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Veröffentlicht am 27.03.2017

Warmherzige Geschichte

Trust Again
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Ich wollte eigentlich mit dieser Reihe nicht weitermachen, denn, wie ich bereits bei der Rezension zu Band 1 ausgeführt hatte, will ich New Adult Romane mit dem typischen Bad Boy, der seine Freundin schlecht ...

Ich wollte eigentlich mit dieser Reihe nicht weitermachen, denn, wie ich bereits bei der Rezension zu Band 1 ausgeführt hatte, will ich New Adult Romane mit dem typischen Bad Boy, der seine Freundin schlecht behandelt und trotzdem immer wieder eine Chance bekommt, nicht unterstützen. Auf Empfehlung von Corinna (Sommermädchenswelt) habe ich dann doch zu diesem Buch gegriffen und es nicht bereut.

Spencer, den wir bereits aus Band 1 kennen, ist nämlich so absolut gar kein Bad Boy, sondern im Gegensatz, sehr sensibel und zuvorkommend. Trotz dessen, dass auch er sein Päckchen mit sich herumschleppt, versucht er immer wieder, auf Dawn einzugehen, ihr den notwendigen Raum zu lassen, sie nicht zu überfahren. Dies gelingt ihm hervorragend. Das Gespräch zwischen den beiden auf der Couch. Gänsehaut pur. Ich habe mit ihm gemeinsam den Atem angehalten, wie Dawns Antwort auf die Frage: Willst du nach Hause? ausfallen wird. Wo ist mein Spencer?

Was macht eine gute Geschichte unter anderem aus? Genau: Protagonisten, mit denen man sich identifizieren kann. In diesem Fall ist es bei mir Dawn. Dawn ist der Typ Mensch, den man einfach nur immer in den Arm nehmen, aber ab und an auch schubsen und zu ihrem Glück zwingen will. Sie hat mich wahnsinnig gemacht, weil sie sich Spencer nicht öffnen konnte, aber trotz allem konnte ich sie verstehen. Ich hätte genau wie sie gehandelt. Ihre Geschichte kommt mir nämlich leider nur allzu bekannt vor, ihr Verhalten ist absolut nachvollziehbar, an jeder Stelle der Geschichte schlüssig und damit sehr rund.

Trotz aller Tragik und Dramatik, die hier wirklich nicht zu kurz kommt, ist die Geschichte auch sehr amüsant und kurzweilig. Immer wieder musste ich schmunzeln, vor allem über Spencers Sprüche und Dawns Reaktion darauf. Mona Kasten schaffte es aber, bei allem Humor, auch immer schnell, mich wieder einzufangen und auch die getragenen Szenen so zu schreiben, dass ich sie spüren konnte. Der erste „Besuch“ bei Spencers Eltern war sehr berührend.

Der Schreibstil ist leichtgängig und zog mich extrem schnell in den Bann der Geschichte. Die Sprache ist sehr bildhaft, so dass ich keinerlei Probleme hatte, den Kinofilm vor meinem inneren Auge entstehen zu lassen. Kann mir übrigens mal jemand erklären, warum es so sexy ist, wenn gutaussehende, schlanke, durchtrainierte junge Männer langsam die Hemdsärmel hochrollen? Ich kann es nicht erklären, warum es so ist, aber immer, wenn ich eine solche Szene in einem Buch lese, finde ich das extrem erotisch. Spencer sabber

Von mir gibt es für diesen zweiten Band einer Reihe 5 Sterne. Ein wundervoller, ans Herz gehender Schreibstil mit zwei Protagonisten, die füreinander Alles sind, es sich aber nicht eingestehen wollen und eine spannende Geschichte, die mich in ihren Bann gezogen hat.

Ich hoffe wirklich, dass ich euch mit meiner Rezension Lust auf das Buch machen kann. Klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 26.02.2017

Regt zum nachdenken an

Die Tribute von Panem 1. Tödliche Spiele
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Ich habe vor einigen Jahren die Bücher gelesen, alle Filme im Kino gesehen und mache mich nun an die Hörbücher. Obwohl ich die Geschichte sehr gut kenne, habe ich auch das Hörbuch mit Spannung verfolgt.

Sehr ...

Ich habe vor einigen Jahren die Bücher gelesen, alle Filme im Kino gesehen und mache mich nun an die Hörbücher. Obwohl ich die Geschichte sehr gut kenne, habe ich auch das Hörbuch mit Spannung verfolgt.

Sehr angenehm ist, dass Maria Koschny sowohl im Film die Synchronstimme von Jennifer Lawrence, die Katniss spielt, ist, als auch das Hörbuch spricht. Dadurch hatte ich sofort die Filmszenen vor Auge. Da ich finde, dass die Filme zu Die Tribute von Panem großartig umgesetzt sind, machte es mir das hören der Bücher noch leichter.

Zur Geschichte braucht man wahrscheinlich kaum etwas sagen, denn wer kennt diese Trilogie noch nicht? Wahrscheinlich die wenigsten Leser. Solltest du allerdings zu denen gehören, die die Bücher noch nicht kennen: Greif zu! Die Geschichte ist einerseits sehr spannend geschrieben, regt andererseits aber auch stark zum Nachdenken an. Das Kapitol schickt jedes Jahr zwei Kinder aus jedem Distrikt in die so genannten Hungerspiele, um sich gegenseitig bis zum Tod zu bekämpfen. Moderne Gladiatorenkämpfe, bei denen die Spielmacher auch noch eingreifen, wenn nicht genug Aktion in der Arena entsteht. Die Bewohner der Distrikte, die arm sind, und in vielen Distrikten Hunger leiden, werden gezwungen zuzuschauen. Die Bewohner des Kapitols, die Reichen, denen es gut geht, schauen sich das Spektakel zum Spaß an. Erinnert an die Gladiatorenkämpfe, oder? Genau… aber, gerade vor dem Hintergrund der heutigen TV Shows, bei denen es auch darum geht, Menschen vorzuführen, um den Ekelfaktor, um immer heftigere „Spiele“ um den Zuschauer zu unterhalten, müssen wir da Angst haben, dass wir irgendwann so weit kommen und wieder Menschen gegeneinander in die Arena schicken? Zur Unterhaltung? Wahrscheinlich nicht mehr zu unseren Lebzeiten, aber wenn es so weitergeht, wie es derzeit ist, vielleicht in 100, 200 oder 500 Jahren? Ich weiß es nicht. Ich hoffe nicht, dass es so weit kommt. Ich schließe es aber auch nicht gänzlich aus. Mich zumindest bringt dieses Buch dazu, darüber nachzudenken, was die Reality-TV-Shows mit uns machen.

Katniss, die Protagonistin des Buches, ist ein junges Mädchen, das sich stellvertretend für ihre Schwester, die für die Hungerspiele ausgelost wurde, in die Arena begibt. Dadurch, dass ihr Vater früh verstorben ist, und sie bereits als Kind die Ernährerin der Familie war, ist Katniss etwas besser vorbereitet, als andere junge Menschen, die in die Arena müssen. Katniss besticht durch eine Mischung aus Naivität, Eigensinn und Schläue. Sie versucht, ihren eigenen Kopf zu bewahren, sich dem Kapitol nicht geschlagen zu geben. Sie erkennt aber auch, wann es an der Zeit ist, das Spiel mit zuspielen. Manchmal recht spät, manchmal nur mit einem großen Schubs ihres Mentors Hamitch, aber man merkt, dass sie Köpfchen hat.

Peeta, der männliche Protagonist, ist da deutlich schlechter auf die Arena vorbereitet, was Kampfkunst und Überlebenstraining angeht. Aber, er hat eine natürliche Art, die Menschen im Kapitol für sich zu begeistern und die richtigen Dinge zur richtigen Zeit zu sagen und zu tun.

Auch die Nebenfiguren, Gale, Hamitch, Cinna und andere Menschen aus dem Kapitol, sind wunderbar ausgearbeitet. Man hat sie alle regelrecht vor dem inneren Auge. Dabei wundert man sich immer wieder über die Naivität, die die Menschen des Kapitols prägt. Unglaublich, wie sich erwachsene Menschen so stark darauf freuen können, dass sich Kinder in einer Arena gegenseitig umbringen. Erschreckend! Einzig Cinna, Katniss´ Stylist, scheint einen gesunden Menschenverstand zu haben und schafft es, sie durch die Art und Weise, wie er Katniss einkleidet, ein Stück weit zu unterstützen.

Die Geschichte entwickelt sich stetig vorwärts. Die Spannung wird die gesamte Zeit über aufrecht erhalten. Einmal angefangen kann man sich der Geschichte nicht entziehen.

Von mir gibt es für eine spannende, zum Nachdenken anregende, sehr runde Geschichte 5 Sterne und eine Lese- oder Hörempfehlung.

Veröffentlicht am 25.02.2017

Sehr gelungene Fortsetzung, spannend und rund

Pala
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Wenn ihr diese Bücher lesen wollt, dann kommt ihr nicht drum herum, bei Band 1 anzufangen. Die Bücher bauen aufeinander auf. Wenn ihr die Vorbände nicht gelesen habt, dann lest hier nicht weiter. Es könnte ...

Wenn ihr diese Bücher lesen wollt, dann kommt ihr nicht drum herum, bei Band 1 anzufangen. Die Bücher bauen aufeinander auf. Wenn ihr die Vorbände nicht gelesen habt, dann lest hier nicht weiter. Es könnte sein, dass ihr gespoilert werdet.

Mit „Verlorene Welt“ legt Marcel van Driel den dritten Band der Braingame-Trilogie vor. Für mich ist dieser Band bisher der stärkste Band der Reihe, denn die Figuren haben sich unheimlich weiterentwickelt. Den größten Sprung hat wohl Iris gemacht. Von der unsicheren 13jährigen zu einer 14jährigen Kampfmaschine, die vor kaum etwas zurückschreckt um ihr lieb gewordene Menschen zu schützen. Hier geht es vor allem im Yun Yun, zu der sich in Band 2 ein starkes Band entwickelt hat. Der „Unfall“ Yun Yuns im vorhergehenden Band ist es auch, der Iris die Augen dafür geöffnet hat, dass sie anfangen muss, Mr. Oz zu bekämpfen. Dabei schafft Iris es aber, sich trotz allem, was sie tun muss, um Yun Yun zu schützen, ihre Menschlichkeit zu bewahren.

An Iris sieht man in diesem Band auch sehr schön die Zerrissenheit, in der sie steckt. Sie weiß nicht mehr, wem sie vertrauen kann. Wer will wirklich etwas Gutes für die Welt und wer verfolgt seine eigenen Ziele? Eben so wie Iris ist auch der Leser nicht immer ganz sicher, wem man trauen kann und wem nicht. Iris ist es auch, die wir die meiste Zeit begleiten. Dadurch ist sie dem Leser am nächsten. Aber Marcel van Driel schwenkt auch an den richtigen Stellen zu wichtigen Nebenfiguren, wie Fiber, Dilek oder Justin, damit der Leser jederzeit weiß, was an anderen Stellen der Welt oder auf Pala selbst vorgeht.

In diesem Band lernen wir deutlich mehr über Mr. Oz, als es in den Vorgängerbänden der Fall war. Wir erfahren etwas über seinen Hintergrund, wie er war, bevor er zu Mr. Oz wurde, wie es überhaupt dazu kam, dass er Mr. Oz wurde und auch einiges darüber, was er plant.

Die Geschichte liest sich erneut sehr flüssig. Durch den spannenden Schreibstil von Marcel van Driel wird man sofort wieder in die Welt von Pala hinein gezogen und fliegt nur so durch die Seiten. Zu keiner Zeit tauchen im Buch Längen auf, jederzeit entwickelt sich die Handlung vorwärts. Ich bin wirklich süchtig nach dieser Reihe, denn Marcel van Driel schafft es immer wieder, die Spannung noch ein Stück höher zu hängen und den Leser zu überraschen, ohne dass es unglaubwürdig wirkt.

Das Ende ist schlüssig, aber auch wieder sehr überraschend. Ich bin froh, dass es noch einen vierten band geben wird, denn sonst wäre ich an dieser Stelle wirklich nicht zufrieden gewesen. Seid gespannt!

Von mir gibt es für den bisher stärksten Band der Reihe 5 Sterne.

Veröffentlicht am 13.02.2017

Ein sehr gefühlvoller Liebesroman

Schlaflos in Manhattan
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Ich weiß, langsam wird es ein bisschen unglaubwürdig, aber ich kann auch bei dem neuen Buch von Sarah Morgan nicht anders, als schwärmen. Für mich steht der Name Sarah Morgan inzwischen für wundervoll ...

Ich weiß, langsam wird es ein bisschen unglaubwürdig, aber ich kann auch bei dem neuen Buch von Sarah Morgan nicht anders, als schwärmen. Für mich steht der Name Sarah Morgan inzwischen für wundervoll geschriebene Liebesromane mit einer spannenden Geschichte, viel Herz und einer guten Prise Freundschaft.


Im Mittelpunkt steht wieder ein Freundinnen-Trio (Paige, Eva und Frankie) und wird aus Sicht von Paige erzählt, die die Hauptperson des Buches ist. Paige hat mir von Anfang an gut gefallen. Sie ist kreativ und ein totales Organisationstalent. Solche Menschen bewundere ich, denn das ist etwas, was mir völlig fehlt. Ab und an fand ich sie ein bisschen zu überzeugt von sich. ich glaube nicht, dass es beabsichtigt war, dieses Gefühl herauf zu beschwören, aber sie ist schon sehr bestimmend. Dabei ist sie aber immer für ihre Freundinnen da, macht sich Gedanken darum, dass es Frankie und Eva gut geht. Paige ist der Mensch, der am liebsten alles mit sich selbst ausmacht. Hilfe annehmen fällt ihr schwer. Hier macht Paige aber durchaus eine Entwicklung durch.


Frankie ist diejenige der drei Frauen, die sich geschworen hat, nie wieder einem Mann zu vertrauen. Warum, das erfährt man hier noch nicht so wirklich, es werden bisher eher nur Andeutungen gemacht. Diese Geschichte wird sicher in ihrem eigenen Band aufgelöst. Aber, man liest es schon hier heraus: Es bahnt sich etwas an. Sollte es im zweiten Band der Manhattan-Trilogie im Frankie gehen, dann weiß ich, wer der Auserwählte ist. Und genau das finde ich so schön. Man spürt schon etwas, Sarah Morgan macht Andeutungen, aber sie verrät es noch nicht. Frankie ist diejenige der Freundinnen mit dem grünen Daumen und diejenige, die sich für Technik begeistern kann. Sie versucht die romantische Eva immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen. Dies gelingt ihr zum Glück nicht. Dabei ist sie aber nie verletzend, oder böse. Sie ist ein wunderbarer Mensch, der einmal ziemlich verletzt worden sein muss.


Eva ist die romantische der Freundinnen. Sie sieht in jedem Menschen das Gute, sie spürt als Erste, was zwischen Paige und Jake vor sich geht. Eva hat feine Antennen für ihre Mitmenschen und ist, auch wenn sie die zurückhaltendste der Freundinnen zu sein scheint, immer für alle da und sorgt dafür, dass sich alle wohlfühlen.


Jake und Matt, die beiden männlichen Gegenparts zu den drei Freundinnen sind wunderbar gezeichnet. Dabei gefällt mir Matt allerdings besser, als Jake. Matt ist genau der Typ Mann, der mir in Romanen (und auch im richtigen Leben) gefällt. Der Taummann, der immer ein offenes Ohr hat, sensibel ist, sich um andere Menschen sorgt und nicht so der Typ Bad Boy, wie es Jake ab und an heraushängen lässt. Er ist erfolgreich, aber total auf dem Boden. Auch Jake ist mega erfolgreich, noch erfolgreicher als Matt und auf dem Boden geblieben. Auch er hat die sensible Seite an sich, spürt sehr genau, wie es Paige geht, aber er macht immer wieder einen auf „starken Mann“. Jake ist der Typ Mann, der Probleme damit hat, Gefühle zuzulassen. Jake ist wohl derjenige, der in diesem Buch die größte persönliche Entwicklung durchmacht.


Die Geschichte vermittelt eine tolle Botschaft. Nicht aufgeben! Verwirkliche deine Träume! Paige, Eva und Frankie setzen sich dafür ein, ihre Träume zu verwirklichen und treiben dies mit viel Mut voran. Ganz ohne die Hilfe von ihren Freunden und der Familie schaffen sie es dann allerdings doch nicht. Es geht also auch um Freundschaft, um Zusammenhalt und darum, Hilfe anzunehmen, wenn man sie braucht. Aber, es geht auch darum, auf sich selbst zu vertrauen und sich nicht von Menschen, die meinen, dass sie etwas Besseres sind, klein machen zu lassen. Sarah Morgan hat es hier wirklich geschafft, viele tolle Botschaften zu übermitteln, über die man noch länger nachdenken kann.


„Deine Sicherheit kommt aus dir selbst.“ (S. 86)


Ich kann nicht anders, als auch diesem Buch von Sarah Morgan wieder 5 Sterne zu geben. Wenn ihr Liebesromane mögt, dann kann ich euch die Bücher von Sarah Morgan nur ans Herz legen. Egal, ob es die Snow Crystal Reihe, die Puffin Island Reihe oder jetzt diese, ihre neue Reihe ist. Man fliegt nur so durch die Seiten. Ihre Bücher machen süchtig!

Veröffentlicht am 05.02.2017

meinen tiefsten Respekt vor dieser Lebensgeschichte

Der Junge, der nicht hassen wollte
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Shlomo Graber schreibt in sehr einfachen Sätzen und einer einfachen Sprache, so dass auch jugendliche Leser dem Buch gut folgen können. Shlomo Graber selbst sagt, dass er dieses Buch bewussst einfach und ...

Shlomo Graber schreibt in sehr einfachen Sätzen und einer einfachen Sprache, so dass auch jugendliche Leser dem Buch gut folgen können. Shlomo Graber selbst sagt, dass er dieses Buch bewussst einfach und „ohne Schnörkel“ geschrieben hat. Mir hat diese Einfachheit einerseits gefallen, andererseits war es dadurch manchmal auch etwas ja, eben zu einfach. Der Schreibstil ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Wir begleiten Shlomo Graber auf 224 Seiten von seiner frühen Kindheit, die ganz normal verlaufen ist, bis zu seinem 18. Lebensjahr.

Aufgewachsen in einem kleinen Dorf, mit den normalen Problemchen, die die Kindheit und Jugend so mit sich bringt, sind Shlomo und seine Familie von den Anfängen der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten eher weit weg. Sie erfahren, was den Juden in Europa passiert, aber sie müssen es noch nicht erleben. Gerade diese relativ normale Kindheit führte mir die Schrecken noch mehr vor Augen. Man fängt unweigerlich an zu überlegen, wie man selbst empfunden hätte, als Kind bzw. Jugendliche in der Situation, in die Shlomo Graber und viele viele andere Menschen gebracht wurden. Die Nationalsozialisten besetzten am 19.3.1944 Ungarn und die Lage der ungarischen Juden veränderte sich dramatisch, was auch Shlomo und seine Familie zu spüren bekamen. Shlomo Graber ist 14 Jahre alt, als er mit seiner gesamten Familie aus dem ungarischen Dörfchen Nyirbator nach Auschwitz deportiert wird. Das Grauen beginnt und ich weiß nicht, wie man als Mensch, aber auch vor allem als Jugendlicher eine solche Gefangenschaft in verschiedenen Konzentrationslagern und mit den verschiedenen, wirklich sadistischen Menschen um sich herum, überleben kann und dabei seine Menschlichkeit nicht verliert.

Ganz furchtbar war auch, zu erleben, wie sich die Rolle zwischen Vater und Sohn verwandelte. Der Vater, der 14 Jahre lang seinen Sohn erzogen und beschützt hat, muss nun von seinem Sohn gestützt werden. Vielleicht ist das das geringste Problem, das Shlomo und sein Vater hatten, aber mir führte auch dies so deutlich vor Augen, dass man mit einer solchen Situation einfach nicht umgehen kann, egal, ob als Kind, Jugendlicher oder Erwachsener. Hilflos ausgeliefert, den Launen der Bewacher. Je mehr Bücher ich über diese Zeit lese, umso weniger verstehe ich allerdings, wie Menschen so grausam sein können. Wie auch Shlomo Graber schreibt: Wie kann es sein, dass vorher völlig normale Menschen, ihre gesamte Empathie, ihre Menschlichkeit, verlieren? Wie kann es sein, dass die Gefangenen sinnlos gequält, ja gefoltert werden? Von Menschen, die vorher doch sicher einer normalen Beschäftigung nachgingen, Familie haben. Ich kann es nicht begreifen. Werden wir Menschen so, wenn wir vorher nur „normale kleine Bürger“ waren, die plötzlich uneingeschränkte Macht verliehen bekommen? Mir ist das einfach unbegreiflich.

Die letzten Worte, die Shlomos Mutter zu ihm sagt, als sie in Auschwitz angekommen in eine andere Richtung gehen muss sind: „Liebe ist stärker als Hass, vergiss das nie, mein Sohn.“ und genau diese Worte sind es, die Shlomo zu seinem Leitsatz macht.

Ich habe den tiefsten Respekt davor, dass ein Mensch, dem grauenhafte Dinge angetan wurden, so grauenhaft, dass er immer wieder schreibt, dass er sie nicht näher ausführen wird, so viel Menschlichkeit in sich bewahren kann. Das Buch endet damit, dass Shlomo, aus dem Konzentrationslager gerettet, einer deutschen Frau und Baby ein Stück Brot reicht. Er beschließt, trotz der Geschehnisse, nicht zu hassen, nicht zu weinen, sondern zu vergeben. Shlomo ist 18 Jahre alt und das Leben liegt nun vor ihm.

Der Verlag schrieb mir: „Shlomo Graber versteht sein neues Buch als Botschaft an die Jugend und die kommenden Generationen. Natürlich soll mit dem Buch auch an das was geschah erinnert werden, aber die fundamentale Botschaft die Shlomo Graber damit geben will ist: Hass vergiftet die Herzen der Menschen und Hass erzeugt immer nur mehr Hass!“

Ja, und genau das trifft es. Genau diese Botschaft vermittelt der Autor mit seinem Buch. Bei mir ist genau diese Botschaft auch angekommen, selbst wenn ich die Information nicht gehabt hätte.

Federn zu vergeben fällt mir in diesem Fall schwer. Man kann eine Lebensgeschichte nicht bewerten. Ich fürchte, dass die einfache Sprache nicht jedem liegen wird, auch mir hat der Schreibstil teilweise Probleme bereitet. Ich war kurz am überlegen, ob ich 4 Sterne vergebe, aber der Mensch, Shlomo Graber hat unseren tiefsten Respekt verdient, dass er trotz der Unmenschlichkeit, die er erlebt hat, seine eigene Menschlichkeit nicht verloren hat. Die Botschaft des Buches ist wichtig und unbedingt lesenswert. Von daher gibt es von mir gibt 5 Sterne.