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Veröffentlicht am 26.05.2020

Packender Politthriller

Achtzehn
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Geheimorganisationen regen seit jeher die Phantasie der Menschen an. Ob Freimaurer oder die „Schwarze Hand“, gibt es tatsächlich Vereinigungen, die im Schatten agieren?

In Anton Bergs Thriller „18“ ...

Geheimorganisationen regen seit jeher die Phantasie der Menschen an. Ob Freimaurer oder die „Schwarze Hand“, gibt es tatsächlich Vereinigungen, die im Schatten agieren?

In Anton Bergs Thriller „18“ gibt es eine Vermengung von Fakten und Fiktion. Ein auktorialer Erzähler führt durch das Geschehen. Hat das “ Musterland“ Schweden womöglich auch Schattenseiten? Im Zentrum der Geschichte steht der Mord am schwedischen Ex-Ministerpräsidenten Olof Palme. Der Reporter Axel Sköld glaubt, das Rätsel rund um den mysteriösen Todesfall auflösen zu können, denn er ist sich sicher, den Mörder (auf dessen Konto nach Axels Dafürhalten noch zwei weitere Morde gehen) ausfindig gemacht zu haben. Axel geht auf’s Ganze und publiziert einen Podcast- damit sticht er jedoch in ein Wespennest, wird in seinem metier zur persona non grata, denn Axel hat schier Unglaubliches in Erfahrung gebracht:
Seit dem 18. Jahrhundert scheint ein Geheimbund in Schweden die Strippen zu ziehen. Schon damals war dieser für einen Regizid verantwortlich, und die Zahl 18 spielt eine große Rolle, da sie der Mitgliederzahl entspricht. Der Adel, Wirtschaftsbosse und hochrangige Mitglieder des Militärs beeinflussen seit Generationen die Geschicke Schwedens. Axels Erkenntnisse werden als irre Verschwörungstheorien abgetan, und schon bald befindet er sich in Lebensgefahr…

„18“ von Anton Berg ist meines Erachtens ein äußerst gut gemachter Politthriller, weniger ein „Actionkracher“. Stilistisch ist er ein relativ typischer Krimi, die Sprache des Autors liest sich einfach und flüssig, es gibt keine „Schnörkel“.

Der Roman beginnt recht gemächlich, Figuren werden eingeführt und die Handlung nimmt ihren Lauf. Man sollte als Leser/in ein wenig Geduld aufbringen, denn es geht bald Schlag auf Schlag, die Spannungsschraube wird angezogen und die Geschichte mündet in einem spektakulären Showdown.

Der in der Realität immer noch ungeklärte Mord an Olof Palme ist eine Art nationales Trauma Schwedens. Namhafte Autoren wie Stieg Larsson recherchierten zum Mordfall, und die Tötung des Politikers fand in fiktionalisierter Form Eingang in unzählige Erzählungen, insofern hat Anton Berg mit seinem Krimi sicherlich nicht „das Rad neu erfunden“, aber er präsentiert mit „18“ einen packenden Politthriller, den ich äußerst gern gelesen habe.

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  • Spannung
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Figuren
Veröffentlicht am 17.05.2020

Beatrice trifft Romeo

Friends without benefits (Knitting in the City 2)
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Elizabeth Finney liebt Star Trek, Boygroups und ihren Strickkreis. Die junge Ärztin arbeitet in einem Krankenhaus in Chicago, und zum Stressabbau spielt sie –sehr zum Leidwesen ihres Vorgesetzten Dr. Botstein- ...

Elizabeth Finney liebt Star Trek, Boygroups und ihren Strickkreis. Die junge Ärztin arbeitet in einem Krankenhaus in Chicago, und zum Stressabbau spielt sie –sehr zum Leidwesen ihres Vorgesetzten Dr. Botstein- ihren Kollegen den einen oder anderen Streich. Außerdem versucht sie, ihrer Konkurrentin Meg aus dem Weg zu gehen und mit „Dr. Ken Miles“ warm zu werden.
Als sie eines Tages zu einer neuen Patientin gerufen wird, trifft sie auf den charismatischen Italo-Amerikaner Nico Manganiello/Moretti, mit dem sie seit der Highschool eine Art Hassliebe verbindet.
Nicos Interesse verwirrt die junge Frau, da “The Face“ mittlerweile ein Promi mit einer eigenen (laut Elizabeth „frauenfeindlichen“) Show ist.
Elizabeth zweifelt an sich und an ihren Gefühlen. Doch die Mädels aus dem Strickkreis lassen sich nicht lumpen, wenn es um das Glück einer guten Freundin geht…

„Friends without benefits“ ist der zweite Teil der Reihe „Knitting in the city“. Dieser Band gefiel mir viel besser als der Auftaktband („Love Factually“).
Elizabeth ist eine liebenswerte Protagonistin und die Figuren haben insgesamt mehr Tiefe als die Charaktere aus Band eins (es gibt natürlich auch ein Wiedersehen mit Quinn und Janie aus dem Auftaktband). Der Liebesroman liest sich stellenweise allerdings wie ein Erotikmärchen, dies muss man mögen. Es gibt witzige Szenen und humorvolle Passagen – als „Lizzybella“ während eines Klassentreffens vor versammelter Mannschaft auf einen Stuhl stieg und „das Kind ist von Dir“ brüllte, musste ich richtig lachen. Auch die Wortgefechte, die sich die Protagonisten liefern, gefielen mir gut.
Der Roman war mir bis zum letzten Drittel fünf Sterne wert, dann trug Penny Reid für meinen Geschmack leider zu dick auf. Sätze wie „Anscheinend waren meine Vagina, mein Uterus und meine Eierstöcke Italienerinnen, […]“ sind nicht nach meinem Geschmack, auch wenn das Ganze auf Englisch vielleicht lustiger klingt als auf Deutsch. Außerdem wurde mir die Handlung dann doch ein wenig zu kitschig und auf den Epilog hätte ich auch verzichten können.
Es gab auch unlogische Elemente, etwa eine medizinische Behandlung, die aus einer sterilen Krankenhausatmosphäre in eine (desinfizierte) Wohnung verlegt wurde. Von Chicklit erwarte ich keinem Mann’schen Tiefgang, aber Plausibilität. Auch die „schicke Stalkerin“ fand ich zu überzeichnet. Die Spezialistin für skurrile Figuren in Liebesromanen ist für mich definitiv nicht Penny Reid, sondern Janet Evanovich.
Penny Reids Roman macht aber trotzdem Spaß & ich fühlte mich gut unterhalten! Es geht neben Herzeleid auch um die Kraft der Freundschaft.
„Friends without benefits“ ist ein romantischer Wohlfühlroman - ein wenig Eskapismus kann manchmal nicht schaden.

Fazit:
Ein Liebesroman nicht ohne Tiefgang, es geht neben Liebe und Freundschaft auch um Verlustängste, Gesundheit und Krankheit. Diese Dinge thematisiert die Autorin auf sensible Art und Weise. Auch wenn man zu Beginn der Lektüre schon ahnt, wie das Ganze enden wird, fiebert man doch mit den sympathischen Figuren mit.
Daher vergebe ich vier von insgesamt fünf möglichen Sternen für „Friends without benefits“ und ich spreche trotz aller Kritikpunkte eine Leseempfehlung für Chicklit-Fans aus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.05.2020

Trauerarbeit mit Tanzbär

Pandatage
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An diesem Roman könnten auch Nick Hornby – Fans Gefallen finden. Ein auktorialer Erzähler führt durch das Geschehen, der Stil des Autors liest sich flüssig & einfach.
Der Protagonist Danny Malooney arbeitet ...

An diesem Roman könnten auch Nick Hornby – Fans Gefallen finden. Ein auktorialer Erzähler führt durch das Geschehen, der Stil des Autors liest sich flüssig & einfach.
Der Protagonist Danny Malooney arbeitet auf einer Baustelle, sein Sohn Will wird gemobbt. Es gibt wie im echten Leben Figuren mit Migrationshintergrund, etwa den Ukrainer Ivan, 'Danylos' Kumpel von der Baustelle, oder Mohammed, den Freund seines Sohnes.
Danny ist alleinerziehender Vater, seit seine Frau starb. Als es finanziell eng wird, heuert er als Tanzbär an. In einem Pandakostüm! Erst in diesem Kostüm findet er Zugang zu seinem Sohn Will, der seit der Tragödie regelrecht verstummt ist (Mutter Liz starb bei einem Autounfall, Will saß im Wagen). Trauerbewältigung ist ein zentrales Motiv in „Pandatage“. Der Roman ist lustig, herzerwärmend, stellenweise traurig, jedoch nie kitschig! Es gefiel mir gut, dass hier das ganz normale Leben abgebildet wird, der Kampf der working class. Dabei macht der Autor jedoch nicht den Fehler, sich über die Figuren lustig zu machen, sie werden nie zu Abziehbildern, auch wenn die Gefahr theoretisch besteht. Dannys Tanzkünste verbessern sich erst, als Krystal, die an der Stange tanzt, ihm Nachhilfe gibt. „Pandatage“ würde dem sozialkritischen Regisseur Ken Loach eine gute Vorlage bieten!
Klassenunterschiede, Diskriminierung und Mobbing werden tangiert, das Ganze wird jedoch nie in klischeehafter Weise thematisiert.

Fazit:
Ein herzerwärmender, tragikomischer Roman! Mit dem rosigen Ende konnte ich gut leben, da es neben aller Komik auch Tiefgang gibt. Stilistisch ist es vielleicht nicht der ganz große Wurf, die liebenswerten Figuren und der interessante plot machen dies jedoch wieder wett.
Auch wenn die Geschichte in gewisser Weise vorhersehbar ist, hat mich der Roman gut unterhalten. Daher vergebe ich für „Pandatage“ von James Gold-Bourn vier von insgesamt fünf möglichen Sternen.

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Veröffentlicht am 08.04.2020

Toller Schmöker mit Schauerelementen

The Doll Factory
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„The Doll Factory“ ist ein Schmöker, der zeitlich in der Epoche des Viktorianismus angesiedelt ist. Ich liebe britische Schauerromane (dieser Roman hätte figurentechnisch auch aus der Feder von Charles ...

„The Doll Factory“ ist ein Schmöker, der zeitlich in der Epoche des Viktorianismus angesiedelt ist. Ich liebe britische Schauerromane (dieser Roman hätte figurentechnisch auch aus der Feder von Charles Dickens stammen können, man denke nur an den Straßenjungen Albie!).
Schon das wunderbar gestaltete Cover animiert zur Lektüre und es lässt auch gewisse Rückschlüsse auf die Handlung zu. Nomen est Omen – im London der 1850er Jahre geht Iris unter härtesten Bedingungen in einer Puppenmanufaktur (doll factory) dem Broterwerb nach. Sie hat eine Zwillingsschwester namens Rose. Das Schicksal hat es nicht gut gemeint mit Rose. Doch Iris hat trotz ihres harten Daseins noch Träume – sie wäre gerne Künstlerin, und als sie den Maler Louis Frost trifft, rückt die Realisierung ihres Traumes in greifbare Nähe. Außerdem verbindet sie mit Louis nicht nur die künstlerische Ader. Aber der Roman wäre keine (Neo)Gothic Novel, wenn nicht ein finsterer Geselle namens Silas sein Unwesen treiben würde …
Der Autorin gelingt es, ein stimmiges Portrait der Zeit zu zeichnen. So findet etwa auch die Weltausstellung Erwähnung. Reich und Arm sind gut beschrieben, der junge Albie etwa träumt von einem neuen Gebiß; die Unterschicht schwelgt gewiss nicht im Reichtum und die beginnende Industrialisierung lässt die Menschen schuften.
Die Erzählung ist nicht unspannend und stellenweise düster; es wird eine beinahe gruselige Atmosphäre evoziert. Auch Stil und Sprache gefielen mir gut, wechselnde Perspektiven führen durch’s Geschehen. Die Kapitel sind aber stellenweise recht kurz, und ich fand das Tempus etwas gewöhnungsbedürftig.
Die Horrorelemente gefielen mir aber sehr, und das Ganze entwickelte sich zum historischen Thriller, der in einem eher offenen Ende mündete.

Fazit:

„THE DOLL FACTORY“ von Elizabeth MacNeal hat mich klasse unterhalten, da ich mit den gut ausgearbeiteten Figuren mitfiebern konnte und in eine längst vergangene Ära „abtauchen“ durfte.

Ich vergebe vier von insgesamt fünf möglichen Sternen für die Erzählung!

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  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 01.04.2020

Geheimnisse in Großbritannien

Die stummen Wächter von Lockwood Manor
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„[…] Unter ihren dunklen Augen lagen müde Ringe, die das leichte Puder, das sie verwendete, kaum verdeckte, ihre Wangen waren mit Sommersprossen übersät, ihr Kinn war eckig und ihr roter Lippenstift makellos ...


„[…] Unter ihren dunklen Augen lagen müde Ringe, die das leichte Puder, das sie verwendete, kaum verdeckte, ihre Wangen waren mit Sommersprossen übersät, ihr Kinn war eckig und ihr roter Lippenstift makellos aufgetragen. Sie gehörte zu jenen schönen Frauen, die jeder Makel noch schöner macht – eine kleine Narbe an ihrem Kinn, das linke Ohr bog sich um eine Winzigkeit weiter nach außen als das rechte –, und aus irgendeinem Grund überraschte es mich, ausgerechnet jemanden wie sie in dieser gesetzten Umgebung anzutreffen, aber da man ja nie wusste, wem man an welchem Tag zum ersten Mal begegnet, verstand ich nicht recht, weshalb sie mich derart aus dem Konzept brachte...“



Im Jahr 1939 muss die dreißigjährige Kuratorin Hetty Cartwright eine Sammlung des Londoner Natural History Museum retten. Der Zweite Weltkrieg wirft seinen Schatten voraus. Die Exponate werden in ein verfallenes Herrenhaus gebracht, nach Lockwood Manor. (Es muss nicht immer die „Kinderlandverschickung“ sein, wenn Geschichten aus den 1940er Jahren erzählt werden!). Dort führt ein Witwer ein eisernes Regiment. Mit Lord Lockwood ist nicht zu spaßen; besonders seine sensible Tochter Lucy leidet unter seiner Tyrannei. Auf Lockwood Manor ticken die Uhren anders als in der modernen britischen Metropole, wie Hetty verblüfft feststellen muss.

Als die ausgestopften Tiere scheinbar nachts umherwandern und sogar zerstört werden, steht fest – es gibt Geheimnisse, die es zu ergründen gilt…

Jane Healeys Debutroman steht in der Tradition des englischen Schauerromans, außerdem präsentiert Healey eine Geschichte mit feministischem Unterton. Hetty und Lucy könnten unterschiedlicher nicht sein – die eine ist eine resolute Person, die sich in einer Männerdomäne durchsetzen muss, die andere eine überaus ängstliche junge Frau; die Gegensätzlichkeit der Figuren fand ich spannend. Überhaupt muss man sagen, dass die Figuren für das Geschehen wichtiger sind als der plot, einen Roman, in welchem die Handlung dominiert, sollte man also nicht erwarten. Die Grundidee von „Die stummen Wächter von Lockwood Manor“ gefiel mir sehr gut, der Anfang war spannend und das Ende einigermaßen überraschend. Obwohl es Längen und Wiederholungen in der Erzählung gab, habe ich die Lektüre nicht bereut, da ich in eine längst vergangene Zeit „abtauchen“ konnte.



Fazit:

Ich – Erzählerinnen führen durch das Geschehen, der bildhafte Stil der Autorin gefiel mir sehr gut. „Die stummen Wächter von Lockwood Manor“ hat mich trotz kleiner Schwächen gut unterhalten!

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