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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.02.2020

Ein überraschender Besucher

Invidia
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„...Statt einer angemessenen Trauer um Edo hockt nun ausgerechnet ein uralter Nebenbuhler von ihm auf der gemütlichen Eckbank in der Küche. Das ist alles andere als ein schönes Andenken...“

Die Geschichte ...

„...Statt einer angemessenen Trauer um Edo hockt nun ausgerechnet ein uralter Nebenbuhler von ihm auf der gemütlichen Eckbank in der Küche. Das ist alles andere als ein schönes Andenken...“

Die Geschichte beginnt mit einem Paukenschlag. Carl hat sich die mühsam rekonstruierte Formel für die Herstellung des Taffeit stehen lassen. Dabei hatte Edda das kommen sehen. Der neue Bekannte von Onkel Carl war ihr suspekt. Was will ein ehemaliger Bewerber um die Hand ihrer Mutter gerade jetzt bei Carl?
Auch der fünfte Teil der Geschichte steckt voller Spannung, aber ebenfalls voller Humor. Nur die Schlagabtausche zwischen Edda und Tewes halten sich in Grenzen. Da ist im vorhergegangenen Teil etwas Porzellan zerschlagen wurden, was noch nicht vollständig aufgearbeitet ist.
Auch Astrid ist sauer:

„...Es stört deinen Onkel nicht wirklich, für Herrn Audorn schuften zu müssen. Letztendlich scheint er mit den Begleitumständen sogar richtig zufrieden zu sein. Dass mein Elternhaus nicht mehr mir gehört, hat er völlig vergessen….“

Audorn belegt seine Enkelin immer mehr mit Beschlag. So nötigt er sie, ihn auf einem Wohltätigkeitsball zu begleiten. Edda wäre nicht Edda, wenn sie dort ihren Mund halten könnte.

„...Wofür Bastarde ab und zu gut sind, will ich meinen, oder Leonard? Sie sorgen für Überraschungen.“ Raureif breitet sich auf Eddas Gesicht aus und bevor Audorn etwas dazu sagen kann, versetzt sie spitz: „Wie vielen Überraschungen zählen Sie denn Alimente?!“...“

Die Zitate geben einen kleinen Einblick in den abwechslungsreichen Schriftstil .
Renè und Edda machen sich auf die Suche nach der verschwundenen Formel. Dabei bekommen sie unerwartet Hilfe. Dann aber stößt Edda bei einem Ausflug in den Wald ihrer Kindheit auf ein weiteres Geheimnis. Manche Leute scheinen den Hals nicht voll genug zu bekommen. Natürlich steckt Edda schneller in Schwierigkeiten, als sie ahnen kann.
Auffallend ist, dass das Verhältnis zu ihrem Großvater zwar nicht ungetrübt ist, dass der sich ihr gegenüber aber manchmal gekonnt zurücknimmt.
Das Buch hat mir erneut ausgezeichnet gefallen. Ich freue mich auf die Fortsetzung, von der ich im Anhang schon ein Häppchen lesen durfte.

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Veröffentlicht am 31.01.2020

Klasse Krimi

Solothurn tanzt mit dem Teufel
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„...Ob Einheimische oder Besucher, freiwillig oder nicht, alle Menschen, die sich in den Fasnachtstagen in der Stadt aufhalten, werden in das verrückte Treiben einbezogen...“

Karin, Leutnant bei der Polizei ...

„...Ob Einheimische oder Besucher, freiwillig oder nicht, alle Menschen, die sich in den Fasnachtstagen in der Stadt aufhalten, werden in das verrückte Treiben einbezogen...“

Karin, Leutnant bei der Polizei in Solothurn, und die polizeiliche Sicherheitsassistentin Luana sind ebenfalls in das Geschehen involviert. Luana streitet sich mit einer Bekannten. Diese junge Frau wird am nächsten Tag tot aufgefunden. Der Fall landet bei Hauptmann Dominik Dornach und Staatsanwältin Angela Casagrande.
Der Autor hat erneut einen fesselnden und raffiniert gestrickten Kriminalroman geschrieben. Schon die Einteilung der Geschichte in die drei Abschnitte Diaboli Mors, Apocalypsis und Catharsis verspricht eine stetige Steigerung des Spannungsbogens. Und das Buch hält, was es verspricht.
Während in Solothurn der Fall auf eine Aufklärung wartet, hat Dominik weitere Probleme. Die Eltern von Jana, einer guten Bekannten aus den vergangenen Teilen, wurden durch einen fingierten Autounfall getötet. Als Dominik auf den Wiener Zentralfriedhof an der Beerdigung teilnimmt, erlebt er einen Mordversuch an Jana.
Kaum zurück in der Schweiz erreicht ihn die Nachricht, dass seine Tochter Pia bei einem Terroranschlag im Irak schwer verletzt wurde.
Der Schriftstil ist abwechslungsreich. Er unterstreicht die spannenden Aspekte der Handlung, lässt Raum für die Gefühle der Protagonisten und zeichnet sich an passenden Stellen durch feinen Humor oder Sarkasmus aus. Das zeigt das folgende Zitat:

„...Die Obrigkeit residiert nicht umsonst an der Eselsgasse...“

Gut gefällt mir, dass gekonnt Fakten über Land und Leute in die Handlung integriert werden und so für kurze Ruhepunkte im rasanten Ablauf sorgen. So erfahre ich Etliches über den Krummturm über die Geschichte des Parmasan und die irakische Stadt Samarra. Über den Turm lese ich:

„...Der Grundriss hatte die Form eines unregelmäßigen Fünfecks, dessen Basis der Altstadt jenseits der Aare zugewandt war. Die Bauweise des ursprünglich als Wehranlage gedachten Turmes führte dazu, dass die Falllinie des Spitzhelms nicht im Zentrum des Grundrisses lag...“

Auch die Diskussion über die Frage, ob Prostitution legalisiert werden soll oder nicht, ist interessant und abwechslungsreich gestaltet.
Bei den Ermittlungen fällt ein Tattoo an der toten Frau auf. Es zeigt die Zahl 666. Sie hat als Prostituierte gearbeitet. Mögliche Verdächtige sprechen immer von den Teufel, ohne zu wissen, wer damit gemeint ist. Er gibt seine Befehle, ohne selbst in Erscheinung zu treten. Das Motiv des Mordes scheint Erpressung zu sein. Dafür spricht auch der Einbruch bei der Toten. Doch die Spuren führen bald in die Vergangenheit, denn ein solches Tattoo spielte in einem Fall schon einmal eine Rolle.
Die verschiedenen Handlungsstränge, die anfangs wenig Berührungspunkte hatten, werden am Ende gekonnt zusammengeführt. Eigentlich bleibt keine Frage offen. Tot ist tot – oder doch nicht?
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Ich hoffe auf weitere Bände.

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Veröffentlicht am 27.01.2020

Schöne Kurzgeschichten

Die ungeahnte Begegnung
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„...Wir Fahnder waren in Bretterbuden auf dem Polizeiareal in der Bonner Altstadt untergebracht. Schlechter noch, als die Erhaschten im Gefängnis nebenan...“

Mit diesen Worten gibt der junge Fahnder Eugen ...

„...Wir Fahnder waren in Bretterbuden auf dem Polizeiareal in der Bonner Altstadt untergebracht. Schlechter noch, als die Erhaschten im Gefängnis nebenan...“

Mit diesen Worten gibt der junge Fahnder Eugen einen Einblick in die Verhältnisse des Jahres 1946. Er tritt gerade seinen Dienst an und bekommt sofort den ersten Fall.
Es ist die erste von sieben bunt gemixten Geschichten. An ihr hat mir besonders gefallen, dass bei den Ermittlungen die Menschlichkeit siegt und dass die Zerstörungen des Krieges, die noch gegenwärtig sind, deutlich herausgestellt werden.
Die zweite Geschichte könnte man durchaus unter die Krimis einordnen. Sie spielt in naher Zukunft. Wie nahe? Das wiederum ist relativ: Tage, Monate, Jahre… Eigentlich ist es nur ein Gespräch über Kunst. Aber dabei wird die Polizistin Anne nach allen Regeln der Kunst ausgehorcht. Sie kennt sich selbst nicht wieder. Wer aber ist ihr Gegenüber?
Die nächste Erzählung ist kein Krimi. Sie beginnt mit Ernst und Angst und hat einen hohen Wiedererkennungswert.

„...Nebenan, in Zimmer 2, kreischt ein Bohrer los. Noch ein armer Hund – aber was wird mit mir?...“

Gekonnt gelingt dem Autor die Wende zu einem humorvollen Ende.
Dann erlebe ich ein fiktives Gespräch. Ein Jurist unterhält sich gedanklich mit seinem Ururururahn (Wie viele „ur“ ist unklar).

„...Hüte dich! Hochmut kommt vor dem Fall. Gevatter Hunger ist ein böser Begleiter...“

Die Geschichte ist einer meiner Favorit. Sachlich und doch berührend prallen zwei Lebenswirklichkeiten aufeinander. Sind die Mahnungen aus der Vergangenheit wirklich überholt?
Der zweite Favorit folgt sofort. Der jüngere von zwei Brüdern erzählt in der folgende Geschichte aus dem Leben. Wann berührt uns im Laufe unserer Jahre der Tod? Diese Frage steht im Mittelpunkt. Es sind drei Episoden, die auf bewegende Art erzählt werden. Der Tod des Großvaters ist die erste.

„...So endete der Tag, an dem mein großer Bruder erfuhr, dass wir Menschen sterben müssen. Ich hatte erst wenige Wochen zuvor das Licht der Welt erblickt...“

Auch hier wird deutlich, wie gekonnt der Autor das Spiel mit Worten beherrscht. Häufig kommt er schnell und präzise auf den Punkt. Er nutzt Gegensätze, um Besonderheiten deutlich zu machen.
Die vorletzte Erzählung gibt die Gefühle eines alleinerziehenden Vaters wieder, dessen Tochter zum Studium das Haus verlässt. Es ist für beide Seiten die Chance für Abschied und Neuanfang.
Die letzte Geschichte ist ein handfester Krimi, der für manche Überraschung gut ist. Kurz zusammengefasst, passt er in die Rubrik: Und erster kommt es anders und zweitens als man denkt!
Das Büchlein hat mir sehr gut gefallen. Es ist eine schöne Mischung unterschiedlicher Genre, auch wenn der Text auf der Rückseite das nicht so deutlich zum Ausdruck bringt..

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Veröffentlicht am 26.01.2020

Schwierige Zeiten

Zur Sache, Mädels
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„...Ich finde es ganz furchtbar, dass man Suzan auf dem Foto erkennen kann. Ohne ihre Einwilligung hätte es doch gar nicht veröffentlicht werden dürfen, oder?...“

Suzan ist von Marianne, der Mutter eine ...

„...Ich finde es ganz furchtbar, dass man Suzan auf dem Foto erkennen kann. Ohne ihre Einwilligung hätte es doch gar nicht veröffentlicht werden dürfen, oder?...“

Suzan ist von Marianne, der Mutter eine Arbeitskollegin, eingeladen wurden. Sie will ihre Freundinnen mit einer Toy-Party überraschen. Dort werden erotische Spielzeuge, Lotionen und Dessous vorgestellt. Mit solchen Veranstaltungen bessert Suzan ihre Haushaltskasse auf. Sie ist alleinerziehend und hat eine 18jährige Tochter.
Suzan ahnt nicht im mindestens, dass diese eine Party ihr Leben völlig durcheinander bringt.
Die Autorin hat eine realistische und spannende Geschichte geschrieben.
Der Schriftstil lässt sich gut lesen. Er weist an passenden Stellen humorvolle Züge auf. Man kann es auch als Ironie bezeichnen.

„...Sport, mindestens acht Stunden Schlaf und ganz viel Wasser trinken, das ist das Geheimrezept der Stars und Sternchen...“

Das Eingangszitat bezieht sich darauf, dass Suzan in einer für sie schwierigen Situation im öffentlichen Raum fotografiert wurde. Zu Suzans Freundeskreis gehört Danny. Mir gefällt genau an dieser Stelle, wie er den Frauen sachlich erläutert, wie sie sich gegen solche Attacken wehren können und was sie tunlichst unterlassen sollen, weil es viel zu gefährlich ist. Hier kommt die Kurzfassung.

„...Den Typen wird man eh nicht finden und was die hirnlosen Kommentare betrifft: Ignorieren, blockieren oder sperren...“

Die Autorin versteht es, auf wenigen Seiten humorvolle Themen mit sachlichen Fakten und spannenden, ja gefährlichen Szenen zu kombinieren. Gut, dass sich Suzan auf ihre Tochter und ihren Freundeskreis verlassen kann. Sie geben ihr die Stärke, das Geschehen aufzuarbeiten.
Das Besondere am Buch ist die Rahmenhandlung aus Prolog und Epilog. Hier kommt Suzan selbst zu Wort. Sie gibt einen kurzen Einblick in ihr Leben. Den Epilog leitet sie mit folgenden Worten ein:

„...Man gut, dass ich hier das letzte Wort habe, denn das Ende meiner Geschichte hatte sich die Autorin nur ausgedacht, wahrscheinlich, um mich nicht schon wieder als Chaosqueen darstellen zu müssen...“

Das Zitat sagt mehr als viel Worte von mir.
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen.

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Veröffentlicht am 24.01.2020

Was ist blos auf dem Reiterhof los?

Ein rätselhafter Unfall und die Suche nach Respekt
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„...Ihr habt es diesem Mädchen zu verdanken, dass wir uns andere Beute suchen! Nehmt euch daran ein Beispiel und wendet euch dem wahren Gott zu!...“

Die Geschichte beginnt im Jahre 788 n. Ch. In einem ...

„...Ihr habt es diesem Mädchen zu verdanken, dass wir uns andere Beute suchen! Nehmt euch daran ein Beispiel und wendet euch dem wahren Gott zu!...“

Die Geschichte beginnt im Jahre 788 n. Ch. In einem Dorf lebt Magdalena bei ihren Vater. Als einzige aus der Familie ist sie Christin. Ihr Vater ist ein Priester des alten Kultes. Magdalenas Behinderung wird darauf zurückgeführt, dass sie sich vom alten Glauben abgewandt hat. Als die Reiter Karl des Großen ins Dorf kommen, bekennt sie sich zu ihrem Glauben. Wie das Eingangszitat zeigt, wird nur deshalb das Dorf vor einer Plünderung verschont.
Dann wechselt das Geschehen in die Gegenwart Emma belauscht im Pferdestall ein Gespräch. Ein ihr Unbekannter will, dass der Besitzer den Hof verkauft. Dann bietet er ihm eine Wette an. Die kann Emma leider nicht mehr hören.
Am nächsten Tag ist Silvermoor verschwunden, das Pferd von Isabelle. Sie ist die Tochter des Reitstallbesitzers.
Eigentlich aber sind Emma und ihre Freunde Antonia, Franky und Jaron auf der Suche nach einem Schatz.
Die Autoren haben ein spannendes Kinderbuch geschrieben. Es schließt zeitnah an Teil 1 an. Obwohl ich diesen Teil nicht kenne, hatte ich kein Problem, der Handlung zu folgen. Das ist auch der Tatsache geschuldet, das es zu Beginn eine kurze, aber aussagekräftige Zusammenfassung des ersten Teils gibt.
Das Buch beinhaltet zwei Handlungsstränge. Sie setzen sich durch die Schriftart und Schriftgröße deutlich voneinander ab. Parallelen zwischen beiden Handlungssträngen sind gewollt und schnell zu erkennen. Die Geschichte Magdalenas berichtet davon, wie die junge Frau genau den Teil der Hinweise auf den Schatz findet, den die vier Freunde im ersten Band entdeckt haben.
Anschaulich wird beschrieben, wie hart das Leben in der damaligen Zeit war. Magdalena wird wegen ihrer Behinderung und ihres Glaubens abgelehnt und ausgeschlossen. Ein Teil der Dorfbewohner aber beginnt nach dem Besuch der Ritter nachzudenken. Kraft und Halt bekommt die junge Frau von ihren Großeltern.
Die Gegenwartsgeschichte ist spannend. Einerseits darf ich die Freunde auf der akribischen Suche nach dem zweiten Teil der Hinweise begleiten, andererseits geht es darum, die Geschehnisse im Reitstall zu hinterfragen und aufzuklären.
Den Freunde steht dabei Opa Hans mit Rat und Tat zur Seite. Er gibt ihnen von seinen umfangreichen Lebens- aber auch Glaubenserfahrungen ab:

„...Es ist so herrlich ruhig dort auf dem Wasser. Die Menschen mit ihrer Hektik sind weit weg. Und wenn dann die Sonne aufgeht und die Berge anfangen zu leuchten, denke ich immer, im Himmel kann es nicht schöner sein...“

Einbezogen in das Geschehen wird ebenfalls das Familienleben der Vier. Besonders schwierig ist es zur Zeit für Emma. Sie wünscht sich mehr Zeit und Zuneigung von ihrem Vater. Er sieht das theoretisch sogar ein, kann aber selten über seinen Schatten springen. Immer gehen andere Sachen vor.
Die Vorgänge im Reiterhof werden aufgeklärt. Bei ihrer Schatzsuche erringen sie einen weiteren kleinen Erfolg. Doch es bleiben Fragen offen. Damit wächst das Interesse am nächsten Band.
Die Geschichte hat mir ausgezeichnet gefallen. Gut finde ich auch die kurzen Steckbriefe der vier Protagonisten zu beginn des Buches.

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