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Veröffentlicht am 31.10.2019

Ein Buch mit einfach liebenswerten Charakteren, aber einer Handlung, die schnell ins Absurde rutscht.

Zurück nach Hollyhill
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Es hätte so schön sein können. Schon allein das Cover mit seinen Gelb- und Pinktönen fasziniert. Und dazu kommt dieser Klappentext, der so geheimnisvoll und irgendwie niedlich klingt. Aber leider, leider ...

Es hätte so schön sein können. Schon allein das Cover mit seinen Gelb- und Pinktönen fasziniert. Und dazu kommt dieser Klappentext, der so geheimnisvoll und irgendwie niedlich klingt. Aber leider, leider gibt es da diese eine Szene, nach der das Buch eine Kehrtwende um 180 Grad macht und seinen besonderen Reiz verliert.

Aber der Reihe nach:

„Zurück nach Hollyhill“ beginnt sehr direkt und unverblümt. Sofort ist man als Leser mittendrin im Geschehen und nachdem die Hauptfigur Emily, ihre beste Freundin Fee und ihre Großmutter vorgestellt wurden, geht es auch schon los mit der Suche nach dem Dorf, das auf keiner Karte verzeichnet ist. Schade, dass die Einführung nur so kurz ist, denn vor allem Fee ist mit ihrer offenen und direkten Art ein echtes Highlight. Leider hat sie nur einen sehr kurzen Auftritt in diesem Roman. Es wäre sicherlich lohnenswert gewesen, ihr eine größere Rolle in der Handlung zukommen zu lassen.

Emilys Suche nach Hollyhill gestaltet sich ebenfalls eher kurz. Denn in England angekommen, trifft sie schnell auf Matt, diesen gutaussehenden, aber irgendwie komischen Jungen, den man nicht so richtig einschätzen kann. Er führt sie durch das Moor und durch seine Hilfe gelangt sie schließlich nach Hollyhill.

Und dieses Dorf ist einfach toll. Nicht nur Emily, sondern auch der Leser fühlt sich direkt in ein Bilderbuch versetzt, das von Jane Austen gestaltet sein muss. Ein paar Häuser - jedes in einer anderen Farbe - schmiegen sich an die Hauptstraße, ein kleiner Bach schlängelt sich durch den Ort, Brücken führen über ihn zu den Eingangstüren der kleinen Cottages. Alles ist mit Blumen verziert, die Bienen summen darin. Es ist ein kleiner und verträumter Ort, in dem die Zeit irgendwie still zu stehen scheint und in dem man sich sofort wohl fühlt.

Dazu kommen diese zwar total schrulligen, aber überaus liebenswerten Charaktere. Emily tut sich am Anfang sehr schwer damit, sich den Bewohnern von Hollyhill zu öffnen, sie riecht Verschwörungen, wo keine sind, sie verhält sich kühl und reserviert. Zwar hat sie dabei teilweise nicht ganz Unrecht, aber sie übertreibt und interpretiert zu viel in manche Situationen hinein. Dabei sind die Figuren doch allesamt ganz bezaubernd und eben einfach nur liebenswert.

Mit der Ankunft in Hollyhill intensiviert sich auch der Teil des Buches, der ihm einen mysteriösen Touch gibt. Denn Emily hat Matt bereits in ihren Träumen gesehen, bevor sie nach Hollyhill gereist ist. Kannte sie ihn also schon vorher? Und auf das Armband, das sie an ihrem Handgelenk trägt, reagieren die Bewohner des Dorfes mit … Angst? Es verdichten sich nun die Rätsel, einige Fragen werden beantwortet, führen aber zu weiteren Fragen. Und immer noch ist das Buch ganz bezaubernd und wundervoll.

Doch dann kommt sie: Die Szene, die alles ins Gegenteil kehrt.

Da der Klappentext selbst es auch erwähnt, kann es hier ebenfalls beim Namen genannt werden: Eine Entführung findet statt. Wer entführt wird und warum - das soll hier nicht verraten werden. Aber es muss erwähnt werden, dass die Handlung mit dieser Szene sehr stark in das Absurde abrutscht. Es wird einfach nicht deutlich, warum die folgenden Dinge geschehen und wie sie sich in das große Ganze einfügen. Die Zusammenhänge werden einfach nicht mehr klar und es stellen sich zu viele Fragen, auf die es keine Antworten gibt. Die Handlung bleibt zu oberflächlich, das Verhalten der Charaktere ist nicht mehr nachvollziehbar und es fehlt einfach der Sinnzusammenhang.

Das Ende ist dann allerdings wieder in sich stimmig und rund, deutet dabei gleichzeitig auf zumindest einen weiteren Folgeband hin.

Mein Fazit:

Ein Buch mit einfach liebenswerten Charakteren, aber einer Handlung, die schnell ins Absurde rutscht.

Veröffentlicht am 31.10.2019

Eine Hommage an das gedruckte Buch, der leider die Emotionen fehlen.

Die Scanner
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Der Ich-Erzähler Rob lebt in einer Welt, in der Wissen jederzeit und kostenlos abrufbar ist. Es ist eine Welt, in welcher der größte Feind der Regierung die Bibliophilen sind, die egoistisch „echte“ Bücher ...

Der Ich-Erzähler Rob lebt in einer Welt, in der Wissen jederzeit und kostenlos abrufbar ist. Es ist eine Welt, in welcher der größte Feind der Regierung die Bibliophilen sind, die egoistisch „echte“ Bücher nur für sich haben wollen und die sich dagegen wehren, dass diese eingescannt und somit der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden.

Einer dieser Scanner ist Rob, der am Anfang ganze Bibliotheken leer gescannt hat, dem es aber immer schwerer fällt, überhaupt noch „echte“ Bücher aufzuspüren. Rob hat sich nie gefragt, was mit den Büchern passiert, nachdem sie gescannt wurden. Doch er beginnt, Fragen zu stellen, als er auf dem Weg zur Arbeit auf einen alten Mann trifft, der vor seinen Augen ein Buch liest und sich selbst gegen eine hohe Summe Geld weigert, das Buch herauszugeben.

„Die Scanner“ ist ein Roman, der sehr ruhig beginnt, aber sehr ereignisreich endet. Die Handlung selbst lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen. Bei diesem Buch geht es eher darum, wie man das Gelesene interpretiert. Leider wird der Leser dabei ziemlich allein gelassen.

Man kann zwar durchaus zwischen den Zeilen herauslesen, was der Autor mit diesem Buch sagen möchte, warum er dieses Buch geschrieben hat, was seine Intention ist. Aber das lässt sich mehr erahnen, als dass Robert M. Sonntag konkret aussprechen würde, was ihn bewegt. Das Meiste verliert sich in Andeutungen, die nicht weiter verfolgt werden.

Gleichzeitig ist die Geschichte zu einseitig. Der Autor beschäftigt sich zwar damit, was der Verlust des gedruckten Buches bedeutet, aber bezieht das mehr auf die Menschen, die an der Herstellung eines Buches beteiligt sind - die Autoren, die Übersetzer - oder spricht das Schicksal der Bibliothekare an und thematisiert den Untergang dieser Berufe. Was aber fehlt, ist der Bezug zum Wert eines Buches für die Leser. Denn natürlich sind die Bücher in digitaler Form nach wie vor verfügbar, aber der Gegenstand „Buch“ ist einfach nicht mehr vorhanden. Es wäre schön gewesen, wenn der Autor die Bedeutung einer Welt ohne Papier umfassender thematisiert hätte. So bleibt das Buch leider eher oberflächlich und zu sachlich und nüchtern. Es fehlt ihm an Emotionen, vor allem an Leidenschaft zum Buch, die das Grundthema aber durchaus hergibt.

Genial ist dagegen wieder der Schluss des Buches, seine Beziehung zum Titel „Die Scanner“ und die Verbindung zwischen den Namen des Autors und des Ich-Erzählers.

Mein Fazit:

Eine Hommage an das gedruckte Buch, der leider die Emotionen fehlen.

Veröffentlicht am 31.10.2019

Ein Buch mit zwei Seiten: einer fröhlichen und gefühlvollen und einer konstruierten und oberflächlichen.

Mein Sommer nebenan
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Seit zehn Jahren sind die Garretts die Nachbarn von Samantha und ihrer Mutter. Und seit zehn Jahren macht Samanthas Mutter keinen Hehl aus ihrer Abneigung gegen die Garretts - diese Großfamilie mit ihren ...

Seit zehn Jahren sind die Garretts die Nachbarn von Samantha und ihrer Mutter. Und seit zehn Jahren macht Samanthas Mutter keinen Hehl aus ihrer Abneigung gegen die Garretts - diese Großfamilie mit ihren fünf Jungs und drei Mädchen, die immer laut sind, immer ihre Spielsachen im Garten herumliegen lassen, nie den Rasen mähen.

Doch Samantha findet diese chaotische Familie großartig. Heimlich beobachtet sie sie und verfolgt das turbulente Familienleben. Und manchmal wünscht sie sich, auch Teil einer solchen Familie zu sein. Als Jase Garrett sie eines Abends auf ihrem Dachvorsprung besucht, verändert sich Samanthas Leben schlagartig. Sie lernt eine völlig andere Welt kennen: eine Familie, in der alle liebevoll und freundlich miteinander umgehen und in der es immer etwas zu lachen gibt.

Doch mit ihrer Mutter kann Samantha ihre neugewonnene Freude nicht teilen, denn die hat ihr nicht nur den Umgang mit den Garretts verboten, seit sie sieben Jahre alt war, sondern sie hat auch noch genug mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen. Vor allem mit dem Wahlkampf, denn auf keinen Fall will sie den Posten als Senatorin der Stadt verlieren.

Während Samantha also auf sich allein gestellt bleibt und ihre Mutter Wichtigeres zu tun hat, verbringt sie immer mehr Zeit bei den Garretts. Zwischen Jase und Samantha entwickelt sich schnell eine Freundschaft, aus der auch schnell mehr wird. Die Gespräche zwischen den beiden wirken am Anfang ziemlich gestellt, aber das verliert sich im Laufe des Buches und macht echten Gefühlen Platz. Die Szenen mit den beiden sind sehr liebe- und gefühlvoll geschrieben und sorgen beim Leser dafür, dass er ebenfalls Schmetterlinge im Bauch spürt und sich ganz in der Romantik zwischen den Figuren, die vollkommen ohne Kitsch auskommt, verliert. Auch das Familienleben der Garretts sorgt für viele schöne und witzige Momente, in denen man sich als Leser einfach nur wohl fühlt und als Teil der Familie betrachtet, so lebendig sind die Beschreibungen der Autorin.

Doch es gibt auch ernste Szenen und die Autorin spricht eine Handvoll an Problemen an, welche die Teenager in diesem Buch beschäftigen. Drogen nehmen dabei einen gewissen Raum ein, aber auch Samanthas Beziehung zu ihrer Mutter wird umfassend thematisiert. Und es kommt ein Moment, da wird alles auf eine Zerreißprobe gestellt, da sind die schönen Szenen vergessen, da war es das auf einmal mit der Romantik, und als Leser fragt man sich unweigerlich, wie das Buch wohl ausgehen wird.

Leider sorgt dieser Moment aber auch dafür, dass sich das Buch selbst von einem wirklich schönen und gefühlvollen Roman in ein oberflächliches und gekünsteltes Werk wandelt. Denn plötzlich steht die Welt völlig Kopf, die Handlung wirkt plötzlich konstruiert, verliert ihren Reiz, konzentriert sich zu sehr auf Intrigen und Lügen und negative Gefühle. Von einer Seite auf die andere macht es nicht mehr so viel Spaß, das Buch zu lesen, kann man sich als Leser nicht mehr zwischen den Seiten verlieren.

Das Ende des Buches macht zwar einiges wett, aber so ganz hinwegtäuschen kann es nicht darüber, dass die Freude am Lesen vor allem im letzten Drittel des Buches immer weniger wurde.

Mein Fazit:

Ein Buch mit zwei Seiten: einer fröhlichen und gefühlvollen und einer konstruierten und oberflächlichen.

Veröffentlicht am 31.10.2019

Ein Buch, das in einer fremden und faszinierenden Welt spielt, zu der man als Leser aber leider nur schwer Zugang findet.

Incarceron
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Ein Gefängnis, das lebt, atmet und mit seinen Insassen spielt - die Idee zu diesem Buch ist wirklich großartig. Nur leider gelingt die Umsetzung nicht so gut.

Denn als Leser dieses Buches wird man förmlich ...

Ein Gefängnis, das lebt, atmet und mit seinen Insassen spielt - die Idee zu diesem Buch ist wirklich großartig. Nur leider gelingt die Umsetzung nicht so gut.

Denn als Leser dieses Buches wird man förmlich in das kalte Wasser geschmissen und landet in einer Welt, die so fremd und einzigartig ist, dass man Erklärungen und Informationen benötigt, um sich in ihr zurechtzufinden. Aber diese Anleitung erhält man leider nicht. Stattdessen begegnet man sofort einer Vielzahl an Charakteren, bei denen man nicht einschätzen kann, ob sie gut oder böse sind, ob sie für den weiteren Verlauf der Handlung wichtig sind, ob sie eine besondere Rolle spielen. Das ändert sich auch nicht, je weiter die Geschichte voranschreitet, da man einfach keinen Bezug zu den Figuren aufbauen kann, sie bleiben dafür einfach zu blass und das Verhältnis zu ihnen war von Anfang an sehr schwierig und bessert sich auf den vielen Seiten auch nicht mehr.

Die Autorin hält sich sehr damit zurück, Erklärungen zu liefern. Als Leser muss man sich die Zusammenhänge selbst zusammenreimen und das fällt wirklich sehr schwer. Auch die in Kursiv abgedruckten Auszüge aus verschiedenen Schriften, die jedem Kapitel vorangestellt sind, helfen da nicht weiter, sondern sorgen eher noch für zusätzliche Verwirrung.

Dazu kommt, dass Catherine Fisher nur so mit fremden und fantastischen Begriffen um sich schmeißt und auch hierfür keine Erklärungen liefert. Woher soll man als Leser denn zum Beispiel wissen, was ein Comitatus im Gegensatz zu einem Civitates ist. Einiges kann man sicherlich herleiten, aber irgendwie hätte man dann doch gerne eine Bestätigung der Autorin, dass man mit seinen Vermutungen richtig liegt. Aber damit lässt sie ihre Leser doch sehr alleine.

Von der Handlung her ist das Buch sicherlich interessant. Es spielt zum Teil außerhalb und zum Teil innerhalb des Gefängnisses, wobei sich diese beiden Handlungsstränge im Verlauf des Buches immer mehr verbinden und stellenweise auch vermischen. Finn ist auf der Suche nach seiner eigenen Vergangenheit und Claudia flüchtet vor der arrangierten Hochzeit mit einem tyrannischen Prinzen. Beide gelangen durch Zufall in den Besitz eines merkwürdigen Schlüssels, der ein großes Geheimnis offenbart.

Eine Besonderheit in diesem Roman ist sicherlich die Tatsache, dass Incarceron selbst, das Gefängnis, ein Charakter des Buches ist. Es lebt und atmet, verändert sich jeden Tag und spricht sogar zu seinen Insassen. Aber irgendwie hätte es durchaus noch aktiver sein können. Die Szenen, in denen es wirklich handelt, sind doch eher selten und so ist auch die Bedrohung, die von ihm ausgeht, eher gering. Aufgrund des Klappentextes hätte man hier doch schon mehr erwartet.

Mein Fazit:

Ein Buch, das in einer fremden und faszinierenden Welt spielt, zu der man als Leser aber leider nur schwer Zugang findet.

Veröffentlicht am 31.10.2019

Ein gut durchdachtes Jugend-Fantasy-Buch, das etwas Zeit braucht, um Fahrt aufzunehmen, und seinen Lesern ein gewisses Maß an Vorstellungskraft abverlangt.

TIAMAT – Liebe zwischen den Welten
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„Tiamat. Liebe zwischen den Welten“ erzählt vordergründig von einer schwierigen Vater-Tochter-Beziehung und einer kleinen, aber feinen Liebe zwischen zwei Teenagern. Und dazu spielt das Buch, wie es der ...

„Tiamat. Liebe zwischen den Welten“ erzählt vordergründig von einer schwierigen Vater-Tochter-Beziehung und einer kleinen, aber feinen Liebe zwischen zwei Teenagern. Und dazu spielt das Buch, wie es der Titel schon verrät, zwischen den Welten...

Anouks Mutter ist vor einiger Zeit verschwunden und ihr Vater setzt alles daran, sie wiederzufinden. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass seine Frau noch am Leben ist. Anouk fällt es dadurch sehr schwer, an ihren Vater heranzukommen, da dieser Tag und Nacht nur mit Nachforschungen beschäftigt ist und keine Zeit für seine Tochter hat.

Anouk verbringt ihren Alltag mit Sander, der vor einigen Jahren plötzlich in ihrem Haus aufgetaucht ist und seitdem als ihr Bruder ausgegeben wird. Die beiden sind wie Hund und Katz. Irgendwie können sie nicht ohneeinander, sie können auch nicht miteinander. Und gemeinsam versuchen sie, das Geheimnis von Tiamat zu ergründen.

Tiamat ist das Tor zu einer anderen Welt, in der merkwürdige Kreaturen hausen. Das Tor muss rund um die Uhr bewacht werden, um zu verhindern, dass diese Kreaturen ihre Welt verlassen und die Welt von „Himmelshoch“ betreten. Doch ab und zu, in einem kleinen, unbeobachteten Moment, gelingt es einigen dieser Kreaturen, durch ein Loch zu schlüpfen und gewaltige Veränderungen in der Welt von „Himmelshoch“ zu bewirken. Und jetzt kommt der Fantasy-Part des Buches ins Spiel: Die Kreaturen sind sehr außergewöhnlich und man braucht schon ein gewisses Maß an Fantasie, um sich die Wesen, denen man als Leser begegnet, vorzustellen. Ein Krake, der plötzlich vom Dachboden klettert, lässt sich noch ganz gut vorstellen. Aber es gibt auch noch andere Wesen, die weit mehr Vorstellungskraft erfordern.

Besonders gut gefallen hat mir die Idee der Autorin, dass jedes dieser Wesen mit seinem Erscheinen in der Welt von „Himmelshoch“ eine Veränderung in diesem Haus bewirkt. Das waren teilweise nur Kleinigkeiten, aber manchmal auch große Entwicklungen. Tanja Heitmann hat sich hier wirklich etwas Tolles einfallen lassen und sehr gute Ideen umgesetzt.

Für mich hat die Handlung leider knapp 150 bis 200 Seiten gebraucht, um Fahrt aufzunehmen. Bis dahin plätschert sie eigentlich nur so vor sich hin. Klar, man lernt hier die Charaktere kennen und auch die Handlungsumgebung wird eingeführt. Man erfährt ein wenig über den Maelstrom, über Tiamat, über das Haus „Himmelshoch“, ein paar merkwürdige Kreaturen tauchen auf, der Schulalltag von Anouk wird beschrieben. Aber es passiert nichts, was wirklich für Spannung sorgt.

Das ändert sich nach dem eher ruhigen Anfang aber zum Glück. Es folgen immer wieder kleine Wendungen, die für Spannung sorgen und die Handlung in völlig verschiedene Richtungen lenken. Tiamat bekommt immer größere Risse und die Wesen aus der anderen Welt drohen, „Himmelshoch“ zu überrennen. Das Tor soll für immer verschlossen werden. Aber nur einer ist dazu berufen, diese Aufgabe auszuführen...

Auch hier muss ich leider sagen, dass ich mir stellenweise doch mehr Erklärungen gewünscht hätte. Vor allem darüber, was es mit Tiamat und dem Maelstrom auf sich hat. Klar, es gibt hier genug Informationen, um das Buch zu verstehen. Aber für mich haben die Beschreibungen nicht ausgereicht, um mir wirklich ein Bild von dieser geheimnisvollen Welt im Keller des alten Herrenhauses zu machen.

Der Erzähl- und Schreibstil von Tanja Heitmann ist schon sehr speziell und ich habe gut 100 Seiten gebraucht, um mich an ihn zu gewöhnen. Klar, sie schreibt locker und leicht und das Buch lässt sich dadurch sehr schnell und einfach lesen. Aber mir war der Humor teilweise zu gezwungen. Tanja Heitmann schreibt vordergründig für jugendliche Leser und auch die Hauptfiguren dieses Buches sind Jugendliche. Dementsprechend versucht Tanja Heitmann, ihren Charakteren ein authentisches jugendliches Auftreten zu verpassen, das derart ausgestaltet ist, dass diese nur so mit Sprüchen um sich hauen. Es gibt in diesem Buch sehr viele Dialoge und teilweise weiß man gar nicht, worauf diese hinauslaufen sollen, da hier oft einfach nur ein Schlagabtausch stattfindet, bei dem sich die Charaktere einfach nur im Kreis drehen und auch die Handlung überhaupt nicht vorangetrieben wird.

Das Buch ist durchweg gut konstruiert. Vor allem das Ende ist sehr stimmig und für mich wirkt es nicht so, als hätten wir es hier mit dem Auftakt einer Reihe zu tun. „Tiamat. Liebe zwischen den Welten“ ist in sich abgeschlossen und kann als einzelnes Buch stehen bleiben.

Mein Fazit:

Ein gut durchdachtes Jugend-Fantasy-Buch, das etwas Zeit braucht, um Fahrt aufzunehmen, und seinen Lesern ein gewisses Maß an Vorstellungskraft abverlangt.