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Veröffentlicht am 28.03.2020

Treffend, pointiert und herrlich amüsant - Pott at its best

Radio Heimat
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"Radio Heimat" hat mich schon auf der ersten Seite zum Lachen gebracht, was durchaus eine beeindruckende Leistung ist. Auch sonst habe ich im ersten Teil ziemlich oft laut gelacht und mich über viele Geschichten ...

"Radio Heimat" hat mich schon auf der ersten Seite zum Lachen gebracht, was durchaus eine beeindruckende Leistung ist. Auch sonst habe ich im ersten Teil ziemlich oft laut gelacht und mich über viele Geschichten in diesem Buch sehr gut amüsiert.

Frank Goosen fängt den Pott einfach hervorragend ein. Er erzählt zu Beginn Geschichten aus seiner Kindheit und Jugend, von Omma und Oppa, Onkel Josef und Tante Henni und anderen Verwandten. Manche begegnen uns immer wieder, gerade Omma und Oppa begleiten uns durch eine Großteil des Buches und das ist gut so, denn über die beiden hätte ich noch viel mehr lesen können. Es passiert nichts Außergewöhnliches, es ist das ganz normale Ruhrpottleben der 60er - (etwa) 80er. Osterbesuche, Frühschoppen, Spaziergänge usw. Aber eben im Pott und das bekommt schon durch die herrlichen Dialoge im Dialekt so herrlich durch. Ich konnte es geradezu in meinem geistigen Ohr hören. Diese Dialoge alleine sind großes Kino. Aber auch sonst fließt gelungenes Lokalkolorit ein. Man spürt den Pott, seine Menschen und seine Eigenheiten. Wenn Frank Goosen der erste in der Familie ist, der studiert, der von den bodenständigen Wurzeln und "vonne Alleestraße" weg geht, sind die Reaktionen seiner Familie und seines Umfeldes herrlich geschildert. Pointiert, aber nie verletzend, wird uns hier viel nahegebracht und man sieht alles direkt vor sich.

Zwischendurch schwächeln die Geschichten für meinen Geschmack. Da haben wir dann Teenagerallerlei - trinken, Band gründen, Parties feiern. Da kommt das Spezielle des Ruhrpotts gar nicht mehr durch, das sind beliebige Teenagergeschichten, die es überall und jederzeit gibt. Auch einige satirisch überzeichnete Geschichten passen nicht so richtig in das Buch, denn auch hier geht es nicht wirklich um den Pott und seine Lebensart und es ist eben zu übertrieben. Das würde in einen Band mit allgemeinen Satiren passen, nicht aber in diese "Geschichten von zuhause". Auch gibt es einige leider ziemlich nichtssagende Geschichten. Das Buch fing fulminant an, fiel dann doch ziemlich ab und erholte sich ein wenig, bot einen leicht ruckeligen (passend zum eigensinnigen Ford Taunus des Autors) Schlußteil. Am besten ist Frank Goosen meiner Ansicht nach, wenn er im familiären Umwelt bleibt und mit deftigem Pottbezug vom alltäglichen Wahnsinn berichtet. Der Schreibstil ist durchweg erfreulich, unterhaltsam, treffend.

Unterhaltsam und empfehlenswert ist das Buch allemal und echtes Pottgefühl bekommt man hier absolut. Leseempfehlung für alle, die sich immer noch wundern, daß es im Pott "so viel Grün" gibt und für die, die den Pott kennen und ihn hier herrlich wiederfinden.

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Veröffentlicht am 18.02.2020

Bildhaftes, sprachlich herrliches Eintauchen in die Belle Époque

Keyserlings Geheimnis
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Das Buch besticht von der ersten Seite an durch eine ausgesprochen schöne Sprache und die bildhafte Schilderung der Szenerie. Wenn wir mit Keyserling durch Schwabing schlendern, dann sieht man es alles ...

Das Buch besticht von der ersten Seite an durch eine ausgesprochen schöne Sprache und die bildhafte Schilderung der Szenerie. Wenn wir mit Keyserling durch Schwabing schlendern, dann sieht man es alles geradezu vor sich, ebenso wie die später vorkommenden Orte – das Haus am See in der Sommerfrische, die einfache Hinterhofwohnung in Wien, das kurländische Schloß. So wie Keyserling in seinen Werken eine damals schon am Rande des Unterganges entlangbalancierende Welt auferstehen läßt, gelingt es auch Modick, uns in diesem Buch in die Belle Époque mitzunehmen. Seine elegante Sprache paßt hier sowohl zur Zeit wie auch zum feinsinnigen Keyserling selbst. Die Handlung ist eher zweitrangig, besonders viel passiert auch gar nicht und doch war ich beim Lesen gebannt und konnte in die Atmosphäre ganz eintauchen.

Wir begleiten den schon an den Folgen seiner Syphiliskrankheit laborierenden Autor Keyserling im Sommer 1901, Aufhänger ist ein Sommeraufenthalt mit Künstlerkollegen am Starnberger See und das Gemälde, das Lovis Corinth in jenem Sommer von Keyserling malt. Das Gemälde ist vorne im Buch abgebildet, was ich sehr gelungen finde, ich habe auch immer wieder mal dahin zurückgeblättert. Auch der Sommeraufenthalt selbst, der Freundeskreis jener Männer, die alle aus dem Kurland (heute Lettland) stammen, ist interessant zu lesen. Schön, wie der Autor hier ab und an den Dialekt einflicht, den ich noch von einer Großtante kenne und der den Unterhaltungen eine gelungen lokale Note gibt. Im Rahmen dieses Sommeraufenthaltes denkt Keyserling immer wieder zurück an frühere Episoden in seinem Leben und so ist auch das Buch selbst episodisch.

Modick bringt uns hier den tatsächlichen Lebensweg Keyserlings gut nahe, auch die Kollegen – wie zB der unerträglich großspurige Wedekind – sind gut getroffen und es werden auch einige Zitate gekonnt eingeflochten. Ja, so könnte es absolut gewesen sein, hier merkt man, daß sorgfältig recherchiert und der historische Hintergrund mit Geschick literarisch verarbeitet wurde. Auch das ansprechende Titelbild passt dazu.

Während ich am Anfang von den sprachlich sehr schönen Naturbeschreibungen angetan war und auch manchen Satz mehrfach las, wurde dieser Kunstgriff der Beschreibungen rasch überbenutzt. Es werden doch gar zu viele Szenen mit solchen Beschreibungen eingeleitet, jede Tageszeitänderung, jedes Wetter, jede Jahreszeit wird so „verarbeitet“ und wenn die Beschreibungen zum Selbstzweck werden und bildhafte Vergleiche von Lichtmustern, säulenartigen Bäumen und dergleichen anfangen, sich ein wenig zu wiederholen, dann beeinträchtigt das leider die Wirkung. Hier wäre weniger mehr gewesen. Auch die Hingabe, mit der der Autor Aufzählungen benutzt, wirkte auf Dauer etwas anstrengend. Blumenarten, Farben, Eigenschaften – was irgendwie aufgezählt wird, wird auch aufgezählt. Die beiden Punkte waren für mich doch leichte Schwächen der ansonsten so wundervoll genutzten Sprache.

Die Ausschnitte aus Keyserlings Lebensweg sind gut gewählt, um seinen Hintergrund, seine Motivation und auch sein eigenes Werk besser zu verstehen. Sein „Geheimnis“ ist dann rein fiktiv. Es gab zwar tatsächlich zu Keyserlings Studentenzeit einen Skandal, über den aber nichts Näheres bekannt ist. Modick schildert uns hier eine fiktive Geschichte, die inhaltlich durchaus als mögliche Erklärung passen würde. Allerdings wird im Buch der „Skandal von Dorpat“ schon vorher so oft erwähnt, daß diese ständigen Andeutungen irgendwann richtiggehend enervierend wurden. Es wäre in dieser häufigen Wiederholung nicht notwendig gewesen, denn so hatte ich von dem „Skandal“ schon genug, bevor er zum Ende des Buches dann Thema wird. So gut diese von Modick geschilderte Episode zu den tatsächlichen Geschehnissen passen könnte – sie wirkte auf mich eher wie ein Antiklimax. Ob das nun an den vorherigen ständigen Andeutungen liegt, oder daran, daß es eine Geschichte ist, die man in dieser Art schon so oft gehört oder gelesen hat und die – abgesehen von einer wirklich originellen Wendung zum Schluß – nichts Originelles hat, weiß ich nicht. Der Zauber des Buches hat für mich aber leider in diesem letzten Fünftel abgenommen.

Trotzdem hat mich die gelungene Sprache, dieser Schreibstil, der mich in die Welt jener Zeit so völlig eintauchen ließ, in den Bann gezogen und das nächste Buch des Autors liegt hier schon bereit.

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Veröffentlicht am 07.02.2020

Unterhaltsame Reise in das Leben teils ungewöhnlicher Menschen

Montagsmenschen
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Obwohl ich mich nicht weniger für Yoga interessieren könnte, war ich auf dieses Buch neugierig, da es die Schicksale vier unterschiedlicher Menschen verbindet, die sich alle jeden Montag bei der Yogastunde ...

Obwohl ich mich nicht weniger für Yoga interessieren könnte, war ich auf dieses Buch neugierig, da es die Schicksale vier unterschiedlicher Menschen verbindet, die sich alle jeden Montag bei der Yogastunde treffen. Und auch ohne Interesse am Yoga ist dies ein lesenswertes, unterhaltsames Buch - die Detailpassagen zum Yoga habe ich einfach übersprungen, sie sind auch nicht überbordend.

Wir lernen also Nevada, Marie, Poppy und Ted kennen, sowie ihr jeweiliges Umfeld. Interessant ist, welch verschiedene Geschichten hier durch diese vier Menschen zusammenkommen und welch unterschiedliche Stimmungen hier kreiert werden. Die Yogalehrerin Nevada hat mich sehr berührt. Sie muss mit einer furchtbaren Krankheit zurechtkommen. Schon der steinige Weg zur Diagnose wird so hervorragend geschildert, daß man mit Nevada mitfühlt. Nicht genug damit, daß sie damit zurechtkommen muß, daß sie mit dieser Krankheit geschlagen wird, obwohl sie doch alles "richtig" gemacht hat: die eiskalte plötzliche Ablehnung ihrer Kollegen, verbrämt mit heuchlerisch vorgebrachten Yogaweisheiten, ist beim Lesen nahezu schmerzhaft. Dagegen stehen dann die zu Beginn teilweise amüsanten Einblicke in das Leben der unangepassten Poppy und des selbstverliebten Ehemannes der eigentlich patenten Marie. Aber auch hier tun sich dunklere Seiten auf. Nur Ted bleibt durchweg blaß, bekommt auch am wenigsten Raum.

Wir lernen die Charaktere nach und nach immer weiter kennen - manch amüsante Marotte stellt sich als Folge einer belasteten Vergangenheit heraus. Immer wieder baut Milena Moser Rückblicke ein; das hat mich zuerst verwirrt, weil diese so unmittelbar geschehen, die Zeiten ohne Ankündigung wechseln, aber ich habe mich an die Erzählweise schnell gewöhnt und es liest sich unterhaltsam, wie die Autoren die verschiedenen Zeitebenen gelungen verknüpft und und die Persönlichkeit ihrer Charaktere Stück für Stück aufdeckt. Sie nimmt ihre Leser mit auf eine interessante Reise mit vielen unerwarteten Wendungen.

Ab und an waren mir ein paar Dinge etwas zu abgedreht und es ging mir auch immer mehr auf die Nerven, wie widerspruchslos es gerade Ted, Nevada und Marie hinnehmen, von Menschen in ihrem Umfeld abscheulich behandelt zu werden. In dieser Häufung war mir das zu viel. Auch der dann etwas zu sehr auf Happy End getrimmte Schluß war mir etwas zu viel. Aber insgesamt habe ich es genossen, diese Menschen ein Stück ihres Weges zu begleiten und sie immer besser kennenzulernen. Der Schreibstil ist angenehm, liest sich leicht, ohne flach zu sein, widmet sich den Charakteren mit Hingabe.

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Veröffentlicht am 23.01.2020

Spannend, flott geschrieben, mit ein paar Längen

Das Gerücht
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In „Das Gerücht“ ist man auf erfreuliche Weise gleich mitten in der Geschichte. Zusammen mit der Ich-Erzählerin Joanna erfahren wir schon auf den ersten Seiten von dem Gerücht – die ihre Strafe verbüßt ...

In „Das Gerücht“ ist man auf erfreuliche Weise gleich mitten in der Geschichte. Zusammen mit der Ich-Erzählerin Joanna erfahren wir schon auf den ersten Seiten von dem Gerücht – die ihre Strafe verbüßt habende Kindermörderin Sally McGowan soll mit neuer Identität in dem kleinen Küstenstädtchen leben. Das weckt sofort das Interesse an der Geschichte und dies hält sich auch, da der Schreibstil durch das ganze Buch hindurch flott und angenehm ist. Joanna ist eine erfreuliche Protagonistin, sie ist in diesem Küstenstädtchen Flinstead recht neu, paßt in die geruhsame Kleinstadtwelt nicht vollständig hinein und betrachtet deshalb einiges mit unterhaltsam ironischer Distanz. Gemeinsam mit ihr lernen wir ihr Umfeld kennen. Es tauchen ziemlich schnell gleich mehrere ältere Damen auf, die leichte Unklarheiten in ihrer Biographie haben und somit alle Sally McGowan sein könnten. Das war mir ein wenig zu gehäuft.

Joannas persönliche Situation wird recht ausführlich beschrieben, mit einigen Komponenten, die für die Geschichte nicht unbedingt relevant waren und mir etwas zu sehr ausgewalzt wurden. Auch Joannas gesellschaftlicher Umgang mit den Flinsteader Übermüttern, dem Buchclub, ihrem beruflichen Umfeld und anderen Leuten ist zwar teilweise durchaus unterhaltend und hat für die Geschichte einige relevante Aspekte, wurde aber für meinen Geschmack zu ausführlich und mit unnötigen Details geschildert. Gerade in der Mitte hat das Buch dadurch einige Längen.

Sonst aber ist das Erzähltempo gut, es gab mehrere Stellen, an denen ich trotz Müdigkeit immer weiter gebannt gelesen habe. Es gibt hier gleich mehrere interessante Facetten um die Sally-McGowan-Gerüchte, und die Autorin weiß sie zu nutzen, so daß es fast immer spannend bleibt. Die Geschichte entfaltet sich Stück für Stück und manche Dinge sind ganz anders als sie zuerst scheinen. Auch das wird ein wenig überbenutzt, aber es liest sich spannend und unterhaltsam. Zwischendurch erhalten wir kurze Einblicke in die Gedanken Sally McGowans und dadurch werden auch weitere wichtige Fragen eingeworfen: was ist Schuld und wann ist die gesühnt? Welche Freiheiten haben die Medien und wird manchmal der Täter mehr geschützt als das Opfer? Wie schnell lassen sich die Menschen durch Gerüchte hinreißen? Wie weit geht man, um dazuzugehören, oder das eigene Kind dazugehören zu lassen? Aufgrund der vielen Themen geht nichts davon wirklich tief, aber das ist auch nicht schlimm, denn es ist ein Krimi, keine philosophische Abhandlung. Mir hat es gut gefallen, dass es hier mehrere Aspekte gab, die in einer gutgeschriebenen Geschichte gelungen zusammengeführt werden.

Der Showdown war mir ein wenig zu lang und es gefiel mir nicht so gut, daß die Prämisse des Buches auf einigen ziemlich großen Zufällen beruht, aber insgesamt ist „Das Gerücht“ eine flott geschriebene, spannende Geschichte, die sich erfreulich liest und recht gut konzipiert ist. Auch das Titelbild paßt hervorragend und gefällt mir gut. Von dieser Autorin würde ich gerne noch mehr lesen.

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Veröffentlicht am 21.01.2020

Spannend, aber stilistisch für mich nicht ganz überzeugend

Schwert und Krone - Herz aus Stein
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Nachdem mir der letzte Band der „Schwert und Krone“ zu überfrachtet war, las ich diesen Band nun wieder fast durchweg mit Vergnügen. Über zehn Jahre, von 1157 – 1167, begleiten wir Kaiser Friedrich „Barbarossa“ ...

Nachdem mir der letzte Band der „Schwert und Krone“ zu überfrachtet war, las ich diesen Band nun wieder fast durchweg mit Vergnügen. Über zehn Jahre, von 1157 – 1167, begleiten wir Kaiser Friedrich „Barbarossa“ und seine Zeitgenossen und es gibt zahlreiche spannende Ereignisse und Entwicklungen, die lebhaft geschildert werden.

Ich fand die Auswahl der Themen ausgezeichnet: das Schicksal der ehemaligen dänischen Königin Adele sorgt gleich für einen aufregenden Anfang und ein zwar fiktives, aber wirklich schönes Ende, umrahmt das Buch gewissermaßen. Friedrichs Schwierigkeiten in Italien, die Machtgier Heinrichs des Löwen und das tragische Schicksal der Wenden beherrschen diesen Band, sind allesamt interessant geschildert und ließen mich an den Seiten kleben. Ein kleiner Wermutstropfen waren für mich weiterhin die Wettiner – die Markteinkäufe, Plaudereien und Kinderstubenerlebnisse von Hedwig und ihren Schwägerinnen waren nur selten interessant. Die Unterhaltungen zwischen Hedwig und ihrer Schwägerin Mathilde werden ein wenig ungeschickt dazu genutzt, uns Informationen mitzuteilen und wirken nicht natürlich. Auch der Handlungsstrang um den jungen Christian interessierte mich weiterhin nicht wirklich und ein weiterer Handlungsstrang um einen fiktiven Übersetzer war für mich ebenfalls eher entbehrlich. Insofern gab es mehrere Abschnitte, die ich nicht so interessiert gelesen habe, aber weit mehr, die mich gebannt haben.

Wirklich störend finde ich aber leider weiterhin die ständigen Wiederholungen. Es kommt hier so oft vor, daß uns Dinge innerhalb einer Seite mehrfach mitgeteilt werden, daß ich mich frage, ob das kein Lektor je bemängelt hat. Es hat mir das Lesevergnügen doch getrübt. Es gibt zahlreiche Beispiele im Buch, die ich nicht alle aufzählen möchte, aber es käme eine ziemlich lange Liste zusammen. Manche Dinge werden so oft direkt hintereinander erwähnt, daß man das Gefühl hat, immer wieder das Gleiche zu lesen und sich ein wenig im Kreis zu drehen.
Auch über Friedrichs und diverse andere Bettgeschichten werden wir weiterhin informiert, schon im letzten Band war ich etwas amüsiert darüber, daß er seine Beatrix nicht ansehen kann, ohne sie umgehend ins Bett zerren zu wollen. Das ist inhaltlich nicht schwierig zu verstehen, wird uns aber auch in Wiederholungen mitgeteilt, so beim Wiedersehen der beiden auf Seite 221: „Deutlich spürte sie durch mehrere Lagen Stoff, dass er sie am liebsten sofort ins Bett getragen hätte“, und sicherheitshalber in fast wortgleicher Formulierung auf Seite 222: „…sah sie ein breites Bett und der Blick ihres Gemahls ließ keinen Zweifel daran, dass er sie am liebsten sofort dorthin geführt hätte.“
Wenn Mathilde von Groitzsch auf Seite 258 zugibt: „Seit Wochen zerbreche ich mir den Kopf, wie ich Groitzsch durch die kommende Zeit bringe und die Zügel in der Hand behalte“, überrascht das den Leser nicht sehr, weil sie auf Seite 256 schon gestand: „Seit ich weiß, wie dieser Hoftag ausgehen wird, grüble ich darüber nach, wie ich Groitzsch und Rochlitz durch diese Zeiten bringe.“ Auch wieder fast wortgleich formuliert.
Beatrix grübelt auf Seite 383 über ihren Mann: „Seine Gefühle für sie würden erkalten.“ Weniger als eine halbe Seite darunter: „Irgendwann würde Friedrichs Liebe, vielleicht sogar sein Interesse an ihr erlöschen.“
Wie gesagt, nur einige Beispiele von vielen. Auch Schlussfolgerungen werden dem Leser so gut wie nie selbst überlassen, alles wird sicherheitshalber noch erklärt.

Historisch ist wurde wieder gut recherchiert und lebhaft geschildert, es macht Spaß, in diese Welt einzutauchen. Die „Schwert und Krone“ Serie ist absolut geeignet, Geschichte auferstehen zu lassen, uns Menschen und Geschehnisse unterhaltsam nahezubringen, auch wenn sie mich vom Schreibstil nicht wirklich überzeugt. Die gelungene Ausstattung des Buches mit Stammbäumen, Landkarten und weiterführender Literatur erfreut weiterhin.

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