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Veröffentlicht am 27.02.2020

Faszination Einhorn

In Kalabrien
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„Weißt du eigentlich, bist du dir je bewusst, wie unmöglich und wunderbar du mein Leben gemacht hast?“

„In Kalabrien“ ist eine Fantasy-Kurzgeschichte des Autors Peter S. Beagle. Sie erschien im Februar ...

„Weißt du eigentlich, bist du dir je bewusst, wie unmöglich und wunderbar du mein Leben gemacht hast?“

„In Kalabrien“ ist eine Fantasy-Kurzgeschichte des Autors Peter S. Beagle. Sie erschien im Februar 2018 im Klett Cotta Verlag.
Claudio Bianchi lebt alleine und zurückgezogen auf seinem Hof in Kalabrien, bis eines Tages ein Einhorn bei ihm auftaucht. Schnell wird dem alten Mann klar, dass die ruhigen Tage für ihn gezählt sind, sobald weitere Menschen vom Einhorn erfahren. Leider meint das Schicksal es nicht so gut mit Claudio und schneller als gedacht steht nicht nur ein Haufen Reporter vor Claudios Tür, sondern auch die kalabrische Mafia erhebt Anspruch auf das Einhorn...

Nachdem ich eigentlich „Das letzte Einhorn“ von Peter S. Beagle lesen wollte und nicht „In Kalabrien“, es aber bei der Vergabe der Rezensionsexemplare eine Verwechslung gab, kam ich unverhoffter Weise zu einer mir unbekannten Geschichte des Autors. Die Kurzgeschichte ist eine Hommage an das wohl bekannteste Fabelwesen unserer Zeit – das Einhorn.
Claudio Bianchi lebt alleine und zurückgezogen in den Bergen Kalabriens. Mit der Liebe will er nichts mehr zu tun haben und auch Freundschaften liegen ihm nicht mehr am Herzen. Lediglich seine Tiere pflegt er mit wahrer Hingabe. Als eines Tages ein Einhorn in seinem Garten steht, kann er die Situation nur schwer begreifen, schnell wird ihm jedoch klar, dass dieses Wesen etwas Magisches umgibt, und dass es sein komplettes Leben verändern wird.
Diese Veränderung tritt dann auch tatsächlich ein, denn nachdem Journalisten von dem Einhorn fahren, herrscht reger Trubel auf dem sonst so friedlichen Hof und auch mit Bianchi selber geschieht etwas. Der mürrische alte Mann beginnt sich zu öffnen und sich auf Menschen einzulassen, für die er sogar sein Leben lassen würde. Seine Gefühle und Gedanken sind gut dargestellt und nachvollziehbar. Angst und Verwirrung und auch die schließlich an Dummheit grenzende Entschlossenheit passen zu dem Eigenbrötler. Seine Handlungen sind authentisch dargestellt und waren für mich greifbar, wenn ich auch teilweise mit der knappen Darstellung und den abrupten Szenenwechseln zu kämpfen hatte.
Dennoch blieben weder die Handlung, noch die Spannung auf der Strecke und durch die an sich flüssige Schreibweise war der Roman an sich leicht und schnell lesbar. Die schnörkellosen und geradlinigen Beschreibungen passen zum Genre der Kurzgeschichte und sind für mich nur deswegen ungewohnt, da ich Bücher dieser Art nur selten lese.
Das Hauptthema des Buches sind für mich die übertriebene Sensationsgier und der Wahnsinn, mit dem die Menschen versuchen etwas Besonderes sehen zu können. Ohne Rücksicht auf andere Menschen, Tiere oder die Umwelt versuchen sie eine Sensation zu entdecken oder ihrer sogar habhaft zu werden. Auch die Zerstörung von Umwelt und Lebewesen wird dafür in Kauf genommen. Nur wenige Menschen erkennen diese unnötige Gier und können versuchen ihr entgegenzuwirken. Dieses Thema ist heutzutage aktueller denn je und wird in der Kurzgeschichte unglaublich gut dargestellt.

Mein Fazit: Die Fantasy-Kurzgeschichte „In Kalabrien“ entspricht in keiner Weise meinem Wohlfühlbuchgenre und hat mich trotzdem auf eine gewisse Art packen können. Das Einhorn als Fabelwesen bringt etwas Magisches mit sich, dessen Faszination sich kaum jemand entziehen kann. Dieses verpackt der Autor in eine Geschichte, die eine Botschaft vermittelt, dabei aber kurz und bündig ist und ohne große Schnörkel auskommt. Für Leser, die gerne Kurzgeschichten lesen und sich in diesem Genre wohlfühlen ist „In Kalabrien“ sicherlich genau das Richtige. Ich für meinen Teil vergebe lediglich 3,5 von 5 Sternen für eine Geschichte, die an sich gut strukturiert und beschrieben ist, die mich aber nicht vollständig packen konnte und mir häufig zu kurz gefasst war.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.11.2019

Unterhaltsamer Abschluss einer interessanten Buchreihe

Lotus House - Heiße Leidenschaft (Die Lotus House-Serie 7)
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„Yoga ist nicht einfach nur Sport. Es ist eine Berufung… eine Lebensweise. Ein Pfad zur Erleuchtung.“

„Lotus House – Heiße Leidenschaft“ ist der siebte und damit letzte Band der Lotus House-Reihe von ...

„Yoga ist nicht einfach nur Sport. Es ist eine Berufung… eine Lebensweise. Ein Pfad zur Erleuchtung.“

„Lotus House – Heiße Leidenschaft“ ist der siebte und damit letzte Band der Lotus House-Reihe von Audrey Carlan, übersetzt von Elsie Meerbusch. Er erschien im Oktober 2019 im Ullstein Buchverlag.
Als Luna das Kündigungsschreiben für den Mietvertrag des Lotus House in den Händen hält sieht sie nicht nur ihr Yogastudio in Gefahr, sondern ebenso ihre gesamte Existenz, sowie die Lebensgrundlagen vieler weiterer Ladenbesitzer der besonderen Straße abseits des hektischen Alltagstrubels. Ihr ist klar, dass sie gegen die Kündigung kämpfen muss und konfrontiert den Besitzer der Immobilien mit ihrer Situation. Die beiden handeln einen Deal aus, bei dem Luna die Chance bekommt, den skrupellosen Geschäftsmann vom Mehrwert der Läden in der Straße zu überzeugen, im Gegenzug bekommt er das Date, das er sich mit Luna wünscht, denn die junge Frau zieht ihn schon nach dem ersten Treffen nahezu magisch an…

Seit Luna das Yogastudio von ihrer Mutter und deren bester Freundin übernommen hat, leitet sie dieses mit Leib und Seele. Sie kann das Geld zwar nicht mit vollen Händen ausgeben, so viel wirft das Lotus House nicht ab, aber es reicht zum Leben und vor allem, und dies ist das, was für Luna zählt, kann sie mit dem Yogastudio anderen Menschen den Weg zu einem spirituellen und gesünderem Leben weisen. Doch obwohl sie ihr Geschäft mit Leidenschaft führt, fehlt ihr doch eins im Leben: Eine Familie, um die sie sich kümmern kann. Ein Ehemann, für den sie Hausfrau und Mutter sein darf. Ja, das ist es, was sie sich vom Leben wünscht. Auch wenn es eigentlich ein überholtes Klischee ist, entspricht eben genau dies Lunas Vorstellungen von ihrem zukünftigen Leben. Sie kümmert sich gern um Menschen und würde zu gerne einen Mann an ihrer Seite wissen, dem sie ein gemütliches Heim bieten kann. Sie ist gutmütig, freundlich und mitfühlend, immer darauf bedacht anderen Menschen zu helfen und sie auf ihrem Weg bestmöglich zu unterstützen. Alles in allem finde ich Luna sehr ansprechend und sympathisch. Ich hätte sie gern als Freundin, denn man kann auf sie immer zählen. Dies hat sie gemeinsam mit den anderen Figuren aus der Lotus House-Reihe, die im Grunde eine große Familie und ein großer Freundeskreis sind. In diesem letzten Band tauchen dann auch wirklich nochmal alle Paare in mehr oder weniger wichtigen Rollen auf. Ihre Geschichten werden angerissen und am Rande weitererzählt, was mir wirklich gut gefallen hat.
Auch Grant fügt sich schließlich in diesen Kreis ein, obwohl er zunächst nur Clay kennt und den Rest der Freunde erst nach und nach kennenlernen muss. Grant selbst wird zunächst als der unsympathische Geschäftsmann ohne Herz vorgestellt und auch er selbst würde sich wohl als hart, unnahbar und herzlos beschreiben. Richtige Freunde hat er nicht und die Beziehung zu seinem Vater ist mehr als distanziert und kalt. Die Botschaft von „Heiße Leidenschaft“ lautet: „Halt die Augen offen auf deiner Reise!“, was ich als durchaus passend ansehe. Denn erst durch Luna beginnt Grant zu erkennen, dass im Leben nicht nur Geld und Macht eine Rolle spielen, sondern die Bedürfnisse und Schicksale der Menschen viel mehr Gewicht haben sollten und dass man den Blick fürs Wesentliche nicht verlieren darf. Grant beginnt langsam wieder Menschen an sich heranzulassen und erkennt, dass das Leben viel einfacher ist, wenn man Freunde hat und sich auch einmal fallen lassen kann. Eine wichtige Rolle hierbei spielt neben Luna selbst, natürlich das Yoga, mit dessen Übungen Grant lernt sich fallenzulassen. So wird im Laufe der Geschichte aus dem knallharten Geschäftsmann ohne Herz, ein liebevoller Freund. Eine Entwicklung, die mir gut gefallen hat und authentisch dargestellt wurde: Auf seiner Lebensreise muss und sollte man immer auch schauen, was um einen herum geschieht und nicht nur auf sich selbst bedacht sei.
Durch Grants Entwicklung und den Zusammenhalt der Clique wird auch der bereits in den anderen Bänden auftretende Aspekt wieder klar, dass Familie und Freunde wichtig sind und im Leben eine zentrale Rolle spielen! Immer wieder schön! 😊
Insgesamt schreibt Audrey Carlan eine gelungene Fortsetzung der Lotus House-Bände und bringt erneut eine neue Idee in die Romanreihe hinein. Indem sie droht, die Straße, in der die vielen schönen und alternativen Geschäfte beheimatet sind, vollständig sanieren zu lassen, bringt sie eine gewisse Spannung in die Liebesromane. Leider war die Spannung für mich von Anfang an nicht so richtig präsent, denn es war schnell klar, wohin die Reise gehen würde. Hier hätte ich mir ein bisschen mehr Dramatik gewünscht, denn ich dachte, dass der Fokus auf genau diesem Konflikt liegen würde. Letztlich spielte dann aber die bauliche Veränderung der Straße gar nicht so eine große Rolle und Grants Vergangenheit trat in den Vordergrund. Diese war zwar ebenfalls gut gestaltet und auch interessant, aber für mich nicht unbedingt notwendig, da die Bewältigung der Vergangenheit und einer schwierigen Kindheit ja auch schon früher eine Rolle gespielt hat. Daher fand ich letztlich, dass es doch keine wirklich neue Idee war, die den Hauptkonflikt in diesem Band darstellte. Schade! ☹
Der Schreibstil des Buches war wieder sehr leicht und flüssig, der rote Faden erkennbar. Die vulgäre Sprache, die bei den ersten Bänden teilweise etwas störte nahm hier ein normales Maß ein und war nicht störend. Die Erzählperspektive war, wie bereits bekannt, wechselnd aus der Perspektive von Grant und Luna in der Ich-Form. Hierdurch werden Gedanken und Gefühle dem Leser wieder gut nahegebracht und gewisse Handlungen eindeutiger nachvollziehbar.

Mein Fazit: Der Abschluss der Lotus House-Reihe war nicht ganz so stark wie die vorherigen Bände, es gab nicht allzu viel neue Aspekte und die Grundidee wurde für meinen Geschmack nicht so groß und dramatisch aufgezogen, wie es möglich gewesen wäre - ich hätte mir einfach mehr gewünscht! Letztlich ist „Heiße Leidenschaft“ ein solider Abschluss für eine gelungene Buchreihe und leicht zu lesen! Ich vergebe 3,5 von 5 Sternen, freue mich aber auf weitere Bücher von Audrey Carlan.

Veröffentlicht am 28.09.2019

Unerwartete Fortsetzung

Postscript - Was ich dir noch sagen möchte
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„[Ich] frage mich, wann die Vergangenheit angefangen hat, Jagd auf mich zu machen. Wann ich angefangen habe, vor ihr wegzulaufen […]. Verdammt, Gerry. Du bist zurückgekommen.“

„Postscript – Was ich dir ...

„[Ich] frage mich, wann die Vergangenheit angefangen hat, Jagd auf mich zu machen. Wann ich angefangen habe, vor ihr wegzulaufen […]. Verdammt, Gerry. Du bist zurückgekommen.“

„Postscript – Was ich dir noch sagen möchte“ ist die unerwartete Fortsetzung von „P.S. Ich liebe dich“ von Cecelia Ahern, übersetzt von Christine Strüh. Sie erscheint am 23.10.2019 im S. Fischerverlag.
Sieben Jahre ist es her, dass Holly Gerry verloren hat. Sieben Jahre, in denen sie langsam ein neues Leben aufbauen und sich selbst weiterentwickeln konnte. Als sie nun im Podcast ihrer Schwester über Gerrys Tod und seine Briefe spricht, kommen alte Gefühle wieder an die Oberfläche. Lang geglaubte Erinnerungen und Schmerzen drängen sich mit Macht wieder in Hollys Gedanken und als dann noch eine kleine Gruppe todkranker Menschen den „P.S. Ich liebe dich“-Club gründet und Holly um Unterstützung bittet, gerät Hollys Leben erneut aus den Fugen. Sie beginnt sich ein weiteres Mal mit Gerrys Tod auseinander zusetzen…

Um vollständig in die Fortsetzung von „P.S. Ich liebe dich“ einsteigen zu können, habe ich direkt zuvor noch einmal Hollys Geschichte gelesen. Das erste, was mir daher an „Postscript“ auffiel, war der Wechsel der Erzählperspektive. Während „P.S. Ich liebe dich“ zwar aus Hollys Sicht, nicht jedoch als Ich-Erzählung geschrieben war, ist „Postscript“ eine reine Ich-Erzählung. Dies hat mich zunächst irritiert, der flüssige Schreibstil und nachdenklich stimmende Plot haben dies aber schnell wettgemacht.
Auch in Band 2 ist Holly wieder die sympathische, dabei aber leicht chaotische und teilweise in Gedanken versunkene junge Frau, die wir alle kennen und lieben. Sie hat ihren eigenen Kopf und den ein oder anderen Spleen, aber gerade das macht sie so authentisch und liebenswert. Holly hat 7 Jahre nach Gerrys Tod ein neues Leben aufgebaut. Teilweise scheinen ihre Erinnerungen an Gerry sogar zu verschwimmen und sie selbst ist eine andere Holly als früher. An ihrer Seite hat sie einen neuen Partner, mit dem sie das erste Mal wieder ein Gefühl von Liebe verspürt. Als sie aber gerade zulässt, dass die beiden sich einen weiteren Schritt annähern und zusammenziehen könnten, beginnen die bereits überwundenen Gefühle Hollys wieder an die Oberfläche zu kommen. Ausgelöst durch das Reden über Gerrys Tod und die eindringliche Bitte des „P.S. Ich liebe dich“-Clubs ist Holly gezwungen, das Erlebte erneut zu verarbeiten. Fast scheint es als wäre Gerry zurück und genau das ist es, was Holly nicht möchte. Sie möchte nicht mehr über den Tod ihres Mannes und seine Briefe sprechen und schon gar nicht möchte sie andere Menschen beim Sterben begleiten. Dies würde nur alte Wunden aufreißen und letztlich auch neue hinzufügen… Doch Holly wäre nicht Holly, wenn das schlechte Gewissen sie nicht doch dazu bringt, zumindest einmal mit den Menschen zu sprechen, hinterher kann man ja immer noch weitersehen…
„Postscript“ greift Gerrys Tod von einer komplett anderen Seite neu auf. Holly muss sich zwar wieder mit der Krebserkrankung ihres Mannes auseinandersetzen, gleichzeitig geht es aber auch darum, wie man sich für todkranke Menschen und deren Angehörige engagieren kann. Wie man sie unterstützen und ihnen Halt geben kann und daran letztlich selber wachsen kann. Auch wird klar, dass Dinge nach einer längeren Zeit und mit einem gewissen emotionalen Abstand aus einem anderen Licht gesehen werden und manche Motive nicht immer so selbstlos sind, wie sie zunächst scheinen. Letztlich ist alles eine Frage der Perspektive und vielleicht waren Gerrys Gründe für seine Briefe andere, als Holly zunächst glaubte?
Ich bewundere Holly für ihren Mut und ihre Tatkraft und denke, dass nicht jeder für die Unterstützung sterbenskranker Menschen gemacht ist. Viele würden an einer solchen Aufgabe zerbrechen und sie einfach nicht bewältigen können. Holly zeigt aber erneut, was in ihr steckt und nicht umsonst bewundern sie viele Menschen.
Auch Holly Freundinnen Sharon und Denise sind in diesem wieder mit von der Partie und auch ihr Leben ist weitergegangen. Sie sind vom Wesen her noch genauso wie vor 7 Jahren und man muss sie einfach liebhaben!
Auch Hollys Familie spielt erneut eine große Rolle und die Vielfältigkeit der Charaktere ist wieder unglaublich gut dargestellt. Nicht wieder auftauchen tut hingegen Hollys Bekannter und guter Freund Daniel und auch ihr eigentlich sehr liebgewonnener Job mit ihrem herzlichen Chef wird mit keiner Silbe erwähnt – schade, denn Hollys jetziger Job als Hilfe und Verkäuferin in Ciaras Laden passt eigentlich nicht zu der Holly die wir kennen…
Insgesamt fand ich die weiterführende Geschichte von Holly bewegend, aber so große Gefühle wie bei „P.S. Ich liebe dich“ konnte „Postscript“ bei mit leider nicht auslösen. Es wurden viele Einzelschicksale und ergreifende Themen behandelt und das grundsätzliche Buchthema finde ich einfach großartig und eine gut umgesetzte Idee die definitiv nachdenklich stimmt! Trotzdem fehlt mir eine gewisse Spannung und eine größere Portion Leidenschaft. Sehr gefallen haben mir hingegen die Rückblicke zu Momenten vor Gerrys Tod, die noch einen größeren Einblick auf die gemeinsame Zeit der beiden geben.

Mein Fazit: Ich bin mir nicht sicher, ob eine Fortsetzung des Bestsellers wirklich notwendig gewesen wäre. Ja, „Postscript – Was ich dir noch sagen möchte“ ist grundsätzlich ein gelungener Roman und schafft einen anderen Blick auf Gerrys Tod und seine Briefe, der mir sehr gefallen hat. Trotzdem hat er für mich nicht in die großen Fußstapfen seines Vorgängers treten können und mich ein klein wenig enttäuscht. Ich vergebe nur 3,5 von 5 Sternen, empfehle den Roman aber definitiv trotzdem allen Lesern von „P.S. Ich liebe dich“, denn vielleicht wollen wir am Ende auch einmal lesen, dass die Welt sich auch nach großen Verlusten weiterdreht und manches später sogar einen Sinn bekommt.

Veröffentlicht am 10.09.2019

Irgendwie verstörend

Hidden Bodies - Ich werde dich finden
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"Ich bin derzeit […] nicht in der Lage, jemanden zu töten. […] Ich habe mich verändert."

Joe Goldberg ist zurück. Ebenso verstörend, ebenso mitreißend wie zuvor. Hat er sich geändert?

Nachdem ich, ...



"Ich bin derzeit […] nicht in der Lage, jemanden zu töten. […] Ich habe mich verändert."

Joe Goldberg ist zurück. Ebenso verstörend, ebenso mitreißend wie zuvor. Hat er sich geändert?

Nachdem ich, wie auch schon bei "You - Du wirst mich lieben", arge Schwierigkeiten in das Buch hineinzufinden, hat der Thriller mich dann aber doch mitgerissen. Der Schreibstil aus Joes Perspektive ist ungewöhnlich. Die Denkweise von Joe speziell und teilweise sehr abstrus. Daran muss man sich gewöhnen. Dann wird es allerdings klarer und schon wieder so irre, dass man es einfach lesen muss.
Ich bewundere Caroline Kepnes, dass sie in der Lage ist eine Figur zu konstruieren, die eigentlich so klug ist und dabei einfach so wenig in der Lage ist "normal" zu denken und zu sein.
Joe sehnt sich eigentlich nach jemandem, der ihn bedingungslos liebt, er ist aber nicht in der Lage, dies mit einfachen Mitteln auf sich zukommen zu lassen und schon gar nicht in der Lage, Fehlschläge zu akzeptieren. Obwohl er begreift, dass seine Vergangenheit ihn auch in einer fremden Stadt nicht loslassen wird, ist er nicht in der Lage aus seinen Mustern zu entweichen. Ehrliche Kommunikation ist für ihn schwierig, anpassen kann er sich hingegen überdurchschnittlich gut.
Der charismatische, attraktive und irgendwie mitreißende Joe ist also zurück!
Wenn man "You - Du wirst mich lieben" mochte, dann sollte man auch den zweiten Teil lesen. Er war mir teilweise zu langatmig und etwas wirklich neues passiert leider nicht. Ob eine Fortsetzung wirklich notwendig gewesen ist, weiß ich nicht genau, aber Stimmung, Atmosphäre und Reiz sind einfach genial konstruiert, die perfiden Gedanken von Joe gut dargestellt und in Szene gesetzt. Ich fand ihn am Ende insgesamt aber gut, vergebe aber nur 3,5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 19.11.2018

Stimmungsvoller und Weihnachtlicher Liebesroman

Winterzauber auf Gracewood Hall
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„Winterzauber auf Gracewood Hall“ von Sandra Rehle ist ein Liebesroman, welcher in England während der Weihnachtstage spielt. Er ist der Auftakt der Buchreihe um das Anwesen „Gracewood Hall“ und in sich ...

„Winterzauber auf Gracewood Hall“ von Sandra Rehle ist ein Liebesroman, welcher in England während der Weihnachtstage spielt. Er ist der Auftakt der Buchreihe um das Anwesen „Gracewood Hall“ und in sich abgeschlossen.
Liz ist gerade von ihrem Freund getrennt, als sie während ihres Sommerurlaubs auf Bali Nick und dessen Familie kennenlernt. Die drei freunden sich an und Liz erfährt, dass Nicks Bruder und dessen Lebensgefährte in England ein altes Herrenhaus besitzen, welches sie aufwendig renoviert haben und zukünftig für Hochzeiten und andere Feierlichkeiten vermieten wollen. Schnell einigen sich die neuen Freunde darauf, dass Liz, die mit Leidenschaft bloggt und fotografiert, für Gracewood Hall die Werbetrommeln rühren könnte. Kurzerhand wird sie daher zu Weihnachten nach Gracewood eingeladen. Diese Gelegenheit ergreift Liz sehr gern, denn sie will sich, nach dem Beziehungsdisaster mit ihrem Exfreund, nun völlig auf die Karriere konzentrieren.
In Gracewood Hall angekommen, wird Liz von Anfang an in die herzliche Familie Bedford integriert. Einzig der gute Freund der Familie Maxwell bleibt abweisend und distanziert. Was es wohl mit ihm auf sich hat? Und weswegen übt er eine solche Faszination auf Liz aus? Wird es Liz gelingen sich auf ihren Blog und ihre Arbeit zu fokussieren? Oder lenkt der attraktive Maxwell, der ebenfalls kein Interesse an einer neuen Beziehung hat, sie von ihrem Vorhaben ab?

Sandra Rehle hat einen flüssigen und mitreißenden Schreibstil. Die Kulisse der Handlung ist toll geschrieben und auch die Charaktere sind sehr schön dargestellt und beschrieben. Die Weihnachtsstimmung wird toll aufgegriffen und als Leser wünscht man sich direkt ins schöne England, um ebenfalls ein Weihnachtsfest im Herrenhaus feiern zu können. Dieser Wunsch wird mit jeder Beschreibung im Buch größer und als es dann am Ende des Buches auch noch beginnt zu schneien, wollte ich am liebsten sofort Weihnachten feiern…
Das Cover des Buches ist liebevoll gestaltet und illustriert. Es bringt Vorfreude auf eine Weihnachtsgeschichte und lässt einen an ein Winterwunderland denken.

Liz ist eine lebenslustige und fröhliche junge Frau. Sie sprüht vor Energie und Charme und war mir auf Anhieb sympathisch. Die gute Laune von ihr ist ansteckend, was mir beim Lesen sehr viel Spaß gemacht hat. Im Laufe der Geschichte wird sie von Grübeleien gepackt und man erkennt, dass eben auch eine so positive Person nicht immer alles rosarot sieht und sehen kann. Dies fand ich sehr ehrlich geschrieben.
Die Herzlichkeit, mit der Liz im Herrenhaus aufgenommen wird ist beispiellos. Sie wird sofort als Familienmitglied akzeptiert und integriert, dies hat mir sehr gut gefallen und ich finde auch, dies passt zu Liz Persönlichkeit. Denn wer könnte diese sympathische Frau nicht mögen?
Auch die Familie Bedford ist einfach großartig. Die Idee, ein schwules Paar als Hausherren einzuführen gefällt mir gut. Dies gibt es viel zu wenig in den klassischen Romanen und gibt dadurch dem Roman nochmal eine andere Note, auch wenn der Hauptfokus nicht auf dieser Thematik liegt.
Maxwell ist ebenfalls gut beschrieben. Zunächst wirkt er unnahbar und abweisend, es wird aber schnell klar, dass hinter dieser Fassade mehr steckt als es den Anschein hat…

Die Handlung konzentriert sich auf die Tage um den Heiligen Abend, spielt also an insgesamt drei Tagen. Dieser Zeitraum ist natürlich gut gewählt, da Liz eben die Zeit während der Weihnachtstage auf Gracewood Hall einfangen soll. Trotzdem sind mir persönlich drei Tage für die Fülle der Ereignisse zu kurz. Es geschieht recht viel und die getroffenen Entscheidungen sind schon so groß, dass es für mich unrealistisch ist, dass dieses nach drei Tagen feststehen kann. Natürlich sind Gefühle nicht planbar und manche Dinge werden auch nicht besser, wenn man ihnen mehr Zeit gibt, trotzdem wirkte dies auf mich überhastet. Ich hätte mir einen größeren Handlungszeitraum gewünscht. Vielleicht hätte Liz doch bis Silvester bleiben können, dieses Angebot stand ja im Raum, und die Beziehungen hätten sich dann etwas länger entfalten können…

Mein Fazit: „Winterzauber auf Gracewood Hall“ ist ein schöner Liebesroman, der sich mit einem flüssigen Schreibstil und einer niedlichen Handlung gut lesen lies. Er eignet sich sehr für kalte Winterabende, an denen man seine Gedanken auf Reisen schicken und gemütlich die Zeit bis Weihnachten todschlagen möchte.
Die Geschichten um Gracewood Hall sind ja noch nicht zu Ende, auch wenn der Roman für meinen Geschmack über einen zu kurzen Zeitraum ging, bin ich gespannt wie es weitergeht und freue mich auf die Fortsetzung der Reihe.
Ich empfehle den Roman jedem, der einen kurzweiligen, schönen Liebesroman lesen möchte, in dem nicht allzu viel Drama und Leid passiert. Die Geschichte ist einfach schön, ohne dabei dramatische Szenen oder Hintergründe preiszugeben. Dies hat mir gut gefallen. Ich vergebe insgesamt 3,5 von 5 Sternen, da mir einfach der Zeitraum für die Tragweite der Handlung zu kurz war.