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Veröffentlicht am 07.09.2019

Für mich leider enttäuschend

Das Schmetterlingszimmer
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Zu Beginn befinden wir uns im Jahre 1943 in Suffolk an der englischen Ostküste. Die siebenjährige Posy Montague erlebt den letzten Sommer mit ihrem heißgeliebten Vater, der ihr die Natur näher bringt und ...

Zu Beginn befinden wir uns im Jahre 1943 in Suffolk an der englischen Ostküste. Die siebenjährige Posy Montague erlebt den letzten Sommer mit ihrem heißgeliebten Vater, der ihr die Natur näher bringt und sie liebevoll seine kleine Fee nennt. Nachdem er aus dem Krieg nicht mehr zurückkehrt, ändert sich ihr Leben auf drastische Weise. Poy muss ihr geliebtes Admiral House verlassen und wird bei ihrer Großmutter wohnen. Einzig die Liebe zu ihrem Vater und den Naturwissenschaften bleiben Posy ihr Leben lang.

Auch dieser Roman von Lucinda Riley wird auf zwei Zeitebenen erzählt, wobei allerdings diesmal der Gegenwartsstrang aus dem Jahre 2006 den Hauptteil einnimmt. Nur vereinzelt kommt es zu Rückblicken in Posy's Vergangenheit als Studentin und junge Frau. In diesem Abschnitten werden auch die Geheimnisse teilweise gelüftet, um die die Handlung aufgebaut wurde.
Der Großteil des Romans besteht allerdings aus einem Familiendrama rund um die fast 70-jährige Posy, ihren zwei Söhnnen Nick und Sam samt ihren Familien und ihrer ehemaligen Jugendliebe Freddie, der nach fast 50 Jahren wieder in ihr Leben tritt. Dabei kann die Autorin locker mit seichten Vorabendserien oder auch Hauptabendprogramm a la Dallas mithalten, denn Drama gibt es genug, welches manchmal auch ins Kitschige abdriftet. Das ewige "Mein Schatz", "meine Liebe", "mein liebes Kind" nervte mich nach einiger Zeit gewaltig.
Zusätzlich schreibt Riley schreibt in ihrem neuen Roman um den heißen Brei herum, dass ich das Buch sogar einmal am liebsten in die Ecke gepfeffert hätte. Da werden Dialoge begonnen, bei denen endlich eine Offenbarung stattfinden soll, auf die der Leser schon einige Kampitellängen hofft und dann erzählt einer der Protagonisten einem anderen das große Geheimnis, aber der Leser wird nicht eingeweiht. In zwei Sätzen ist somit die Anspannung verpufft und man denkt sich nur WTF?

Natürllich müssen wir noch weitere 400 Seiten warten bis endlich eines der Geheimnisse in ein-zwei Sätzen auch uns erzählt wird, um dann schnell das Thema zu wechseln und sich dem nächsten Drama zu widmen.
Riley hat hier eindeutig zu viele Baustellen offen, bei denen sie sich letzendlich ziemlich verzettelt. Manchmal dachte ich, sie hat irgendwie keinen Plan wohin ihre eigene Geschichte gehen soll. Es passiert einfach auf den 600 Seiten nicht wirklich viel...
Zu konstruiert und gleichzeitig aber auch schwammig wird die geschichte rund um das geheimnisvolle Schmetterlingszimmer aufgebaut. Dieses ist auch der rote Faden des Romans, der letztendlich viel zu schnell abgehandelt wird.
Eine Figur, die einen wichtigen Part inne hatte, lernte man kaum kennen, was ich sehr schade fand. Hier hätte ich sehr gerne mehr über diesen Charaktere erfahren, deri m Leben eines Familienmitgliedes eine große Rolle spielte.

Leider konnte mich die Autorin diesmal nicht wirklich überzeugen. Während die kürzeren Einschübe aus der Vergangenheit interessant und lebedig geschildert werden, konnte mich der Gegenwartstrang nicht wirklich fesseln. Zu vorhersehbar, zu viel Drama und Kitsch und reichlich Überlängen machten es mir besonders in der Mitte schwer dranzubleiben.

Aber ich will nicht nur kritisieren. Rileys Schreibstil ist wie gewohnt flüssig und überzeugend. Man fliegt durch die Seiten - trotz mancher Längen. Die kurzen Abschnitte aus der Vergangenheit mochte ich gerne. Das Geheimnis um Posy und Freddie war nicht vorherhsehbar und konnte mich überraschen. Leider sind für mich diese wenigen Kriterien die einzigen Pluspunkte des Romans.

Ich weiß die Autorin kann es besser, deswegen freue ich mich auch schon auf ihren nächsten Roman, den sechsten Band ihrer Sieben Schwestern Reihe im November, der uns nach Afrika führt.

Fazit:
Leider konnte mich der neue Roman der Autorin nur bedingt fesseln. Zu viel Drama, Kitsch und etliche Längen zeigen nicht das wahre Potential der Autorin. Sie verliert sich in zu viele Baustellen und handelt wichtige Sequenzen zu schnell ab, während andere zu viel Aufmerksamkeit bekamen. Die Story hat mich emotional nicht wirklich erreicht und bleibt für mich, neben "Helenes Geheimnis", das schlechteste Buch der Autorin. Schade!

Veröffentlicht am 22.08.2019

Hat noch Luft nach oben

Der Preis des Lebens
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Vom Benevento Verlag bekam ich die Anfrage den Debütkrimi von Bernhard Kreutner zu lesen und zu rezensieren. Das Thema illegaler Organhandel hat mich sofort gepackt und Bücher von neuen österreichischen ...

Vom Benevento Verlag bekam ich die Anfrage den Debütkrimi von Bernhard Kreutner zu lesen und zu rezensieren. Das Thema illegaler Organhandel hat mich sofort gepackt und Bücher von neuen österreichischen Autoren bin ich nie abgeneigt zu lesen. Deswegen habe ich gerne zugesagt.

Man startet auch gleich rasant in die Geschichte, wobei eine junge Frau mit einem fingierten Jobangebot in ein Lokal gelockt und danach betäubt wird. Ihr wird das Herz entnommen und der Rest wird dikret entsorgt. Auf diese Weise gehen die beiden Ärzte Doktor Eva Vekete und Doktor André Keller vor, um neues "Ersatzmaterial" für ihre zahlungskräftigen Kunden zu erhalten. Dies sind vorallem sehr reiche Menschen, die sich ein neues Herz, eine Lunge oder eine Leber mit Millionen erkaufen. Wie kaltblütig und perfekt vorallem Vekete dabei vorgeht, fand ich überaus grausam und erschreckend. Doch jeder Perfektionist begeht einmal einen Fehler und so kommt es am Wiener Zentralfriedhof zu einer "Auferstehung". Als die Leichenbestatter einen Sarg fallen lassen, beinhaltet er zwei Leichen statt einer und dieser wurde fachgerecht die Leber entfernt....

Die Ermittler Michael Lenhart und Sabine Preiss, beide erst vor kurzem in eine extra geschaffene Sonderabteilung strafversetzt, bekommen statt der ihnen zuerst zugedachten Aufarbeitung alter Fälle /Carl Morx lässt grüßen!), die doppelte Leiche auf den Tisch und stellen sehr schnell fest, dass es sich um Organraub handelt.
Abwechselnd wird aus der Sicht der Ermittler und der Organmafia berichtet. Letztere lässt sich vom kleinen Zwischenfall in Wien nicht beirren. Die Organisation ist in den westlichen Ländern gut vernetzt. Sie sind europaweit die Einzigen, die in Windeseile dank BigData ein Opfer ausfindig machen können, das zu 95% zum Patienten passt.

Die Charaktere sind sehr gut beschrieben und trotzdem wurde ich nicht ganz warm mit Michael und Sabine. Michael Lenhart ist studierter Philosophe und auch bei seinen Ermittlungen liebt er es Aristoteles zu zitieren. Das war zu Beginn ja ganz nett, aber mit der Zeit begann es mich tierisch zu nerven, vorallem wenn seine Zitate sich über Absätze ergossen bis er endlich zum Punkt kommt. Sabine Preiss war einst bei einer
Spezialeinheit beim Bundesheer tätig. Beide Charaktere sind den Vorgesetzten zu direkt und ehrlich, denn sie vertreten ihre Prinzipien. Deshalb ecken sie auch sehr schnell an und wurden strafversetzt. Positiv war für mich, dass Beide keine verkrachten Existenzen sind, wie man sie so oft in Krimis findet. Es gab einen Nebencharakter, den ich äußerst sympathisch fand, nämlich Frau Wolf, die Sekretärin, die das Zeug zu einer Kultfigur haben könnte.

Die Themen Datenschutz und illegaler Organhandel sind äußerst aktuell und wurden perfekt in den Krimi eingebaut. Die Location Wien war für mich als Österreicherin ein weiterer Pluspunkt. Jedoch wurde mir mit den ansteigenden Buchseiten das unterstützende Umfeld zu perfekt. Ministerin, Militär und Datenspezialisten umgeben Michael und Sabine. Ihr Büro wird zu einer Festung umgebaut, abhörsicher und auf den neuersten Stand...dabei wurden die Beiden eigentlich strafversetzt und Geld für Polizeibeamte ist sowieso Mangelware. Doch plötzlich unterstützen Politik und Militär die beiden Ermittler, wo sie nur können...das war mir einfach zu unglaubwürdig. Sicherlich ist Organraub auch ein Thema, bei dem man an höchster Stelle eingreifen muss, doch hier bekam ich das Gefühl, dass der Autor einfach zuviel wollte. Die Aufrollung des Falles war schlüssig, aber mir fehlte vor allem im Mittelteil die Spannung.
Auf den letzten Seiten wiederum fand ich die Erzählung dann zu gerafft dargestellt. Dabei wäre ich beim Showdown gerne hautnah dabei gewesen und hätte ein wenig mehr vom Einsatz selbst mitbekommen. Plot und Idee sind gelungen, an der Umsetzung hapert es noch ein bisschen...

Schreibstil:
Der Schreibstil des Autors ist sehr dialoglastig. Hinzu kommen noch die Zitate von Aristoteles und die manchmal etwas hölzerne Sprache - trotz des eingängigen Wiener Schmähs. Durch die vielen Dialoge sprechen sich die Charaktere alle laufend mit Namen an, was mir weniger gefallen hat. Die Kapitel sind eher kurz gehalten. So wird der Leser gerne dazu gebracht "schnell noch ein Kapitel" zu lesen.

Fazit:
Der Debutkrimi von Bernhard Kreutner beinhaltet ein brisantes und aktuelles Thema, das teilweise gut umgesetzt wurde. Allerdings waren mir einige Begebenheiten zu weit hergeholt und der Spannungsaufbau sackte im Mittelteil ziemlich ab. Ein interessanter Krimi, der meiner Meinung noch etwas Luft nach oben hat.

Veröffentlicht am 30.07.2019

Als wir noch Brüder waren

Hannah und ihre Brüder
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Mit dem Roman "Karolines Töchter", der vom Aufbau Verlag als erster Roman Ronald H. Balsons aus der Reihe rund um den Privatdetektiv Liam Taggert und der Anwältin Catherine Lockhart veröffentlicht wurde, ...

Mit dem Roman "Karolines Töchter", der vom Aufbau Verlag als erster Roman Ronald H. Balsons aus der Reihe rund um den Privatdetektiv Liam Taggert und der Anwältin Catherine Lockhart veröffentlicht wurde, erzielte der Autor auch in Europa eine große Fangemeinde. Ich bin damals doch auf so einige Recherchefehler gestoßen und konnte keine 5 Sterne vergeben.

Mit der Reihenfolge ist es etwas seltsam. Warum der Verlag damals die Fortsetzung zuerst veröffentlicht hat, ist mir ein Rätsel. Im Mai wurde nun "Hannah und ihre Brüder", der erste Band dieser Reihe verlegt. Dies merkt man, denn der Schreibstil ist teilweise noch etwas holprig und Liam und Catherine werden erst zum Team, das sie in "Karolines Töchter" bereits sind.

Aufgebaut ist der Roman ebenfalls genauso wie "Karolines Töchter". Die Rahmenhandlung spielt in der Gegenwart, während der Hauptanteil des Romans von der Vergangenheit handelt und zwar der Vergangenheit von Ben Solomon. Dieser bedroht bei einer Spendengala im Jahre 2004 den angesehen jüdischen Bürger Elliot Rosenzweig mit einer Pistole und behauptet er sei der ehemalige "Schlächter von Zamość", ein SS-Offizier namens Otto Piotnek. Otto wurde in den 1930iger von Ben's jüdischen Eltern in Polen aufgezogen und wurde zum Bruder für ihn und seine kleine Schwester Becca. Jahre später hat er die Familie verraten und wurde ein treuer Nazi. Durch die Anschuldigung droht Ben ein Gerichtsverfahrenren gegen Rosenzweig. Doch er möchte endlich die Wahrhheit ans Licht bringen und engagiert die Anwältin Catherine Lockhart und den Privatermittler Liam Taggert. Gemeinsam versuchen sie der Identität Elliot Rosenzweigs nachzugehen...

Mit den Ermittlungen erfährt der Leser mehr und mehr aus Bens Kindheit in Polen; von Hannah, in die er sich als Teenager verliebte und wie seine geliebte Familie nach und nach Opfer der Nazis wurden. Dieser Abschnitt ist bewegend und spannend geschrieben. Bens Erzählungen klingen glaubwürdig und überzeugen mit der Zeit auch Catherine, die nicht wirklich viel Ahnung vom Holocaust hat. Das bemerkt man auch bei ihrer Vorgehensweise als Anwältin. Viele Ereignisse oder Tatschen, die man hier in Europa über diese schreckliche Zeit weiß, sind für Catherine neu. Sie findet oft nicht die richtigen Ansätze zur Recherche, wie z. Bsp. bei der tätowierten Häftlingsnummer oder dem Umfeld von Rosenzweig.

Durch die wechselnden Perspektiven zwischen Gegenwart und Vergnagenheit entwickelt sich immer mehr Spannung und man fiebert dem Resultat der Verhandlung entgegen, auch wenn sie für mich sehr bald offensichtlich war.
Beim Lesen irritiert hat mich allerdings, dass oftmals mitten in Bens Erzählung der nächste Satz von Catherine erzählt, die sich ein Glas Wasser holt oder eine Pause einberuft. Das warf mich mehrere Male richtig aus der Geschichte.
Die Gegenwart an sich ist hier der große Kritikpunkt meinerseits. Catherine und Liam bleiben sehr blass und ich fand überhaupt keinen Zugang zu ihnen, obwohl ich sie bereits aus "Karolines Töchter" kannte. Es findet keine wirkliche Charakterentwickling statt bzw. wirkt diese unglaubwürdig. Zu der Arbeit als Anwalt in den USA kann ich nicht viel sagen, weil ich dazu einfach zu wenig weiß.
Viele Figuren sind nicht nur in der Gegenwarts, sondern auch im Vergangenheitsstrang sehr schwarz-weiß gezeichnet. Oftmals fühlte ich mich in der Geschichte mehr als Beobachter am Rande, als mitten drinnen zu sein.

Den deutschen Titel finde ich ebenfalls nicht gut gewählt. Der Originaltitel "Once we were brothers" ist perfekt und ich finde es schade, dass er nicht so übersetzt wurde.

Schreibstil:
Ob es an der Übersetzung oder an Ronald H. Balsons Schreibstil liegt...ich weiß es nicht, aber auch diesmal kam ich nicht sofort in die Geschichte. Ich fand sie Sätze oft sehr holprig. Die Sätze sind kurz und wirken oftmals emotionslos. Mit der Zeit fällt das nicht mehr auf und mich konnte vorallem Bens Erzählung aus Polen doch noch überzeugen. Die Recherchearbeit dürfte dem Autor hier besser gelungen sein, als bei "Karolines Töchter".

Fazit:
Ronald H. Balsons erster Roman über den Holocaust konnte mich leider nicht ganz abholen. Während mich der Vergangenheitsstrang um die Judenverfolgung in Polen großteils überzeugen konnte, fand ich die Rahmenhandlung in der Gegenwart oberflächlich und teilweise unglaubwürdig.

Veröffentlicht am 18.07.2019

The show must go on

Veilchens Show
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Nachdem mich "Veilchens Blut" der dritte Band der Reihe rund um Valerie Mauser mit dem blonden Afro, genannt "Veilchen" nicht wirklich überzeugen konnte, hatte ich lange Zeit eigentlich keinen Bock noch ...

Nachdem mich "Veilchens Blut" der dritte Band der Reihe rund um Valerie Mauser mit dem blonden Afro, genannt "Veilchen" nicht wirklich überzeugen konnte, hatte ich lange Zeit eigentlich keinen Bock noch einen Teil der Reihe zu lesen. Dann fand ich plötzlich Teil 5 in meiner Bücherei (Band 4 wurde von den Büchereidamen zuerst übersehen) und nahm ihn mit. Reinlesen geht ja immer, dachte ich mir. Nun ist es bereits eine Weile her, dass ich den letzten Krimi aus Joe Fischlers Reihe gelesen habe. Eine Rezi soll es trotzdem geben, denn ich rezensiere hier auf meinem Blog eigentlich alle meine gelesenen Bücher, damit ich für mich eine Art Lesejournal habe.

In "Veilchens Show" nimmt der Autor einige TV-Formate aufs Korn. Die "Bauerlorette", eine Mischung aus "Bachelor" und "Bauer sucht Frau" steht im Mittelpunkt seines 5. Bandes. In dieser Show buhlen fünf Bauern um die Gunst der "Bauerlorette" und um eine Million Euro, die es zusaätzlich zur hübschen Jackie zu gewinnen gibt.
Veilchen ist entsetzt, als Stolwerk sich als großer Fan der Bauerlorette outet. Eines morgens informiert er Valerie, dass bei der Frühstücksshow etwas nicht mir rechten Dingen zugehen kannt, denn einer der Kandidaten liegt leblos neben der Bauerlorette. Obwohl die beiden keinen offiziellen Polizeieinsatz erhalten, fahren sie zum Sendeort. Der Todesfall wird als natürlicher Tod dargestellt, doch kurze Zeit später haucht der nächste Kandidat sein Leben aus. Veilchen und Stolwerk dürfen endlich ermitteln und als Personenschutz am Set dabei sein....

Joe Fischler zeigt mit viel Humor, bissigen Bemerkungen und ironischen Beobachtungen das Leben hinter den typischen Realitiy-Shows von heute. Während Stolwerk und Valeries Schwiegersohn Schmatz dem Charme der Bauerlorette und dem Gesamtkonzept verfallen, behält Veilchen den Überblick...nur die richtigen Schuhe für den Almaufstieg hat sie nicht an...und das als Tirolerin, ts, ts!
Fischler hat einen sehr kritischen Blick auf die oberflächliche Filmbranche geworfen. Erfolgsdruck, Lug und Betrug, Bloßstellung bis hin zum Mord...alles wird für die Einschaltquoten getan! Den Zusehern wird vorgespielt, was diese erwarten - umso trashiger, umso besser. Für die Show wird alles gegeben und auch tote Kandidaten hindern die Filmemacher nicht am weiterdrehen...wie schon QUEEN damals sang: "The show must go on!"

Mir gefiel Band 5 zwar deutlich besser als Band 2 und 3, aber trotzdem kommt er an den ersten Band nicht mehr heran. Ich denke aber auch, dass sich mein Lesegeschmack in der letzten Zeit etwas geändert hat und ich nicht mehr so viel mit lockeren und humorvollen Romanen und Krimis anfangen kann. Für mich gab es etwas zu viel Show und zu wenig Ermittlungsarbeit. Gefallen hat mir, dass Stolwerk etwas mehr Privatleben erhält und Schmatz, den ich unheimlich sympathisch finde, eine kleine Rolle bekommen hat. Die Auflösung ist gelungen, denn Fischler konnte mich mit dem Täter wahrlich überraschen.

Fazit:
Joe Fischler nimmt in "Veilchens Show" gekonnt die heutige Welt der Reality Shows aufs Korn. Der ironische Blick hinter die Kulissen ist gelungen, jedoch kam mir diesmal die Ermittlerarbeit zu kurz.Wer humorvolle und skurille Krimis mag, kann hier getrost zugreifen, denn Veilchen mit ihrem blonden Afro ist schon eine interessante Figur. Ich werde allerdings die Finger von weiteren Bänden lassen, falls es noch eine Fortsetzung geben sollte...

Veröffentlicht am 15.06.2019

Ein Krimi der anderen Art

Die Alpen sehen und sterben
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"Die Alpen sehen und sterben" ist ein Krimi der anderen Art. Es ist eine Geschichte mit viel schwarzem Humor und einer so gänzlich anderen Sichtweise auf Mörder und Zeuge. Es begegnen uns viele skurille ...

"Die Alpen sehen und sterben" ist ein Krimi der anderen Art. Es ist eine Geschichte mit viel schwarzem Humor und einer so gänzlich anderen Sichtweise auf Mörder und Zeuge. Es begegnen uns viele skurille Figuren und ein etwas ungewöhnlicher Auftragskiller. Es tut gut, auch mal andere Regionalkrimis zu lesen, auch wenn es für mich leider nicht das Richtige war. Die meisten in der Leserunde waren allerdings begeistert, während ich wohl lieber bei Mord und Totschlag bleibe ;)

Maria Konstanze Schlager, genannt Mitzi, macht Urlaub im schönen Kufstein, als sie Zeugin eines Mordes wird. Ein Mann mit einem großen Cowboyhut wirft eine Person über das Brückengeländer. Mitzi hat das Gesicht des Mörders nicht gesehen, doch wegen ihrer ausschweifenden und immer wieder abgewandelten Zeugenaussage glaubt ihr die Polizei nicht. Seit ihrer traumatisierten Kindheit lebt sie in ihrer eigenen Welt, die sie sich mit fantastischen Geschichten ausschmückt, was natürlich für die polizeilichen Ermittlungen nicht sehr hilfreich ist. Als sie in einem Buchladen stöbert, ist sie sich allerdings sicher den Täter wiedergesehen zu haben. Und es wird auch nicht die letzte Begegnung gewesen sein, denn der Mörder ist sich bewusst, dass Mitzi ihm beobachtet hat...

Handlung und Charakter unterscheiden sich wesentlich von üblichen Krimis. Man kennt den Mörder von Beginn an, aber nicht seine wahre Identität. Ungewöhnlich ist die spezielle Anziehungskraft zwischen Mitzi und dem Täter. Dieser sucht immer wieder ihre Nähe und Mitzi selbst fühlt sich mit ihm auf unerklärliche Weise verbunden. Nicht umsonst wurde sie in der Schule MörderMitzi gegannt.

Die Story wird abwechselnd aus der Sicht des Mörders, von Mitzi und den Ermittlern erzählt. Agnes Kirschnagel ist die anfangs zuständige Polizistin, die noch relativ neu am Posten in Kufstein ist. Für sie ist Mitzi eine verunsicherte junge Frau, die sich gerne in ihre eigenen Geschichten flüchtet. Dass ihr das Tiroler LKA allerdings den Mordfall abnimmt, passt ihr so gar nicht. Als sich Kriminalhauptkommissar a.D. Heinz Baldur bei ihr meldet, horcht Agnes auf. Er erzählt ihr von einer Spur der Gewalt, die der Mörder seit Jahren in Deutschland und Österreich hinterlässt. Der an einer dissoziativen Perönlichkeitsstörung leidende Mann ist dem Serienkiller seit Jahren auf der Spur. Aber soll Agnes Heinz Baldur wirklich Gehör schenken, der als dienstuntauglich eingestuft wurde, weil er mit seinem imaginären Partner Luis zusammenlebt, der bei einem Autounfall das Leben seines Vaters ausgelöscht hat?

Eigentlich liebe ich schwarzen Humor, aber für mich gab es in diesem Krimi außer Agnes nur skurille Figuren, denen ich nicht wirklich nahe kam. Vieles war mir einfach zu überdreht. Es bildet sich zwar zwischen Mitzi und dem Mörder ein interessantes Katz und Maus Spiel, aber es fehlte mir trotzdem an Spannung.

Schreibstil
Isabelle Archan schreibt flüssig, humorvoll und verbreitet viel Lokalkolorit. Ich fühlte mich als Österreicherin natürlich sofort in Kufstein und Salzburg zuhause, bekam Hunger nach meiner Lieblingsspeise Kaiserschmarrn und hatte auch einige sehr amüsante Begegnungen. Der schwarze Humor war allerdings nicht ganz der Meine.

Fazit:
Ich bleibe lieber bei Psychothrillern oder spannenden Ermittlerkrimis und halte mich nun doch lieber fern von amüsanten Regional- oder Cosy Krimis. Für mich ist diese Sorte Krimi leider nicht das Gelbe vom Ei, aber in der Leserunde waren alle schwer begeistert. Also macht euch bitte selbst ein Bild und lernt Mitzi und ihren Mörder kennen!