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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.07.2019

Erfrischend und voller Nordseeluft

Die Krabbenfischerin (Ein Nordsee-Roman 6)
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Swantje Hansen ist 40, ein echtes Nordseekind und steht mit beiden Beinen im Leben. Sie hat sich ihren Traum vom eigenen Krabbenkutter erfüllt, und auch wenn sie sich als Frau in dieser Männerdomäne behaupten ...

Swantje Hansen ist 40, ein echtes Nordseekind und steht mit beiden Beinen im Leben. Sie hat sich ihren Traum vom eigenen Krabbenkutter erfüllt, und auch wenn sie sich als Frau in dieser Männerdomäne behaupten muss, hat sie alles im Griff. Bis auf das eine Mal, als ihr Kutter in Seenot gerät und die Seenotrettung ihr aus der Patsche helfen muss. Das gefällt ihr natürlich gar nicht, und auch nicht, dass der attraktive Seenotretter Jannis sich langsam in ihr Herz schleicht. Denn eigentlich hat sie den Männern abgeschworen.

Die Geschichte ist irgendwie typisch: Taffe Frau geht ihren Weg und braucht keine Männer, weil die einen eh immer enttäuschen. Und dann kommt plötzlich ein Prachtexemplar daher und das passt einen so gar nicht in die Pläne. Trotzdem ist das Buch herrlich erfrischend. Man kann die Nordseebrise förmlich riechen, die Krabben schmecken, den Sand spüren. Und auch der Rest der Familie Hansen ist beeindruckend, lauter starke Frauen, von denen man gern noch mehr lesen will. Toll für den Sommer, oder wann immer man etwas Nordseeluft braucht.

Veröffentlicht am 29.07.2019

Erschreckend realistisch

Dry
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Ein großer Albtraum der Menschheit wird wahr: im heißen Sommer in Kalifornien kommt von einem Tag auf den anderen kein Wasser mehr aus dem Hahn. Dauerhaft. Obwohl schön länger Dürre herrscht und die Menschen ...

Ein großer Albtraum der Menschheit wird wahr: im heißen Sommer in Kalifornien kommt von einem Tag auf den anderen kein Wasser mehr aus dem Hahn. Dauerhaft. Obwohl schön länger Dürre herrscht und die Menschen mit Wasser sparen müssen, trifft der „Tap Out“ die meisten Bewohner unvorbereitet. Teenager Alyssa mit einbegriffen. Schnell muss sie feststellen: Der Kampf ums Überleben ist da, Menschen werden zu skrupellosen Wasserzombis, jeder ist sich selbst der Nächste…gemeinsam mit ihrem Bruder und 3 weiteren Teenagern versucht sie sich, durchzuschlagen, irgendwie zu überleben.

Der Schreibstil ist flüssig, die Kapitel sind recht kurz und wechseln die Perspektive, sodass die Geschichte abwechselnd aus Sicht der Teenager geschildert wird. Zwischendurch gibt es kurze „Snapshots“, die Geschichten anderer Menschen während des Tap Outs erzählen. Diese Erzählweise macht die Geschichte kurzweilig, manchmal ist es aber auch etwas schwierig, zu folgen, da jeder Protagonist die Ereignisse etwas anders einschätzt.

Das von Neal Shusterman und seinem Sohn Jared beschriebene Szenario wirkt sehr echt und realistisch. Vielleicht, weil es das irgendwie auch ist, denn auch Deutschland befindet sich schon wieder in einem zu trockenem Sommer. Zu wenig Regen, zu viel Hitze. Denkt man das einmal weiter, ist man schnell im beschriebenen Szenario angekommen. Und das ist erschreckend. Bekanntermaßen kann der Mensch ohne Wasser nicht lange überleben, jeder weiß, wie fies es sich anfühlt, durstig zu sein. Und genau deswegen ging mir dieses Buch so sehr unter die Haut und macht mir auch Angst, denn ich möchte niemals erleben müssen, was die 5 Teenager durchgemacht haben.

Für mich ist dies eine der realistischsten Dystopien, die zwar auf den Ressourcen- und Umweltzug aufspringt, mich aber trotzdem nachhaltig beeindruckt hat.

Veröffentlicht am 06.06.2019

Schöne heile Welt

Nebenan funkeln die Sterne
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Emma ist Deutsche, lebt in London und hat das scheinbar perfekte Leben: Tausende Follower lieben die Bilder ihres spannenden Alltags und auf ihrer tollen Dachterrasse kann sie die Seele baumeln lassen. ...

Emma ist Deutsche, lebt in London und hat das scheinbar perfekte Leben: Tausende Follower lieben die Bilder ihres spannenden Alltags und auf ihrer tollen Dachterrasse kann sie die Seele baumeln lassen. Was die Follower da draußen aber nicht wissen: Emmas Leben ist gar nicht so, wie sie es auf Instagram darstellt. Sie verkriecht sich in ihrem Appartement und scheut den Kontakt zu anderen Menschen. Und dann zieht auch noch ein neuer Nachbar ein und erhebt Anspruch auf seinen Teil ihres Rückzugsortes, ihrer Dachterrasse. Und bringt ihre Gefühlswelt nebenbei auch noch gehörig durcheinander.

Emma verkörpert den modernen Influencer: Nach außen heile Welt, schöne Bilder, Friede, Freude und so weiter. Wie es wirklich in ihr aussieht, wer sie wirklich ist, das gibt sie nicht preis und das wollen die meisten Follower wahrscheinlich auch gar nicht wissen. Denn ein fröhliches Bild schafft viel mehr Likes und Aufmerksamkeit als ein wahres, trauriges. Emma fühlt sich wohl in ihrer Scheinwelt und lässt niemanden an sich ran. Bis ihr Nachbar auftaucht. Und sie sich ihrer Vergangenheit stellen muss.

Das Buch lässt sich sehr gut und locker lesen, die Instagram Einträge werden am Anfang eines jeden Kapitels geteilt (das Bild dazu muss man sich selber ausmalen).

Mir hat vieles gefallen an dem Buch. Das ganze Thema heile Internetwelt und dass man zwar glaubt, jemanden aus dem Netz zu kennen, es aber doch nicht tut, passt sehr gut in die heutige Zeit und lässt mich etwas anders auf all die heile Welt Beiträge gucken. Emmas Entwicklung, die sie im Buch durchmacht, hat mir gut gefallen, auch wenn man zwischenzeitlich nur den Kopf über ihre Reaktionen schütteln wollte. Und auch die Nebencharaktere sind mir sehr ans Herz gewachsen. Eine leichte Story für Zwischendurch mit ein paar Happen, die hängen bleiben.

Veröffentlicht am 19.02.2019

Eine berührende Familiengeschichte

Als die Tage nach Zimt schmeckten
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Ich lese gern Geschichten über fremde Länder und Kulturen. Mit dem Iran, vor allem seiner jüngsten Geschichte, hatte ich mich bisher kaum auseinander gesetzt. Dieses Buch konnte mir neben der berührenden ...

Ich lese gern Geschichten über fremde Länder und Kulturen. Mit dem Iran, vor allem seiner jüngsten Geschichte, hatte ich mich bisher kaum auseinander gesetzt. Dieses Buch konnte mir neben der berührenden Geschichte einer Frau, die ihre Wurzeln sucht, so einiges über das Land, deren Menschen und deren Kultur näher bringen.

Noor ist im Iran geboren und aufgewachsen. Mit 17 Jahren wurden sie und ihr in sehr unsicheren Zeiten von ihrem Vater nach Amerika geschickt. Hier sollten sie studieren und sich ein besseres Leben aufbauen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist Noor dies auch gelungen. Nun, 30 Jahre später, zieht es sie zurück in ihre Heimat. Sie will ihrer Tochter Lily zeigen, wo sie herkommt. Doch Lily tut sich schwer in diesem ihr unbekannten Land. Und auch Noor hat mit der Suche nach ihren Wurzeln zu kämpfen. So vieles ist so anders als damals.

Das Buch erzählt viel über Noors Leben heute, in Amerika als Iranerin, über ihren Weg, sich in dem fremden Land zurecht zu finden, über ihre Rückkehr in ihre Heimat und ganz ganz viel über die Geschichte ihrer Familie, von der Vergangenheit, der Liebe ihrer Eltern, von einer herzlichen Familie, vom kleinen, liebevoll geführten Café Leila, aber natürlich auch vom Wandel, von der Revolution und dem Leben heute, das von Unterdrückung und Angst geprägt ist.

Ich kann dieses Buch jedem, der mehr über den Iran, seine Kultur, seine Leute, seine Geschichte und vor allem auch seine Küche erfahren will, nur ans Herz legen. Der alte Iran hatte mit dem Bild, das man heute über das Land hat, kaum etwas gemein. Ich habe vorher allerdings noch kein Buch gelesen, dass diese Thematik aufgreift, und so konnte ich viel lernen.

Veröffentlicht am 19.02.2019

Der Blick hinter das Klischee

Wenn's einfach wär, würd's jeder machen
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Ich habe schon viel von Petra Hülsmann gehört, bisher aber noch nichts von ihr gelesen. „Wenn’s einfach wär, würd’s jeder machen“ ist mein erstes Buch der Autorin und ich bin durchaus positiv angetan.

Zur ...

Ich habe schon viel von Petra Hülsmann gehört, bisher aber noch nichts von ihr gelesen. „Wenn’s einfach wär, würd’s jeder machen“ ist mein erstes Buch der Autorin und ich bin durchaus positiv angetan.

Zur Story: Die junge Lehrerin Annika hat es sich in ihrer Komfortzone gemütlich gemacht. Sie unterrichtet Musik und Erdkunde an einem Hamburger Gymnasium, macht das auch gut, aber nur so gut es eben sein muss. Bis ihr Idyll ein jähes Ende findet: Gegen ihren Willen wird sie an eine Hamburger Brennpunktschule versetzt. Hier sieht sie sich plötzlich den typischen Klischeeschülern gegenüber: Kein Bock auf Schule, kein Bock auf Hausaufgaben, und richtiges Deutsch können sie auch nicht. Schnell schmiedet Annika einen Plan, wie sie schnellstmöglich an ihre gemütliche Schule zurück kehren kann. Eine Musical AG soll’s richten. Hilfesuchend wendet sie sich an ihre Jugendliebe Tristan. Und muss feststellen: So einfach ist das gar nicht. Aber wenn’s einfach wär, würd’s ja auch jeder machen.

Das Buch spielt natürlich mit den Klischees. Und das eine oder andere Mal kommt beim Lesen das Gefühl auf, dass die Autorin großer „Fack ju Göhte“ Fan ist. Aber von den Klischees lebt das Buch, sie lassen einen schmunzeln, und nach und nach kommt der Leser hinter die Fassaden der Schüler, mit denen Annika konfrontiert wird. Da gibt es Perspektivlosigkeit, Schreie nach Aufmerksamkeit und Liebe, unerfüllte Träume, aber auch Hoffnung, Zusammenhalt und Erfolg. Der Leser begleitet Annika auf ihrem Weg zur Selbsterkenntnis: Das man auch mal aus seiner Komfortzone muss, um wirklich was zu erreichen. Dass die Schwärmerei von damals heute ganz anders aussieht. Und dass das Glück manchmal so nah liegt.

Ich habe das Buch gern gelesen, es unterhält und zieht einen in seinen Bann. Sicher nicht mein letztes Buch von Petra Hülsmann.