Profilbild von Hyperventilea

Hyperventilea

Lesejury Star
offline

Hyperventilea ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Hyperventilea über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.06.2020

Außen hui- innen na ja - Schönes Cover, belanglose, wenig originelle Geschichte

Das kleine Hotel auf Island
0

Seit Wochen ist Hotelmanagerin Lucy auf der Suche nach einem neuen Job. Ihre letztes Arbeitsverhältnis endete sehr unschön. Als einziger Ausweg bietet sich schließlich die Möglichkeit, eine Lodge in Island ...

Seit Wochen ist Hotelmanagerin Lucy auf der Suche nach einem neuen Job. Ihre letztes Arbeitsverhältnis endete sehr unschön. Als einziger Ausweg bietet sich schließlich die Möglichkeit, eine Lodge in Island auf Vordermann zu bringen. Im idyllischen Hygge-Hotel hat sie zunächst mit ungewöhnlichen Herausforderungen zu kämpfen: die Technik versagt, mystische Gestalten, Geister und Angestellte müssen besänftigt und Schafe aus dem Whirlpool geborgen werden. Bei all dem steht Barman Alex Lucy stets unterstützend zur Seite. Doch er hat wie Lucy selbst ein Geheimnis...

Besonders gut gefällt mir das Cover von Julie Caplin Romans „Das kleine Hotel auf Island“. In dezenten Farben sind darauf eine Teekanne im Meer, ein Papageientaucher und ein schwimmender Wal zu sehen. Die Motive sind beim Darüberstreichen erhaben, fühlen sich fast samtig an. Wirklich sehr hübsch aufgemacht das Ganze!
Doch leider hält der Inhalt nicht, was das Cover verspricht: Caplin schreibt einfach und klar, gut verständlich, für mich aber fast etwas eintönig und wenig abwechslungsreich. Es brauchte einige Zeit, bis sich bei mir „Lesefluss“ einstellen wollte.

Die Hauptfiguren Lucy und Alex sind nett und sympathisch, mehr nicht. Beide haben Geheimnisse. Lucy musste in der Vergangenheit beschämende Erfahrungen machen, die sie geprägt haben und die sie lieber vergessen möchte. Alex ist nicht der, der er zu sein scheint. Lucy wirkt etwas verloren und traurig, hat Schwierigkeiten, anderen zu vertrauen. Richtige Ecken und Kanten findet man bei ihr kaum, Alex kommt sogar noch glatter und perfekter rüber. Aus diesem Grund habe ich mit den Figuren nicht richtig mitfiebern können. Sie bleiben für mich zu blass.

Die Handlung empfand ich schlicht als „nett“, unterhaltsam, aber ziemlich vorhersehbar, das Ende gar als etwas plump. Alles in allem halte ich den Stoff für wenig innovativ und originell. „Packend“ ist anders.

Ich hatte von diesem Roman nach der Leseprobe mehr erwartet. Sogenannte Eskapismus-Lektüren sorgen bei mir normalerweise dafür, dass ich in eine Geschichte voll eintauchen kann und den Alltag und alles um mich herum während des Lesens vergesse. Dieser Zustand wollte sich bei mir durch Caplins aktuellen Roman leider nicht einstellen. Das Buch hat mich sehr neugierig auf Island, den eigentlichen Star der Geschichte, gemacht. Die Hauptfiguren, vor allem Alex, werden vom traumhaften, interessanten Schauplatz regelrecht in den Schatten gestellt. „Das kleine Hotel auf Island“ kann man lesen, muss man aber nicht. Für mich gibt es Wohlfühlbücher mit mehr Hygge, die ihren Zweck deutlich besser erfüllen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.05.2020

Netter, aber banaler Frauenroman ohne viel Tiefgang

Thirty
0

Bella Edwards hat die Nase voll von ihrem Londoner Singleben und ihrer Arbeit in der Werbebranche. Als sie eine Beförderung zum Senior Account Manager erhält, beschimpft sie in einer Kurzschlussreaktion ...

Bella Edwards hat die Nase voll von ihrem Londoner Singleben und ihrer Arbeit in der Werbebranche. Als sie eine Beförderung zum Senior Account Manager erhält, beschimpft sie in einer Kurzschlussreaktion erst ihren Chef und sucht dann Rat bei einer Hellseherin, die sich sehr kryptisch äußert, was Bellas Zukunft betrifft. „Irgendwas muss sich ändern“, denkt Bella und entschließt sich, spontan ihre Freundin Esther in New York zu besuchen. Dort lässt sie sich auf eine ungewöhnliche Herausforderung ein: Bis zu ihrem 30. Geburtstag in dreißig Tagen möchte sie noch 30 Dates erleben, um endlich den Einen zu finden.

„Thirty - 30 Tage, 30 Dates, um den einen zu finden“ wird aus Bellas Sicht erzählt. Autorin Christina Bradley schreibt witzig-spritzig, unkompliziert und flüssig. Hauptsächlich werden Bellas Dates geschildert, die die Geschichte ausmachen und voranbringen.

Protagonistin Bella ist wie viele Frauen ihrer Generation auf der Suche. Sie wird nachvollziehbar und verständlich charakterisiert. Auch wenn ich ihre Situation und die Probleme, die sie damit hat, genau nachempfinden konnte, war sie mir nicht immer hundertprozentig sympathisch. Mitunter agiert sie mir zu spontan, ist im Umgang mit anderen zu direkt und provoziert durch ihr unbedachtes Verhalten so einige Fremdschämmomente. Für Lacher sorgt sie aber durch ihre impulsive Art allemal. Außerdem kommt es zu ein, zwei Situationen, in denen die eigentlich oberflächlich wirkende Figur, plötzlich mehr Tiefe beweist und die Dinge recht treffend auf den Punkt bringt

Bradleys Roman ist meist unterhaltsam und kurzweilig zu lesen. Vor allem anfangs und im Mittelteil entwickelte die Handlung aber einige Längen und verliert sich in unbedeutenden Nebensächlichkeiten. Vermutlich sind dreißig Dates dann doch einfach zuviele, um den „roten Faden“ behalten zu können. Das Ende hält aber doch nochmal überraschende Wendungen bereit und der recht unerwartete Schluss hat mich mit den Schwächen des Romans etwas versöhnt.

Nette, „einfach gestrickte“ „Chicklit“ zur Ablenkung für zwischendurch, nachhaltig beeindruckt hat mich der Roman aber nicht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.04.2020

Nette, etwas belanglose Geschichte

Die Frauen von Richmond Castle
0

Im Sommer 1925 feiert Ishbel Christina Camberwell, genannt Blue, im Garten ihres Elternhaus Richmond Castle, einem georgianisches Reihenhaus, mit Familien und Freunden ihren 21.Geburtstag und damit ihre ...

Im Sommer 1925 feiert Ishbel Christina Camberwell, genannt Blue, im Garten ihres Elternhaus Richmond Castle, einem georgianisches Reihenhaus, mit Familien und Freunden ihren 21.Geburtstag und damit ihre Volljährigkeit. Ihr Vater Kenneth fordert - in ziemlich angetrunkenem Zustand- alle potentiellen Verehrer seiner schönen Tochter auf, mit einem anonymen Brief um Blue zu werben. Im nächsten Jahr am gleichen Tag werde Blues „Entscheidung für einen Anwärter“ verkündet. Blue interessiert sich jedoch mehr dafür, Schriftstellerin zu werden als einen Ehemann zu finden und ist daher über Kenneths Rede ziemlich verärgert. Außer diverser anonymer Briefe wird das nächste Jahr aber noch ganz andere, viel bedeutendere Ereignisse für Blue, ihren Vater Kenneth, Stiefmutter Midge, Schwester Merrigan und Delphine, die neue Freundin der Familie, bringen. Dabei kommt eine traurige Wahrheit aus der Vergangenheit ans Licht, die die Familie vor eine große Herausforderung stellt...

Tracey Reeses „Die Frauen von Richmond Castle“ liest sich gut verständlich, flüssig und unkompliziert. Die Sprache wirkt meistens authentisch und ich bekam beim Lesen einen recht guten Eindruck von Blues Leben im England der 20er Jahren, fühlte mich gar stellenweise in diese Gesellschaft hineinversetzt. Der zu häufige und penetrante Gebrauch der Anrede „Darling“ ging mir aber leider manchmal ziemlich auf die Nerven.

Die Frauen von Richmond sind nachvollziehbar, aber recht eindimensional und einfach gezeichnet: Blue ist herzensgut und etwas naiv, Midge fürchtet, ihrer Vorgängerin Audra, Kenneth verstorbener Ehefrau, nie das Wasser reichen zu können und immer nur die Nummer Zwei zu bleiben und Delphine bleibt - ebenso wie Vater Kenneth - ziemlich blass und farblos. Schön, dass die Camberwells, so gänzlich vorurteilsfrei, Delphine in ihrer Mitte aufnehmen und ihr helfen, sich vor dem gewalttätigen Ehemann zu schützen. Im wahren Leben wird der gesellschaftliche Unterschied aber vermutlich doch eine größere Rolle gespielt haben...

Die Geschichte war stellenweise interessant, unterhaltsam und angenehm zu lesen, ein schönes, nettes Märchen mit Tragik, aber wenig Tiefgang. Recht vorhersehbar und mit einigen Längen, so richtig gepackt hat mich der Roman nicht. Eine strafferer Erzählweise und eine größerer Konzentration auf das Wesentliche hätten für mich den Aufbau etwas stimmiger gemacht.

Insgesamt eine nette, etwas belanglose Geschichte mit einfach gestrickten Figuren, die durchaus für Ablenkung und Unterhaltung gut ist, aber danach ziemlich schnell wieder in Vergessenheit gerät.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.03.2020

Unterhaltsam, aber deutlich schwächer und spannungsärmer als die Vorgänger

Gut Greifenau - Goldsturm
0

1919 ist zwar der Zweite Weltkrieg vorbei, aber Ruhe kehrt auf Gut Greifenau noch lange nicht ein: Konstantin und Rebeca hoffen auf einen Stammhalter, um das Gut als ihr Erbe zu sichern. Die Wirtschaft ...

1919 ist zwar der Zweite Weltkrieg vorbei, aber Ruhe kehrt auf Gut Greifenau noch lange nicht ein: Konstantin und Rebeca hoffen auf einen Stammhalter, um das Gut als ihr Erbe zu sichern. Die Wirtschaft im ganzen Land liegt am Boden. An sämtlichen Ecken und Enden fehlt es an Mitteln, um Greifenau gewinnbringend bewirtschaften zu können und dann kommt es zu allem Überfluss noch zur Inflation. Andere Familienmitglieder kämpfen mit ihren eigenen privaten Problemen, Katharinas Ehe mit Julius verläuft nicht ganz so wie gewünscht und Alexander steht nach wie vor finanziell nicht auf eigenen Füßen. Die Dienstboten des Guts haben es natürlich auch nicht leicht. Ida und Albert wünschen sich bisher vergeblich ein Kind und Stallmeister Eugen ist bis über beide Ohren in Stubenmädchen Wiebke verliebt. Diese ist sich aber ihrer Gefühle für ihn ganz und gar nicht sicher....

Hanna Caspian schreibt wie gewohnt klar, gut verständlich und unkompliziert. Der Roman liest sich flüssig und angenehm.

Schön, alle Charaktere aus den ersten Bänden wiederzutreffen. Ich habe die verschiedenen Figuren liebgewonnen. Die Sympathieträger, Konstantin, Rebecca, Katharina, Albert oder Ida haben alle ihre Ecken und Kanten, sind nicht nur uneingeschränkt „gut“, sondern wirken durch ihre Schwächen menschlich. Das macht sie authentisch, realistisch und nachvollziehbar. Für „Würze“ sorgen unangenehme Personen wie Konstantins Mutter Feodora mit ihrem Standesdünkel, die sich nur um ihr eigenes Wohl sorgt und ihre Interessen ohne Rücksicht auf Verluste durchzusetzen versucht.
Die spezielle Figurenkonstellation, dass die Charaktere aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten stammen, Adel und Dienstboten gleichermaßen wichtige Rollen spielen, macht die Reihe um Gut Greifenau aus und für mich so besonders. Downton Abbey zum Lesen!

Leider habe ich nicht nur positive Parallelen zwischen der Fernseh- und der Buchserie entdecken können. Die Dramaturgie des abschließenden Downton-Abbey-Kinofilms wirkte auf mich nicht ganz ausgefeilt und stimmig und ebenso lässt die Handlung von „Goldsturm“ den roten Faden vermissen. Die Geschichte verliert sich in zu vielen Nebensächlichkeiten, das eine „allumfassende“ immer präsente Thema fehlte und daher erscheint der Roman nicht ganz rund. Rechte Spannung wollte für mich diesmal nicht aufkommen und der Plot dümpelte stellenweise ziemlich vor sich hin. Der aufregende Cliffhanger am Ende kommt zu spät und gleicht den allgemeinen Spannungsmangel nicht aus.

Insgesamt ein unterhaltsamer Roman mit vielen authentischen Figuren, der Einblick in die Zeit der Weimarer Republik gewährt und die Zustände damals recht realistisch und interessant darstellt. An seine Vorgänger kommt „Goldsturm“ aber aufgrund des fehlenden Spannungsbogens definitiv nicht heran. Der dritte Roman „Morgenröte“ wäre für mich das würdige Ende einer Trilogie gewesen. Vielleicht hätte die Serie doch enden sollen, als es am schönsten war....Oder aber - was ich sehr hoffe- die Autorin findet in einem fünften Band zu ihrer alten Stärke zurück.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.03.2020

Toll illustriertes Bilderbuch mit nicht ganz überzeugender, recht schlichter Handlung

Der Sternenmann und die furchtlose Prinzessin Luna
0

Auweia! Der Sternenmann entdeckt, dass ein Komet direkt auf die Sterne und die Erde zurast. Das kann doch nicht gutgehen! In Windeseile fliegt er mit seinen Freunden, dem Hund Carlchen und den Schafen ...

Auweia! Der Sternenmann entdeckt, dass ein Komet direkt auf die Sterne und die Erde zurast. Das kann doch nicht gutgehen! In Windeseile fliegt er mit seinen Freunden, dem Hund Carlchen und den Schafen Willi und Walli direkt zu dem Kometen, um das Unglück zu verhindern. Dabei trifft er auf Prinzessin Luna, die ebenso die Flugbahn des Kometen verändern möchte. Aber alle gemeinsamen Anstrengungen scheitern zunächst und der Komet hält weiterhin Kurs. Ob die Bemühungen von Luna und dem Sternenmann am Ende doch noch von Erfolg gekrönt sein werden?

Die Geschichte ist einfach und gut verständlich formuliert, Kinder ab drei Jahre dürften keine Schwierigkeiten haben, das Geschehen zu verfolgen. Mitunter erscheint mir die Sprache aber etwas holprig, da heißt es zum Beispiel auf Seite acht „Noch nie hat er eine Prinzessin von so Nahem gesehen“. Hier hätte ich mir eine elegantere Formulierung gewünscht.

Die Geschichte hat meinen Kindern (4, 6 und 8 Jahren) gut gefallen. Sie mochten die einzelnen Charaktere wie den Sternenmann, Luna, den Mondmann oder die Tiere und haben sich am Ende gefreut, dass alles gut ausgeht. Mir als Erwachsene war die Handlung allerdings zu simpel und stellenweise unlogisch. Vor allem das Ende wirkte auf mich etwas zu „bemüht“ und „gewollt“. Liebe und Zuneigung sind zweifelsohne existentiell in unserem Leben, aber die Moral des Buches - „Liebe versetzt Berge, ja Kometen“- hätte etwas weniger plump und dafür subtiler vermittelt werden können. Meine Kinder haben diesen Punkt aber nicht kritisiert und sie stellen letztendlich ja die Zielgruppe dar.

Marta Balmaseda hat Max von Thuns Geschichte ganz bezaubernd illustriert: liebevoll, detailliert und sehr farbenprächtig. Von den außergewöhnlich schönen Bildern sind wir alle in der Familie begeistert.

Alles in allem ein hübsches Bilderbuch mit recht schlichter Geschichte, das Kinder sicherlich immer wieder gerne zu Hand nehmen und anschauen werden. „Der Sternenmann und die furchtlose Prinzessin Luna“ ist aufgrund des überschaubaren Textumfangs und des Themas sehr gut als Gute-Nacht- und Einschlafgeschichte geeignet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere