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Veröffentlicht am 02.02.2020

Philadelphias "Ground Zero"

Long Bright River
2

Die 33-jährige Streifenpolizistin Mickey Fitzpatrick ist alleinerziehend und hat ihren Arbeitsbereich im Stadtteil Kensington in Philadelphia. Seit 5 Jahren hat sie keinerlei Kontakt mehr zu ihrer jüngeren ...

Die 33-jährige Streifenpolizistin Mickey Fitzpatrick ist alleinerziehend und hat ihren Arbeitsbereich im Stadtteil Kensington in Philadelphia. Seit 5 Jahren hat sie keinerlei Kontakt mehr zu ihrer jüngeren Schwester Kacey, und während sie mit ihrem Polizeiwagen durch die Straßen streift, sucht sie in den Passanten auch immer wieder nach ihr, weil sie sich Sorgen um sie macht. Kacey hat Drogenprobleme, ist dem Tod durch eine Überdosis schon mehr als einmal von der Schippe gesprungen und bietet als Prostituierte ihren Körper für den nächsten Schuss an. Als ein Serienkiller in Kensington sein Unwesen treibt und dafür drogenabhängige Prostituierte in sein Visier nimmt, macht sich Mickey daran, nicht nur dem Mörder auf die Spur zu kommen, sondern dabei auch endlich ihre wie vom Erdboden verschluckte Schwester wiederzufinden…
Liz Moore hat mit „Long Bright River” einen durchweg fesselnden und spannenden Roman vorgelegt, der neben Krimielementen auch eine Familiengeschichte beinhaltet, die den Leser sofort anspricht. Der Erzählstil ist bildhaft, flüssig und packend, so dass der Leser schon mit wenigen Zeilen von der Handlung angefixt ist und zwischen den Seiten abtaucht, um mehr über das Schicksal der beiden ungleichen Schwestern zu erfahren. Durch die wechselnden zeitlichen Perspektiven zwischen damals und heute erfährt der Leser von der Ich-Erzählerin Mickey nach für nach über deren Kindheit und wie es zu dem Zerwürfnis zwischen den Schwestern gekommen ist. Gleichzeitig lässt die Autorin den Leser einen Streifzug durch Philadelphia und insbesondere im abgehalfterten Stadtteil Kensington unternehmen, sich unter die Drogensüchtigen mischen und den Dealern bei der Arbeit zusehen. Kensington gilt als der größte Drogenmarkt im Osten der USA und wird auch „Ground Zero“ oder „El Campamento“ genannt, wer einmal dort war, wird diesen Anblick nie mehr vergessen. Da stapeln sich knöchelhoch die Einwegspritzen auf dem Boden und ein Blick in die Gesichter der Menschen lässt den Puls hochgehen, so resigniert und abgestumpft schauen sie durch einen hindurch. Sehr authentisch wird das Suchtproblem beschrieben und hinterlässt beim Leser nicht nur Gänsehaut, sondern auch Mitgefühl. Mit überraschenden Wendungen hält die Autorin den Leser mit psychologischem Geschick in Atem, während er durch eine Achterbahn der Gefühle watet.
Die Charaktere sind sehr lebendig und glaubwürdig ausgearbeitet, sie besitzen Authentizität und gerade deshalb fällt es dem Leser leicht, ihrer Geschichte zu folgen und sich ihnen verbunden zu fühlen, denn ihr Schicksal findet überall auf der Erde ähnlich statt. Mickey ist eine zuverlässige, fürsorgliche und verschlossene Frau, als Polizistin muss sie knallhart sein, um in dem ihr zugewiesenen Viertel zu überleben. Sie lässt die Dinge nicht zu nahe an sich herankommen, die Sorge über ihre Schwester allerdings bringt sie zur Verzweiflung und lässt sie manchmal die Vorsicht vergessen. Kacey ist das Gegenteil ihrer Schwester, aufgeschlossen, neugierig, experimentierfreudig und vor allem risikofreudig, was sie in eine Abhängigkeit drängte, der sie nicht mehr ohne Hilfe entfliehen kann. Eddie Lafferty ist Mickeys neuer Partner und ein herzloses Ekel, so dass die Partnerschaft nicht lange dauert. Ebenso überzeugen die weiteren Protagonisten mit ihren Auftritten und lassen die Handlung rundum gelungen wirken.
„Long Bright River” ist ein tiefgründiger und facettenreicher Roman über Abhängigkeiten, das Leben am Rande der Gesellschaft, Familientragödien und ein schwieriges Schwesternverhältnis. Obwohl eher ruhig erzählt, wühlt die Geschichte auf und geht dem Leser auch dann lange nicht aus dem Sinn, wenn die letzte Seite gelesen ist. Absolute Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 01.02.2020

Hoffnung ist ein Licht in dunkler Nacht

Tage des Lichts
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1939. Während der Krieg kurz bevor steht, hat die Jüdin Ruth Meyer mit Einfallsreichtum einen Job als Dienstmädchen in Frinton-on-Sea bei der Familie Sanderson auf deren Hof ergattert und hofft, dass ...

1939. Während der Krieg kurz bevor steht, hat die Jüdin Ruth Meyer mit Einfallsreichtum einen Job als Dienstmädchen in Frinton-on-Sea bei der Familie Sanderson auf deren Hof ergattert und hofft, dass ihre Familie bald nach England kommen kann, denn die dafür nötigen Papiere hat sie inzwischen alle besorgt. Die Verlegung ihres Vaters nach Dachau bringt neue Probleme mit sich, doch Ruth kämpft sich durch und kann in letzter Minute alles regeln. Während die Sandersons ihre eigenen Probleme haben, die auch auf den Alltag von Ruth abfärben, macht England Deutschland eine Kriegserklärung, und die Situation spitzt sich zu. Nun hofft Ruth, dass sie mit ihrer Familie nach Amerika übersiedeln kann, aber die Zeit wird knapp und immer wieder werden ihnen allen Steine in den Weg gelegt…
Ulrike Renk hat mit „Tage des Lichts“ den dritten Band ihrer Seidenstadt-Saga vorgelegt, der sich nahtlos an den Vorgänger anschließt und das Leben von Ruth Meyer und ihrer Familie wieder lebendig werden lässt, handelt es sich doch hier um eine auf Tatsachen beruhende Romanserie. Der Schreibstil ist flüssig, gefühlvoll und farbenfroh, der Autorin gelingt es erneut, den Leser schnell an die Seiten zu fesseln, um Ruth in dieser für sie schicksalhaften Zeit wie ein Schatten zu folgen und ihre Sorgen und Nöte mit ihr zu teilen, während die Welt aus den Angeln gehoben wird. Die akribische Recherche der Autorin ist eine echte Bereicherung für die Handlung, denn während man der Lektüre folgt, hat man als Leser immer im Hinterkopf, dass es diese Menschen wirklich gegeben hat und was sie alles durchmachen mussten. Zudem wurde der geschichtliche Hintergrund wunderbar mit der Handlung verknüpft, so dass man neben der politischen Lage auch die gesellschaftlichen Entwicklungen miterlebt. Der Leser watet durch ein Meer an Emotionen, denn nicht nur das Schicksal der Familie Meyer geht ans Herz, auch die Kriegsumstände liegen einem während der Lektüre im Magen, weiß man doch nicht nur durch den Geschichtsunterricht, was mit den Menschen damals passiert ist.
Die Charaktere haben sich weiterentwickelt und wirken lebendig und realitätsnah. Gerade, weil es sich hier um die Geschichte einer realen Familie handelt, deren wahre Geschichte mit fiktiven Elementen verbunden wurde, kommt der Leser den Protagonisten so nah wie nur möglich und fiebert mit ihnen, ob sie es alle schaffen werden. Ruth hat sich von einem doch eher verwöhnten jungen Ding zu einer starken, mutigen Frau gemausert, die die Ärmel hochkrempelt und für die kämpft, die ihr wichtig sind. Sie ist sich für nichts zu schade, versucht durch harte Arbeit ihre Einsamkeit und ihre Angst zu unterdrücken. Dabei hält sie den Rücken gerade und strahlt nach außen Stärke aus. Olivia ist eine schreckliche Frau, die andere erniedrigt, damit es ihr besser geht. Freddy ist das Gegenteil seiner Frau, hat ein Herz und steht für andere ein. Edith Nebel ist eine Seele von Mensch, selbstlos, hilfsbereit und mit einem großen Herzen ausgestattet. Ebenso können weitere Protagonisten mit ihren Auftritten überzeugen und geben der Geschichte Authentizität.
„Tage des Lichts“ ist eine wunderbare Fortsetzung der Seidenstadt-Saga, der den Leser von Anfang bis Ende in Atem hält und auf eine Achterbahn der Gefühle schickt. Wieder einmal hervorragend erzählt und mit einer absoluten Leseempfehlung ausgestattet!

Veröffentlicht am 01.02.2020

Der Kampf um Selbstbestimmung

Das Mädchen aus Assam
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1904 Assam, Indien. Clarissa ist auf einer Teeplantage zuhause, die allerdings kurz vor dem Ruin steht. Viele falsche Entscheidungen ihres Vaters, der noch immer unter dem Tod ihrer Mutter leidet, beraubt ...

1904 Assam, Indien. Clarissa ist auf einer Teeplantage zuhause, die allerdings kurz vor dem Ruin steht. Viele falsche Entscheidungen ihres Vaters, der noch immer unter dem Tod ihrer Mutter leidet, beraubt Clarissa und ihrer Schwester Olive um ihre Heimat. Clarissas Bekanntschaft mit dem reichen Teepflanzer Wesley Robson scheint ein Hoffnungsschimmer, vielleicht sogar die Rettung für die Plantage. Doch dann kommt alles anders, die beiden Schwestern werden ins schottische Newcastle zu Verwandten geschickt, wo sie nur geduldet sind und für ihren Aufenthalt als Dienstmädchen arbeiten müssen. Clarissa kümmert sich um ihre kränkelnde Schwester Olive und nimmt gleichzeitig den Kampf gegen die Beleidigungen und Unterdrückungen ihrer Verwandtschaft auf, um endlich ein freies Leben führen zu können. Eines Tages kreuzt Wesley Robson wieder ihren Weg…
Janet MacLeod Trotter hat mit „Das Mädchen aus Assam“ einen wunderschönen historischen Roman vorgelegt, der den Leser sowohl ins exotische Indien als auch ins viktorianische England entführt, wo er Clarissa auf ihrem Lebensweg begleiten darf. Der flüssige, berührende und farbenprächtige Schreibstil lässt den Leser schnell zwischen die Seiten tauchen und erst wieder aufatmen, wenn das Ende erreicht ist. Die Autorin hat die wunderbare Gabe, den Leser direkt an die Hand zu nehmen, ihn mit den Charakteren verschmelzen zu lassen, zauberhafte Landschaften vor dem inneren Auge hervorzurufen und mit den Gefühlen des Lesers zu spielen, während ihre Protagonistin so einiges durchleben muss. Bereits mit den ersten Seiten springt ein tolles Kopfkino an und lässt den Leser auch an den historischen Ereignissen der Zeit teilhaben, denn neben dem ersten Weltkrieg und der sich langsam initiierenden Frauenbewegung sind auch politische Querelen sowie die Lebensumstände der Menschen Thema in diesem Roman. Geschickt gelegte Wendungen machen die Handlung durchweg spannend und interessant.
Die Charaktere sind mit Leben angefüllt und bestechen mit ihrer Glaubwürdigkeit und Authentizität. Der Leser fühlt sich von Beginn an mit ihnen wohl und folgt ihnen gern als unsichtbarer Schatten. Clarissa ist eine hilfsbereite junge Frau, die trotz vieler Schicksalsschläge nie den Mut verliert und nach vorne schaut. Sie ist freundlich, mitfühlend und kümmert sich besonders um die, die ihr am Herzen liegen. Sie hat eine freiheitsliebende Seele in ihrer Brust und kämpft für die Dinge, die ihr wichtig sind. Olive ist eher zurückhaltend und von zarter Natur. Sie sieht zu ihrer Schwester auf, wirkt oftmals eher unsicher. Jared und Lily sind arrogant und selbstgerecht, ihnen fehlt es an Herz und Mitgefühl. Wesley Robson ist ein Mann, der sich seiner Attraktivität wohl nicht bewusst ist. Er wirkt oftmals etwas unbeholfen und gefühlskalt, um dann im nächsten Moment mit einem Herz zu überraschen. Ebenso überzeugen die weiteren Protagonisten mit ihren Auftritten und machen die Handlung rundum gelungen.
„Das Mädchen aus Assam“ überzeugt mit einer schönen Geschichte und einem tollen Kopfkino während der Lektüre. Wunderbar gefühlvoll erzählt taucht man hier in die Handlung ab und kann sie nicht aus der Hand legen. Absolute Leseempfehlung für alle, die historische Geschichten lieben.

Veröffentlicht am 26.01.2020

Cecily setzt sich durch

Cavendon Hall – Momente des Glücks
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1926. Das Sommerfest des Earls Ingham von Cavenden Hall in Yorkshire steht bevor und sowohl die Inghams als auch ihre Bediensteten der Swann-Familie sehen dem Großereignis entgegen. Freund und Feind unter ...

1926. Das Sommerfest des Earls Ingham von Cavenden Hall in Yorkshire steht bevor und sowohl die Inghams als auch ihre Bediensteten der Swann-Familie sehen dem Großereignis entgegen. Freund und Feind unter den Gäste gibt sich die Klinke in die Hand, um zum einen gesehen zu werden und zum anderen Neuigkeiten auszutauschen, zu lästern oder um Informationen zu erhaschen, die ihnen nützlich sein könnten, um ihre Intrigen weiterzuspinnen, was sich schon bald bewahrheiten soll. Aber auf die Frauen des Hauses, sowohl aus der Adels- als auch aus der Dienstbotenetage, ist Verlass: sie krempeln gemeinsam die Ärmel hoch und lavieren das „Familiengroßunternehmen“ durch stürmische Zeiten. Vor allem Cecily Swann steht vor großen Entscheidungen…
Barbara Taylor Bradford hat mit „Momente des Glücks“ den zweiten Teil ihrer historischen Cavendon Hall-Reihe vorgelegt, der nahtlos an den ersten Band anschließt und den Leser wieder ins malerische Yorkshire auf den Familiensitz der Inghams versetzt, wo er sich sogleich wieder häuslich niederlässt und die Hausherren sowie die Dienstboten einer näheren Beobachtung unterzieht. Der flüssige, bildhafte und gefühlvolle Erzählstil lässt den Leser schnell in der Geschichte versinken und den Hausbewohnern nicht nur bei ihren Aktivitäten folgen, sondern auch Zutritt zu ihrer Gefühls- und Gedankenwelt zu erhalten. Die Autorin versteht es geschickt, nicht nur die Örtlichkeiten farbenfroh wiederzugeben, sondern ihre Geschichte lebendig an den Leser zu bringen, so dass während der Lektüre ein regelrechtes Kopfkino entfacht wird. Große Träume, harte Entscheidungen, die eine oder andere Intrige und der Zusammenhalt während schwieriger Zeiten wurden sehr unterhaltsam und mit einer guten Prise Dramatik sowie Humor zusammengetragen, so dass die Geschichte durchweg spannend und vor allem kurzweilig zu lesen ist.
Die Charaktere sind durchweg vielfältig und lebendig mit glaubhaften Eigenschaften ausgestaltet, so dass es dem Leser leicht fällt, sich in ihrer Mitte wohl zu fühlen und ihnen durch schwierige Zeiten zu folgen. Die Balance zwischen den Guten und Bösen ist ausgewogen, was die Geschichte nicht so vorhersehbar macht und somit unterhaltsam bleibt. Die Beziehung zwischen den adligen Inghams und den arbeitenden Swanns ist besonders, oftmals merkt man die gesellschaftlich gezogene Linie nicht, denn sie alle wirken eher wie eine Großfamilie, nehmen Anteil an dem Schicksal des jeweils anderen. Doch auch unter ihnen gibt es das eine oder andere schwarze Schaf, das im Auge behalten werden will. Cecily Swann spielt in dieser Geschichte eine größere Rolle. Sie träumt davon, Mode zu kreieren und hat hochfliegende Pläne, die wohlüberlegt sein wollen. Aber auch für die ergebene Charlotte Swann, Charles Ingham und die weiteren Hausbewohner brechen spannende Zeiten an und halten den Leser auf Trapp.
„Momente des Glücks“ ist eine gelungene und unterhaltsame Fortsetzung der Cavendon Hall-Serie, die den Leser nicht nur auf einen herrschaftlichen Landsitz ins vergangene Jahrhundert versetzt, sondern auch einen guten Blick durchs Schlüsselloch bietet. Schöner Schmöker mit verdienter Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 26.01.2020

Nancy Wake - Die weiße Maus

Die Spionin
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1940 Marseille. Die Neuseeländerin Nancy Wake ist seit knapp einem Jahr mit dem wesentlich älteren wohlhabenden französischen Geschäftsmann Henri Fiocca verheiratet und lebt ein Leben im Luxus. Die Besetzung ...

1940 Marseille. Die Neuseeländerin Nancy Wake ist seit knapp einem Jahr mit dem wesentlich älteren wohlhabenden französischen Geschäftsmann Henri Fiocca verheiratet und lebt ein Leben im Luxus. Die Besetzung der Nazis macht den Franzosen alsbald das Leben zur Hölle, weshalb Nancy sich mit Wissen ihres Ehemanns der Résistance anschließt, während Fiocca diese durch Geldmittel unterstützt, um Waffen zu kaufen oder Fluchthilfe zu betreiben. Schon bald ist Nancy unter dem Spitznamen „die weiße Maus“ bekannt, allerdings vermuten die Nazis dahinter einen Mann. Als Henri in seinem Unternehmen verhaftet wird, kann Nancy nur knapp den Nazischergen unter dem Kommando von Böhm entkommen, und über Spanien nach England fliehen, wo sie vom SOE zur Agentin ausgebildet wird. 1944 gelangt Nancy mit einem gezielten Fallschirmsprung in die Auvergne, wo sie sich einer Gruppe von Maquisards anschließt. Schnell erwirbt sie sich mit erfolgreichen strategischen Ideen und Ausführungen Respekt, übernimmt als Captain die Leitung der Gruppe. Mit ihrem englischen Funker Denden und den Widerstandskämpfern operiert sie aus den Wäldern heraus und findet in der Bevölkerung der umliegenden Dörfer viel Unterstützung. Eines Tages steht sie dem Folterknecht ihres Mannes, Böhm, wieder gegenüber und muss sich entscheiden, ob sie für Henri und ihre Liebe oder aber für die Befreiung von den Nazis kämpfen will…
Imogen Kealey hat mit „Die Spionin“ einen wunderbaren fesselnden Roman vorgelegt, der dem Leser nicht nur die Person von Nancy Wake, sondern auch ihren unermüdlichen Einsatz und ihren Kampf gegen die Nazis sehr nahe bringt. Der Schreibstil ist flüssig, atmosphärisch-dicht und bildgewaltig, schon mit den ersten Zeilen wird der Leser zu Nancys Schatten, erlangt Einblick in ihre Denk- und Handlungsweise sowie in ihre Gefühlswelt. Die Autorin hat sich mit ihrer Protagonistin eine der schillerndsten Persönlichkeiten des Widerstands während des Zweiten Weltkrieges ausgesucht und sehr nahe an den tatsächlichen Begebenheiten orientiert. Durch die bildhafte Sprache streift der Leser nicht nur durch das besetzte Marseille und sieht einem soeben erschossenen Franzosen in die leblosen Augen, er hängt mit Nancy ebenso an einer Brücke, um dort Sprengstoff anzubringen, oder sitzt in ihrem Wohnwagen, wo sie sich gerade ihren geliebten scharlachroten Lippenstift aufträgt, auf den sie nie verzichtet. Der Autorin gelingt es, die geschichtlich belegten Fakten mit fiktivem Geschehen wunderbar zu kombinieren, so dass der Leser von Anfang bis Ende gefesselt ist und nur den Wunsch hegt, Nancy Wake einmal persönlich kennenzulernen.
Die Charaktere sind wunderbar lebendig inszeniert und überzeugen durch ihre individuellen Eigenheiten. Ihre glaubwürdige sowie authentische Weise fängt den Leser schnell ein und lässt ihn ein Teil von ihnen werden, der alles hautnah miterlebt. Nancy Wake ist eine selbstbewusste Frau, die keine Angst kennt. Sie ist mutig und kämpferisch, hilfsbereit und einfühlsam, aber auch knallhart in ihren Überzeugungen und Ausführungen. Ihre einzige Schwachstelle ist die Liebe zu ihrem Ehemann. Henri Fiocca ist ein wohlhabender Unternehmer, der seine Frau auf Händen trägt und selbst viel Geld für den Widerstand ausgibt. Denis Denden Rake ist Nancy rechte Hand. Als Homosexueller hat er im Lager der Maquisard bald einen schweren Stand, steht aber unter Nancys Schutz. Er ist ein lockerer Vogel, der seine Fähigkeiten im Verborgenen hält. Ian Garrow ist Nancys englischer Verbindungsoffizier, der ihr nicht nur seine Rettung verdankt, sondern auch ihre Fähigkeiten erkannt hat. Aber auch Claudette, Travidat, Fournier, Gaspard oder Böhm geben der Handlung immer wieder Spannungsimpulse und lassen das Buch so zu einem Pageturner werden.
„Die Spionin“ ist eine Homage an die höchstdekorierte weibliche Militärangehörige der Alliierten, Nancy Wake. Spannend wie ein Kriminalroman und mit einer sehr guten Mischung aus Fiktion und Wahrheit fesselt dieses Buch von der ersten Sekunde an. Absolute Leseempfehlung für alle, die eine tolle Persönlichkeit kennenlernen wollen. Chapeau – besser geht es nicht!