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Veröffentlicht am 04.06.2020

Selten gibt es so eine starke Charakterentwicklung in einem Roman

Forever Free - San Teresa University
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„Freiheit. Sie schmeckt wie Vanilleeis und Eiskaffee. Sie klingt nach Wellenrauschen und wildem Stimmengewirr. Sie fühlt sich wie warmes Sonnenlicht auf meiner Haut an, das mich mit einem schmerzhaften ...

„Freiheit. Sie schmeckt wie Vanilleeis und Eiskaffee. Sie klingt nach Wellenrauschen und wildem Stimmengewirr. Sie fühlt sich wie warmes Sonnenlicht auf meiner Haut an, das mich mit einem schmerzhaften Ziehen vor dem kommenden Sonnenbrand warnt. Und sie riecht nach Meersalz und ein wenig nach Streetfood. Aber das Wichtigste ist, dass sie sich fantastisch anfühlt.“

Forever Free wird wie so viele andere College-New Adult Romane vorgestellt und in gewisser Weise ist er es ja auch was. Was diesen Roman jedoch so besonders macht sind die Charaktere und ihre Entwicklung. Direkt mit dem ersten Kapitel lernt der Leser Raelyn und ihren Wunsch nach Freiheit kennen. Sie wirkt extremst schüchtern, unbeholfen und vielleicht ein bisschen naiv. Es fällt ihr äußerst schwer in der Universität Anschluss zu finden, sodass ihr Start nicht leicht ist. Ich kann hier jeden Leser verstehen, der Raelyn unsympathisch und zu naiv findet. Im ersten Moment habe ich mich hier auch gefragt, ob sie ihr bisheriges Leben hinter dem Mond gelebt hat, aber ihr Verhalten wird nach und nach immer besser erklärt, sodass es auf mich authentisch gewirkt hat. Hier empfehle ich offen zu sein und einfach abzuwarten.

Raelyn ist für mich ein sehr starker Charakter und ihr wird sehr viel Raum in der Geschichte eingeräumt. Das Buch ist kein klassischer Liebesroman, in dem die Paarbeziehung im Vordergrund steht, sondern es geht vor allem um ihre Entwicklung und die Gründe hinter ihrem Freiheitsdrang. Fast die gesamte erste Hälfte dreht sich ausschließlich um sie. Wer hier viel Action erwartet, kommt wahrscheinlich zu kurz, dafür kann ich eine realistische Entwicklung und einen wundervollen Schreibstil mit einer Liebe zum Detail versprechen.

Ein Teil des Buches ist auch aus Hunters Sicht geschrieben. Er ist auch ziemlich komplex, aber ihm wird nicht ganz so viel Platz eingeräumt. Mich hätte hier auch noch mehr sein familiärer Hintergrund interessiert, aber ich kann auch verstehen, dass hier nicht jeder Charakter bis in das kleinste Detail durchleuchtet werden kann. Er war mir auch sehr sympathisch und hatte ein paar schöne, menschliche Makel.

Mit dem Buch wird ein kleiner Freundeskreis vorgestellt. Raelyn findet in zwei Studentinnen April und Kate wirklich gute Freundinnen. Als Leser habe ich hier schon einen Eindruck bekommen, dass auch in April und Kates Leben nicht alles rund läuft. Ich freue mich somit sehr in dem zweiten und dritten Teil ihre Geschichte kennenzulernen und hoffentlich auf ebenso komplexe Charaktere zu stoßen.

Auch wenn es eine eher ruhige Geschichte war, hat sie mich vollkommen mitgerissen. Es werden hier viele alltägliche Themen, aber auch komplexe Probleme wie ein Kontrollzwang oder eine extreme Unsicherheit vorgestellt. Hier gab es einen gute Mischung zwischen lockeren Unterhaltungen und tiefgründigen Gedanken. Auch wenn es viele College-Romane gibt, hat mich dieser besonders begeistert. Von mir gibt es hier eine eindeutige, uneingeschränkte Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 21.04.2020

Das Buch hat alles, was ich mir von einer Liebesgeschichte wünsche

Never Too Late
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„Wer bist du wirklich, Zoé Camara…? Wer versteckt sich hinter dieser derben Sprache und diesem abweisenden Blick?“ Keine Ahnung, denke ich. Früher glaubte ich, es zu wissen; ein fröhliches, lustiges, sorgloses ...

„Wer bist du wirklich, Zoé Camara…? Wer versteckt sich hinter dieser derben Sprache und diesem abweisenden Blick?“ Keine Ahnung, denke ich. Früher glaubte ich, es zu wissen; ein fröhliches, lustiges, sorgloses und vor allem verliebtes Mädchen. Verliebt wie verrückt. Später habe ich gelernt, mein Herz zu verstecken damit es mir nicht noch mal gebrochen wird. Bryan und Sarah haben mir gereicht. „Nur ein Mädchen, das zu überleben versucht.“

Bei vielen New Adult Romanen ist es mittlerweile so, dass in einem ersten Buch ein Freundeskreis vorgestellt wird und dann jeder Band von eine andere Hauptfigur handelt. Zunächst dachte ich, dass dies hier genauso ist. In „Never Too Close“ hat der Leser bereits Zoe und Jason kennengelernt, was jedoch in diesem Buch anders ist, ist dass es nicht nach dem ersten Teil spielt, sondern parallel dazu. Dies fand ich an vielen Stellen sehr interessant. So weiß der Leser zwar bei manchen Ereignissen, was passiert wie Violettes Geburtstagsparty, Zoes Bruder oder dem großen Hausbrand, aber bei vielen Dingen weiß der Leser auch überhaupt nicht was passiert, weil Violette ja auch nicht alles von Zoe mitbekommen hat. Es ist schön, wie hier die beiden Sichten perfekt zueinander passen.

Zoe hatte ich bis dato als eine sehr selbständige Person mit einer großen Liebe für Haute Couture und vielen Familienproblemen kennengelernt. Allein daraus hätte die Autorin schon einen tiefgründigen, vielschichtigen Charakter bauen können. Tatsächlich geht sie hier noch weiter und schafft eine Figur, die sehr komplex ist und durch die sie es schafft einige Tabuthemen anzusprechen. In dem Buch werden durchaus Themen angesprochen, die sonst in der Literatur nicht allzu häufig diskutiert werden. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen.

Im Gegensatz zu Zoe hat Jason deutlich weniger Probleme, was ihn jedoch nicht weniger sympathisch oder komplex macht. Auf den ersten Blick wirkt er sehr flach und so, als ob er nie viel nachdenken würde. Tatsächlich ist er aber ein reflektierter, realistischer Charakter. Er ist der beste Freund, den ich mir direkt in meinem Leben wünschen würde. Er ist so gutmütig, zu tausend Prozent verlässlich und hat zu dem noch einen sehr coolen Humor. Er ist mir eindeutig ans Herz gewachsen.

Der erste Teil hat mich gut unterhalten und ich mochte ihn sehr, aber die Fortsetzung hat meine Erwartungen komplett übertroffen. Diese Geschichte hat mir noch besser gefallen und mich berührt. Das Buch hat einfach alles, was ich mir in einer Liebesgeschichte wünsche – komplexe Charaktere, Emotionen, Tiefgang und viel Spannung. Es ist ein ausgesprochen guter Mix aus all dem, ohne dass es von einem zu viel gibt. Das Buch ist eben nicht kitschig, hat zu viel Drama oder besteht nur aus Bettszenen. Damit steigt die Autorin noch mehr in meiner Achtung, weil sie hier perfekt die Balance gehalten hat.

Alles in allem ein sagenhaftes Buch, das ich allen Fans von New Adult Romanen nur wärmstens empfehlen kann. Es lohnt sich in jedem Fall Zoes und Jasons Geschichte zu lesen - auch ohne, dass man den ersten Teil kennt.

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Veröffentlicht am 07.03.2020

Ein Crescendo an Gefühlen

A Wish for Us
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„Ich starrte auf das Klavier. Die Tasten starrten zurück, und ich spürte den vertraten, stechenden Schmerz von Verlust, der mir den Atem raubte. Die Emotionen, die ich sorgsam in mir gefangen hielt, drohten ...

„Ich starrte auf das Klavier. Die Tasten starrten zurück, und ich spürte den vertraten, stechenden Schmerz von Verlust, der mir den Atem raubte. Die Emotionen, die ich sorgsam in mir gefangen hielt, drohten sich Bahn zu brechen. Aber ich konnte mich nicht ihnen und dem hier stellen. Ich atmete Bonnies Duft ein und versuchte, nicht die Kontrolle zu verlieren.“

Der Name Tillie Cole war mir bereits bekannt. Ob bei „All your kisses“ oder den „Hades‘ Hangman“ hat es die Autorin geschafft mit ihren Geschichten viele Emotionen bei mir zu wecken. Außerdem fand ich es ansprechend, dass sie in ihrem Stil wandlungsfähig ist und es schafft zu überraschen. Da war es keine Frage, dass ich das neue Buch ebenfalls lesen wollte.

In dieser Geschichte geht es vor allem um die Musik und welche Emotionen mit ihr ausgedrückt werden können. Für Bonnie ist die Musik ihr größter Lebenstraum. Sie möchte etwas schaffen, das andere Menschen bewegt und das ihnen in Erinnerung bleibt. Cromwell hat schon einiges in seinem Leben erreicht. Für ihn ist die Musik eine Flucht vor all den Gefühlen. So unterschiedlich ihre Beweggründe auch sind, führen sie sie doch beide an den gleichen Ort.

Bei dem Buch finde ich sehr gut, dass der Klappentext noch nicht zu viel vorweggreift, sodass es für den Leser noch einige Überraschungen gibt. Teilweise dachte ich schon fast, dass es zu viele Überraschungen und zu viel Drama gibt. Dieser Eindruck hat sich jedoch schnell gelegt und ich bin vollkommen von der Handlung gefesselt gewesen. Jedes Seite hat mich weiter auf einer emotionalen Achterbahn mitgenommen. Ich habe mich in die Musik verliebt – natürlich auch ein bisschen in Cromwell und seine düstere Art – ich habe mitgefiebert sowie geweint und ich habe ganz dolle auf ein Happy End gehofft.

Auch wenn das Jahr noch jung ist, ist es definitiv schon jetzt ein Jahreshighlight für mich. Es kommt selten vor, dass ein Buch so viele Emotionen in mir weckt. Ich gehe davon aus, dass mir Cromwells und Bonnies Geschichte noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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Veröffentlicht am 03.03.2020

Tisch für zwei, bitte!

The Problem With Him
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Das Lilou als Restaurant und all seine Sterneköche habe ich schon in den anderen Büchern lieben gelernt. Wyatt kam in den anderen Teilen schon als Nebencharakter vor, sodass er bereits bekannt war. Kaya ...

Das Lilou als Restaurant und all seine Sterneköche habe ich schon in den anderen Büchern lieben gelernt. Wyatt kam in den anderen Teilen schon als Nebencharakter vor, sodass er bereits bekannt war. Kaya war da im Vergleich noch eher farblos. Dies ist jedoch nicht lange der Fall geblieben. Sie ist unabhängig, ambitioniert und einfach nur liebenswert. Auch wenn ich das gefühlt bei jedem Buch gesagt habe, waren die beiden Hauptcharaktere mein Lieblingspärchen der Reihe.

Wie bei den anderen Teilen spielt Essen eine große Rolle. Hier finde ich es immer wieder faszinierend wie es die Autorin schafft, dass man sich als Leser jedes dieser Gerichte nicht nur bildlich, sondern auch vom Geschmack her vorstellen kann. Ich würde sehr gerne die kleinen Tapas aus dem Sarita probieren oder die schick angerichteten Haute Cousine im Lilou kosten. Diese Beschreibungen sind echt eine Stärke der Autorin.

Schön war bei diesem Teil auch, dass der Leser noch mehr mitbekommt, wie es eigentlich in einer Sterneküche zugeht. Im ersten Band gab es nur den Food Truck, im zweiten das Management und hier bekommt der Leser das erste Mal einen richtigen Einblick wie stressig der Alltag eines Kochs ist und welche Aufgaben es alle in einer großen Küche gibt.

Als gute Freundin von Kaya bekommt Dillon auch einiges an Raum in dieser Geschichte. Von ihr wird auch der vierte Teil handeln. Auf diesen freue ich mich schon sehr und bin gespannt, ob dieser Band noch eine Steigerung wird – obwohl ich kaum glauben kann, dass dies noch möglich ist. Ich kann es in jedem Fall kaum noch erwarten einen weiteren kulinarischen Lesegenuss zu erleben.

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Veröffentlicht am 21.02.2020

Ein außergewöhnlicher, bewegender Roman!

180 Seconds - Und meine Welt ist deine
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„Ich wünschte, ich könnte das Leben mit offenen Armen empfangen. Ich wünsche mir so vieles, von de mich nicht weiß, ob ich es bekommen kann. Vielleicht könnte ich es versuchen, aber ich habe keine Ahnung, ...

„Ich wünschte, ich könnte das Leben mit offenen Armen empfangen. Ich wünsche mir so vieles, von de mich nicht weiß, ob ich es bekommen kann. Vielleicht könnte ich es versuchen, aber ich habe keine Ahnung, wie ich es anstellen soll.“

Allison hatte definitiv keinen leichten Start ins Leben. Sie wurde von einer Pflegefamilie zur nächsten weitergegeben und die einzige Konstante war sie selber. Schon früh hat sie gelernt, dass sie sich auf keinen verlassen hat. Dementsprechend hat sie zum Selbstschutz eine große Mauer um sich selbst errichtet. Fremde Menschen meidet sie, was ihr jedoch nicht gelingt, als sie an einem sozialen Experiment teilnehmen soll. 180 Sekundenblickkontakt soll sie mit einem völlig Fremden halten und irgendwie schafft er es sie zu berühren.

Die Kindheit von Allison ist in jedem Fall ganz anders als meine verlaufen. Ich hatte das Glück, dass ich mir immer sicher sein konnte, dass ich erwünscht bin und geliebt werde. Auch wenn mein Leben hier anders war, hat es das Buch geschafft mir die emotionalen Folgen einer Kindheit ohne Sicherheit und Liebe zu vermitteln. Mich hat damit die Geschichte von dem ersten Moment an berührt.

Besonders schön fand ich auch die kleinen sozialen Experimente begeistert, die immer wieder mal auftauchen. Es gibt viele Menschen, die einem beim Sprechen nicht in die Augen schauen, da kann es durchaus eine Herausforderung sein, jemanden für ganze drei Minuten in die Augen zu schauen. Es gibt hier natürlich noch mehr solcher kleinen Experimente.

Die Charakterentwicklung war hier sehr glaubhaft. Es ist nicht so, dass Allison an einem Tag aufwacht und ein geselliger Mensch ist. Es gibt keine Liebe auf den ersten Blick oder plötzlichen Wendungen, die quasi von dem Himmel gefallen. Das hat mir hier ausgesprochen gut gefallen. Alles wirkt authentisch und realistisch.

In meinen Augen war dies eine wunderschöne und bewegende Geschichte. Wer das Buch liest, sollte vielleicht auch ein Paket Taschentücher griffbereit halten, da hier durchaus mal die Augen feucht werden können. Von mir gibt es für diese gefühlvolle Romanze in jedem Fall eine Leseempfehlung.

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