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Veröffentlicht am 14.03.2020

Unterhaltsamer Cosy Crime aus Bayern

Klingeltod und Kaiserschmarrn
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Der Alpenkrimi "Klingeltod und Kaiserschmarrn" von Kate Delore führt nach Bayern, in die Nähe von Garmisch-Partenkirchen.


Provinzkrimis lese ich immer gerne, weil in ihnen das Setting für regionale Eindrücke ...

Der Alpenkrimi "Klingeltod und Kaiserschmarrn" von Kate Delore führt nach Bayern, in die Nähe von Garmisch-Partenkirchen.


Provinzkrimis lese ich immer gerne, weil in ihnen das Setting für regionale Eindrücke sorgt und die Charaktere in ihrem Dialekt reden und gerade wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Ein paar Schimpfworte dürfen da auch schon mal fallen, hier sorgen einige Ausbrüche für amüsante Szenen. Auf bildhafte Beschreibungen wurde hier viel Wert gelegt, ob bei den Schafen, im Wald oder in dem dunklen Versteck, man kann sich viele Szenen sehr gut vorstellen und erlebt die jeweilige Stimmung gut mit.


Der Plot war spannend, etwas verworren verstrickt, und konnte mich am Ende überraschen. Das Motiv hat mich leider nicht ganz überzeugt und die Aufklärung war gerade in der Schlussgeraden etwas auf reichlich Aktion hin ausgerichtet. Irgendwie konnte ich mir nicht von allen Figuren ein richtiges Bild machen und das hat meinen Lesefluss gestört. Die Perspektivwechsel wurden hier sehr schnell abgerissen und wechselten in eine neue Szene, sodaß ich das Gefühl hatte, ständig hin und her zu springen.

Die Charaktere Emma, ihr Bruder Valentin und Lieselotte wirken sympathisch und sehr authentisch, ihnen bin ich gern gefolgt, etwas mehr Tiefe hätte ihnen aber gut getan. Für die Kürze des Buches waren es eventuell einige Figuren und Vorgänge zu viel. Das geht zu Lasten der Handlung und sorgt für einen etwas gehetzten Eindruck.



Ein kleines Glossar Bayrisch-Deutsch erklärt am Ende des Buches einige Begriffe, wobei mir die meisten bekannt vorkamen.



Diese Krimilektüre hat mir Spaß gemacht, sie ist etwas für den Urlaub, für zwischendurch und liest sich mit dem Dialekt gut weg.

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Veröffentlicht am 11.03.2020

In diesen Roman konnte ich nicht so wie erhofft eintauchen.

Die Königin von Berlin
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Carola Neher gilt als eine der schillerndsten Schauspielerinnen der Weimarer Rebuplik, wo sie auftritt, jubeln die Menschen. Berlin liegt ihr zu Füßen, überraschend heiratet die begehrte Femme fatale den ...

Carola Neher gilt als eine der schillerndsten Schauspielerinnen der Weimarer Rebuplik, wo sie auftritt, jubeln die Menschen. Berlin liegt ihr zu Füßen, überraschend heiratet die begehrte Femme fatale den scheuen, zurückhaltenden Dichter Klabund. Doch eine brave Ehefrau wird Carola nicht, denn schon bald lockt sie das wilde Leben - und die Künstler Berlins.


Der Name der Schauspielerin Carola Nehers ist heute weitgehend ungekannt, dabei war sie in den letzten Jahren der Weimarer Republik recht erfolgreich, ihre Karriere startete in München. Sie wurde angelockt vom wilden Leben unter Künstlern, verdrehte Bertholt Brecht den Kopf und wurde seine Muse und spielte die Rolle der Polly Peachum in Brechts "Dreigoschenoper". Doch was steckte hinter dieser Femme fatale? Gehörte ihr Herz wirklich dem scheuen Dichter Klabund?


Dieser Roman soll nach Angaben der Autorin keine reine Biografie sein, sondern ein Roman mit fiktivem Inhalt. Er wird wie ein Theaterstück aufgebaut und fühlbar nah und intensiv beschreibt Charlotte Roth mit spürbarem Herzblut ihre Geschichte um Carola Neher. Man merkt der Autorin ihre Faszination für diese Frau an. Dabei wirkten auf mich einige delikate Details aus Nehers Leben mit ihren Liebhabern eher nicht nach großen Gefühlen, sondern eher als Versuch, mit allen Mitteln erfolgreich zu werden und auf die Bühne zu kommen.

Die Zeitspanne des Berlin der 1920er Jahre wird von Charlotte Roth anschaulich geschildert. Man erlebt Zeitgeschehen, Personen aus der Theaterlandschaft und allgegenwärtig die politischen Verhältnisse authentisch mit, wird in diese Zeit zurück versetzt und bekommt grobe Einblicke in das Leben und Wirken des getriebenen Brechts und Klabunds. Brecht bleibt merkwürdig und unsympathisch, scheinbar haftet ihm seine Berühmheit an und wird nicht hinterfragt. Auch andere Figuren wie Elisabeth Bergner oder Fritzi Massary muss man kennen, um sie im Roman interessiert verfolgen zu können.

Am interessantesten war für mich die Entstehung der "Dreigroschenoper" und der dazugehörige Barbara-Song, doch nur für diese Information hätte ich keinen Roman gebraucht.

Leider ist mir besonders Karoline Nehers Charakter trotz aller Einzelheiten merkwürdig fremd geblieben, sie wird als Schönheit beschrieben und als Karrierefrau gezeigt, die alles macht, um erfolgreich und auf die Bühne zu gelangen. Sie bindet sich an den kranken Klabund, scheinbar liebt sie ihn, doch er stirbt an seiner Krankheit. Welche Schwärmerei allerdings Carola für den Kommunismus hegt, wird deutlich, aber kennt sie die Idee auch wirklich. Das habe ich mich beim Lesen gefragt, ist Carola nur einer politischen Schwärmerei aufgesessen? Hängt das mit ihren Liebhabern zusammen?

Diese Frage konnte sich mir nicht beantworten. Deshalb bleibt für mich die Figur auch ziemlich blass und undurchschaubar.

Auch Carolas Leben nimmt ein böses Ende. Doch von diesen Jahren erzählt der Roman nicht, sie wird nach ihrer Flucht vor den Nazis nach Moskau denunziert und landet im stalinistischen Gulag und endet dort tragisch.


Insgesamt muss ich leider sagen, dass mir die Königin von Berlin in diesem Roman nicht viel bekannter wurde als vorher. Obwohl die Autorin wieder in einem wunderbaren Schreibstil Schauplätze, Theater und Figuren zum Leben erweckt, konnte ich mich nicht wie gewünscht in die Handlung fallen lassen.

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Veröffentlicht am 22.02.2020

Ein zuckersüße und sehr langatmige Adventszeit

Träume sind aus Zimt und Zucker
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Im Penguin Verlag erscheint Heidi Swains Roman "Träume sind aus Zimt und Zucker".


Ruby kehrt nach ihrem Bachelor zurück in ihr Heimatstädtchen Wynbridge. Anstatt ihren Master zu machen, übernimmt sie ...

Im Penguin Verlag erscheint Heidi Swains Roman "Träume sind aus Zimt und Zucker".


Ruby kehrt nach ihrem Bachelor zurück in ihr Heimatstädtchen Wynbridge. Anstatt ihren Master zu machen, übernimmt sie den Marktstand ihrer Freundinnen. Dort verkauft sie in den Wochen vor Weihnachten süße Köstlichkeiten und selbst gearbeitete Handarbeiten aus dem Kirschblütencafé, um ein wenig ihre Urlaubskasse für eine Reise anzusparen. Das missfällt ihrem Vater und dann ist am Nachbarstand ausgerechnet ihr Ex-Freund Steve. Das kann ja heiter werden.


Dieser Roman versprüht weihnachtsliches Flair und sorgt für nachfühlbare winterliche Atmosphäre auf dem Markt. Auch die Charaktere konnte ich mir gut vorstellen, insgesamt war ich aber doch nicht mitten im Geschehen.

Wenn die Vorhaben der Personen bis ins kleinste Detail ausführlich beschrieben sind, kann das auf Dauer nur langweilig werden. Viele Aktionen werden einfach umständlich in die Länge gezogen und man vermisst eine gewisse Grundspannung, die der Geschichte das nötige Feuer verleiht. Es gibt Probleme, die überwunden werden, richtig gefesselt hat mich das aber leider nicht.

Und die Konstellation um Ruby und Steve ist ein ständiges Hin und Her, dabei kann man sich selbst ausmalen, wie die Sache endet.


Auch wenn ich den eingängigen und lockeren Schreibstil sehr gerne gelesen habe, hätte der Geschichte etwas mehr Spannung und auf alle Fälle mehr charakterliche Tiefe gut getan. Mir fehlt die Verbundenheit mit den Figuren, die mich sonst mit ihnen fiebern lässt. Auch Überraschungen oder ein paar Wendungen hätten mich sicher mehr mitgerissen. So plätscherte die Story vor sich hin und ich hatte das Gefühl, die Vorweihnachtszeit vergeht überhaupt nicht.




Diese Mistelzweiggeschichte verläuft leider ohne nennenswerte Höhen und Tiefen. Da kann auch das schön beschriebene Flair auf dem Weihnachtsmarkt nicht mehr viel reißen. Für leichte Unterhaltung an winterlichen Abenden aber sicher genau das Richtige.

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Veröffentlicht am 13.02.2020

Hat mich leider nicht überzeugt

Kann mein Herz nicht mal die Klappe halten?
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Julia Greves Roman "Kann mein Herz nicht mal die Klappe halten?" erscheint im Rowohlt Verlag.

Wenn die Paartherapie aus dem Ruder läuftWas kommt eigentlich nach dem Happy End? Wie sieht eine glückliche ...

Julia Greves Roman "Kann mein Herz nicht mal die Klappe halten?" erscheint im Rowohlt Verlag.

Wenn die Paartherapie aus dem Ruder läuftWas kommt eigentlich nach dem Happy End? Wie sieht eine glückliche Ehe nach 15 Jahren aus? Eigentlich ist Nina glücklich, die Ehe mit Steffen läuft meistens gut. Ihre Töchter, 8 und 11, verstehen sich im Großen und Ganzen auch prima, sie haben Freunde, gehen auch mal aus und führen eigentlich ein gutes Leben. Nur fehlt die Leidenschaft. Für neues Knistern macht Steffen Nina einen gewagten Vorschlag, dem sie zustimmt, doch wird sie es noch bereuen?


Die Story hinter dieser Geschichte zeigt, wie in einer Ehe die Leidenschaft vom Alltag und den Gewohnheiten immer mehr verdrängt wird. Julia Greeve hat das zum Anlass genommen, mal ein Buch aus Ninas Perspektive über eine besondere Art von Auffrischung ihrer Beziehung zu schreiben. Denn, und jetzt kommt das Ungewöhnliche, sie machen einen Partnertausch. Nur ihrem Mann und ihrer Ehe zuliebe schlägt Nina in den Vorschlag ein. Schnell bereut sie es, denn ihr "neuer" Partner gefällt ihr Anfangs gar nicht. Doch das ändert sich mit jedem Treffen mehr, er ist ein sympathischer Typ, spielt gerne Karten (was im Buch für besonderen Spaß sorgt) und ist einfach ein gutherziger Mensch.

Mir hat der Erzählstil gut gefallen, es ist locker und teilweise lustig geschrieben und man liest, wenn auch kopfschüttelnd, interessiert bis zum "bitteren" Ende. Die Charaktere lernt man recht gut kennen, bekommt allerdings hauptsächlich Einblick in Julias Gedankenwelt, ansonsten führen viele Dialoge zu den weiteren Vorgängen und Erlebnissen.

Ein paar Vorbehalte hatte ich zwar beim Lesen, doch mich hat der Ausgang der Geschichte neugierig gemacht und ich musste es schnell durchlesen.


Das Ganze klingt nach einer Geschichte, die irgendwie unter der Gürtellinie verläuft. Das ist sie aber definitiv nicht, sonst hätte ich schon frühzeitig abgebrochen. Man kann über die Familie und ihre Kinder schmunzeln, es gibt heikle Situationen, Nina tut mir teilweise leid und ich habe nicht verstanden, warum sie solange Steffens Wunsch nachgekommen ist. Für die Gespräche des Paares konnte ich zwar Verständnis aufbringen, für ihr Vorhaben eher nicht. Ich muss leider sagen, die Story hat mich einfach nicht gepackt, wobei auch das Ende daran seinen Anteil hat. Da kommt auf die Leserin noch eine besondere Überraschung zu, die für ordentlichen Trubel sorgt.



Dieses Buch sorgt für unterhaltsame und nachdenkliche Lesezeit mit einer Prise Humor. Mit der Partnertausch-Geschichte konnte ich mich leider nicht so richtig anfreunden.

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Veröffentlicht am 02.02.2020

Heitere Story zum Schmunzeln über Alterserscheinungen bei Frauen

Eigentlich wollte ich mich selbst entfalten
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Schauspielerin Mimi Fiedlers Buch heißt "Eigentlich wollte ich mich selbst entfalten", es erscheint im Knaur Verlag.

Wäsche knittert, genauso macht es die Haut, wenn man älter wird. Doch was bei der Wäsche ...

Schauspielerin Mimi Fiedlers Buch heißt "Eigentlich wollte ich mich selbst entfalten", es erscheint im Knaur Verlag.

Wäsche knittert, genauso macht es die Haut, wenn man älter wird. Doch was bei der Wäsche glatt gebügelt werden kann, muss man bei seiner Haut entweder gelassen annehmen oder operieren. Mimi Fiedler ist 44 und bekommt mit ihren Alterungserscheinungen fast eine Krise. Denn eigentlich will sie sich noch einen Mann angeln, wie soll das mit Cellulite und Altersflecken gehen?

Wenn das Alter seine Spuren hinterlässt und auch optischen Tribut von Frauen fordert, hilft entweder selbstbewußte Gelassenheit mit Stolz auf das gelebte Leben oder sich in die Hände von Schönheitsdocs zu begeben.

Was Mimi Fiedler hier zum Besten gibt, sind kleine, lustige Stories aus ihrem Leben (oder auch nicht?), die ihren persönlichen Bezug zu Lachfältchen, Cellulite, Altersflecken, starker Körperbehaarung und den ersten grauen Haaren erklärt. Man darf gespannt sein auf persönliche Erlebnisse, Schuhkäufe, Peinlichkeiten und besondere Problemzonen, die viele Frauen ihr eigen nennen.

Mir hat es gefallen, wie humorvoll Mimi scheinbar offen und ehrlich und mit einem Augenzwinkern von ihren Problemzonen berichtet, vom Leben mit ihren Freundinnen und vom Traum eines neuen Mannes.

Das Buch liest sich wie ein mit Witzen aufgepepptes Plauderstündchen mit der besten Freundin. Nur das mir die Schauspielerin Mimi Fiedler gar nicht bekannt war. Also habe ich recherchiert und herausgefunden, dass sie kroatische Wurzeln hat, mehrfach verlobt war und seit letztem Jahr auch verheiratet ist. Nach einer Brustoperation hatte sie einen in der Männerwelt sicher beliebten Auftritt in einem Erotikmagazin. Ich habe die Ehrlichkeit Mimis bewundert, mit ihr bei einigen Peinlichkeiten gelitten und mich in sie hineingefühlt.

Der Erzählstil hat mir sehr gut gefallen, die Szenen waren teilweise wie in "Sex and the City" und die Cellulite-Dellen in ihrer Erklärung um Zentimeter tiefer beschrieben als in Wirklichkeit zu sehen.


Beim Lesen konnte ich häufig schmunzeln, den mutmachenden Effekt des Erzählten fand ich super, nur mit der abschliessenden Dankesrede auf den Schönheitsoperateur verpuffte der Effekt leider auch sofort wieder. Man kann ihr als Schauspielerin nicht übel nehmen, dass sie sich Schönheits-Ops unterzieht, das ist etwas, was ich ihr persönlich zugestehe. Aber damit verfehlt sie den Aufruf an andere Frauen, zu ihrem alternden Körper und ihrer Persönlichkeit zu stehen.



Es lebe das Alter und deshalb sollte man jede Lachfalte feiern. Wer damit Probleme hat, kann sich ja in Mimi Fiedlers Buch die nötigen Tipps holen.


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