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Veröffentlicht am 01.11.2020

Trauer und Hoffnung

Sterben im Sommer
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In “Sterben im Sommer” erzählt Zsuzsa Bánk von der Krankheit, dem Sterben und dem Totsein des Vaters.
Es ist eine ungarisch-deutsche Familiengeschichte, die von den Besonderheiten des Lebens in verschiedenen ...

In “Sterben im Sommer” erzählt Zsuzsa Bánk von der Krankheit, dem Sterben und dem Totsein des Vaters.
Es ist eine ungarisch-deutsche Familiengeschichte, die von den Besonderheiten des Lebens in verschiedenen Ländern und des Wechsels der Sprache geprägt ist, und ein sehr persönliches Buch, denn es spiegelt die Gefühle und Erlebnisse der gesamten Familie Bánk wider.
Die Autorin schafft es mit einer eindringlichen Sprache in den Bann zu ziehen und die Facetten von Verlust und Trauer bildhaft zu vermitteln. Die Sprecherin hat sowohl die besondere Stimmung als auch die ungarischen Zitate authentisch eingefangen. Ein solch intensives Hörbuch habe ich bisher selten erlebt, und es hinterlässt einen tiefen und bewegenden Eindruck.

Veröffentlicht am 29.10.2020

Adas Suche

Ada
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„Ada“ ist die in Romanform verfasste Fortsetzung der in „Der Apfelbaum“ begonnenen Familiengeschichte des Autors Christian Berkel. Er erzählt aus Sicht der weiblichen Hauptfigur Ada authentisch vom Ankommen ...

„Ada“ ist die in Romanform verfasste Fortsetzung der in „Der Apfelbaum“ begonnenen Familiengeschichte des Autors Christian Berkel. Er erzählt aus Sicht der weiblichen Hauptfigur Ada authentisch vom Ankommen im Nachkriegsdeutschland (nach der Flucht ins Ausland), der Jugend in den 60er Jahren bis zur Feier nach dem Mauerfall.
Wie ein roter Faden zieht sich dabei Adas Suche nach Identität durch das Buch, ihre Fragen nach der Herkunft, das Verstehen der Geschehnisse während des Krieges, das die Schicksale ihrer Eltern prägte. Vergleichsweise, trotz einiger aufregender Situationen, ist Adas Leben leicht, denn es gibt keine Bomben, keine Lager, keine Verfolgung. Dadurch wirkt der zweite Teil vielleicht etwas weniger intensiv als der erste, und dennoch verzaubert er mit einer wunderbaren Sprache und den Ecken und Kanten seiner Figuren. Ich empfehle, die Bücher nacheinander zu lesen, um ihre Entwicklung mitzuerleben, und sie zu lesen empfehle ich sowieso.

Veröffentlicht am 03.10.2020

Tante und Neffe

Pax
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Pax wächst bei seiner Tante Beatrix auf, nachdem Eltern und Bruder von einer Reise nicht zurückkehren. Ihre Lebensverhältnisse sind einfach, und doch bemüht sich die Tante auf ihre Art um eine gute Erziehung.
„Pax“ ...

Pax wächst bei seiner Tante Beatrix auf, nachdem Eltern und Bruder von einer Reise nicht zurückkehren. Ihre Lebensverhältnisse sind einfach, und doch bemüht sich die Tante auf ihre Art um eine gute Erziehung.
„Pax“ ist ein Entwicklungsroman, der den Protagonisten von der elternlosen Kindheit in die Pubertät begleitet. Dabei setzt dieser sich mit seiner Herkunft auseinander und sammelt Erfahrungen als Heranwachsender.
Das Buch geht ans Herz, denn wir lernen die Figuren in Alltagssituationen kennen, die woanders selten erwähnt werden (Beatrix bringt Pax das Bügeln bei, oder wir beobachten ihn bei selbst erfundenen Kinderspielen). Die Erzählweise spiegelt den Inhalt auf eine ebenso sensible Art wider wie der Detailreichtum der Handlung. „Und fast hätte er sie umarmt, als Tante Beatrix, wenn auch nur, um seiner Platte über den Sprung hinwegzuhelfen, irgendwann nachgab, indem sie immerhin versprach, es sich zu überlegen.“ Ich möchte die Autorin umarmen für diesen einfühlsamen Roman.

Veröffentlicht am 16.08.2020

Aus dem Chemielabor

Mit besten Absichten
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Fred ist ein Chemiker, der Dinge erfindet, die die Welt verändern - von Teflon bis zu verbleitem Benzin. Dies ist seine Lebensgeschichte.
Eingebettet in tatsächliche Entwicklungen der Welt, wird die fiktive ...

Fred ist ein Chemiker, der Dinge erfindet, die die Welt verändern - von Teflon bis zu verbleitem Benzin. Dies ist seine Lebensgeschichte.
Eingebettet in tatsächliche Entwicklungen der Welt, wird die fiktive Biografie eines Mannes erzählt, der hoch hinaus will. Besonders wird die Erzählweise durch den Wechsel zwischen Ich-Erzähler und personalem Erzähler sowie der Ansprache des Lesers.
Die Ansichten der Hauptfigur amüsieren dadurch, dass sie überholt („Als ob wir eine Behörde zum Schutz der Umwelt bräuchten! Lächerlich, das Ganze ...“) oder selbstironisch („der Mann, der die erste Atombombenexplosion der Weltgeschichte wegen Durchfalls versäumt hatte“) wirken. Doch die Missgunst gegenüber dem Freund, der auf demselben Gebiet tätig ist wie er, machen ihn nicht unbedingt zu einem liebenswerten Charakter.
Günther Thömmes schafft es, im Plauderton über Risiken und Nutzen der Wissenschaft zu schreiben und Fachwissen unterhaltsam zu verpacken.

Veröffentlicht am 08.08.2020

Außergewöhnlich und wunderbar

Das Meer in meinem Zimmer
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Als ihre Mutter den Tod des Ehemannes leugnet, übernimmt die 19-jährige Jolanda die Verantwortung für die Familie, zu der noch ihre 10 Jahre jüngere Schwester Lilli gehört.
„Guten Tag, mein Vater ist heute ...

Als ihre Mutter den Tod des Ehemannes leugnet, übernimmt die 19-jährige Jolanda die Verantwortung für die Familie, zu der noch ihre 10 Jahre jüngere Schwester Lilli gehört.
„Guten Tag, mein Vater ist heute Morgen hier auf der Station gestorben, und jetzt soll ich für meine Mutter nachfragen, ob er wirklich tot ist.“ Die schweren Themen Krankheit, Tod und Verlust verpackt die Autorin federleicht in mitunter skurril anmutenden Situationen, ohne dass es lächerlich wirkt. Über Rückblenden erfahren wir, dass die Familiensituation schon in Jolandas Kindheit instabil war und besondere Bewältigungsstrategien von ihr erfordert hat. Sie ist eine sympathische Protagonistin, mit der ich leicht mitfühlen konnte.
Ich habe „Das Meer in meinem Zimmer“ als außergewöhnliche Familiengeschichte empfunden, die mich noch dazu sprachlich begeistert hat.