrer Vergangenheit eingeholt. Der ehemals lebensfrohe Brummbär Lasse Knutsson wandelt sich plötzlich zu einem wortkargen und melancholischen Menschen, und auch Hugo Delgado und Anette Hultin werden mit privaten Problemen konfrontiert. Sämtliche handelnden Personen wurden hervorragend charakterisiert, ihre Darstellung war in hohem Maße überzeugend, ihre Gefühls- und Gedankenwelt wurde eindrucksvoll vermittelt. Was mich ein wenig störte war die an einigen Stellen doch recht derbe Sprache der eigenwilligen Stina Forss, der eine gestörte Persönlichkeit und ein eigenbrötlerisches und verschrobenes Wesen zugesprochen wird.

Trotz dieses kleinen Kritikpunkts empfand ich das vorliegende Buch als einen weiteren Bestseller aus der Feder des beliebten schwedischen Autorenduos. Roman Voosen und Signe Danielsson schaffen es immer wieder, mit ihren Krimis hochgradige Spannung und ein außergewöhnliches Abenteuer im Kopf zu erzeugen und mich dabei mit völlig unerwarteten Wendungen zu überraschen. „Schneewittchen-Sarg“ hat mich sehr gut unterhalten, mir ausgezeichnet gefallen und wartet vor allen Dingen mit einem atemberaubenden Finale auf, das es wirklich in sich hat. Auch für diesen ausgeklügelten und komplexen Fall kann ich einfach nur die Höchstwertung und eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen. Ich freue mich bereits jetzt auf das nächste Werk meiner favorisierten nordischen Krimiautoren!

Veröffentlicht am 30.05.2019

Wer waren die Toten von Altbruck?

Unbarmherzig (Ein Gina-Angelucci-Krimi 2)
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Wer waren die Toten von Altbruck?

Auf einem Kiesablageplatz in Altbruck werden Skelettteile zweier Personen gefunden, die vor siebzig bis achtzig Jahren ermordet wurden. Kriminalhauptkommissarin Gina ...

Wer waren die Toten von Altbruck?

Auf einem Kiesablageplatz in Altbruck werden Skelettteile zweier Personen gefunden, die vor siebzig bis achtzig Jahren ermordet wurden. Kriminalhauptkommissarin Gina Angelucci von der Münchner Mordkommission arbeitet mit ihren beiden Kollegen Thomas Wilzoch und Holger Morell in der Abteilung für ungeklärte Altfälle, sie soll diesen alten Mordfall neu aufrollen. Die Ermittlungen gestalten sich angesichts der langen Zeitspanne, die seit den Morden verstrichen ist, als schwierig. Doch Ginas Leidenschaft für ungelöste Fälle und ihr Hang zu unkonventionellen Alleingängen veranlassen sie dazu, sich über sämtliche Hindernisse hinwegzusetzen. Gina möchte mit allen Mitteln die Identität der Opfer, ihre Geschichte, das Mordmotiv, und die Person des Täters ausforschen. Oberstaatsanwalt Jochen Poschmann fühlt sich durch Politik und Presse unter Druck gesetzt und verlangt von der Kommissarin und ihren Kollegen innerhalb kürzester Zeit Ergebnisse. Doch der Mord geschah in den Wirren des Krieges, Familienangehörige und Zeitzeugen sind vermisst, verschollen oder bereits verstorben, die Spur ist längst kalt. „Die Zeit arbeitete gegen die Wahrheit und für das Vergessen“ – mit dieser Aussage möchte Gina Angelucci sich jedoch nicht abfinden, und letztendlich wird ihre Hartnäckigkeit von Erfolg gekrönt.

Mit der vorliegenden Neuerscheinung „Unbarmherzig“ hielt ich das erste Buch von Inge Löhnig in meinen Händen. Obgleich es sich hierbei um den zweiten Fall der Reihe um die Kriminalkommissarin Gina Angelucci handelt, fand ich mich mühelos in der Geschichte zurecht. Die Autorin besitzt einen sehr flüssigen und einnehmenden Schreibstil, sie versteht es geschickt, den Leser ans Buch zu fesseln. Der brutale Mord und die interessante Ermittlungsarbeit der Kriminalbeamten bringen Spannung ins Buch, die Neugier auf die Identität des Täters wird geweckt. Rückblenden in die Vergangenheit erzählen von einer Munitionsfabrik der Nazis, in der zweitausend Kriegsgefangene, Sträflinge und Zwangsarbeiter tätig waren. Detaillierte Orts- und Zeitangaben ermöglichen eine gute Orientierung im steten Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Der Fokus ist auf die Protagonistin Gina Angelucci, ihre Kollegen, und ihre Familie gerichtet. Im Erzählstrang, der sich mit der Vergangenheit befasst, spielt eine junge Zwangsarbeiterin aus Riga namens Kairi Naujokate die Hauptrolle. Ihre Verschleppung, die beschwerliche Reise zur Heeresmunitionsanstalt und ihr hartes, entbehrungsreiches Leben in Altbruck werden dem Leser überzeugend nahegebracht. Inge Löhnig stellt ihren Protagonisten zahlreiche Nebenfiguren zur Seite und streut darüber hinaus einige Verdachtsmomente. Auch dem Privatleben von Gina Angelucci wird große Aufmerksamkeit zuteil, der Kommissarin und ihrer Familie droht Gefahr aus völlig unerwarteter Richtung. Ich empfand sowohl die Charakterzeichnung der handelnden Personen, als auch die Darstellung ihrer Konflikte als äußerst gelungen.

FAZIT: „Unbarmherzig“ war mein erstes, aber mit Sicherheit nicht das letzte Buch dieser Autorin. Der vorliegende Krimi hat mir sehr gut gefallen. Inge Löhnig bereitete mir mit ihrem Schreibstil, der spannenden Handlung und überzeugenden Charakteren großes Lesevergnügen und ich freue mich bereits auf weitere Bände dieser Reihe.

Veröffentlicht am 30.05.2019

Nichts war mehr wie früher, und alles war die Schuld dieser Frau!

Die Ehe der Barbara Körner
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Nichts war mehr wie früher, und alles war die Schuld dieser Frau!

Barbara, die älteste Tochter des reichen Papiermüllers aus Wissfeld an der Brieg ist zutiefst empört. Nachdem Hans Georg Körners Ehefrau ...

Nichts war mehr wie früher, und alles war die Schuld dieser Frau!

Barbara, die älteste Tochter des reichen Papiermüllers aus Wissfeld an der Brieg ist zutiefst empört. Nachdem Hans Georg Körners Ehefrau Lindel Weinachten 1697 starb, entschloss sich der frisch gebackene Witwer bereits kurze Zeit später, eine neue Ehe einzugehen. Hermine Bertel ist eine Schönheit mit tiefgrünen Augen und einer blonden Lockenpracht, ihre Anmut, ihre graziösen Bewegungen und ihr Liebreiz entflammten Barbaras Vater auf den allerersten Blick. Diese Heirat mit einer jungen Frau, die kaum älter war als sie selbst, entzweite Vater und Tochter. Es kommt vermehrt zu Konfrontationen, und als Barbara eine arrangierte Ehe mit dem Sohn eines Kölner Verlagsinhabers boykottiert, eskaliert die Situation. Hans Georg greift zu einer drastischen Maßnahme, die für alle Beteiligten tragische Folgen hat.

Christina Auerswald hat mich mit dieser Geschichte um die junge Papiermüllerstochter Barbara vom ersten Moment an voll und ganz in ihren Bann gezogen. In einem unvergleichlich schönen Schreibstil und einer gewählten Sprache, die zu lesen einen wahren Genuss darstellt, zeichnet sie ein Bild der Familie Körner und ihres Umfelds. Man lernt Hans Georg, seine Ehefrau Lindel und ihre fünf Kinder kennen, doch die hochschwangere Lindel und ihr sechstes Kind sterben bei der Geburt. In einfühlsamen Worten erzählt die Autorin von der unsäglichen Trauer der ältesten Tochter Barbara sowie ihrem Stolz und Trotz, die letztendlich deren weiteres Schicksal beeinflussen. Christina Auerswalds erstklassige Charakterzeichnung ihrer handelnden Figuren hat mich tief beeindruckt. Sie verleiht sowohl Protagonisten, als auch Nebenfiguren eine unglaubliche Tiefe, ihre Darstellung fiel facettenreich und in hohem Maße authentisch aus. Man kann nicht umhin, sich in diesem Buch zu verlieren, die Figuren der Handlung auf ihrem Weg zu begleiten, mit ihnen zu hoffen und zu bangen. Eine tiefe Fülle von Emotionen begleitete mich als Leser dieses Buches, und ich bedauerte es zutiefst, mich nach der letzten Seite wieder von ihnen verabschieden zu müssen. Die Autorin liefert keine Schwarz-Weiß-Zeichnung, sie erzeugt vielmehr Verständnis für das Denken und Handeln der verschiedenen Personen. So fühlt man mit der Protagonistin Barbara, nachdem ihre Mutter starb und sie innerhalb kürzester Zeit mit ihrer neuen Stiefmutter konfrontiert wurde. Doch nach und nach treten die guten Charaktereigenschaften dieser jungen, bildschönen Frau aus vornehmer Familie zutage, und ich konnte mich einer emotionalen Einbeziehung nicht mehr widersetzen. Obgleich Hans Georg Körner durch seinen Mangel an Takt und Feingefühl großen Schaden anrichtet, vermittelt die Autorin auch dessen guten Eigenschaften und ein Verständnis für die im Grunde wohlmeinenden Motive seines Handelns. Als männlicher Protagonist fungiert Valentin Martin Körner, im Buch stets „Velten“ genannt. Als Lumpensammler zählt er zu den Ärmsten der Armen in Wissfeld. Ein dunkler Fleck in der Vergangenheit belastet den fleißigen und wortkargen jungen Mann, doch er trägt sein hartes Schicksal ohne zu Klagen. Nachdem Hans Georg Körner ihm ein unwiderstehliches Angebot unterbreitet, scheint aus Veltens größter Traum von einem Leben in der Neuen Welt ein erreichbares Ziel zu werden. Durch Ruprecht Wildkatz, den talentierten Verlegersohn mit dem unattraktiven Äußeren, Veltens unglücklichen Vater Martin Körner und den freundlichen Pfarrer Gunter Hammer wird die Handlung in Form interessanter Nebenfiguren bereichert. Mein unangefochtener Favorit war und ist jedoch Albrecht Langen. Als uneheliches Kind einer jungen Frau, die knapp vor der Geburt schwerste Misshandlungen erleiden musste, kam Albrecht stark verunstaltet zur Welt. Der wortkarge und verwachsene Mann mit dem verschobenen Gesicht, der sich nur mittels Grunzlaute zu verständigen vermag, wird geschmäht, verspottet und gemieden. Einzig Barbara sieht in ihm einen in seinem missgestalteten Körper gefangenen mitfühlenden und warmherzigen Menschen. Albrecht ist Barbaras liebevoller und einziger Freund, den sie wie einen großen Bruder liebt und der ihr durch seine stummen freundschaftlichen Umarmungen Trost schenkt. Albrechts Intelligenz äußerst sich in seiner hervorragenden Arbeit in der Papiermühle und seiner Kunstfertigkeit im Lesen und Schreiben, die besonders Pfarrer Hammes bei den Eintragungen in seinen Büchern zugutekommt. Als böser Antagonist dieses Buches fungiert Hans Georgs streitsüchtiger Bruder Heinrich, der nach einer über zwanzig Jahre währenden Fehde wieder in die Familie aufgenommen wird.

Fazit: „Die Ehe der Barbara Körner“ stellte für mich ein außergewöhnlich schönes Leseerlebnis dar. Dieser Roman hat meinem Lesegeschmack in jeglicher Hinsicht entsprochen und alle meine Erwartungen weit übertroffen. Ich empfand sowohl die wunderschöne Sprache, als auch die interessante Handlung und das spannungsgeladene Finale, mit dem ich im Grunde nicht gerechnet hatte, als reinen Lesegenuss. Durch die hervorragende Charakterzeichnung der handelnden Figuren vervollständigte sich mein grandioser Leseeindruck und ich darf ruhigen Gewissens behaupten, dass „Die Ehe der Barbara Körner“ ein herausragendes Lese-Highlight für mich darstellt. Ich kann es kaum erwarten mich in den Nachfolgeband zu vertiefen und die Geschicke der Barbara Körner weiter zu verfolgen.

Fünf Bewertungssterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung für dieses fantastische Buch!