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Veröffentlicht am 15.09.2020

Der Wunsch nach Schönheit

Fräulein Paula und die Schönheit der Frauen
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Wir befinden uns in Hamburg im Jahre 1948. Langsam werden die Zeiten besser. Paula Rolle lebt gemeinsam mit ihren jüngeren Schwestern Uschi und Gertrud bei ihrer Mutter. Alle versuchen irgendwie über die ...

Wir befinden uns in Hamburg im Jahre 1948. Langsam werden die Zeiten besser. Paula Rolle lebt gemeinsam mit ihren jüngeren Schwestern Uschi und Gertrud bei ihrer Mutter. Alle versuchen irgendwie über die Runden zu kommen. Langsam kehren die Männer aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause zurück und erobern sich wieder ihre Arbeitsplätze, die während des Krieges von Frauen ausgefüllt wurden. Während des Krieges hatte Paula als technische Zeichnerin gearbeitet, aber nun wurde sie nicht mehr gebraucht. Gern würde sie sich wieder schick anziehen, aber es fehlt das Geld. Bei ihrem Rundgang durch Hamburg stößt Paula auf die Stellenanzeige des Strumpffabrikanten Wilhelm Röbke. Dieser will hier eine neue Fabrik aufbauen, nachdem die Russen in Sachsen seine Maschinen demontiert und zerstört haben. Paula ist nicht auf den Mund gefallen und bekommt die Stelle. Sie würde alles für ein paar Nylons tun. Der Wunsch nach Schönheit war nach den langen Zeiten in Trümmergrau bei allen Frauen gleich hoch.

Sehr anschaulich beschreibt Caroline Bernard die Nachkriegszeit in Deutschland und lässt den Hörer daran teilhaben. Dieses unterstützt Svenja Pages mit ihrer Stimme. Ihr Sprechstil ist angenehm, so dass ich ihr gerne zugehört habe und dem Hörbuch problemlos folgen konnte.

Beim Zuhören fühlt man sich als Teil der Familie Rolle. Erlebt die beengten Wohnverhältnisse. Gleichzeitig spürt man wie weit entfernt von der Gleichberechtigung man damals noch war. Während des Krieges durften die Frauen, die notwendigen Arbeiten der fehlenden Männer übernehmen, aber kaum waren die Männer wieder zurück, wurden die Frauen wieder an den Herd geschickt. Gerade unverheiratete Frauen hatten es schwer einen gut bezahlten Job zu bekommen.

Die Charaktere sind liebevoll und sehr authentisch gezeichnet, so dass ich mir die Personen sowie ihre Handlungen sehr gut vorstellen konnte. Geschickt hat die Autorin den historischen Hintergrund mit der Geschichte verwoben. Das Nachwort rundet das Ganze noch wunderbar ab.

Das Hörbuch hat mir sehr gefallen und ich empfehle es gern weiter.

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Veröffentlicht am 13.09.2020

Spannend bis zum Schluss

Helle und der falsche Prophet
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Helle Jespers verbringt gemeinsam mit ihrem Mann Bengt und dem Hund Emil ihren Urlaub in Südfrankreich. Hier kommt sie zum Nachdenken und überlegt, ob es ein Fehler gewesen war, nicht die Leitung der Polizeibehörde ...

Helle Jespers verbringt gemeinsam mit ihrem Mann Bengt und dem Hund Emil ihren Urlaub in Südfrankreich. Hier kommt sie zum Nachdenken und überlegt, ob es ein Fehler gewesen war, nicht die Leitung der Polizeibehörde in Frederikshavn zu übernehmen, sondern die kleine Polizeistation in Skagen. Sie hat sich einen Mord gewünscht, damit ihr Job in Skagen nicht so eintönig wäre. Als sie ein Anruf ihres Kollegen Ole erreicht, dass eine junge Frau am Strand tot aufgefunden ist, macht sie sich sofort auf den Weg nach Hause. Bei der Toten handelt es sich um Merle, eine enge Freundin ihres Sohnes Leif. Die Todesursache hört sich nach einem Unfall an, aber die Umstände des Ertrinkens sind sehr seltsam. Helle hört auf ihr Bauchgefühl und beginnt zu ermitteln.

Dieses ist bereits der dritte Band um die Kommissarin Helle Jespers. Obwohl ich die ersten beiden Bände dieser Reihe nicht kannte, hatte ich keine Probleme der Handlung zu folgen und war direkt in der Geschichte drin. Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich ausgezeichnet lesen. Die Ermittlerin Helle ist sympathisch. Trotz Ecken und Kanten wirkt sie normal und bodenständig. Auch alle weiteren handelnden Personen sowie die Handlungsorte konnte ich mir, dank der detaillierten Beschreibungen, gut vorstellen. Perspektivwechsel bringen Dynamik in die Handlung, so dass die Spannung durch das gesamte Buch hoch gehalten wurde. Am Ende werden alle losen Fäden zusammengeführt und überraschten mich noch mit einer ungeahnten Wendung.

Mich konnte dieses Buch von Beginn an begeistern und hat mir spannende Lesestunden bereitet.

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Veröffentlicht am 04.09.2020

Auf zur Wiesn nach München

Oktoberfest 1900 - Träume und Wagnis
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Colina arbeitet als einfaches Schankmädchen in Lochners Bierstube. Als Kellnerin kann man sich nur mit Trinkgeldern und den Gelüsten der Gäste den Lebensunterhalt verdienen. Feste Löhne werden nicht gezahlt. ...

Colina arbeitet als einfaches Schankmädchen in Lochners Bierstube. Als Kellnerin kann man sich nur mit Trinkgeldern und den Gelüsten der Gäste den Lebensunterhalt verdienen. Feste Löhne werden nicht gezahlt. Doch Colina will mehr, denn sie hat festgestellt, dass die feine Gesellschaft von München auch nur mit Wasser kocht und bewirbt sich als Anstandsdame für die junge Clara. Durch einen Trick bekommt sie die Stelle bei dem Brauereibesitzer Curt Prank. Dieser versucht Macht und Einfluss zu erlangen, in dem er seine Tochter Clara mit Anatol Stifter, den Vorstandsvorsitzenden der größter Münchner Brauerei, zu verheiraten. Doch die eigenwillige Clara hat andere Vorstellungen und verschwindet spurlos. Danach zerschlagen sich die Träume von Colina als Anstandsdame und sie findet sich als Schankmädchen auf dem Oktoberfest wieder, wo die Bierbrauer ihre geschäftlichen sowie privaten Konflikte austragen.

Als Nordlicht war ich bisher noch nie in München auf dem Oktoberfest, so dass mich der historische Roman von der ersten Seite in seinen Bann gezogen hat. Petra Grill hat mich auf eine spannende Zeitreise mitgenommen, so dass ich an dem Oktoberfest 1900 teilnehmen konnte. Mich hat fasziniert mit welchen detaillierten Beschreibungen die Autorin die damalige Zeit sehr authentisch aufleben lässt. Neben den bildhaften Schreibstil werden viele interessante historische Fakten mit der Geschichte verwoben. Bekannte Persönlichkeiten wie König Otto von Bayern und Franziska zu Reventlow treten auf und auch die Völkerschauen, die es damals in Deutschland und auf dem Oktoberfest gab, finden Erwähnung. Aber auch die wirtschaftliche sowie politische Situation fließen neben dem Frauenrecht und den Arbeitsbedingungen mit ein. Gleichzeitig spielt die neue Technologie, der Kinematograph, eine wichtige Rolle.

Für mich war der Ausflug zur Wiesn nach München allerbeste Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 16.08.2020

Die Suche nach den Wurzeln

Die Sündenbraut
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In dem neuen Buch von Manuela Schörghofer begeben wir uns auf eine Zeitreise ins 13. Jahrhundert. Nach dem Mord an ihren Eltern wächst Fenja bei Runhild auf. Sie tritt in die Fußstapfen ihrer Ziehmutter ...

In dem neuen Buch von Manuela Schörghofer begeben wir uns auf eine Zeitreise ins 13. Jahrhundert. Nach dem Mord an ihren Eltern wächst Fenja bei Runhild auf. Sie tritt in die Fußstapfen ihrer Ziehmutter und trägt die Sünden der Verstorbenen gleichzeitig bietet sie ihre Heilkünste an. Runhild hat Fenja nie etwas über ihre Herkunft verraten. Als Runhild durch einen Messerstich getötet wird, kann sie Fenja nur noch ein mit einem Wappen besticktes Tuch geben. Fenja begibt sich auf die Suche, um mehr über das Wappen und ihrer Familie herauszufinden.

Auf ihrer Reise trifft Fenja auf Gerald, der im geheimen Auftrag von Kaiser Friedrich unterwegs ist. Er soll eine neuartige Waffe besorgen und erhofft sich nach Erledigung Reichtum, um zu heiraten. Beide sehen einen Vorteil darin, gemeinsam unterwegs zu sein. Doch kann Fenja Gerald trauen, denn er scheint nicht der zu sein, für den er sich ausgibt?

Nach „Die Klosterbraut“ konnte mich auch der zweite historische Roman von Manuela Schörghofer von Anfang an fesseln. Die Protagonisten wirken lebendig und authentisch. Sehr gut konnte ich mir die Handlungsorte vorstellen. Die Handlung selbst ist sehr abwechslungsreich und ausführlich beschrieben. Neben Spannung kommt auch die Liebe nicht zu kurz, so dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Ein Verzeichnis der handelnden Personen sowie historische Figuren, damalige sowie heutige Orts- und Flussbezeichnung und ein Glossar, das bestimmte Begriffe erläutert, runden die Geschichte ab.

Mir hat es viel Spaß bereitet, Fenja bei der Suche nach ihren Wurzeln zu begleiten. Wer gerne historische Romane liest und spannende Geschichten mit einer starken Protagonistin liebt, dem empfehle ich gern dieses Buch.

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Veröffentlicht am 02.08.2020

Fesselnde Nachkriegsgeschichte zur Zeit des Kalten Krieges

Kinder ihrer Zeit
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1945 macht sich Rosa gemeinsam mit ihren Zwillingen Emma und Alice auf den Weg von Ostpreußen nach Westen. Unterwegs erkrankt Alice und sie suchen Hilfe in einem Bauerhaus. Rosa und ihre Tochter Emma versuchen ...

1945 macht sich Rosa gemeinsam mit ihren Zwillingen Emma und Alice auf den Weg von Ostpreußen nach Westen. Unterwegs erkrankt Alice und sie suchen Hilfe in einem Bauerhaus. Rosa und ihre Tochter Emma versuchen auf einem Nachbarhof an Lebensmitteln zu gelangen. Auf dem Rückweg sehen sie den Bauernhof in Flammen und es gibt keine Spur von Alice. Zwölf Jahre später treffen Emma und Alice sich wieder. Emma lebt in Westberlin und Alice im Ostteil der Stadt. Bei den beiden Schwestern macht sich die unterschiedliche Erziehung bemerkbar. Emma würde Alice doch gern nach Westberlin holen, aber diese glaubt an den Sozialismus. Durch Alice lernt Emma den Ostberliner Physiker Julius Laackmann kennen und lieben. Als Julius Zeuge der Entführung seines Freundes auf offener Straße in Westberlin wird, gerät er zwischen die Fronten der Geheimdienste.

Das Buch beginnt in Ostpreußen im Jahr 1945 und wechselt dann ab 1950 nach Berlin und endet im August 1961. Es ist die Zeit des Kalten Krieges zwischen Ost und West. Unterschiedliche Geheimdienste versuchen Spitzel zu rekrutieren, um an Informationen zu gelangen. Interessant fand ich die Arbeit der Kampftruppe gegen Unmenschlichkeit, einer Gruppierung deren Tätigkeit mir bisher nicht bekannt war. Am Leben von Emma und Alice erfährt man nicht nur viel über den damaligen Grenzverkehr zwischen Westberlin und der DDR, sondern auch etwas über die ungleiche Entwicklung der beiden Schwestern, die jeweils durch ein anderes System geprägt wurden. Die Autorin lässt Geschichte lebendig werden.

Die unterschiedlichen Charaktere sind sehr facettenreich gezeichnet. Durch den flüssigen und informativen Schreibstil fliegen die Seiten nur so dahin. Sehr gekonnt sind Wahrheit und Fiktion verwoben, so dass mich das Geschehen von Beginn an gefesselt hat.

Für mich ist Claire Winter ein Garant für spannende und gut recherchierte Geschichten und sie konnte mich wieder mit ihrem neuen Buch „Kinder der Zeit“ überzeugen.

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