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Gavroche

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.08.2019

Erschütternd

Die Nickel Boys
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Diesem Roman liegt eine wahre Geschichte zugrunde und darum fand ich sie noch erschütternder als ich sie sonst gefunden hätte. Denn Colson Whitehead hat einen unnachahmlichen Schreibstil, mit dem er seine ...

Diesem Roman liegt eine wahre Geschichte zugrunde und darum fand ich sie noch erschütternder als ich sie sonst gefunden hätte. Denn Colson Whitehead hat einen unnachahmlichen Schreibstil, mit dem er seine Leser in seine Geschichte sogartig reinzieht und sie erstmal nicht wieder loslässt. Man taucht tief ein in diesen Roman und in die Geschichte und erfährt viel über die Ungerechtigkeit der Rassentrennung in den Vereinigten Staaten in den 1960er Jahren.
Mit Elwood ist ihm ein äußerst interessanter und vielschichtiger Protagonist gelungen und durch ihn erfahren wir die Erlebnisse in der Nickel Academy noch bewusster und näher. Leid, Ungerechtigkeit, Rassismus und dann immer wieder unvorhersehbare Wendungen. Ein Buch, das lange nachwirkt.

Veröffentlicht am 21.08.2019

Alte Sorten

Alte Sorten
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Zwei Frauen, auf den ersten Blick haben sie nichts gemeinsam und dennoch finden sie sich per Zufall und werden für die jeweils andere ein hilfreicher Anker. Auch wenn es erst nur so scheint, dass die ältere ...

Zwei Frauen, auf den ersten Blick haben sie nichts gemeinsam und dennoch finden sie sich per Zufall und werden für die jeweils andere ein hilfreicher Anker. Auch wenn es erst nur so scheint, dass die ältere Liss der jüngeren Sally hilft. Diese sucht einen Unterschlupf, ist mit sich und dem Leben unzufrieden und mag es nicht, ständig bevormundet zu werden. Doch Liss lässt sie in Ruhe, reagiert ganz anders als andere Erwachsene. Es ist mitunter ein Akt auf dem Drahtseil. Doch die Mitarbeit auf dem Hof tut Sally gut und Liss ist erfreut, wie schnell die Jüngere versteht, wie alles funktioniert.

Eine berührende Geschichte, ohne in den Kitsch abzudriften. Eine Geschichte über zwei Frauen. Über ein Dorf, in dem vieles noch so wie früher ist. Eine Geschichte über das Leben, Freundschaft, Prioritäten und so vieles mehr. Erzählt in einem wunderbaren Schreibstil.

Veröffentlicht am 14.08.2019

Der zweite Fall

Der Fluch des Hauses Foskett
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Nach "Mord in der Manglestreet" ist dies nun also der zweite Fall um den persönlichen - auf keinen Fall privaten! - Ermittler Sydney Grice und sein Mündel March Middleton, aus deren Sicht auch diese Geschichte ...

Nach "Mord in der Manglestreet" ist dies nun also der zweite Fall um den persönlichen - auf keinen Fall privaten! - Ermittler Sydney Grice und sein Mündel March Middleton, aus deren Sicht auch diese Geschichte rückblickend in Form von Memoiren erzählt wird. Man kann dieses Buch sicherlich auch ohne Kenntnis des ersten Teiles lesen, allerdings fehlen dann die Einblicke in die Vergangenheit von March, ihre Erinnerungen an Edward - die hier weitergeführt werden - und an die Geschichte des Zusammenlebens mit Sidney Grice, diesen mürrischen, exzentrischen Ermittler mit Glasauge und Erfinder von mal mehr, mal weniger praktischen Dinge. Der jedoch trotz allem das Herz auf dem rechten Fleck hat. Dieser Fall ist für Grice sehr persönlich. Er wird von dem Apotheker Horatio Green gebeten, die Mitglieder eines Sterbevereins zu überwachen und eventuelle Todesfälle zu untersuchen. Doch dass Mister Green schon bei diesem ersten Treffen verstirbt, damit hat keiner gerechnet. Und dann auch noch ermordet. Und er bleibt nicht das einzige Opfer. Der Titel spielt auf die Familie Foskett an, bei denen Grice als Jugendlicher viel Zeit verbracht hat und er ist Lady Foskett immer noch einen Gefallen schuldig. Auch dieser Fall hat eine äußerst interessante Auflösung zu bieten und konnte mich gut unterhalten.

Veröffentlicht am 11.08.2019

Ran an den Teig

Brot backen mit Christina
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Ich hatte vorher schon das Buch "Kuchen backen mit Christina" und mich darum besonders auf dieses Brotbackbuch gefreut und wurde nicht enttäuscht. Eine große Rezeptvielfalt wird dem Leser hier geboten, ...

Ich hatte vorher schon das Buch "Kuchen backen mit Christina" und mich darum besonders auf dieses Brotbackbuch gefreut und wurde nicht enttäuscht. Eine große Rezeptvielfalt wird dem Leser hier geboten, anschaulich beschrieben und bebildert und die Rezepte sind sehr vielfältig.
Bevor es losgeht mit den Rezepten, erhält der Leser noch eine Einleitung mit vielen Tipps und Tricks, sei es nun zur Zubereitung oder zu den Brotbackhelfern. Der geübte (Hobby-)Bäcker kann diesen Teil sicherlich getrost überspringen, aber für den Anfänger ist es sehr hilfreich. Am Ende gibt es noch ein Register, um sich besser zurecht zu finden.
Die Vielfalt der Brotrezepte ist groß und die Bilder lassen einem schon beim Durchblättern das Wasser im Mund zusammen laufen.

Veröffentlicht am 23.07.2019

Monarchfalter

Auf Erden sind wir kurz grandios
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"'Denk dran', hast du jeden Morgen gesagt [...] 'fall nicht auf. Du bist schon vietnamesisch.'" (Seite 237)
Dieses Zitat kurz vor Ende des Buches fand ich sehr bezeichnend. Der Ich-Erzähler schreibt einen ...

"'Denk dran', hast du jeden Morgen gesagt [...] 'fall nicht auf. Du bist schon vietnamesisch.'" (Seite 237)
Dieses Zitat kurz vor Ende des Buches fand ich sehr bezeichnend. Der Ich-Erzähler schreibt einen Brief an seine vietnamesische Mutter, die jedoch nicht lesen kann und darum diesen Brief/dieses Buch wohl seiner Meinung nach nie lesen wird. Es ist an seine Mutter gerichtet, sie wird immer direkt angesprochen, doch es ist so viel mehr. Aufgeteilt in drei Teile, die sich mit wichtigen Lebensabschnitten des Ich-Erzählers beschäftigen, auch wenn die Erzählweise nicht chronologisch ist und es immer wieder Rücksprünge in die Kindheit gibt, so handeln die Abschnitte doch von jeweils einem Lebensabschnitt. Es ist nicht nur ein Brief an die Mutter, die Geschichte eines vietnamesischen Jungen, der in den USA aufwächst, sondern auch die Geschichte einer großen Liebe, die Geschichte von Rückschlägen, Krankheit, Drogen, schlecht bezahlter Arbeit, die Geschichte eines Schriftstellers, dessen Mutter nicht lesen kann und so viel mehr. Erzählt in einem wunderbaren Schreibstil, der sich im Laufe des Buches quasi weiterentwickelt, kryptischer, abgehackter wird. Die Reise der Monarchfalter spielt am Ende eine große Rolle und wird am Ende wieder aufgegriffen.
Zum Abschluss noch ein Zitat, das das Buch gut beschreibt:
"Ich erzähle dir weniger eine Geschichte als ein Schiffswrack - die Teile dahintreibend, endlich lesbar," (S. 207)