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Veröffentlicht am 26.01.2020

Ein Hoffnungsschimmer?

Tage des Lichts
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Nach Band 2 „Zeit aus Glas“ geht es nahtlos vom August 1939 bis 28. Juli 1940 mit Band 3 in England weiter.

Ruth Meyer bemüht sich immer noch intensiv um die Ausreise ihrer Eltern aus Deutschland nach ...


Nach Band 2 „Zeit aus Glas“ geht es nahtlos vom August 1939 bis 28. Juli 1940 mit Band 3 in England weiter.

Ruth Meyer bemüht sich immer noch intensiv um die Ausreise ihrer Eltern aus Deutschland nach England. Sie hat sich mittlerweile mit dem Leben auf dem Hof der Sandersons arrangiert. Mit Farmer Freddy versteht sie sich ausgesprochen gut. Er ist freundlich, unterstützt sie und stärkt ihr den Rücken, damit sie die Unfreundlichkeiten seiner Frau besser ertragen kann. Seine Frau Olivia hingegen besticht mit negativen Tugenden. Sie ist eitel, neidisch, hysterisch, gehässig und egoistisch. Das Leben auf dem Land gefällt ihr überhaupt nicht, schwere und lästige Arbeiten lässt sie prinzipiell von Ruth erledigen. Sie fühlt sich mehr dazu berufen, stundenlang mit dem Auto zum Einkaufen zu fahren oder fadenscheinige Erledigungen vorzugeben, um vom Hof wegzukommen. Töchterchen Jill fühlt sich eher zu Ruth hingezogen.

Zur Ankunft der Eltern in Harwich wird Ruth von Freddy begleitet und sie ist entsetzt über das verhärmte und schlechte Aussehen ihres Vaters nach seinem Aufenthalt im Konzentrationslager. Die Eltern finden zuerst bei Verwandten Unterkunft, bevor sie eine eigene kleine Wohnung beziehen können, die sie mit den mittlerweile eingetroffenen, eigenen Möbeln einrichten. Zum Chanukka-Fest lässt Olivia gnädigerweise Ruth ein paar Tage zu den Eltern reisen. Inzwischen kreisen die Gespräche nur noch um den ausgebrochenen Krieg, die ständige Verdunklung, den Fliegeralarm und die Lebensmittelrationierungen. Mittlerweile wurden im Ort und auf der Farm der Sandersons junge Mädchen samt Lehrerinnen aus der Stadt einquartiert, die natürlich neue, zusätzliche Probleme mit sich bringen.

Und auch in dieser schwierigen Situation ist Edith Nebel wieder an der Seite von Ruth und unterstützt sie jetzt hinsichtlich der Ausreisebemühungen nach USA und es wird spannend, wann und ob es noch gelingt, für alle eine Schiffspassage nach Amerika zu bekommen.

Zwischendurch erfährt man immer wieder in kurzen Absätzen von den Geschehnissen in Deutschland und den zurückgebliebenen Angehörigen bzw. Freunden.



Wie immer bei einer Buchreihe empfiehlt es sich, in der richtigen Reihefolge zu lesen. Aber Ulrike Renk hat Neueinsteiger nicht alleine gelassen. Anfangs wiederholt sie immer wieder einiges an Hintergrundwissen nach dem Motto „Was bisher geschah“, damit auch sie der Geschichte folgen können. Im Nachwort macht die Autorin wieder sehr interessante Anmerkungen und man merkt einfach, mit wie viel Herzblut diese Reihe geschrieben wurde.

Der vorliegende Band umfasst nur eine kurze Zeitspanne und daher erfährt der Leser sehr viel über das tägliche Leben von Ruth während dieser Zeit in England. Für ihr Alter musste sie aus der Situation heraus sehr schnell erwachsen werden. Nach wie vor verdient sie absolute Bewunderung, denn sie ist mutig, lässt sich nicht unterkriegen, kämpft um ihre Lieben, fügt sich klaglos in das harte Leben auf dem Hof ein, am Ende lernt sie auch wieder das Lachen und ganz wichtig – sie schreibt ihr Tagebuch weiter. Nach der Ankunft der Eltern wird auch deren bedrückendes und eingeschränktes Leben geschildert mit den ständigen Sorgen und Ängsten. Wie die anderen Bände auch, ist es wahrlich kein Wohlfühlbuch, aber ich finde es sehr wichtig, daß durch Ruths Tagebuch die Ereignisse authentisch und bewegend geschildert werden können, auch wenn es jetzt in Romanform erfolgt. Dadurch bekommt man als Leser einen detaillierten Einblick in den eingeschränkten Alltag und als Warnung, daß dies nie mehr geschehen darf!

Mir hat auch dieser Band – trotz des bedrückenden Themas - wieder sehr gut gefallen. Ich warte gespannt auf Band 4 und den Abschluß der Geschichte!

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Veröffentlicht am 31.12.2019

Die Toten kennen die Wahrheit

Tod und kein Erbarmen
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Schauplatz ist das Erzgebirge zur Weihnachtszeit und genau diese Atmosphäre beschreibt der Autor sehr anschaulich und bildhaft im 7. Band der Krimireihe um Kriminalhauptkommissar Erik Donner.

Donner wollte ...

Schauplatz ist das Erzgebirge zur Weihnachtszeit und genau diese Atmosphäre beschreibt der Autor sehr anschaulich und bildhaft im 7. Band der Krimireihe um Kriminalhauptkommissar Erik Donner.

Donner wollte sich eigentlich erholen als er ins Erzgebirge aufgebrochen ist. Allerdings lernt er im Dorfgasthaus gleich Linda kennen, die ihm von ihrer verschwundenen Cousine Violetta erzählt. Violetta ist vor 10 Jahren verschwunden. Der Fall wurde irgendwann zu den Akten gelegt und jetzt hat Linda eine Mail erhalten, daß sie lebt. Nur niemand glaubt Linda. Nach dieser durchzechten Nacht wacht Donner wie nach einem Albtraum auf und muß sich seine Erinnerung und den Fall Violetta erst zusammenpuzzeln. Von Erholung ist jetzt keine Spur mehr, sondern er ermittelt mit Unterstützung vor allem seines Kollegen Sokrates Vogel und Lia Winter. Bei den Bewohnern des Ortes scheint es viele Ungereimtheiten und Geheimnisse zu geben, die erst nach und nach ans Tageslicht kommen und der Leser wird immer wieder auf falsche Fährten gelockt.


Für mich war es der erste Krimi des Autors. Donner und seine Vorgeschichte kannte ich nicht, deshalb habe ich erst mit der Zeit einiges aus der Vergangenheit erfahren. Er ist ein Kommissar-Monster, sein Gesicht scheint entstellt zu sein und er hat eine Metallplatte im Kopf, ist 42 Jahre und seine Lebensgefährtin ist verstorben. Er scheint sich in seine Fälle zu verbeißen und kann sich auf Sokrates Vogel verlassen. Seine Mitarbeiterin Lia Winter war eindeutig meine Lieblingsfigur. Eine toughe, junge Frau, die nicht auf den Mund gefallen ist, gerne Contra gibt und mit viel Hirn und Köpfchen ihren Chef unterstützt.

Die Atmosphäre in diesem Band und die Figuren sind so farbig beschrieben, daß ein echtes Kopfkino ablaufen kann und man als Leser eintaucht in die Story. Der Plot war spannend, ich bin auf etliche Fallen hereingefallen und habe falsche Personen verdächtigt, aber ich wurde sehr gut unterhalten.

Diesen Krimi empfehle ich sehr gerne!

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Veröffentlicht am 30.12.2019

Zack Herry nichts für schwache Nerven

In den Klauen des Falken
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Zack Herry beobachtet an den U-Bahn-Gleisen ein Mädchen mit einem Sprengstoffgürtel, das mit einer Axt auf einen Passanten einhackt und Allahu Akbar ruft – offensichtlich ein Terroranschlag. Auf den zweiten ...

Zack Herry beobachtet an den U-Bahn-Gleisen ein Mädchen mit einem Sprengstoffgürtel, das mit einer Axt auf einen Passanten einhackt und Allahu Akbar ruft – offensichtlich ein Terroranschlag. Auf den zweiten Blick bemerkt er, daß sie ihn ganz genau im Visier hat, daraufhin schießt er auf sie und sie fällt ins Gleisbett. Es stellt sich heraus, daß der Sprengstoffgürtel nur eine Attrappe war. Dieser Vorfall hinterlässt bei Zack gewaltige Spuren im Unterbewusstsein, an denen er im Folgenden zu knabbern hat.

Kurz darauf verschwindet ein Polizeikollege – Roger Dahl. Zack und Dahl kennen sich aus der Zeit ihrer Ausbildung, sie verbindet eine gewisse Hassliebe und ein ständiger Wettkampf. Bei den Mädels ging Dahl als Sieger hervor, indem er die umworbene Josefin heiratete. Dahl wollte einen Drogenring ausheben und hatte dort einen Informanten, den allerdings niemand kennt. Es beginnt eine rasante Suche nach Dahl und auch dem unbekannten Verbindungsmann. An der Spitze des Netzwerks/Drogenrings steht Bogan Ravi. Die Suche, die Ermittlungen und die Aufklärung stehen unter Zeitdruck, daher ist die Story temporeich und wie von Kallentoft bzw. Zack gewohnt, nichts für schwache Nerven.


Ich habe mittlerweile einige Bände mit Zack Herry gelesen und sie sind für mich echte Pageturner. Der Plot ist durchgängig spannend und wird durch Privates etwas aufgelockert. Zack als Person kann ich mir sehr gut vorstellen. Er ist seit nunmehr 1 ½ Jahren clean, weiblichen Reizen gegenüber zeigt er sich aufgeschlossen und im Notfall kann er sich immer auf seinen Freund Abdula verlassen. In diesem Fall war man als Leser klar im Vorteil und ich hätte Zack gerne des Öfteren geschüttelt und ihm mehr Argwohn gewünscht. Abdula als Helfer von Zack muß in diesem Fall in das Drogenmilieu ganz tief eintauchen und die Nähe von Bogan Ravi suchen. Aber seine Hilfe und auch ein Geheimnis wegen dieser Hilfe, stellt ihre Freundschaft auf eine harte Probe. Zacks Suche nach seinen Wurzeln bzw. seiner Identität nimmt auch in diesem Band einen wichtigen Part ein. Das Nachbarsmädchen Ester, Deniz - Zacks engste Kollegin, Sirpa – die IT-Spezialistin der Sondereinheit und ebenso der blinde Rudolf, sind mir mit ihren Charakteren wieder ans Herz gewachsen.

Ich fühlte mich auch im 5. Band mitgenommen und hatte echtes Kopfkino, daher könnte ich mir auch eine Verfilmung gut vorstellen. Es war eine fesselnde, brand aktuelle Story mit facettenreichen Figuren und ich bin beim nächsten Band auf jeden Fall wieder dabei.

Für Leser von Thrillern auf jeden Fall eine Empfehlung!

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Veröffentlicht am 13.11.2019

Übersteht ihre Freundschaft diese Zerreißprobe?

Zorn - Tod um Tod
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Bei ihrem neuen Fall handelt es sich um die Klärung der Frage, wer hat den 50jährigen Donald Piral gefoltert, indem er ihn in seinem Auto erst gefesselt, dann mit Kalk überschüttet und anschließend die ...

Bei ihrem neuen Fall handelt es sich um die Klärung der Frage, wer hat den 50jährigen Donald Piral gefoltert, indem er ihn in seinem Auto erst gefesselt, dann mit Kalk überschüttet und anschließend die Heizung aufgedreht hat? Dieser Frage müssen Zorn und Schröder nachgehen. Piral hatte zusammen mit Victor Kurtz die Firma Pikus Consult Immobilien und nach seinem Tod fallen seine Anteile in Höhe von ca. 12,5 Mio. € an Kurtz. Dies könnte durchaus ein Mordmotiv darstellen. Aber Zorn kannte die beiden aus seinem Abi-Urlaub in Venedig und Jugoslawien im Sommer 1992 und hat sie nicht in bester Erinnerung. Dann wird die Autorin Vaatz getötet und ganz langsam können einzelne Puzzleteile zusammengetragen werden. Bis zur Lösung gibt’s jedoch einen echten Kampf zwischen Zorn und Schröder bezüglich der Frage „Wer ist der Chef“ bzw. „Wer muß der Chef sein“. Ebenso leidenschaftlich ist der Kampf und um ihre Freundschaft.

Parallel dazu kommt noch die Stimme des Mörders zu Wort.


Ich bin ein Fan dieser Kult-Krimireihe und der Autor hat mich auch mit diesem Band sofort wieder in seinen Bann gezogen. Besonders freut mich, daß ich die Verfilmung einiger Bände schon gesehen habe, deshalb kann echtes Kopfkino ablaufen, denn ich habe immer ein klares Bild von Zorn und dem dicken Schröder vor mir. Der Schreibstil ist so spannend, daß ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Die Lösung des Falles macht nur ungefähr die Hälfte der Story aus, die andere Hälfte gilt dieses Mal nicht nur dem Privatleben und der Freundschaft von Zorn und Schröder, sondern auch Malina, ihrem Sohn und Rufus. Rufus, der gelähmt im Bett liegt und sich seiner Hilflosigkeit bewusst ist, sucht eine Vertrauensperson für eine besondere Aufgabe. Und gerade er erkennt als erster den wahren Mörder – an den Augen.

Wie das alles zusammengeht und schlüssig gelöst wird, d.h. der Plot, die Figuren etc., fand ich ausgesprochen gelungen. Deshalb bin ich beim nächsten Band sofort dabei. Von mir auf jeden Fall eine Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 13.11.2019

Der Teufel ist überall und nirgends

Der Lehrmeister (Faustus-Serie 2)
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Wir begleiten im zweiten Band Dr. Faustus vom Jahr 1518 bis 1523

Dr. Johann Georg Faustus, bestens bekannt als mächtigster Zauberer des Reichs, Astrologie, Chiromant und Alchimist leidet mittlerweile ...

Wir begleiten im zweiten Band Dr. Faustus vom Jahr 1518 bis 1523

Dr. Johann Georg Faustus, bestens bekannt als mächtigster Zauberer des Reichs, Astrologie, Chiromant und Alchimist leidet mittlerweile unter einem leichten Zittern und sein Nürnberg fehlt ihm ein Finger, links hat er ein Glasauge. Zusammen mit seiner Ziehtochter Greta, seinem Assistenten Karl Wagner und dem Hund Kleiner Satan haben sie Nürnberg hinter sich gelassen. Sie sind jetzt von Bretten im Kraichgau unterwegs nach Bamberg und geraten damit in eine Falle. Sie fliehen daraufhin durch das ganze Reich bis nach Frankreich, erleben prekäre und gefährliche Situationen und haben interessante Bekanntschaften. So begegnen sie beispielsweise Heinrich Cornelius Agrippa, Leonardo da Vinci, König Franz I. von Frankreich sowie Papst Leo X.

Den Epilog empfand ich als einen sehr positiven Abschluß dieses Bandes.


Nach dem ersten Band weiß man bereits, daß man allen zwielichtigen Figuren mißtrauen muß, denn hinter jeder könnte sich Tonio del Moravia verstecken. Natürlich trifft man auch hier wieder das Gute und das Böse, historisch belegte Tatsachen und fiktive Ausschmückungen. Und um die Geschichte rund werden zu lassen darf etwas Mystik nicht fehlen. Der Autor hat seinen Stil beibehalten und lebendig, farbenprächtig und bildhaft die Geschichte erzählt. Vor allem habe ich mit den ans Herz gewachsenen Personen gelitten, sei es Dr. Faustus, Greta oder auch Kleiner Satan.

Auch mit diesem Band hat mich der Autor voll überzeugt, ich habe die 800 Seiten innerhalb kürzester Zeit gelesen und ich empfehle das Buch sehr gerne weiter!