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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.06.2019

Die perfekte Sommerlektüre!

Sommer unter Sternen
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Was für ein super schönes Buch! Ich bin total begeistert von „Sommer unter Sternen“ – es hat mir sogar noch besser gefallen als das erste Buch der Autorin („Sommer in Atlantikblau“) letztes Jahr.

Dieser ...

Was für ein super schönes Buch! Ich bin total begeistert von „Sommer unter Sternen“ – es hat mir sogar noch besser gefallen als das erste Buch der Autorin („Sommer in Atlantikblau“) letztes Jahr.

Dieser Roman hat einfach alles, was einen guten Urlaubs-schmöker ausmacht:
• ein tolles und unverbrauchtes Setting auf Fire Island, einer langgezogenen Insel vor New York,
• eine rundum sympathische Heldin, die tatsächlich als alleinerziehende Mutter von dreijährigen Zwillingsmädchen zur Alltagsheldin wird,
• einen interessanten und gutaussehenden Mann, der Ecken und Kanten, aber (nach einer gewissen Annähe-rungsphase) auch Familiensinn hat,
• eine romantische Story, die wunderschön in das Setting eingearbeitet ist und
• ganz, ganz viel Sommerfeeling!

Am Anfang der Geschichte geht es zum großen Teil um Ella und die Umbruchssituation, in die sie durch die Trennung von ihrem Ehemann hineingeworfen wird. Eine sehr große Rolle spielen hier auch ihre zwei Mädchen - und ich bin sicher, jede Mutter, ob alleinerziehend oder nicht, wird sich an der ein oder anderen Stelle wiedererkennen.

Nach und nach rücken die Kinder etwas in den Hintergrund und der Vorhang geht auf für die Love Story in diesem Buch. Obwohl sich die Schwerpunkte verschieben, hat man nie das Gefühl, im Buch einen Bruch zu verspüren. Es passiert einfach ganz natürlich, dass Ella ihren Fokus ein Stück weit von den Kindern weg zu einem (neuen) Mann verlegt. Trotzdem finde ich die Situationen nachvollziehbar und schlüssig geschildert. Ich hatte – und das passiert mir relativ selten – zu jeder Zeit das Gefühl, dass es eine runde Geschichte ist, die genau so richtig ist, wie sie erzählt wird.

Besondere Freude hat mir die Schilderung der Tortenbäckerei gemacht, denn hier hat man gemerkt, wieviel Liebe zur Handwerkskunst hinter Ellas Kreationen steckt. Es ist eben nicht einfach nur Teig kneten und backen – nein, es gehört viel mehr dazu.

Ein interessanter Aspekt war auch, dass im Buch trotz des insgesamt leichten Tons auch ernste Themen angesprochen werden. Der immense Leistungsdruck, in diesem Fall unter Sterneköchen, ist überzeugend geschildert und zeigt, wie sehr die ganze Branche dem Ideal des „Höher-schneller-weiter“ hinterher hechelt. Dass das Menschen kaputt machen kann, wird hier sehr deutlich dargestellt. Auch hier habe ich aber keinen Bruch zum leichten Stil des Buches festgestellt, sondern dieses Thema als bereichernd empfunden.

Kurz und gut:
Absolute Leseempfehlung für mein Sommerbuch des Jahres!!!

Veröffentlicht am 25.05.2019

Alice im Wunderland – mit Katze statt Kaninchen ;-)

Die Katze im Lavendelfeld
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Alice lebt seit einiger Zeit im provenzalischen Beaulieu, be-treibt einen erfolgreichen Food-Blog und träumt von einem Haus mit Garten. Sie hat in der malerischen Kleinstadt einige Freunde, z. B. Koch ...

Alice lebt seit einiger Zeit im provenzalischen Beaulieu, be-treibt einen erfolgreichen Food-Blog und träumt von einem Haus mit Garten. Sie hat in der malerischen Kleinstadt einige Freunde, z. B. Koch Georges (der ausgebildeter Psychologe ist) und die ältere Dame Jeanine, die sie unterstützen wo sie nur können. Als Alice am Verhalten von Jeanine merkt, dass die Freundin an Demenz erkrankt sein könnte, wird die Situation schwieriger. Doch da taucht in einem Lavendelfeld ein kleines dreifarbiges Kätzchen auf und bringt einen Stein ins Rollen, der das Leben aller Figuren in diesem Roman verändert.

Mit Alice und ihren Freunden kommt man schon nach wenigen Seiten im Lese-Kurzurlaub an. Jede Seite versprüht Urlaubsgefühle, man riecht förmlich die würzigen Kräuter der Provence und das eine oder andere Mal schleicht sich beim Lesen ein leichtes Magenknurren ein, weil da gerade wieder eine Szene mit leckerem Essen ist…

Die Figuren fand ich auf ihre eigene Art eigentlich alle sympathisch. Am meisten ins Herz geschlossen habe ich aber trotz allem Jeanine. Wie sie langsam erkennt, dass ihre Schusseligkeit und Vergesslichkeit einen tieferen Grund haben könnte als nur das fortschreitende Alter, war sehr feinfühlig beschrieben – hier merkt man, dass die Autorin selbst Erfahrungen im Umgang mit Demenzkranken hat und sich mit deren Verhaltens- und Sichtweisen auskennt.

Das Buch, das zum Teil als „Katzenroman“ beworben wird, ist für mich viel mehr als nur das. Denn die Fellnasen spielen zwar eine Schlüsselrolle, sind aber dennoch nicht übertrieben „vermenschelt“ im Text. D. h., sie haben keine Sprechrollen oder ähnliches, wie man es von diversen anderen Tierromanen kennt. Vielmehr runden die Vierbeiner das Buch ab, sie machen es ein wenig bunter und lassen einen (als Katzenbesitzer) das eine oder andere Mal schmunzeln, wenn einige typische Verhaltensweisen ins Spiel kommen. Die Katzen werden aber nicht in den Vordergrund gestellt und es wird auch nicht aus Katzensicht erzählt. Das finde ich gut, denn das kann über die Länge eines ganzen Buches dann doch ermüdend werden. Hier ist eine gute Mischung gelungen aus vordergründiger (Menschen)geschichte und begleitenden 12 Tatzen.
Neben der Handlung an sich kommt auch die Landschaft, die Kulinarik und das Lebensgefühl Frankreichs und speziell der Provence nicht zu kurz, was dem Roman Urlaubsflair verleiht und Entspannung garantiert.

Ich konnte die „Lesereise nach Frankreich“ sehr genießen und fand den Roman in sich rund und nicht zu überladen mit ernsten Themen, obwohl sie deutlich angesprochen und verarbeitet werden. Meine Leseempfehlung für relaxte Lesestunden im Sommer!

Veröffentlicht am 08.05.2019

Ein „künstlerisch wertvoller“ Fall für Albin und Tyson!

Schatten der Provence
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Ich mag Albin Leclerc einfach und auch in seinem vierten Fall habe ich ihn wieder mit Begeisterung bei seinen Ermittlungen begleitet! Albin ist ein Unikum, ein pensionierter Kriminalkommissar, der – voll ...


Ich mag Albin Leclerc einfach und auch in seinem vierten Fall habe ich ihn wieder mit Begeisterung bei seinen Ermittlungen begleitet! Albin ist ein Unikum, ein pensionierter Kriminalkommissar, der – voll aus dem Leben gegriffen – mit dem Pensionärsdasein hadert, sich noch immer tatkräftig fühlt und eigentlich nicht zum alten Eisen gehören will. Das Ergebnis: immer wieder mischt er sich in laufende Ermittlungen ein und hält damit seine Ex-Kollegen auf Trab.

Da hilft auch Tyson nicht viel, der Mops, den die Kollegen Al-bin zum Eintritt in den Ruhestand geschenkt haben, damit er eine Aufgabe (außerhalb des Polizeidienstes!) hat. Ein hehres Ziel... aber Albin hält das von seinen Ermittlungen auf eigene Faust nicht ab. Kurzerhand ist Tyson halt immer mit dabei, wenn Albin auf Verbrecherjagd geht. Ich mag Albins Art, unbequem zu sein, seine manchmal schelmische Gelassenheit, wenn er sich nicht ganz legal an den Ermittlungen beteiligt und seine imaginären Zwiegespräche mit Tyson.

Dass dies schon der vierte Fall für das sechsbeinige Ermittlerduo ist, sollte Neu-Leser nicht vom Lesen abhalten. Das Buch ist ohne Probleme auch ohne „Vorkenntnisse“ lesbar, die wichtigen Zusammenhänge aus den Vorbänden werden an passender Stelle kurz zusammengefasst, so dass der Leser nie den Eindruck hat, den Faden zu verlieren. Auch für mich, die alle Bände kennt, war das als Gedankenstütze hilfreich, wenn doch mal ein paar Details aus den vorherigen Bänden verloren gegangen waren.

Und auch den Fall fand ich diesmal wirklich sehr spannend, da es um Raubkunst der deutschen Nationalsozialisten aus dem 2. Weltkrieg ging. Wie in vielen anderen Städten wurden die Wohnungen von wohlhabenden Juden oder Systemkritikern auch in Marseille geplündert, die Menschen deportiert, ihre Kunstschätze beiseitegeschafft... ein dunkles Kapitel deutsch-französischer Geschichte, das hier noch einmal aufgerollt und spannend in Szene gesetzt wird.



Nebenbei erfährt man historische Details aus der Provence und lernt die Künstler des frühen 20. Jahrhunderts und ihre Werke näher kennen. So etwas finde ich immer besonders interessant, denn so kann ich meinen Wissenshorizont erweitern, ohne trockene Fachbücher lesen zu müssen – das Wissen wird einfach nebenbei vermittelt und ist in diesem Roman auch gut in die Rahmenhandlung eingebunden.

Kurz gesagt:
Albin + Tyson + die traumhaft schöne Provence + ein künstlerisch wertvoller Fall = perfekte Krimiunterhaltung!

Veröffentlicht am 25.04.2019

Absolut mitreißend!

Das Weingut. Aufbruch in ein neues Leben
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Ich liebe Bücher. Und ich liebe Wein. Beste Voraussetzungen für dieses Buch  Auch wenn es darin nicht vorrangig um die Weinherstellung geht, sondern eher um die Lebens- und Ar-beitsbedingungen in Fabriken ...


Ich liebe Bücher. Und ich liebe Wein. Beste Voraussetzungen für dieses Buch  Auch wenn es darin nicht vorrangig um die Weinherstellung geht, sondern eher um die Lebens- und Ar-beitsbedingungen in Fabriken im späten 19. Jahrhundert. Der Wein kommt auch nicht zu kurz, aber eben etwas kürzer als gedacht.

Ich war jedenfalls auch diesmal wieder begeistert! Marie Lacrosse (ein Pseudonym der Autorin Marita Spang) hat ein unfassendes Panorama erschaffen, welches die Lebensumstände mehrerer Klassen detailreich und authentisch schildert.

Im Vordergrund stehen auch in diesem zweiten Band Irene (ein ehemaliges Dienstmädchen der Gutsbesitzerfamilie Gerban) und Franz (der Sohn des Gutsbesitzers). Da die beiden Liebenden zum Ende des ersten Bandes nicht zusammengefunden haben, erzählt dieser zweite Band ihre Lebensgeschichten (zunächst) unabhängig voneinander weiter. Eine große Rolle spielen dabei Irenes Tätigkeiten in einer Tuchfabrik und später als Näherin. Auch Franz‘ Entscheidungen über seine weitere Zukunft hängen am seidenen Faden. Soll er trotz der Differenzen mit seinem Vater das Weingut übernehmen?

Ich habe mit Irene und Franz regelrecht mitgefiebert, was vor allem an dem mitreißenden Erzählstil liegt, den die Autorin an den Tag legt. Über die Osterfeiertage bin ich nur so durch die Seiten geflogen – dass es fast 700 waren, hat mich überhaupt nicht gestört. Ganz im Gegenteil, ich war ein wenig traurig, als die Geschichte zu Ende war.

Zum Glück ist der dritte Band dieser Saga schon für September 2019 angekündigt – und ich freu mich jetzt schon drauf!

Wer dramatische historische Schmöker liebt und dabei noch etwas über die Lebensumstände damals lernen möchte, ist hier genau richtig! Empfehlen würde ich aber, den Vorgängerband gelesen zu haben, bevor man mit diesem hier beginnt. Viele Zusammenhänge aus Band 1 werden zwar noch einmal zusammengefasst – aber dort ist schon recht viel passiert und das Lesen ist sicher entspannter, wenn man die Vorgeschichte kennt.

Veröffentlicht am 12.04.2019

Vorhang auf für den etwas anderen Goldammer!

Großes Sommertheater
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Huch! Was schreibt der denn jetzt für Zeug? denkt sich vielleicht der eine oder andere Fan von Frank Goldammers Kriminalkommissar Max Heller und beäugt erstmal skeptisch das metallisch glänzende Cover ...

Huch! Was schreibt der denn jetzt für Zeug? denkt sich vielleicht der eine oder andere Fan von Frank Goldammers Kriminalkommissar Max Heller und beäugt erstmal skeptisch das metallisch glänzende Cover dieses Satire-Romans. Mit „Großes Sommertheater“ befreit sich der Autor aus dem historisch-zeitgeschichtlichen Korsett seiner Krimi-Reihe um Kommissar Heller und bricht auf zu neuen Ufern (wie passend, diese Geschichte dann an der Ostsee spielen zu lassen!). Aber die Krimi-Fans können ganz beruhigt sein: ohne den einen oder anderen Toten kommt er auch diesmal nicht aus

Angekommen im 21. Jahrhundert schaut Herr Goldammer seinen Mitmenschen sehr genau auf die Finger (und diverse andere Körperteile) und bringt die Wahrheit über Zwangszusammenrottungen wie Familien mit viel (schwarzem) Humor zu Papier. Vom verzogenen Kleinkind bis zum Hartz-4-Schmarotzer ist alles vorhanden, wozu die heutige Gesellschaft gern den moralischen Zeigefinger hebt (oder sich in den sozialen Medien mehr oder weniger geistreich echauffiert).

Alles etwas überspitzt in diesem Roman? Da wäre ich mir nicht so sicher, denn es scheint oft mehr als nur ein Körnchen Wahrheit in bzw. hinter den Figuren zu stecken. Anfangs habe ich mich dabei ertappt, beschriebene Klischees hinzunehmen und gedanklich mitunter sogar zu unterstützen. Aber irgendwann war da ein Punkt, da setzte das Nachdenken ein. Und das Hinterfragen. Letztlich hat alles (mindestens) zwei Seiten... jede Verhaltensweise hat Ursachen, jeder sinnentleerte Kommentar auf Facebook eine Vorgeschichte. Nur blenden wir das gern aus und nehmen erstmal nur das zur Kenntnis, was uns ganz offensichtlich präsentiert wird.

Das Buch ist genau das, was der Name verspricht – ein Theaterstück. Und zwar eins mit Finesse und erstaunlichem Tiefgang angesichts der locker-flockigen Sprache. Zwangsläufig wird man als Leser einige Wahrheiten erfahren... und zwar meistens unbequeme, und die dann auch noch über sich selbst. Wer das nicht scheut, kann in diesem Roman eine kleine satirische Perle entdecken.

Und die Moral von der Geschicht‘? Nachdenken lohnt sich. Miteinander reden meistens auch. Und vor allem lohnt es sich, diesen Roman zu lesen. Ich! Will! Mehr! Davon!