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Veröffentlicht am 31.08.2020

Laetitias neuer Fall verlangt der Pfarrerswitwe und Hobbydetektivin alles ab. Unbedingt lesen! Eine rundum gelungene Cosy-Histo-Crime-Reihe.

Die Schatten von Freshley Wood
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England im Jahre 1851:

Die Pfarrerswitwe Laetitia Rodd, hat, seit ihrem ersten Fall, in dem sie sich in detektivischer Hinsicht erfolgreich betätigen konnte, sprichwörtliches Blut geleckt und ist sofort ...

England im Jahre 1851:

Die Pfarrerswitwe Laetitia Rodd, hat, seit ihrem ersten Fall, in dem sie sich in detektivischer Hinsicht erfolgreich betätigen konnte, sprichwörtliches Blut geleckt und ist sofort Feuer und Flamme, als ihr Bruder, ein gewitzter und findiger Rechtsanwalt, sie darum bittet für einen todkranken Mandanten, eine wichtige Person aufzuspüren. Denn Joshua Welland, einst ein cleverer aber bettelarmer Oxford-Student, hatte sich mit seinem älteren Bruder Jacob, nachdem dieser die Frau die Joshua liebte heiratete, überworfen und den gemeinsamen Kontakt abgebrochen. Die abwegigsten Gerüchte sind über den jungen Mann im Umlauf. So soll er sich in den Wäldern herumtreiben und sich versteckt halten, weil er glaubt, jemand trachte ihm nach dem Leben.

Laetitia, die einen großzügigen finanziellen Vorschuss erhalten hat, macht sich sogleich auf den Weg, denn sie fürchtet, dass Joshuas Bruder nicht mehr viel Zeit bleiben wird. Doch ihre Ermittlungen gestalten sich schwierig. Joshua bleibt zunächst unauffindbar. Einziger Lichtblick, Laetitia kommt, während sie nach dem ehemaligen Studenten sucht, bei Freunden unter. Schnell stellt sie jedoch fest, dass das Pfarrerehepaar, das sie einst verkuppelte, keinesfalls so glücklich ist, wie es den Anschein hat. Der fromme Pfarrer übertreibt es ein wenig mit seiner Passion und bevor Laetitia ihm die Leviten lesen kann, wird er ermordet aufgefunden. Ausgerechnet dessen Witwe, Laetitias Freundin und ein Pfarrersanwärter, geraten ins Visier der Ermittler und schon bald sieht es so aus, als würde ihnen beiden die Todesstrafe drohen. Kann Laetitia das verhindern und den wahren Schuldigen finden? Aber vor allem, wird sie den todkranken Bruder von Joshua Welland doch noch aufspüren können? Als Laetitia gerade etwas Licht ins Dunkel gebracht hat, geschieht ein weiterer Mord…

Nachdem ich vergangenes Jahr eher zufällig auf den ersten Teil der Histo-Krimi Reihe von Kate Saunders, „Das Geheimnis von Wishtide Manor“, stieß, der mir außerordentlich gut gefallen hatte, freute ich mich sehr, als ich sah, dass der Verlag für Juli einen zweiten Teil ankündigte. Natürlich war es für mich sonnenklar, dass ich diesen zweiten Teil unbedingt lesen wollte.
Auch „Die Schatten von Freshley Wood“, besticht mit einem ansprechenden Romancover, das sehr atmosphärisch wirkt- genauso atmosphärisch ist die Zeitepoche eingefangen worden, in der die Geschichte spielt. Dazu hat die Autorin einfach einen wunderbaren Schreib/Erzählstil, flicht, mühelos wirkend, das nötige historische Kolorit ein, erwähnt beispielsweise Liedgut der damaligen Zeit, Benimmregeln etc. so dass man sich direkt ins Jahr 1851 hineinkatapultiert fühlt beim Lesen. Der Roman wird erneut, aus Laetitias Sicht erzählt, also in der „Ich-Form“. Zugegeben, es mag einige Leser geben, die diese besondere Form des Erzählens nicht mögen, doch ich finde sie, gerade hier, sehr passend. Man bekommt viele Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt der Romanheldin geboten und weil Laetitia eine so interessante und amüsante Akteurin ist und was noch wichtiger ist, einen bestechenden trockenen Humor an den Tag legt, mag man den Roman kaum zur Seite legen.

Der Kriminalfall entwickelt sich gemächlich. Zunächst geschehen mehrere Dinge, die auf den ersten Blick gar nicht zusammenzuhängen scheinen, so dass ein ungeduldiger Leser womöglich versucht sein sollte, neugierig auf den letzten Seiten des Romans zu linsen. Das sollte man aber tunlichst unterlassen! Die Autorin hat sich nämlich eine wahnsinnig unfangreiche Story ausgedacht, die man sich in den kühnsten Träumen nicht hätte denken können und es wäre doch schade darum, wenn man sich, viel zu früh, um das Vergnügen bringen würde, die von Kate Saunders am Ende des Romans so kunstvoll verknüpften Handlungsfäden, vorab ergründen zu wollen.
Es lohnt sich wirklich, abzuwarten und ein Teechen zu trinken, vertraut mir!
Wer soviel Freude daran hat wie ich, einen Histo-Krimi zu lesen, der auch sprachlich viel historisches Flair verströmt und der auch leise Cosy-Krimis zu schätzen weiß, sollte dieser Reihe unbedingt eine Chance geben. Ich hoffe sehr, dass noch viele weitere Bände folgen werden und spreche auch für den zweiten Teil der Serie eine absolute Leseempfehlung aus.

Kurz gefasst: Laetitias neuer Fall verlangt der Pfarrerswitwe und Hobbydetektivin alles ab. Unbedingt lesen! Eine rundum gelungene Cosy-Histo-Crime-Reihe.

Laetitia Rodd Reihe:

1. Teil: Das Geheimnis von Wishtide Manor
2. Teil: Die Schatten von Freshley Wood

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Veröffentlicht am 29.07.2020

Willow und Tom- Ein einfach nur wunderbarer, sehr berührender Roman, der unter die Haut geht.

Veranda zum Meer
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Willow Longville lebt mit ihrer demenzkranken Mutter Lynnie, im beschaulichen englischen Örtchen Budbury. Sie liebt ihren Heimatort, aber vor allem, die liebenswürdigen Nachbarn und Freunde, die ihr auch ...

Willow Longville lebt mit ihrer demenzkranken Mutter Lynnie, im beschaulichen englischen Örtchen Budbury. Sie liebt ihren Heimatort, aber vor allem, die liebenswürdigen Nachbarn und Freunde, die ihr auch in schwierigen Zeiten stets helfend unter die Arme greifen. Obwohl Willow als quirliges, humorvolles Mädchen bekannt ist, verlangt ihr die Sorge um Lynnie einiges ab. Doch Willow und ihre Mutter haben es gelernt, von Tag zu Tag zu leben. Denn manchmal ist Lynnie auch ganz die alte und an Tagen, wenn es ihr schlecht geht, nimmt sie ihr Notizblock in die Hand, in dem sämtliche Lebensverbindungen aufgeschrieben stehen und versucht, ihre verwirrten Gedankengänge wieder auf Spur zu bringen, was sogar ab und an gelingt. Dennoch wäre Willow insgeheim froh über die Unterstützung ihrer Geschwister. Doch diese leben weit verstreut, teils in anderen Ländern und sie zögert, diese zu informieren. Denn sie will ihnen nicht auch die Freiheit nehmen. Zudem fürchtet sie, dass ihre Geschwister womöglich unangemessen auf den Gesundheitszustand ihrer Mutter reagieren könnten.

Als das Haus auf dem Hügel, ein gruseliges altes, leer stehendes Herrenhaus, das einst als Kinderheim betrieben wurde, von einem jungen Mann gekauft wird, der das Gebäude renovieren möchte, ahnt Willow noch nicht, dass es sich hier keinesfalls um einen Fremden handelt. Einst war Tom ein Bewohner des Hauses und hatte das Pech, der kleinen Willow zu begegnen, die dachte, sie habe einen ruhelosen Geist vor sich und ihm schreiend die Tür vor der Nase zuschlug.
Mittlerweile ist Tom zu einem attraktiven Mann herangewachsen und als Willow, die eine Reinigungsfirma hat und im Haus putzen soll, auf ihn trifft, stimmt sogleich die Chemie zwischen ihnen. Tom ist zwar ein hochintelligenter Nerd, doch er hat Humor und liebt die gleichen TV Serien wie Willow. Doch Willow traut sich nicht, von einer möglichen Liebesbeziehung zu träumen. Denn ihre Mutter hat Vorrang…

Vor einiger Zeit las ist die ersten beiden Teile der „Comfort Food Cafe“ Reihe, „Weihnachten mit dir“ und „Frühstück mit Meerblick“, die mich ziemlich begeistert haben. Zwar handelt es sich hier um leichte Unterhaltungslektüre, die Wohlfühlatmosphäre verströmen soll, doch ist es Debbie Johnson zu meiner großen Freude dennoch gelungen, thematisch für eine gewisse Tiefe zu sorgen. Als ich daher jüngst auf den vierten Teil der Reihe im Buchladen stieß in dem Willows Story erzählt wird, wurde ich daher neugierig, kaufte mir das Buch kurzerhand und habe es auch nicht bereut. Übrigens braucht man nicht alle Teile der Reihe zu kennen, wenn man zu diesem Roman greift, denn die Autorin versäumt es nicht, sämtliche Haupt- und Nebenfiguren aus Vorgängerbänden erneut vorzustellen, ihre Verbindungen untereinander zu erläutern, so dass man stets im Bilde ist.

Mit Willow hat Debbie Johnson eine sehr sympathische, charismatische Romanheldin geschaffen, die man einfach auf Anhieb in sein Leserherz schließt. Da der Roman aus Willows Sicht, in Ich- Form geschildert wird, lernt man Willow, die einen tollen Humor hat, sehr gut kennen und kann sich gut in die Hauptfigur dieses Romans hineinversetzen. Aber was ich noch wichtiger fand, Lynnies Krankheit ist hier nicht nur Nebensache, die Autorin zeigt ganz genau auf, mit welchen Sorgen und Schwierigkeiten Patienten und auch Angehörige zu kämpfen haben, wie sehr man gefühlsmäßig leidet und das Freunde und Leid an manchen Tagen nah beieinander liegen. Auch das Rätsel um Willows eigenwillige Haarfarbe wird in diesem Roman gelöst. Die Auflösung hat mir sogar ein paar Tränen entlockt, überhaupt habe ich beim Lesen dieses Buches viel weinen müssen.

Trotz des Themas ist der Unterton des Romans hoffnungsvoll und heiter, Mut machend und ich war sehr berührt von dieser tollen, unter die Haut gehenden Geschichte, die sich auch gut als Verfilmung machen würde. Was mir ebenfalls gut gefallen hat, mit Tom hat die Autorin ihrer Romanheldin einen Romanhelden an die Seite gestellt, der gottlob kein grober Klotz ist, sondern sehr einfühlsam auf Willow eingeht. So entwickelt sich eine bittersüße Romanze, die aber nicht nur nebenbei abgehandelt wird, sondern ebenfalls ein wichtiger Bestandteil in dieser Geschichte darstellt. Fans von heißen Liebesszenen sollten aber gewarnt sein, dass alles, was sich hinter der Schlafzimmertür abspielt, der Phantasie des Lesers überlassen bleibt.
Ich fand das völlig okay, denn auch so kann „Veranda zum Meer“ für ausreichend Romantik sorgen. Die Autorin legt die Messlatte bezüglich sogenannter Hygge-Lektüre sehr hoch, denn sie zeigt, dass ein Wohlfühlroman auch mit Tiefgang und spannenden Charakteren überzeugen kann, statt mit Backrezepten oder malerischen Urlaubsregionen allein, Leser gewinnen zu wollen. Letzteres habe ich mittlerweile nämlich ziemlich über, denn was nützen die tollsten Rezepte, wenn die Story substanzlos und austauschbar bleibt?

Kurz gefasst: Willow und Tom- Ein einfach nur wunderbarer, sehr berührender Roman, der unter die Haut geht.

Comfort Food Café Reihe:

1. Teil: Weihnachten mit dir
2. Teil: Frühstück mit Meerblick
3. Teil: Schlittschuh und Mandelduft
4. Teil: Veranda mit Meerblick
5. Teil: Cafeglück am Meer
6. Teil: Weihnachten mit Zimt und Happy End (09/21)

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Veröffentlicht am 17.07.2020

Atmosphärische Piratenromance mit viel Herz, Spannung und Romantik!

Der Pirat und das Mädchen
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Magdalena, die schöne, illegitime Tochter des Earl of Warrant und dessen jüngst verstorbener Geliebter Maura, sieht einer ungewissen Zukunft entgegen. Sie fürchtet dass sie, nach dem Tod ihrer Mutter, ...

Magdalena, die schöne, illegitime Tochter des Earl of Warrant und dessen jüngst verstorbener Geliebter Maura, sieht einer ungewissen Zukunft entgegen. Sie fürchtet dass sie, nach dem Tod ihrer Mutter, für ihren Vater nur noch ein lästiges Anhängsel ist und bangt um ihre Wohnstätte. Und so ganz falsch liegt Magdalena mit ihren düsteren Vermutungen auch nicht. Der Earl befiehlt ihr, nur wenige Tage später, ein Schiff zu besteigen das sie in die Karibik bringen soll. Denn dort lebt der einflussreiche Gouverneur von St.Kitts, Don Bernardino, der Magdalena zu heiraten gedenkt.
Magdalena ist wie erstarrt, doch sie fügt sich den Wünschen ihres Vaters. Der Komfort auf dem Schiff lässt nichts zu wünschen übrig, doch dann werden sie ausgerechnet vom gefürchteten Schrecken des karibischen Meeres, Black Brian, höchstpersönlich, überfallen. Weil Magdalena auf ihrer Reise, bereits viel über den angeblich so grausamen Piraten erfahren hatte und nun um ihr Leben bangt, lässt sie sich zu einer Verzweiflungstat hinreißen. Sie kürzt ihr langes Haar und schlüpft in weite Männerkleidung.

Black Brian, der sie nach dem Kampf auf dem Schiff begutachtet und sie für einen jungen, unreifen Mann hält, bietet ihr an, fortan auf seinem Schiff zu arbeiten. Da Magdalena wenig Lust verspürt, Don Bernardino, einen Mann, den sie noch nicht einmal kennt, zu heiraten und sie zum ersten Mal in ihrem Leben die Chance sieht, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, nimmt sie Black Brians Offerte an. Sie ahnt zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht, dass der Pirat ihr mehr unter die Haut gehen wird, als ihr anfangs lieb ist.
Währenddessen wundert sich Brian über sein neues Mannschaftsmitglied, dass durchaus fleißig ist, aber doch so schamhaft wie ein Mädchen…

Diese Historical Romance, der Autorin Ivy Paul, erschien bereits im Jahre 2017 im Plaisir D’Amour Verlag unter dem Titel „Der Pirat und das Mädchen“. Hier handelt es sich jedoch um die neu überarbeitete Fassung nach Rechterückgabe. „Pirates Treasure“, wird Fans, die historische Piratenromances lieben, auf die sie lange verzichten mussten, da die deutschen Verlage ja zur Zeit leider hauptsächlich Regencyromances veröffentlichen, bestimmt so begeistern, wie mich. Denn die Autorin hat mit Magdalena und Brian ein sympathisches Heldenpaar geschaffen, das man schnell in sein Leserherz schließt.
Während Magdalena zwar bislang ein behütetes Leben führte, aber dennoch viel Mut und Geschick beweist auf hoher See, ist Brian schonungslos offen. Er weiß genau, dass viele seiner Taten unrecht waren und bestreitet es auch nicht, dass er bereits im Notfall töten musste, um im „Geschäft“ zu bleiben, doch hat er sich einen Ehrenkodex bewahrt und kümmert sich gut um seine Piratencrew. Ich fand die verbalen Schlagabtausche zwischen der schnell aufbrausenden, temperamentvollen Magdalena und dem eher ruhigen, überlegt agierenden Brian unglaublich witzig und unterhaltsam geschrieben. Ich mochte überhaupt auch die Ausgangssituation, sowie die Romanpassagen in denen Magdalenas Bewährungsprobe auf dem Piratenschiff zum Thema gemacht wird.

Ivy Pauls Schreibstil ist gewohnt gut und dank der bildhaften Ausdruckskraft, hat man als Leser schnell das Gefühl, als würde man dem Heldenpaar persönlich über die Schulter schauen, die exotischen Orte selbst bereisen und fiebert mit den beiden mit.
Zwar ist hier die Storyline völlig anders, doch empfand ich, dass die Atmosphäre dieser Piratenromance, sehr einem Histo-Liebesromanklassiker von Johanna Lindsey gleicht, den ich damals bereits beim ersten Lesen sehr ins Herz schloss. Es handelt sich dabei um „Wogen der Leidenschaft“ und wer besagten Roman von Johanna Lindey mochte, wird bestimmt auch „Pirates Treasure“ lieben.

Der Roman lässt sich gut lesen und der Spannungsbogen wird bis zum Ende hochgehalten, so dass man den Roman praktisch in einem Rutsch lesen möchte.
Zwei Punkte möchte ich dennoch anmerken. Zum einen hätte ich es mir gewünscht, dass man noch etwas mehr über Black Brians familiären Hintergrund erfährt, also dass er mit Magdalena mehr als nur die nötigsten Informationen austauscht und zum anderen fand ich es merkwürdig, dass Black Brian, Magdalena und ihre Bedienstete nicht gleich entführte, als die Gelegenheit günstig war. Leider kann ich an dieser Stelle nicht allzu sehr ins Detail gehen, sonst würde ich spoilern. Diese kleinen Kritikpunkte sind jedoch leicht zu verschmerzen, da diese Piratenromance ansonsten einfach nur romantisch, atmosphärisch und spannend zugleich geschrieben ist, einfach Spaß macht. Übrigens, das attraktive männliche Covermodel, das frappierend an den Schauspieler Nicholas Rogers ( Tarabas, in Prinzessin Fantaghiro) erinnert; überhaupt das komplette Covermotiv ist ein ziemlicher Hingucker und so ist es ein bisschen schade, wenn man den Roman nur längsseitig ins Regal stellt.

Kurz gefasst: Atmosphärische Piratenromance mit viel Herz, Spannung und Romantik!

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Veröffentlicht am 11.07.2020

Ein packender, tiefschürfender historischer Roman, der unter die Haut geht und nach lange nach dem Lesen in einem nachhallt

Eine Liebe zwischen den Fronten
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Deutschland 1870:

Ausgerechnet während seiner Verlobungsfeier, bekommt der deutsche Arzt Paul von Gerlach, ein verhängnisvolles Schreiben. Paul wurde einberufen, denn es herrscht nur Krieg zwischen Deutschland ...

Deutschland 1870:

Ausgerechnet während seiner Verlobungsfeier, bekommt der deutsche Arzt Paul von Gerlach, ein verhängnisvolles Schreiben. Paul wurde einberufen, denn es herrscht nur Krieg zwischen Deutschland und Frankreich und sein ärztliches Fachwissen ist von Nöten. Paul muss sofort abreisen und seine französische Verlobte, Madeleine Tellier und deren Vater, ebenfalls Arzt, zurücklassen. Die politische Situation spitzt sich dermaßen schnell zu, dass Madeleine mit ihrem Papa auf dem schnellsten Wege zurückkehren möchte nach Frankreich, genauer gesagt in ihre Heimatstadt Metz. Doch es ist nicht so einfach zurückzukehren, sie geraten mehrfach in Gefahr und dann bekommt Madeleines Vater auch noch Herzprobleme.

Währenddessen befindet sich Paul bereits inmitten des tobenden Wahnsinns. Und einmal mehr stellt er sich die Frage nach dem Warum und ist betrübt ob der Sinnlosigkeit des Krieges. Aber es macht ihm auch sehr zu schaffen, von seiner Verlobten getrennt zu sein und keine Briefe mit ihr austauschen zu können.

In Metz begegnet Madeleines Bruder Clément der schönen algerischen Hausangestellten Djamilla. Er ist bezaubert von ihr, doch Djamilla traut dem Sohn ihrer Herrin nicht so wirklich über den Weg. Clément, der eine Weile in Paris weilte, hasst die französische Monarchie und den Klerus, doch genauso sehr, die deutschen Soldaten, die gekommen sind, um seine Heimat zu überrennen und zu besiegen. Clément schließt sich dem Widerstand an und gerät mehrfach in Lebensgefahr. Wird er Djamilla jemals wieder sehen?

Derweil kämpft Djamillas Bruder Karim, mit zwei algerischen Freunden an vorderster Front für die Franzosen. Eigentlich ist es nicht ihr Krieg, zudem wird Karims Volk von den Franzosen herablassend behandelt. Doch ihm bleibt keine andere Wahl, denn er hat sich verpflichtet. Seine Sorge um Djamilla ist groß, denn er weiß genau, sollte er sein Leben im Krieg verlieren, würde Djamilla ganz alleine auf der Welt sein.

Vor einiger Zeit las ich Maria W. Peters historischen Roman „Die Festung am Rhein“, der mir außerordentlich gut gefiel. Als ich dann erfuhr, dass sie einen neuen Roman am Start hat, war ich bereits voller Vorfreude darauf. „Eine Liebe zwischen den Fronten“ spielt zu großen Teilen in Metz, Coblenz und Paris.
Die Autorin hat gleich mehrere Akteure in den Fokus gestellt, um die Kriegsgeschehnisse aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten und ehrlich gesagt gefiel mir diese Art des Erzählens sehr. Zudem sind die Romanfiguren recht unterschiedlich gestrickt, was ihr Denken betrifft und ich fand es spannend, ihren Werdegang verfolgen zu dürfen.
Eines möchte ich allerdings vorweg sagen. Romantikerinnen sollten jedoch nicht dem Glauben anheim fallen, womöglich wegen des Romantitels, dass die Liebesgeschichte zwischen Madeleine und Paul im Vordergrund steht. Natürlich lieben sich die beiden sehr, doch haben sie nicht viele gemeinsame Romanpassagen zusammen, denn letztendlich sind sie wegen ihrer verschiedenen Nationalitäten in diesem Krieg, wie die zwei Königskinder aus dem berühmten Lied, die nicht zusammen kommen können. Viele Hürden müssen genommen und viele Gefahren überstanden werden, bis zum möglichen Happyend. Was übrigens auch für die übrigen Akteure in diesem Roman gilt. Die Autorin schont ihre fiktiven Figuren nicht, zeigt dem Leser auf, wie schlimm, wie blutig und grausam der Krieg ist. Wie schnell falsche Vorurteile entstehen und vor allem wie rasch die Menschlichkeit ad acta gelegt wird, wenn man die gefährlichen Pfade des Fanatismusses betritt.
So ist Clément keinesfalls eine Romanfigur, die man leicht ins Leserherz schließen kann. Er ist, über weite Teile des Romans, verblendet in seinem Hass und verliert völlig aus dem Auge, was wirklich wichtig ist im Leben. Dennoch, ich mochte es sehr, dass die Autorin hier einen widersprüchlichen Menschen geschaffen hat mit Ecken und Kanten, der viele Fehler macht.
Cléments Gedankengänge sind komplex und regen den Leser zum Nachdenken an, auch dann noch, wenn der Roman längst auserzählt ist.

Mit Djamilla und Karim, hat Maria W. Peter ein Geschwisterpaar geschaffen, das wieder eine völlig andere, sehr spannende Sicht auf den Krieg hat. Beide mussten bereits im Kindesalter traumatische Erlebnisse überstehen, was sie nur noch stärker zusammengeschweißt hat. Und beide verabscheuen den Krieg, sowie die Fremdenfeindlichkeit der Franzosen. Man kann sich gut in die beiden hineinversetzen und leidet mit ihnen mit.
Zu guter Letzt sind da natürlich auch noch Madeleine und Paul. Sie sind, genau wie Djamilla und Karim, die guten Seelen des Buches. Sie verabscheuen Gewalt und die Sinnlosigkeit des Krieges und haben es sich auf die Fahne geschrieben, den Menschen zu helfen. Es ist einfach das Liebespaar zu mögen. Genauso leidet man auch mit ihnen mit und erhofft sich ein Happy End für sie.

Der historische Hintergrund wirkt akribisch recherchiert und man erfährt viel Wissenswertes über den Deutsch-Französischen Krieg. Allerdings gestaltet sich das nicht als nüchterne, langweilig dargebotene Geschichtsstunde, in der lediglich die wichtigsten Punkte Erwähnung finden. Maria W. Peter ist es nämlich gelungen, eine fiktive, spannend erzählte und sehr unter die Haut gehende Geschichte mit wahren historischen Fakten zu verbinden und dem Leser die Gräuel und Entbehrungen des Krieges sehr nahe zu bringen. Vor allem urteilt sie nicht sondern zeigt sowohl die Stärken als auch die Schwächen der Menschen auf.

Kurz gefasst: Ein packender, tiefschürfender historischer Roman, der unter die Haut geht und nach lange nach dem Lesen in einem nachhallt.

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Veröffentlicht am 08.07.2020

Vince Caine und Shanti Joyce ermitteln während des Glastonbury-Festivals. Kurzweiliger, zweiter Teil der „Mindful Detective“ Reihe, der viel Spaß macht

Der achtsame Mr. Caine und das allerletzte Lied
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Als bekannt wird, dass sich die lange verkrachten Zwillinge Ethan und Tyrone Flynn, die zusammen in der Band „Stigma“ spielten, wieder zusammengerauft haben um beim Glastonbury-Festival aufzutreten, sind ...

Als bekannt wird, dass sich die lange verkrachten Zwillinge Ethan und Tyrone Flynn, die zusammen in der Band „Stigma“ spielten, wieder zusammengerauft haben um beim Glastonbury-Festival aufzutreten, sind die eingefleischten Fans der Band aus dem Häuschen vor Freude. Denn zehn Jahre zuvor legte die Band, ebenfalls in Glastonbury, einen magischen Auftritt hin den sie nun wiederholen will. An neuem musikalischen Material soll es nicht scheitern- dazu hat der sensible und kreative Ethan eine Reihe von Tänzern engagiert, die die Musik und Bühnenshow zu einem einzigartigen Erlebnis verschmelzen lassen soll.
Eine Verschmelzung wird es dann tatsächlich, doch anders als gedacht.

Als Ethan den ersten Akkord zum „Stigma“ Hit „While My Guitar Gently Kills“, anstimmt, trifft ihn nicht nur der sprichwörtliche Schlag. Er erleidet einen Stromstoß und stirbt noch auf der Bühne, vor dem fassungslosen, geschockten Publikum.

Als Detective Shanti Joyce dazu gerufen wird, ist sie hin und hergerissen. Einerseits freut sie sich sehr darauf, beim Glastonbury-Festival ermitteln zu dürfen und womöglich Gesangsgrößen des Showbizz zu treffen, andererseits muss sie aber auch zuvor erneut mit Engelszungen auf ihren Kollegen Vincent Caine einreden, dessen empfindsame, buddhistisch geprägte Seele Mordfälle einfach nicht gut verkraften kann. Shantis Überzeugungsarbeit kostet viel Nerven und das hasst sie sehr. Aber auch diesmal gelingt es ihr, Vince ins sprichwörtliche Boot zu holen- vor allem, als Ethans Mutter, die in Vince eine ähnlich ätherische, besondere Seele erkennt, wie sie angeblich auch in Ethan lebte, den buddhistischen Ermittler explizit darum bittet den Mord aufzuklären. Und Mord war es tatsächlich, die Beweise sprechen dafür!

Doch wer hatte nur ein Motiv den jungen Mann, der zu allen Menschen liebevoll und freundlich war, zu töten? Zu den dringend Tatverdächtigen gehört jedenfalls Tyrone, denn der zornige, weniger attraktive Flynn-Zwilling, war im Gegensatz zur übrigen Welt nicht gut auf Ethan zu sprechen. Er zeichnet den Ermittlern ein völlig anderes Bild Ethans. So behaupt er, Ethan wäre berechnend und unehrlich gewesen. Entspricht das der Wahrheit? Shanti und Vince müssen sich mit den Ermittlungen sputen, denn sie haben nur wenig Zeit den Fall aufzuklären…

Nachdem ich vor einiger Zeit eher zufällig auf den ersten Teil der Vincent Caine Reihe „Der achtsame Mr. Caine und die Tote im Tank“ stieß, weil ich eine Schwäche für schräge Buchtitel und eine witzige Covergestaltung habe, der mir aber auch vom Inhalt her richtig gut gefallen hatte, fieberte ich dem zweiten Teil lange entgegen und erhoffte mir davon ein ähnlich kurzweiliges und humoriges Cosy-Krimivergnügen. In „Der seltsame Mr. Caine und das allerletzte Lied“, müssen Vince und Shanti diesmal im Musikbusiness ermitteln, genauer gesagt, währen des Glastonbury-Festivals. Der Autor hat die Festivalatmosphäre, wie ich finde, richtig gut vermitteln können und auch seinen trockenen, schön schwarzen Humor nicht verlernt. Ich hatte bereits in meiner Buchbesprechung zum ersten Teil erwähnt, dass mich die Art und Weise wie dieser Krimi aufgebaut wurde, allein schon von den Dialogen her, an alte TV Serien aus den 80ern, wie etwa „Remington Steele“ erinnert hat. Aber dennoch eine kleine Warnung, man sollte sich im Klaren darüber sein, dass man es hier mit leichter Krimikost (im besten Sinne des Wortes gemeint) zu tun bekommt. Wer also eher tiefsinnige Krimilektüre zu schätzen weiß, greift definitiv zum falschen Roman/zur falschen Serie. Diese geht eher in Richtung von M. C. Beatons „Agatha Raisin“ Krimis.

Laurence Anholt neigt dazu, Dialoge relativ kurz und knapp- aber knackig und witzig zu halten- das in Verbindung mit seinem Talent, Szenerien, Orte und Menschen bildhaft zu beschreiben, sorgt dafür, dass sich beim Leser ein wahres Kopfkino entfaltet beim Lesen. Da das Ermittlerduo nebenher erwähnt auch noch sehr urig wirkt und nicht wirklich der üblichen Detective-Einheitsbrei-Charakterisierung entspricht, könnte ich mir auch gut vorstellen,
dass die „Mindful Detective“ Reihe irgendwann mal fürs TV verfilmt wird.

Besonders Vince und seine lebensklugen Weisheiten, die er dann und wann zum Besten gibt, haben es mir angetan. Aber auch die Erwähnung seiner unfassbar umfangreichen Tassensammlung auf der buddhistische Sprüche prangen, entlockt mir beim Lesen jedes Mal ein Schmunzeln.
Die Mordermittlungen werden in einer gemächlichen Gangart erzählt dargeboten und obwohl nicht wirklich Hochspannung vom Autor erzeugt wird, habe ich mich dennoch zu keinem Zeitpunkt beim Lesen gelangweilt. Denn das ganze „Drumherum“ hat mir einfach viel Lesespaß bereitet. Seien es die Besuche bei einer Wahrsagerin, die Jagd nach einem Flüchtigen, der sich als Tod kostümiert hat oder aber die Versuche von Vince, Shanti seine buddhistisch geprägte Gefühlswelt darzulegen, die diese, als überzeugte Atheistin, stets nüchtern zu kommentieren weiß.
Berührt hat mich jedoch die auch im Nachhinein sehr sinnige Geschichte, die Vince Shanti erzählt, über eine Frau, deren Kind starb, welche Buddha höchstpersönlich darum bat das Kind wieder zum Leben zu erwecken.

Obwohl ich bereits den ersten Teil der Reihe sehr mochte, fand ich „Der achtsame Mr.Caine und das allerletzte Lied“ sogar noch ein Tickchen besser und witziger. Okay, zugegeben, die Auflösung des Mordfalls mutet schon etwas schräg an. Da es sich hier aber um eine softe Cosy-Krimikomödie handelt, in der der Humor an erster Stelle steht, fand ich das aber nicht so wirklich tragisch.

Kurz gefasst: Vince Caine und Shanti Joyce ermitteln während des Glastonbury-Festivals. Kurzweiliger, zweiter Teil der „Mindful Detective“ Reihe, der viel Spaß macht.

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