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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.07.2020

Sehr ehrlich geschrieben

Mehr als wir uns erträumten
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Dieses Buch habe ich vor allem deshalb gelesen, da ich selbst ein Frühchen habe und ich es spannend fand diese Erlebnisse aus Sicht des Vaters zu lesen. Das Buch hat mich jedenfalls sehr überrascht, es ...

Dieses Buch habe ich vor allem deshalb gelesen, da ich selbst ein Frühchen habe und ich es spannend fand diese Erlebnisse aus Sicht des Vaters zu lesen. Das Buch hat mich jedenfalls sehr überrascht, es ist nicht so ein typischer Schicksalsroman, der von starken Emotionen lebt. Man merkte sofort, dass der Autor Schriftsteller ist und versucht seine persönlichen Erlebnisse literarisch umzusetzen.

Er hat mit seiner Frau zwei gesunde Kinder und lebt ein glückliches Familienleben. So richtig kann er sich nicht für ein drittes Kind entscheiden, aber das Schicksal entscheidet für ihn. Seine Frau wird schwanger, aber es gibt Schwierigkeiten. Seine Frau hofft weiter, er ist im Zwiespalt. Ihr Kind stirbt, aber schon kurze Zeit danach wird sie wieder schwanger, sogar mit Zwillingen, leider auch mit Komplikationen. Die Zwillinge werden zu früh geboren.

Ich fand es wunderbar zu lesen, in welchen Gefühlschaos der Autor war. Er war voll mit Zweifeln und das konnte ich selbst nachvollziehen. Es wirkte oft kalt und emotionslos, aber genau das gefiel mir, da ich sonst wenig typische Schicksalsromane lese, weil sie mir zu emotional geschrieben sind. Die Gefühle seiner Frau bleiben etwas außen vor, aber es ist sein Roman.

Zwischendurch hatte es ein paar Längen, wo es doch etwas anstrengend dem Buch noch zu folgen, aber dann ging die Handlung wieder weiter und ich war einfach gespannt, wie es mit dem Babys weitergeht. Das Geschehen auf der Neugeborenen Intensivstation war sehr realistisch beschrieben, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.

Für mich ist es kein Buch für Menschen, die erstmals Eltern werden wollen. Denn meist leben diese noch in einer rosaroten Wolke, wo Kinder bekommen noch sowas wundervolles ist, wo man die Schattenseiten nicht sieht. Was auch gut ist. Ich würde dieses Buch eher Menschen empfehlen, die schon Kinder haben und vor allem Eltern, die selbst in dieser Situation waren. Ich habe mich mit meinen eigenen Gefühlen sehr wieder gefunden. Gerade beim zweiten Teil des Buches kamen viele Erinnerungen und Gefühle, die ich bei der Geburt meines Frühchens hatte, wieder. Mir tat es gut.

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Veröffentlicht am 14.07.2020

Nicht so stark wie Teil 1 und Teil 2

Das Gedächtnis von Babel
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Ich bin etwas unschlüssig, nachdem ich nun den dritten Teil der Spiegelreisenden-Reihe gehört habe. So richtig glücklich wurde ich am Ende nicht zurückgelassen. Denn die ganze Zeit hatte ich hier das Gefühl, ...

Ich bin etwas unschlüssig, nachdem ich nun den dritten Teil der Spiegelreisenden-Reihe gehört habe. So richtig glücklich wurde ich am Ende nicht zurückgelassen. Denn die ganze Zeit hatte ich hier das Gefühl, dass die Autorin irgendwie schon das Ende im Kopf hatte, aber unbedingt einen Vierteiler statt Dreiteiler schreiben wollte und nun noch irgendeine Zwischenepisode einbauen musste. Die Rahmenhandlung kommt kaum voran und einiges fühlte sich an wie eine Wiederholung.
Ophelia muss wieder eine andere Identität schlüpfen und einiges über sich ergehen lassen. Es dauert lange bis endlich Thorn auftaucht und ihr Wiedersehen ist völlig anders als erwartet. Mit Babel hat sich die Autorin wieder eine interessante Welt ausgedacht, in der alles reglementiert ist, völlige Überwachung herrscht und keine freie Meinungsäußerung möglich ist. Dazu viele Automaten, die die Arbeit erledigen. Da hätte ich mir etwas mehr Einblicke in das alltägliche Leben gewünscht, denn Ophelia bleibt doch auf ihre “Schule“ beschränkt. Dennoch es ist spannend, wie nach und nach weitere Geheimnisse aufgedeckt werden und vor allem das erste Zusammentreffen mit Thorn nach drei Jahren Trennung war sehr interessant und überraschend.
Sehr gut gelungen ist der zweite Handlungsstrang am Pol, aus der Sicht der kleinen Victoria erzählt. Deren ungewöhnliche Gabe neue Aspekte von Gott aufdecken. Am Ende kommt es schließlich zum absoluten Cliffhanger.
Insgesamt hat mich das Buch gut unterhalten und überrascht. Die Handlung ist bei der Autorin keinesfalls vorhersehbar, was mir sehr gut gefällt. Auch die Liebe zum Detail hat mich wieder überzeugt, denn auch in diesem Buch erfährt man wieder mehr über diese sehr komplexe Welt, die die Autorin erschaffen hat und die kaum zwischen zwei Buchdeckel passt. Deshalb bin ich umso mehr gespannt, wie sie die Reihe nach dem vierten Teil beenden möchte, denn ich habe das Gefühl, es gibt noch sehr viel zu erzählen.
Die Sprecherin des Hörbuchs Laura Maire macht wieder einen sehr guten Job. Mir gefallen vor allem die unterschiedliche Stimme und Sprechweise von Ophelia und Thorn, die gegensätzlicher nicht sein könnte und die sie mit ihrer Stimme und Satzmelodie einen ganz eigenen Charakter gibt.

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Veröffentlicht am 23.06.2020

Großartiges Setting

Im grausamen Licht der Sonne
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Ich liebe Thriller und die Gestaltwandler Romane von der Autorin Nalini Singh. Nun hat sie ihren ersten Thriller geschrieben und ich war sehr gespannt, ob dieser genauso einen Lesesog entwickelt wie ihre ...

Ich liebe Thriller und die Gestaltwandler Romane von der Autorin Nalini Singh. Nun hat sie ihren ersten Thriller geschrieben und ich war sehr gespannt, ob dieser genauso einen Lesesog entwickelt wie ihre anderen Bücher.
Der Plot ist gelungen. Ana kehrt nach Jahren aus dem quirligen London in ihre Heimatkleinstadt nach Neuseeland zurück. Sie verbindet keine guten Erinnerungen mit dem Ort ihrer Kindheit, aber auch ihr neues Leben in London hat seine Schatten hinterlassen. Aber kaum möchte sie sich mit den Geistern ihrer Vergangenheit auseinandersetzen, holt sie die Gegenwart ein. Eine junge hübsche Frau wird vermisst. Ihr Verschwinden erinnert an eine Serie von drei verschwundenen Wanderinnen vor 15 Jahren. Aber können diese Fälle zusammenhängen?
Will, der einzige Polizist m Ort, selbst geplagt von bösen Erinnerungen, klemmt sich hinter den Fall und deckt nach und nach die Geheimnisse der Bewohner auf. Ana hilft ihm dabei und stellt sich damit ihren eigenen Erinnerungen.
Der Roman ist geprägt von vielen Geheimnissen aus der Vergangenheit bei den Protagonisten. Diese überschatten sehr das aktuelle Geschehen. Beide Will und Ana sind sehr verschlossen nicht nur gegenüber anderer Charaktere sondern auch mir als Leserin. Sie blieben auf Abstand. Dennoch die Geschichte hatten einen starken Spannungsbogen, der mich nicht losließ. Auch das Setting um die Kleinstadt, den Urwald und die Küste ist sehr gut beschrieben und hat mich in eine für mich fremde Welt entführt. Selten sind die Seiten so geflogen, auch bei diesem neuen Genre hat mich wieder der Lesesog erwischt. Ich hoffe sehr, dass sie weitere Thriller schreibt. Wenn sie sich dann noch etwas mehr auf die Charaktere, auch dem Täter konzentriert und dem Ende auch genug Raum lässt, wird es perfekt.

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Veröffentlicht am 29.03.2020

Ruhiger Roman in Zeiten des Umbruchs

Der Empfänger
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Im Mittelpunkt des Romans steht Josef Klein, dessen Name Programm ist. Ein etwas kleiner unscheinbarer Mann, der in seinem Leben durch Zufall und auch Naivität in das Spionageprogramm der Nazis rutscht. ...

Im Mittelpunkt des Romans steht Josef Klein, dessen Name Programm ist. Ein etwas kleiner unscheinbarer Mann, der in seinem Leben durch Zufall und auch Naivität in das Spionageprogramm der Nazis rutscht. Josef hat es immer in die weite Welt gezogen. Er wandert nach dem Ersten Weltkrieg nach Amerika aus und fühlt sich in New York gleich zu Hause. In einer Druckerei findet er einen Job und durch sein Hobby das Funken auch eine Freundin. Aus der Politik hält er sich raus, auch wenn mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland sich auch das Leben der Deutschen in Amerika ändert. Sich raushalten geht nicht mehr, man muss sich entscheiden. Josef tut dies nicht und wird in die Machenschaften der Naziunterstützer hineingezogen.
Neben diesem Handlungsstrang wechselt es immer wieder in die Zeit vor seine Abreise nach Amerika, seine Rückkehr nach Deutschland und zu seiner erneuten Auswanderung. Die Wechsel werden durch die Überschriften über den einzelnen Kapiteln mit Zeit und Ortsangabe erleichtert. Josef ist und bleibt der Angelpunkt. Die anderen Charaktere sieht man nur durch seine Augen, seinen Bruder, seine Freundin, sympathische Charaktere, die mir aber immer etwas blass blieben. Auch Josef selbst ist ein ruhiger Charakter, der selten größere Gefühle zeigt. So blieb die ganze Geschichte ruhig, trotz der Brisanz des Themas. Das hatte für mich etwas Besonderes, hier gibt es keine actionreiche Agentengeschichte, sondern eine Geschichte eines Mannes, der seinen Platz sucht und sich von außen treiben lässt. So empfand ich es, denn ich hatte das Gefühl, Josef braucht immer wieder einen Anschubser.
Josefs Beziehungen zu seiner Freundin und seinem Bruder sind für mich die Highlights des Romans, geprägt von den leisen Tönen, aber dennoch von tiefen Gefühlen. Auch die Beschreibungen von New York und Nachkriegsdeutschland sind gelungen. Ich fühlte mich richtig in die Zeit versetzt und konnte Josefs Liebe zu New York sehr gut nachvollziehen.
Insgesamt ein ruhiger und tiefgründiger Roman, dessen Ende mich nur etwas hilflos zurückließ. Vielleicht ist Josef am Ende wirklich angekommen, aber ich hätte noch ein paar mehr Seiten gebraucht.

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Veröffentlicht am 25.02.2020

Ein wirkliches Epos

Der lange Krieg: Sohn des Achill
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Die griechische Antike habe ich in meinem Leben immer nur sehr am Rande behandelt. Obwohl ich die Sagen immer sehr spannend und abwechslungsreich empfand. Durch das Hörbuch „Ich bin Circe“ habe ich die ...

Die griechische Antike habe ich in meinem Leben immer nur sehr am Rande behandelt. Obwohl ich die Sagen immer sehr spannend und abwechslungsreich empfand. Durch das Hörbuch „Ich bin Circe“ habe ich die alten Griechensagen für mich wiederentdeckt und wollte mich nun dem etwas umfangreicheren Hörbuch von Christian Cameron.
Dieses Buch ist ganz anders aufgebaut und nicht wirklich mit meinem vorhergehenden Hörbuch zu vergleichen. Im Mittelpunkt steht Arimnestos, ein bekannter Feldherr im 5. Jh. vor Christus. Er erzählt seine Geschichte als alter Mann rückblickend. Er beginnt mit seiner Kindheit. Da er es aus Sicht des alten Mannes erzählt, geschieht alles sehr reflektierend. Er beschreibt zwar auch, wie er als Kind über vieles gedacht hat, zeigt aber auch auf, dass er jetzt im Alter eben viel besser versteht, warum seine Eltern manchmal so handelten wie sie es taten. Seine glückliche Kindheit findet mit dem Tod des Vaters ein jähes Ende. Er wird Sklave und später Krieger.
Die Entwicklung vom Jungen zum Mann wird sehr ausführlich erzählt dazu viele Details zu den historischen Hintergründen. Ich muss sagen, dass ich oft etwas überfordert war mit diesen Details, obwohl die Hörbuchfassung leicht gekürzt ist. Auch die vielen kriegerischen Auseinandersetzungen werden sehr ausführlich behandelt. Da ich diesen Roman als Hörbuch hörte, bin ich bei einigen Szenen abgeschweift, das passiert mir bei einem Hörbuch eher als beim Lesen. Aber die Stimme des Erzählers hat mich immer wieder gut zurückgeholt. Er spricht Arimnestos sehr realistisch und auch den verschiedenen Szenen angepasst. Er versteht es die Spannung durch seine Stimmenmodulation zu erhöhen. Es macht mir Freude ihm zuzuhören.
Ein Roman für den ich etwas Muse brauchte, aber von dem ich auch viel gelernt habe und der mich noch tiefer in die griechische Antike eingeführt hat.

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