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Veröffentlicht am 01.12.2025

In allem leider zu vorsichtig

Der Duft. Er führt dich ins Paradies. Oder in die Hölle
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Der Duft, das Debüt des französischen Parfümeurs Paul Richardot, spielt mit den Sinneseindrücken. Es versucht mit seinem pinken Cover zu verfuhren und einen mit seinen olfaktorischen Reizen zu übermannen. ...

Der Duft, das Debüt des französischen Parfümeurs Paul Richardot, spielt mit den Sinneseindrücken. Es versucht mit seinem pinken Cover zu verfuhren und einen mit seinen olfaktorischen Reizen zu übermannen.
Zu Beginn trifft man auf den Olfakteur Alain und seinen Schülers Hélias in seinem historisch anmutenden Laboratorium in Le Mans. Die beiden verstehen sich in der Kunst der Komposition, nicht von Parfum, sondern von Dufterinnerungen. Seien sie positiv oder negativ vom "Patienten" assoziiert. Je nach Wunsch der Kunden werden bereits erlebte Szenen oder Gefühle durch die Gerüche wiederbelebt. Ganz klar entdeckt man hier Parallelen zum Klassiker "Das Parfum" von Patrick Süßkind.
Parallel begegnet man der Karrierefrau Nora, die auf gehobener Position in der Zentrale von Fragrancia ihren Kopf aus der Schlinge ziehen muss. Die Firma hat mächtig Druck und sie damit auch. Hélias entpuppt sich als Wunderkind mit genialer Nase und gerät in die Wirren und kriminellen Machenschaften von Fragrancia.

Es geht um sexuellen Missbrauch, Drogenmissbrauch und Korruption. Doch alles in sehr sanften Wellen. Manchmal glaubt man, die Spannung steigt, doch dann ist sie so schnell wieder vorbei wie ein Dufthauch. Aus diesem Grund würde ich dieses Buch keinesfalls als echten Thriller oder Krimi bezeichnen. Es gibt nicht viel zu rätseln oder mitzufiebern.

Die Figuren des Hélias und Nora sind grundsätzlich interessant gestaltet. Nora mit ihren inneren Brüchen will man am ehesten noch besser kennenlernen, da man noch nicht ganz ihre Motivation und Beweggründe versteht. Hélias möchte man, ob seiner Naivität, schütteln. Zu gutgläubig und abwartend verhält er sich.

Das Ende lässt einen leider dann auch noch recht unaufgeklärt zurück. Vielleicht ist es als Cliffhanger für einen Folgeroman gedacht, es wirkt leider so als wären 10 Seiten am Ende gekürzt worden.
Für Naturwissenschaftler oder Science Nerds gibt es allerdings einige tolle Stellen. Wer sich nicht vor chemischen Substanznamen fürchtet und die Beschreibungen der Herstellung aushalten oder sogar in Gedanken nachvollziehen kann, kommt hier trotzdem auf seine Kosten. Ich habe mir ehrlich mehr gewünscht, die Ansätze waren gut, hoffentlich darf der Autor sich noch weiterentwickeln. Ich würde ihm eine zweite Chance geben.

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Veröffentlicht am 26.06.2025

Utopie für Kinder

Komm mit in die Welt von morgen!
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Wünschen wir uns nicht alle eine bessere Welt? Eine mögliche Version davon beschreibt Katja Diehl in ihrem neuen Buch "Komm mit in die Welt von morgen", untermalt mit Illustrationen von Emily Claire Völker.
Auf ...

Wünschen wir uns nicht alle eine bessere Welt? Eine mögliche Version davon beschreibt Katja Diehl in ihrem neuen Buch "Komm mit in die Welt von morgen", untermalt mit Illustrationen von Emily Claire Völker.
Auf etwa 40 großformatigen Seiten begleiten wir Hope, die weder eindeutig Junge noch Mädchen ist, durch ihr Leben in der Stadt. Hope lebt, aus aktueller Sicht, in einer unkonventionellen Mischung aus Familie und offener Gemeinschaft in einem Mehrparteien-Haus. Eigentum existiert quasi nicht mehr und alle teilen sich alles. Es gibt keine Verbrennerautos mehr und alles ist super divers und die Vergangenheit (in etwa heute) wird düster und schmutzig dargestellt. Einmal ganz grundlegend betrachtet hat dieses System sicher viele Vorteile, vor allem für die Umwelt. Und das ist sicherlich auch das Hauptanliegen der Autorin. Kinder aufklären, wie eine grüne und soziale Zukunft aussehen könnte. Allerdings erscheint die Gesellschaft sehr einheitlich aus extrovertierten und intelligenten Menschen zu bestehen. Leider ist das nicht Realität, Menschen die Ruhe suchen und deshalb den trubeligen Alltag in diesem Gesellschaftsmodell nur schwer ertragen könnten, werden außen vor gelassen.
Aus literarischer Sicht ist das Buch eine Mischung aus Sachbuch und Erzählung. Es gibt jede Menge "Tipps für Eltern", die ab und zu etwas belehrend anmaßen.
Es gibt viele gute Ansätze, wahrscheinlich hätte es etwas weniger fachlichen Input und dafür mehr Story gebraucht, um wirklich gut lesbar zu sein. Gerade für Kinder fehlte ein richtiger "Held" oder eine "Heldin" in der Geschichte und es ging mehr um das Drum-Herum als um die Hauptfigur.

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Veröffentlicht am 05.06.2024

Habe mehr Geheimnisse, mehr Düsternis erwartet

A Tempest of Tea
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Ich hatte durch die große Bewerbung durch den Verlag und auch das tolle Cover und besonders die überaus schicke Buchgestaltung des Hardcovers mit silbernen Schnörkeln deutlich mehr von der Geschichte erwartet.

Die ...

Ich hatte durch die große Bewerbung durch den Verlag und auch das tolle Cover und besonders die überaus schicke Buchgestaltung des Hardcovers mit silbernen Schnörkeln deutlich mehr von der Geschichte erwartet.

Die Autorin Hafsah Faizal beschreibt im wahrsten Sinne des Wortes sehr blumig die Geschehnisse rund um Arthie und Jin, das Doppelgespann aus dem Spindrift. Beide sind Waisen, die sich aus ihrem Straßenleben nach oben gekämpft haben und sich mit dem eigenen Lokal zu einem gewissen, zwielichtigen Ruhm hochgearbeitet haben. Das Spindrift ist tagsüber Teesalon und nachts Blutbar für Vampire.

Die blumige, lautmalerische Sprache mag manchmal passen und die Stimmung gut beschreiben, wie zum Beispiel hier: "Wolken wickelten den Mond in Tüll, Rauch schlängelte sich aus einem Fenster und legte sich mit der salzigen Brise an." Jedoch hilft sie nicht, wenn sie als Metapher den Lesenden nur zweideutig die Bedeutung von Handlungen oder Meinungen der Figuren vermitteln soll.
Das führte bei mir dazu, dass ich manchmal mit einigen Fragen zurückgelassen wurde. Gerade am Ende des Buches blieb so viel unausgesprochen und ungeklärt, dass ich ziemlich unzufrieden war.

Die Welt in der die Figuren leben ist vergleichbar mit Leigh Bardugos Krähen-Dilogie, es gibt Clans, elegante und gerissene Händler, gierige Oberhäupter und schmutzige Straßenkämpfe. Allerdings werden die einzelnen Figuren nicht so tiefgründig vorgestellt und die Handlung ist nicht so logisch nachvollziehbar.
Mir fehlte es insgesamt an Klarheit und einem roten Faden, insbesondere die Motivation einzelner Figuren blieben im Dunkeln. Wer jedoch wortgewaltige Beschreibungen und Fantasy mag und damit leben kann auf Band 2 zu warten, um überhaupt zu verstehen, was am Ende von Band 1 passiert, dem könnte "A Tempest of Tea" gefallen.

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Veröffentlicht am 11.10.2022

Idee super, Umsetzung leider nicht 100% perfekt

Omi, ich bin jetzt vegan!
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Ein Kochbuch, dass sich auf Rezepte der älteren Generation spezialisiert oder besser gesagt auf die, die man mit Kindheit, Geborgenheit verbindet, nur in veganer Variante. Danach haben sicher schon viele ...

Ein Kochbuch, dass sich auf Rezepte der älteren Generation spezialisiert oder besser gesagt auf die, die man mit Kindheit, Geborgenheit verbindet, nur in veganer Variante. Danach haben sicher schon viele Veggie-Gourmets lange gesucht. Denn oft sind es die speziellen Konsistenzen, die Fluffigkeit, die durch Ei und Co. kommen, die man selbst in veganer Manier nicht so ganz zusammen bekommt. Oder man denkt nur, es kann ja nicht klappen.

Angelique Vochezer und ihre Großmutter Ingeborg Teßmann lehren einen das Gegenteil mit ihrem liebevoll zusammengestellten Buch über Lieblingsgerichte aus der Kindheit. Begleitet werden die Rezepte von einem längeren Einleitungsteil, in dem die jüngere der beiden Autorinnen beschreibt, wie sie zum veganen Lebensstil gekommen ist, welche Vorteile er mit sich bringt und auf welche Hindernisse sie dennoch gestoßen ist. Außerdem erklärt sie, worauf man achten sollte, aber auch, wie man sich durch saisonales Obst und Gemüse und sinnvolle Vorräte einen schmackhaften, gesunden und bunten Teller zubereiten kann. Omi Ingeborg kommentiert weiterhin, dass früher sowieso weniger Fleisch auf den Tisch kam - es war einfach teuer und schwerer zu bekommen.

Die Rezepte orientieren sich etwas an der Österreichischen Küche, mit vielen Teigwaren (Kaiserschmarrn, Zwetschgenknödel, etc.). Themen sind: Suppen, Basics (z.B. Aufläufe, Klopse, Ei-Ersatz), Salate, Einmachen, Geburtstagstisch, Ostern und Weihnachten. Positiv aufgefallen ist mir, dass jedes Rezept von einem hübsches Bild flankiert wird. Größtes Manko im Buch und beim Ausprobieren der Rezepte waren die recht knappen Beschreibungen. Wer noch nie Germknödel selbst gezaubert hat, bleibt mit großen Fragezeichen zurück, wenn er sie formen und "sieden" soll. Hier hätten die beiden ausführlicher erklären sollen.

Die Idee und Umsetzung insgesamt ist jedoch gelungen und wird mit Sicherheit einige Menschen überzeugen, dass man mit veganer Ernährung eben nicht auf die geliebten Gerichte aus der Kindheit verzichten muss, sondern mit etwas Kreativität gesunden Genuss erleben kann.

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Veröffentlicht am 23.07.2019

Verlust und Liebe auf engstem Raum... voller Gefühl

Fünf Tage im Mai
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Heutzutage ist es keine Selbstverständlichkeit mehr, seine Urgroßeltern wirklich kennenlernen zu können. Und umso mehr sollte man es dann genießen und wertschätzen, wenn dies möglich ist. Genau dies tut ...

Heutzutage ist es keine Selbstverständlichkeit mehr, seine Urgroßeltern wirklich kennenlernen zu können. Und umso mehr sollte man es dann genießen und wertschätzen, wenn dies möglich ist. Genau dies tut auch die Protagonistin in Elisabeth Hagers Roman „Fünf Tage im Mai“. Sie erzählt von der Beziehung des jungen Mädchens Illy zu ihrem Urgroßvater, den sie nur Tat’ka nennt. Obwohl er als ältester Mensch des urigen Tiroler Dorfs aus einer ganz anderen Zeit stammt als Illy, versteht er sie doch viel mehr als ihre eigenen Eltern.

Diese verbieten ihr den Umgang mit ihrer ersten großen Liebe Tristan. Der Musiker und unkonventionelle (für Tiroler Verhältnisse) Typ passt nicht in das ordentliche Bild, welches die Dorf-Gemeinschaft vorgibt. Nur Tat’ka versteht Illy und ihre Liebe zu Tristan. Dass diese Liebe aber nicht ohne Probleme daherkommt, lässt sich leicht erahnen. Und so treffen wir Illy, Tristan und Tat’ka in verschiedenen Situationen, stets im Mai, aber in unterschiedlichen Jahren an. Die Wandlungen sind manchmal drastisch, manchmal erst nach ein paar Seiten des neuen Kapitels verständlich, gehen aber sehr zu Herzen und hinterlassen ein melancholisches Bild einer tragischen Jugendliebe und die tiefe Verbundenheit zwischen Enkelin und Urgroßvater.

Dieses Buch geht zu Herzen. Für mich war es manchmal ein wenig zu viel. Wenn man selber schon Verlust erlebt hat, ist es oft nicht so einfach, darüber zu lesen. Und die Autorin schafft es sehr eindringlich, die Gefühle aufleben zu lassen. Die Handlungen an sich stehen nicht unbedingt im Vordergrund, sondern vielmehr die damit verbundenen und nachdenklich machenden Gedanken und Gefühle der Protagonisten. Manchen mag das langweilen, manchen versinken in Erinnerungen. So wird dies auch kein Buch für Jedermann sein. Empfehlenswert aber für Tirol- oder Berg-Liebhaber und Menschen, die gern anspruchsvolle Schicksalsromane und Familiengeschichten lesen.