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Veröffentlicht am 22.10.2020

Zerrissen zwischen zwei Kulturen

Die Sommer
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Leyla liebt die Sommerferien, die sie in der Heimat ihres Vaters in Syrien verbringt. Ihr Vater ist jesidischer Kurde, und damit eine Minderheit in Syrien. Seine Großfamilie lebt in einem kleinen Dorf ...

Leyla liebt die Sommerferien, die sie in der Heimat ihres Vaters in Syrien verbringt. Ihr Vater ist jesidischer Kurde, und damit eine Minderheit in Syrien. Seine Großfamilie lebt in einem kleinen Dorf in der Nähe der türkischen Grenze. Leylas Sommerwelt dreht sich um ihre tatkräftige Großmutter. In der Nacht schlafen die Enkel bei ihr, am Tag stemmt sie den Großteil der Arbeit allein. Sie versorgt den blinden Großvater, kocht und backt Brot, putzt und erntet, und hat stets eine Tasse Tee für Besucher bereit.

Wenn Leyla den Rest des Jahres im kalten Deutschland ist, zehrt sie von ihren Erinnerungen an die heißen Sommertage bei der Verwandtschaft. Sie weiß es zu schätzen, dass sie, im Gegensatz zu ihrer jesidischen Cousine, eine gute Schulbildung erhält und in einem großen Haus lebt, doch sie trauert dem Dorf hinterher. Und obwohl sie in Syrien immer das Gefühl hat nicht so richtig dazuzugehören und sie sich dort manchmal nach Ruhe sehnt, ist ihr dieser Teil ihres Lebens sehr wichtig.

Doch dann kommen politische Unruhen. Ab 2011 leben Leyla und ihre Familie in großer Angst und Sorge. Leylas deutsche Mutter versucht die syrische Verwandtschaft nach Deutschland zu holen, denn das Leben dort ist gefährlich geworden. Leyla selbst lebt wie in einem Traum, stets in sorgenvollen Gedanken an die geliebten Verwandten.

Der Erzählstil dieses Buchs ist ruhig und melancholisch. Der Leser durchlebt an der Seite Leylas die Sonnen- und Schattenseiten dieser Tage in Syrien. Leyla ist ein unsicheres Kind, das einerseits als Deutsche eine Sonderstellung unter der armen Dorfbevölkerung genießt, die sich aber andererseits nicht so gut auskennt und den Dialekt nicht so gut sprechen kann wie die gleichaltrige Cousine. Sie ist anhänglich und fühlt sich am wohlsten in der Nähe der geliebten Großmutter. Sie lauscht den Erzählungen des Vaters und der Verwandtschaft, und erfährt so wie ihre Vorfahren grausam verfolgt wurden. Als junge Frau leidet sie darunter, dass ihre deutsche Freundinnen sie nicht wirklich verstehen, da sie keine Ahnung von ihrem Leben in Syrien haben.

Die Gefühle und der innere Kampf Leylas werden gut wiedergegeben. Manchmal wirkt die Erzählung vielleicht etwas zu ruhig. Doch in dieser Ruhe entsteht langsam das Bild eines einfachen Lebens, das für ein Kind schöner ist als das luxuriöse Leben in Deutschland. Ein Leben, das schließlich durch Gewalt und Konflikte vollständig zerstört wird.

Fazit: Eine Liebeslied an das einfache ländliche Leben in einem jesidisch-kurdischen Dorf, gepaart mit der Trauer über sinnlose Gewalt und zerstörerischem Hass. Besonders empfehlenswert für Menschen, die sich für fremde Kulturen interessieren und für die Heimat von syrischen Flüchtlingen.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.10.2020

Nachhaltigkeit: Zurück zu einem einfachen Lebensstil

Verschwendungsfreie Zone
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Die österreichische Grünen-Politikerin Sandra Krautwaschl beschreibt in diesem Buch den Weg ihrer Familie zu einem reicheren Leben mit weniger Kram.

Ihr Weg zur Öko-Aktivistin beginnt 2009. Bei einem ...

Die österreichische Grünen-Politikerin Sandra Krautwaschl beschreibt in diesem Buch den Weg ihrer Familie zu einem reicheren Leben mit weniger Kram.

Ihr Weg zur Öko-Aktivistin beginnt 2009. Bei einem Urlaub in Kroatien wunderen sich ihre Kinder über den angeschwemmten Plastikmüll. Daraufhin versucht die Familie ein Monat lang ganz ohne Plastik auszukommen. Was mit dem Problem Plastik beginnt, weitet sich im Laufe der Zeit auf andere Problemfelder unserer heutigen Gesellschaft aus. Sei es unser Umgang mit Medien, das Fliegen oder unnötige Verpackungen beim Einkauf, es gibt sehr viele Bereiche, in denen wir bewusstere Entscheidungen treffen können, von denen nicht nur die Umwelt profitieren würde, sondern auch wir selbst.

Doch eigentlich, so reflektiert die Autorin, beginnt ihre Auseinandersetzung mit diesem Thema schon viel früher. Von ihren Eltern bekommt sie gute Werte mit, und so lernt sie früh wie wichtig die Bewahrung der Natur und ein nachhaltiges Leben ist.

Wer einen Ratgeber erwartet, wird hier vielleicht enttäuscht. Die Autorin beschreibt ihren persönlichen Weg und den Weg ihrer Familie zu einem nachhaltigeren Lebensstil. Manche Themen fehlen im Buch, denn die Autorin schreibt über das, was sie kennt und was sie besonders wichtig findet.

Die Bilder im Innenteil des Buchs sind eine gute Ergänzung zum Text. So ist, zum Beispiel die Familie bei der Gartenarbeit zu sehen und man bekommt einen Eindruck vom alternativen Einkauf.

Das Buch enthält viele persönliche Erlebnisse und Beispiele, die teilweise vielleicht zu ausführlich erzählt werden. Eine gute Zusammenfassung wichtiger Tipps und Ideen fehlt leider. So muss der Leser sich durch viele Seiten kämpfen, um die passenden Tipps für die eigene Familie zu finden. Andrerseits sind manche Überlegungen auf jeden Fall interessant und lesenswert, gerade wenn es um grundsätzliche Überlegungen zum Thema Umweltschutz geht.

Fazit: Ein Erfahrungsbericht über das Leben mit einem einfacheren Lebensstil, mit weniger Sachen, einfachere Reisen, nachhaltigeres Einkaufen und mehr. Empfehlenswert für die Menschen, die wissen wollen, wie sich ein solcher Lebensstil praktizieren lässt.

Veröffentlicht am 10.10.2020

Ein Überblick über die Deutschen im Osten

Die Deutschen im Osten Europas. Die Geschichte der deutschen Ostgebiete: Ostpreußen, Westpreußen, Schlesien, Baltikum und Sudetenland
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Dieses Buch enthält 31 Aufsätze rund um die Geschichte der Deutschen im Osten Europas. Neben dem Thema Flucht und Vertreibung, geht es auch um verschiedene Zeiten, in denen Deutsche im Osten angesiedelt ...

Dieses Buch enthält 31 Aufsätze rund um die Geschichte der Deutschen im Osten Europas. Neben dem Thema Flucht und Vertreibung, geht es auch um verschiedene Zeiten, in denen Deutsche im Osten angesiedelt wurden, teilweise schon vor tausend Jahren. Im letzten Kapitel des Buchs geht es schließlich um die Nachkriegsjahre und um die Aufarbeitung der traumatischen Zeit des Dritten Reichs.

Der Schreibstil der Artikel ist unterschiedlich. Neben einigen Erfahrungsberichten und Interviews steht der geschichtliche Zusammenhang im Mittelpunkt. Dabei wird weit ausgeholt. Die Hintergründe dafür, dass zur Zeit des Zweiten Weltkriegs so viele deutschstämmige Menschen im Osten lebten, sind weniger bekannt und darum sehr interessant. Die unvorstellbare Schrecken der Flucht werden anhand kurzer Augenzeugenberichte erzählt. Die politischen Zusammenhänge in der Nachkriegszeit sind aufschlussreich, ebenso wie die Berichte darüber, wie eine neue Generation die Heimat ihrer Eltern entdeckt. Einige kleine schwarz-weiß Bilder lockern den Text auf.

Dieses Buch behandelt ein weitgefasstes Thema. Die Sprache ist eher anspruchsvoll und erinnert teilweise an ein Geschichtsbuch. Trotzdem macht es Spaß es zu lesen, weil es abwechslungsreich ist. Je nach persönlicher Interessenlage werden den Leser vielleicht nicht alle Artikel interessieren.

Fazit: Ein Buch, dass über die Deutschen im Osten Europas informiert, und zwar nicht nur im Dritten Reich, sondern auch davor und danach. Lesenswert, vor allem für Menschen, die sich für geschichtliche Zusammenhänge interessieren.

Veröffentlicht am 07.10.2020

Real Life: Von den Höhen des Lebens in einer fliegenden Badewanne zu den Tiefen des Lebens mit Krankheit und Tod

Meine Real Life Story
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Philipp ist Anfang zwanzig und schon eine YouTube Berühmtheit. Zusammen mit seinem Zwillingsbruder und seiner Clique zeigt er in Videos wie ein echt spannendes Leben aussehen kann. Wozu immer nur virtuell ...

Philipp ist Anfang zwanzig und schon eine YouTube Berühmtheit. Zusammen mit seinem Zwillingsbruder und seiner Clique zeigt er in Videos wie ein echt spannendes Leben aussehen kann. Wozu immer nur virtuell spielen, wenn das echte Leben so viel bieten kann?

Seine Kindheit ist ungewöhnlich. Seine religiösen Eltern unterrichten die Kinder zuerst Zuhause, doch das erlaubt der Staat nicht. Es fällt Philipp sehr schwer sich an das Schulsystem zu gewöhnen. Er findet vieles in der Schule unnötig und er langweilt sich entsetzlich. Zusammen mit seinem Bruder verschafft er sich mit Schulstreichen etwas Abwechslung.

Es kommt, wie es kommen muss, die Beiden fliegen von der Schule. In ihrer neuen Schule gefällt es ihnen besser und sie finden Gleichgesinnte. Gemeinsam verschaffen sie sich Zugang zum IT-System der Schule. Aber auch außerschulisch können sie als Team so manches auf die Beine stellen. Weil sie andere für ein kreatives und echtes Leben begeistern wollen, beginnen sie ihre Aktivitäten zu filmen. Unerwartet werden sie mit ihren spannenden Ideen zu YouTube Stars. Ein Studium scheint angesichts ihres Erfolgs uninteressant zu sein.

Aber Philipp erlebt nicht nur Gutes. Es sind vor allem zwei große Schicksalsschläge, die ihm zu schaffen machen – seine Schwester stirbt beim Absturz eines Kleinflugzeugs und er selbst erkrankt an Krebs.

Vor allem in den schweren Zeiten setzt er sich mit dem Glauben auseinander. Was er bei seinen Eltern und anderen Christen sieht schreckt ihn ab, darum lehnt er lange Zeit Gott ab. Doch immer wieder begegnet er Christen, die anders sind. Und er ahnt, dass er bei Gott das finden könnte, wonach er sich innerlich sehnt.

In diesem Buch geht es weniger um die YouTube Geschichten von Philipp und seinen Freunden. Sehr offen berichtet er aus seinem Leben, seinem echten Leben oder „real life“, wie er so gern schreibt. Er erlebt Gott auf ungewöhnliche Weise und fasst trotz vieler Fragen zu ihm vertrauen.

Der Erzählstil ist einfach und die Überlegungen des Autors passen zu seinem Alter. Ältere Leser werden sich vielleicht nicht so gut mit seinen Gedanken identifizieren, aber Jugendliche, die dieselben Fragen bewegen wie Philipp finden sich hier vielleicht wieder.

Es ist beeindruckend, wie dieser junge Mann mit seiner schwerwiegenden Erkrankung umgeht, unbegreiflich, wie eine Familie den plötzlichen Tod einer geliebten Tochter und Schwester verkraften kann und berührend, wie Philipp Gottes Fürsorge erlebt. Nicht jeder wird die Entscheidung der Zwillinge wegen ihrem Erfolg auf ein Studium zu verzichten gutheißen, und manche Überlegungen erscheinen unreif, was aber nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass der Autor erst Anfang zwanzig ist.

Fazit: Ein berührendes Zeugnis über die Reise eines jungen Mannes zu einem eigenen Glauben an einen großen Gott, der in Schwierigkeiten Kraft gibt. Sehr empfehlenswert!

  • Einzelne Kategorien
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Veröffentlicht am 07.10.2020

Widerstand gegen das Regime - in Südafrika und in Polen

Warten auf den Wind
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Die zehnjährige Katrien fühlt sich verloren in ihrer Familie. Sie ist viel jünger als ihre Geschwister und sie hat das Gefühl nicht richtig dazuzugehören. Als sie dann einige Jahre später auch noch ihre ...

Die zehnjährige Katrien fühlt sich verloren in ihrer Familie. Sie ist viel jünger als ihre Geschwister und sie hat das Gefühl nicht richtig dazuzugehören. Als sie dann einige Jahre später auch noch ihre Mutter verliert und ihre Familie ihr nicht sofort von dem Unglück erzählt, ist sie innerlich ganz und gar unglücklich. Sie wird zu einem rebellischen Teenager.

Wladek ist auch der Jüngste in seiner Familie. Er ist ein sehr begabter junger Mann, der sich heimlich am Widerstand in Polen beteiligt. Als seine Tätigkeiten ans Licht kommen, muss er überstürzt seine Heimat verlassen.

Katrien und Wladek lernen sich in Südafrika kennen, als Katrien zum Studium bei ihren Verwandten lebt. In Katrien steckt immer noch eine ganze Menge Rebellion, aber langsam wird sie erwachsen und mehr verantwortungsbewusst, auch wenn sie immer noch einige schlechte Entscheidungen trifft. Sie lernt Wladek schätzen, doch sie weiß, dass er, sobald es geht, zurück zu seiner Familie in Polen will.

Diese Geschichte erzählt die Geschichte des Widerstands in Polen und Südafrika in den 80er Jahren. Obwohl die Problematik in beiden Ländern ganz unterschiedlich ist, gibt es doch die Gemeinsamkeit, dass sich ein machtloses Volk so gut es kann gegen ein Unrechtsregime erhebt.

Katrien und Wladek erleben große Schwierigkeiten, und beide wachsen dadurch in ihrer Persönlichkeit. Trotzdem fällt es schwer sich mit ihnen zu identifizieren, vor allem mit der oft störrischen und unvernünftigen Katrien.

In anderen Büchern schafft die Autorin Irma Joubert Charaktere, die auch nach dem Abschluss der Geschichte im Gedächtnis bleiben. Das gelingt in diesem Buch weniger gut. Die Ereignisse sind auch weniger dramatisch und die Dialoge wirken teilweise belanglos. Das Buch ist trotzdem auf jeden Fall lesenswert, nur bleibt es hinter den anderen Büchern der Autorin zurück.

Dieses Buch ist der dritte Teil einer Trilogie, die sich über drei Generationen erstreckt, doch lässt sich das Buch auch gut ohne die beiden anderen Bände lesen.

Fazit: Eine interessante Reise in eine Zeit des Aufbruchs in Südafrika und Polen. Vor allem Leser, die sich für die Geschichte Südafrikas interessieren, werden viel Freude an diesem gut recherchierten Buch haben. Sehr empfehlenswert!