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Veröffentlicht am 08.07.2022

Eher kleine Qual als kleines Wunder

Kleine Wunder
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Das Kloster, des einst so florierenden Ordens der Schwestern der heiligen Philomena, steht vor der der unmittelbaren Schließung. Die drei verbleibenden Nonnen müssen der Wahrheit ins Auge sehen. Das Dach ...

Das Kloster, des einst so florierenden Ordens der Schwestern der heiligen Philomena, steht vor der der unmittelbaren Schließung. Die drei verbleibenden Nonnen müssen der Wahrheit ins Auge sehen. Das Dach ist löchrig, die Elektrik alt, der Herd defekt und auf Oberin Margaretes Tisch stapeln sich zu dem auch noch die Rechnungen. Ein Job um den sie wahrlich nicht gebeten hat, doch die Wege des Herrn sind manchmal unergründlich. Als sie sich mit dem Gedanken, das Kloster in Faibridge verkaufen zu müssen abfinden, ändert ein überraschender Lottogewinn alles, jedoch völlig anders als die drei sich das erträumt hätten.

Das „charmant …, für Sister Act Fans“ habe ich leider suchen müssen. Bis auf die parallele von 3 Nonnen, bin ich jedoch nicht fündig geworden. Wie überraschen und was für ein Aufhänger, drei fromme Schwestern und ein 6er beim Glücksspiel, das könnte Aufregend werden. Wurde es leider nicht, denn wie sooft ist der Mittelpunkt des Klappentextes, nicht der Mittelpunkt des Buches. Leider plätscherte die Geschichte so vor sich hin und statt Trubel gab es jede Menge Lebensgeschichten der Dorfbewohner, steht´s unterbrochen von durchaus fragwürdigen, jedoch endlosen Gebeten. Möglicherweise war diese Version von englischem Humor mir auch nicht ganz zugänglich. Die Barmherzigkeit, die Anne Booth in ihre Kindebücher thematisiert hat sie scheinbar hier ernster genommen und noch intensiver verarbeitet. Dabei gab das Ganze ein doch eher oberflächliches Bild ab. Ein Überfluss an hintereinander gereihten, optischen Attributen, einer gelegentlichen Erwähnung eines Berufes, Talents oder Stimmlage im Chor. Der ganze Schreibstil ein Stakkato, wenn es zuwenigst noch etwas Charme/ Humor besessen hätte, doch die wahrscheinlich zum Schmunzeln erdachten Passagen waren eher merkwürdig. Zum Plot Twist war ich bereits so oberflächlich abgestumpft, dass es jetzt auch nicht mehr viel in mir auslöste, zumal es sich schnell wieder in diesem überdrehten „Freundschaft, Gemeinschaft, Glauben, Liebe, Herzerwärmungsauftrag“ erstickt wurde. Was leider zu jeder Menge Empathie-Tod in mir sorgte. Lieber Gott, was wurde hier geweint und was hat mich das irgendwann nicht mehr tangiert. Leider ein Fall von „eingestiegen, weil falsche Erwartungen gehabt“.

Fazit: der erwähnte Bezug zu Sister Act, gab mir leider falsche Vorstellungen, weswegen mich diese Cosy Feelings über Nächstenliebe und Freundschaft förmlich erstickt haben. Was jedoch nichts an der teilweise stark oberflächlichen Darstellung der Charaktere und dem Stakkato Schreibstil geändert hätte. Wer sich die volle Barmherzigkeitsdröhnung geben möchte, könnte sehr glücklich damit werden.

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Veröffentlicht am 07.03.2022

Der dunkle Schatten von Talberg lässt niemanden gehen…

Talberg 1977
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Maria ist zweifache Witwe, doch oft trauert sie um ihre Männer nicht. Ihr erster Mann war ein Choleriker, der zweite ein nichts nutz und Säufer. Bezugspersonen gibt es in Marias Leben kaum noch, nicht ...

Maria ist zweifache Witwe, doch oft trauert sie um ihre Männer nicht. Ihr erster Mann war ein Choleriker, der zweite ein nichts nutz und Säufer. Bezugspersonen gibt es in Marias Leben kaum noch, nicht zuletzt, weil sie in einer abgeschiedenen Hütte im Wald wohnt. Besuch bekommt sie hier nur selten, die Bewohner von Talberg meiden sie, halten sie für eine Hexe, niemand den man freiwillig besuchen möchte. Umso besser, so bleibt ihr Wissen auch weiterhin verborgen, nur der Tod, dem sie ab und an begegnet, weiß von den düsteren Geheimnissen. Doch eines Tages verirrt sich ein gar merkwürdiger Pilger vor ihre Tür, der aufdringlich um eine Übernachtung im Schuppen bittet. Wenn sie ihn doch nur schon los wäre.

Max Korn ist das synonym eines deutschen Autors, der in seiner Kindheit einige Zeit in einem bayrischen Dorf aufwuchs. Talberg 1977 ist der zweite Band aus seiner Trilogie über ein gleichnamiges, jedoch fiktives bayrisches Dorf nahe der österreichischen Grenze. Diesmal konzentriert sich der Schauplatz der Geschehnisse etwas außerhalb des Dorfes. Maria lebt zurück gezogen in einer Hütte im Wald. Als Hexe von den Bewohnern verschrien, verirrt sich nur in gewissen Angelegenheiten jemand zu ihr. Maria hütet das ein oder andere Geheimnis ihrer Vergangenheit, welche wir nach und nach erfahren. Der Start konnte nicht ganz so atmosphärisch aufwarten wie im 1. Band, doch das Setting und Marias Eigenheiten versprachen düstere Spannung. Leider konnte sich das im Buch nie so richtig durchsetzen. Auch wenn ihr etwas verwirrter Zustand, Raum für Überraschungen bot, war allzu schnell klar, was sich hinter den meisten Fragen verbarg. Dank der mehrfachen Beleuchtung der Geschehnisse durch ihre Sicht, die des Ermittlers und einer weiteren Person kauten wir alles mehrfach durch und kamen trotzdem nicht nennenswert vom Fleck, was mit den vorhersehbaren Auflösungen den Todesstoß für die Spannung bedeutete. Nach dem eher quälend langgezogenen Ende, brachte das Motiv auch keinen „Wow- Effekt“ zustande. Zu viele offene Fragen oder Ungereimtheiten wurden einfach abgetan, Fall abgeschlossen, Klappe zu, Spannung tot. Schade, nach dem atmosphärisch sehr gelungenem 1. Band, lag die Erwartung für das 2. Buch dementsprechend hoch und wurde grandios unterschritten. Zu viele verwirrende Verwandtschaftsverhältnisse, ein lahmer Kriminalfall, der versucht wurde aufzupeppen, ständige Zeitsprünge und fehlende Spannung machten nach dem angenehmen Start und großer Hoffnung, der Geschichte leider komplett den gar aus. Die zeitliche Ebene wurde auch für mein Empfinden nicht so gut wie in 1935 rübergebracht. Alles in allem eine sehr enttäuschende Entwicklung, da der Autor im 1. Teil zeigte, dass er mit viel Atmosphäre, Spannung und gelungener Konstruktion wirklich schreiben kann.

Fazit: nach hoher Erwartung ein eher enttäuschender 2. Teil. Anstrengende Ermittlung, vorhersehbar, spannungsarm, wenig düster oder atmosphärisch.

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Veröffentlicht am 15.06.2020

Dunkel ist erst das Ende

DUNKEL
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Die Kommissarin Hulda soll doch schneller in den Ruhestand, als geplant. Ihr Platz soll frei werden für einen jüngeren Kollegen. Doch in Rente kann und will Hulda nicht so schnell gehen. Um sie zu beschäftigen ...

Die Kommissarin Hulda soll doch schneller in den Ruhestand, als geplant. Ihr Platz soll frei werden für einen jüngeren Kollegen. Doch in Rente kann und will Hulda nicht so schnell gehen. Um sie zu beschäftigen gewährt ihr Vorgesetzter ihr auf die letzten Tage noch einen Cold Case. Sie entscheidet sich für den ungelösten Fall einer jungen Frau, die vor einem Jahr leblos in einer Bucht aufgefunden wurde. Niemand scheint sich für dieses Schicksal großartig zu interessieren, doch Hulda gibt nicht auf und widmet sich, ohne Rücksicht auf Verluste diesem Fall.
Der Titel der Rezension trifft tatsächlich gleich doppelt zu, denn das Buch ist der erste Band einer Trilogie, die sich vom Ende zum Anfang aller Geschehnisse vorarbeitet. Leider ist es auch in Bezug auf die Atmosphäre ziemlich passend. Dunkel ist lediglich gegen Ende des Buches etwas düster. Hulda ist eine eher ungewöhnliche Kommissarin, sie wird als eine einsame, Gedankenversunkene Person dargestellt. Hier liegt auch schon einer der größten Knackpunkte. Sie denkt unendlich viel nach, leider kaum über den Fall, sondern mehr über ihre Situation und ihre eigenen Befindlichkeiten. Sogar während Dialogen schweift sie gedanklich völlig ab, in einer exorbitanten Länge, dass es den Lesefluss enorm stört. Wenn wenigsten bei all diesen Überlegungen etwas Sinnvolles rausgekommen wäre. Doch auch ihre Ermittlungen wirken eher wie die eines Anfängers, sie stolpert da so durch das Geschehen. Quälend sinnlos wurden im Verlauf des Buches auch die beiden Nebenstränge, die Parallel zur Story erzählt wurden. Da der Inhalt von beiden am Ende der Geschichte noch einmal aufgeschlüsselt wurde, blieb nur noch die Frage, nach dem Sinn des Ganzen. Beschäftigungstherapie, Seiten füllen? Der zwischendrin schon nervige Wechsel war dann der endgültige Spannungskiller für die mehr als lahme Story. Nach öden 300 Seiten versprach ein Twist die lang ersehnte Wende zu bringen, doch weit gefehlt der Täter war alsbald abzusehen und der Showdown wieder in gewohnt, liebloser Manier abgehandelt. Das Ende konnte mich wirklich überraschen und ist definitiv mal was anderes. Leider war es bis dahin ein quälend langweiliger Weg, den ich trotz interessantem Ende, keine zwei weiteren Bücher gehen mag um heraus zu finden, was Ragnar Jónasson mir damit sagen möchte. Die Protagonistin nervt irgendwann nur noch mit der zerpflückenden Selbstanalyse ihrer Gedanken, Gefühle und der Situation. Der Fall ist zu keinem Zeitpunkt spannend, weder Atmosphäre noch wirklicher Nervenkitzel, es plätschert so vor sich hin und dann musste da noch on Top eine ganz und gar bewegende Geschichte aus Huldas Vergangenheit gezaubert werden. Möglich, dass es der Vorbereitung auf die weiteren Teile dienen soll, doch überspitzt ist diesbezüglich noch kein Ausdruck. Nur weil es eine Leiche gibt, kann man es nicht gleich Thriller nennen.
Fazit: Story mau, die Protagonistin analysiert ihr Leben mehr als den Fall und bis auf das Ende konnte Dunkel in keiner Weise überzeugen. Für mich ist hier, nach dem ersten Teil Schluss mit der Reihe.

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Veröffentlicht am 25.03.2020

Enttäuschende Splatter Adaption

Die Chroniken von Alice - Finsternis im Wunderland
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Alle halten sie für verrückt! Dieses Mädchen, was seit 10 Jahren im Hospital, auf der Suche nach den Erinnerungen, ihrer düsteren Vergangenheit ist. Jede Nacht quälen sie die Träume von dem Mann mit den ...

Alle halten sie für verrückt! Dieses Mädchen, was seit 10 Jahren im Hospital, auf der Suche nach den Erinnerungen, ihrer düsteren Vergangenheit ist. Jede Nacht quälen sie die Träume von dem Mann mit den Kaninchenohren, der ihr weh tut. Dabei weiß sie nicht einmal wer er ist, wer sie selbst ist oder warum sie an diesem düsteren Ort gefangen ist. Als ein Feuer ausbricht gelingt Alice die Flucht. An ihrer Seite ist ihr Bekannter, der Axtmörder Hatcher. Doch ist er wirklich ihr Freund oder gar eine Gefahr für sie. Viel Zeit bleibt ihr nicht darüber nachzudenken, denn etwas noch viel schlimmeres und Dunkleres, aus den Tiefen des Irrenhauses, hat es ebenfalls geschafft frei zu kommen. Es ist auf der Suche und lechzt nach Blut.
Christina Henry ist US-amerikanische Fantasy Autorin und schrieb bereits die Bestseller Reihe „Black Wings“. Es existieren im englischen bereits weitere Adaptionen von literarischen Klassikern. Wer jedoch Lewis Carolls farbenfrohe, magische und verrückte Welt kennen lernen durfte, hofft wahrscheinlich in diesem Werk, dass alles in finstere Düsternis gehüllt wurde, der Horror einem die Gänsehaut bereitet und man von Alice Schrecken in den Bann gezogen wird. Sagen wir es mal so: es ist eine Fantasy Geschichte, die parallelen zum Märchen aufweist und dann und wann in den Splatter Bereich abrutscht. Die Charaktere (vor allem Alice) waren von Anfang an sehr farblos gezeichnet und schwer greifbar, was mit der Weiterentwicklung im Buch zunehmend schwieriger wurde. Die Autorin konnte in meinen Kopf das Bild von Alice (der Märchenfigur) einfach nicht umzeichnen in die Alice aus der düsteren Geschichte. Allgemein war die Darstellung, für mein Empfinden, sehr Detail- und Lieblos, so dass sich die Handlung nie vor meinem geistigen Auge entwickeln konnte. Schön wenn der Autor Spielraum für Fantasie lässt, doch ohne jeglichen Anreiz bleibt das geschrieben Wort, nur ein Wort und wird nicht zum Bild im Kopf des Lesers. Der Aufbau ist unangenehm Sprunghaft. Kaum steuert man auf einen relevanten Handlungspunkt zu, ist es Fallbeilartig auch schon wieder beendet. Das Gefühl raus gerissen worden zu sein, verbleibt bei alle größeren Konfrontationen. Der Story fehlt leider deutlich an Tiefgang, metaphorisch gesehen könnte man es mit der Teegesellschaft des Original Märchens vergleichen: Alice rutscht von Platzt zu Platz auf der „Tee Party“, kaum sitzt sie und will trinken, wird auch schon weiter gerutscht…! Man möchte es unausgereift nennen. Manche Gefühle, wie Angst und Ungewissheit, kann Henry gut rüberbringen, doch andere wie Mut und Wut, versucht sie zwar zu erklären aber schafft es nicht diese den Leser auch spüren zu lassen. Die Story hat es leider nie geschafft mich mitzureißen. Aufgrund der ausbleibenden Bilder im Kopf und Empfindungen im Herz, war es durchweg eher oberflächliche Lektüre. Diese Düsternis ist völlig ohne Hingabe geschrieben, so dass ich vergebens den Horror suchte. Ein Schatten wird erst dann furchteinflößend wenn unsere Fantasie (in dem Falle der Autor) daraus etwas Unheimliches macht. Das Ende war leider auch, wie der Rest des Buches: allenfalls schwach. Alices Konfrontation mit den beiden am furchteinflößendsten Figuren, war gelinde gesagt Zuckersüß. Den Showdown hätte ich meinem 3-jährigen Sohn vorlesen können. Es war eigentlich ganz nett aber bei einem Roman mit Trigger Warnung, vor seelischer und körperlicher Gewalt habe ich doch etwas Anderes erwartet. Düster? Packend? Leider nein, eher ein Fantasy Roman, eine weitläufige Adaption des Klassikers. Vielleicht nett im Jugendbuch Bereich, da macht die Trigger Warnung dann auch eher Sinn. Doch jeder der schon einmal Stephen King, Chris Carter o.ä. Autoren gelesen hat, ist versucht das Buch zu rütteln und zu schütteln um zu schauen ob irgendwo noch etwas brauchbares Düsteres herausgefallen kommt. Die parallelen waren leider das einzige was mich an dem Buch gehalten hat. Die Idee aus diesen Klassikern eine Dunkle Versionen zu schreiben fand ich wunderbar, an der Umsetzung ist es leider herb gescheitert, das ganze ausbaufähig zu nennen wäre noch grob untertrieben.
Fazit: eher lieblose Adaption, mit geringen parallelen und einigen Splatter Elementen. Enttäuschender Lesestoff.

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Veröffentlicht am 11.03.2019

Enttäuschender 6. Teil

Die ewigen Toten
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Ein, in die Jahre gekommenes, still gelegtes Krankenhaus, dass kurz vor dem Abriss steht. Doch das St. Jude birgt mehr als verlassene Klinikbetten, düstere Flure und Fledermäuse. Auf dem Dachboden des ...

Ein, in die Jahre gekommenes, still gelegtes Krankenhaus, dass kurz vor dem Abriss steht. Doch das St. Jude birgt mehr als verlassene Klinikbetten, düstere Flure und Fledermäuse. Auf dem Dachboden des einstigen Krankenhauses wird eine Leiche gefunden, die zum Teil mumifiziert ist. Nur lässt die Leiche sich nicht so einfach aus dem baufälligen Gebäude schaffen, wie zuerst gedacht. Beim dem Bergungsversuch passiert ein Unglück, welches einen fensterlosen Raum offenbart, der auf keinem Plan eingezeichnet ist. Warum existiert dort ein verborgener Raum und für was wurde er benutzt? Denn fest steht er wurde benutzt! In ihm stehen Krankenhausbetten, in denen noch jemand liegt…
Die ewigen Toten ist der 6. Teil aus Simon Becketts Reihe um den forensischen Anthropologen David Hunter. Da es sich um eine in sich abgeschlossene Geschichte handelt und Beckett alle für die Handlung wichtigen Fakten erneut einfließen lässt, ist es durchaus möglich diesen Teil der Reihe auch alleinstehend zu lesen. Wir begleiten David, der durch vorhergehende Ermittlungen etwas in Ungnade gefallen ist, bei seinem neusten Fall. Als freier forensischer Anthropologe ist er für eine Universität als Dozent und manchmal als Berater für die Polizei tätig. Dieses Mal wird er zur Begutachtung der mumifizierten Leiche gerufen und macht sogleich eine, für die Ermittlungen wichtige, sehr tragische Entdeckung. Hiernach kommt leider nicht mehr allzu viel Aufregendes. Beckett hat zwar für seinen 6. Teil eine Kulisse ausgewählt die mörderisch viel Potenzial bot, den Leser zu schaudern und in wahrhaftig beklemmende Stimmung zu versetzen. Dieses Potenzial ließ er leider völlig ungenutzt. Er langweilt, im Gegenteil mit immer gleichen Phrasen wie „dunkel“ und „stickig“ das Gebäude sei. Zu keiner Zeit hat er eine, dem Schauplatz angemessene Atmosphäre schaffen können, somit kam auch nie das Gefühl auf mitten im Geschehen zu sein und Hunter über die Schulter zu schauen. Man war keineswegs so gefesselt um sich ganz in der Geschichte vergessen zu können. Der zweite atmosphärische Killer war leider Hunters ständiges unterschwelliges Gewinsel. Was bleibt war eine vom Zufall arg beherrschte, an manchen Stellen sogar hanebüchene Story und ein Protagonist der seine Zeit mit Assistenzaufgaben rumbringt. Zu allem Übel fällt seine eigentliche forensische Arbeit so umfassend und detailliert, wie die Bauanleitung eines schwedischen Möbelhauses aus. Trauriger weise waren es genau diese beiden Punkte (die Kulisse und die Arbeit eines forensischen Anthropologen) die mich lockten dieses Buch zu lesen und beide fielen mehr als mau aus. Leider bleibt nicht viel übrig wenn die Beschreibung der Kulisse sich in immer gleiche Schilderungen ergießt, der forensische Anthropologe mehr den wohltätigen Samariter mimt und es der Story an Spannung fehlt. Auf den letzten 100 Seiten legt Beckett dann endlich einen Zahn zu und verleiht der Story noch etwas Tempo. Von der Idee her waren auch einige gute Ideen und ganz nette Twists dabei, leider ist er nicht gerade subtil und so war zu schnell klar in welche Richtung das ganze laufen sollte. Auch in diesem Teil ist David Hunter charakterlich sehr blass, ungreifbar, weinerlich und unternimmt jede Menge nicht nachvollziehbare Handlungen, welche ihn nur noch unglaubwürdiger und konstruiert erscheinen lassen. Die Story mutete zu Anfang etwas spektakulärer an als es die Auflösung wirklich hergeben konnte, was zum Teil auch an der vorher Sehbarkeit lag. Für mich bleibt am Ende die Frage: Waren die ersten Teile der Reihe wirklich um Längen besser oder ist meine Zuneigung zu dieser Reihe eher eine mit der Zeit verklärte, literarisch unerfahrene Jugendliebe?
Fazit: Ich möchte nicht mal eingefleischten Hunter Fans diesen Teil empfehlen. Wie sich aber herauskristallisiert hat: Wer den 5. Teil mochte war zumeist auch vom 6. Teil nicht enttäuscht. Wer hingegen den 5. Teil schon schwächelnd empfand konnte oft auch dem 6. Teil nichts abgewinnen. Beckett Neulinge dürften vielleicht nicht ganz so enttäuscht sein aber fest steht, sein bestes Werk ist und bleibt es leider nicht.