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Veröffentlicht am 03.01.2021

Spannendes Setting, blasse Nebencharaktere

Zusammen wie Schwestern
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Eins der Jugendbücher, die mit einem spannenden Setting und gutem Plot unterhalten, deren Charaktere aber nicht über die genügende Tiefe verfügen.

Die Geschichte wird aus Brits Sicht erzählt und mit ihr ...

Eins der Jugendbücher, die mit einem spannenden Setting und gutem Plot unterhalten, deren Charaktere aber nicht über die genügende Tiefe verfügen.

Die Geschichte wird aus Brits Sicht erzählt und mit ihr zusammen lernt man das Bootcamp für „trotzige Mädchen“ kennen. Hier wird mit psychischen und physischen Druck die Mädchen wieder auf die Spur zu bringen, so wie sie von der Familie und der Gesellschaft gewünscht werden. Mich überraschte, dass es bei der Anzahl von Mädchen mit psychischen Problemen oder traumatischen Erlebnissen nicht viel mehr Ausfällen und Unglücksfällen gegeben hat. Aber dies liegt vielleicht daran, dass die Geschichte sich hauptsächlich auf Brit und ihre vier Wegbegleiterinnen konzentriert.

Leider bleiben auch V, Bebe, Martha und Cassie in dem Buch sehr blass. Ich hatte lange Zeit Probleme sie auseinander zu halten Jede von Ihnen steht für ein vermeintlich psychisches Grundproblem (wie Übergewicht, Homosexualität, Vernachlässigung und Angstörung), darüber hinaus erlangen sie keine Tiefe oder Schattierungen und wenig Aussicht auf die Überwindung ihrer Probleme.

Stück für Stück erfährt man mehr von Brits Vergangenheit und warum sie im Camp gelandet ist. Sie scheint die meiste Zeit als völlig gesund in ihren Gedanken und Taten. Und so erscheinen die Gründe, warum ihr Vater sie im Camp abgeliefert hat, bis zum Schluss als zu schwach. Es wundert mich generell, wie viel Vertrauen Eltern in die unbekannte Einrichtung setzen, ohne sich persönlich ein Bild zu machen, wie es den Mädchen geht und ohne vor Ort sich andere Hilfe gesucht zu habe. Mag sein, dass dies in Amerika üblich ist, mir erschien es wenig unglaubhaft, dass sich so viele Eltern so verantwortungslos verhalten.

Ab der Mitte mausert die Geschichte sich aber zu einer spannenden Coming-of-Age Erzählung mit einem guten Spanungsbogen und effektiver Suspense.

Fazit: Das Buch hat gut unterhalten, wenn ich mir auch mehr Tiefe gewünscht hätte.

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Veröffentlicht am 15.12.2020

Abenteuerlicher Lesegenuss mit Hindernissen

Tiger
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Es ist kein einfaches Buch. Keine Geschichte, in die man einfach versinken kann. Geduld und Glaube an die Fertigkeiten der Autorin werden gefordert. Ich wurde hin und her geruckelt, haderte mit der ungewöhnlichen ...

Es ist kein einfaches Buch. Keine Geschichte, in die man einfach versinken kann. Geduld und Glaube an die Fertigkeiten der Autorin werden gefordert. Ich wurde hin und her geruckelt, haderte mit der ungewöhnlichen Einteilung, mit dem sich überlappenden und nicht immer chronologischen Erzählsträngen. Manche Passage wirkten überflüssig und erhielten erst am Ende einen Sinn.

Die Autorin hat die Geschichte überwiegend von vier Protagonisten erzählen lassen: Frieda, Tomas, Edit und dem Tiger. In vier abgeteilten Abschnitten berichten sie von ihrem Leben und ihrer Entwicklung. Lange Zeit blieben die Zusammenhänge im Dunkeln. Erst am Ende kommen sie jeder für sich wieder zu Wort.

Der Roman ist in einer wunderschönen Sprache erzählt und sie wandelt sich auf jeden Protagonisten abgestimmt. Besonders die unwirtliche Lebensbedingungen in Sibirien, die Schönheit der Fauna und Flora und das Innenleben der Protagonisten werden dadurch greifbar und einzigartig. Der Tiger beherrscht auf eine nachdrückliche Weise die gesamte Erzählung.

Jeder Protagonist für sich wird ausführlich vorgestellt, dabei werden besonders die psychischen Besonderheiten und ihre Entwicklungsstörungen herausgearbeitet. Es sind keine einfachen Charaktere, die in existenziellen Krisen stecken und sich mit ganz unterschiedlichen Lösungsstrategien den Herausforderungen ihres Lebens stellen. Keiner ist auf den ersten Blick sympathisch. Doch je besser ich sie kennenlernen - ihre Nöte, ihr Ringen - desto mehr wachsen sie mir ans Herz. Am Ende ist eine glaubhafte Entwicklung gelungen.

Schwierig fand ich die abbruchartigen Übergängen zum nächsten Abschnitt. Ich war noch gar nicht bereit mich auf jemanden Neues einzustellen. Gestört hat mich außerdem, dass lange Passagen gedanklicher Rückblicke großen Platz eingeräumt wird und die aktuelle Geschehnisse dadurch wie kurze Blitzlichter erscheinen. Dies ändert sich tatsächlich erst zum Ende. Faszinierend waren dafür die Raubkatzen und der Überlebenskampf in den sibirischen Wäldern. Die detailreichen Schilderungen hinterlassen tiefe Eindrücke.

Der Autorin gelingt es am Ende die Verbindungen herzustellen und alle losen Enden zu vernähen. Das versöhnt mich ein wenig mit den harten Abbrüchen in der laufenden Erzählung. In Erinnerung bleiben mir die Kraft des Tigers, die Kälte Sibiriens und dass Herzen einer Berufung folgen möchten.

Fazit: Ungewöhnliche Erzählung, die mehr Entwicklungs- als Abenteuerroman ist und ihre Spannung aus der Unterschiedlichkeit der Protagonisten zieht, der Wildheit Sibiriens und seiner Tiger.

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Veröffentlicht am 05.12.2020

Kindlicher Blick auf die Transition

Mein Bruder heißt Jessica
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Die Geschichte wird aus der Sicht des 13-jährigen Sam geschildert, für den durch das Outing seines Bruders als transgender, die Welt aus den Fugen gerät. Er vermisst seinen großen Bruder Jason, sein Vorbild, ...

Die Geschichte wird aus der Sicht des 13-jährigen Sam geschildert, für den durch das Outing seines Bruders als transgender, die Welt aus den Fugen gerät. Er vermisst seinen großen Bruder Jason, sein Vorbild, derjenigen, der ihm Halt gegeben hat - in einem Elternhaus, in dem das Familienleben sich der Karriere der Mutter unterzuordnen hat. Seit Jasons Outing scheint dieser nur noch mit sich selbst beschäftigt und hat keine Zeit mehr für Sam und dessen Probleme. Die Eltern sind außer sich, haben Ängste bezüglich ihres Ansehens und der Auswirkung auf die Karriere, anstatt auf ihre Kinder und deren Ängste einzugehen. Die Familie droht auseinander zu brechen.

Der Autor zeigt in seiner Geschichte recht gut, welche Auswirkungen eine Transition für die nahen Angehörigen bedeuten kann. Besonders der Schock nach dem Outing und die Sprachlosigkeit und Verweigerung der Angehörigen fand ich gut getroffen. Die Entwicklung zum Ende war mir persönlich zu unrealistisch und melodramatisch. Auch fehlte der Anlass, der diese Umschwung einleitet.

Ich empfinde Sam für sein Alter noch sehr kindlich und so ist auch seine Erzählung sehr einfach und und undifferenziert. Besonders die Eltern sind sehr eindimensional aus seinem Blick. Ihre Reaktionen sind oftmals so überzogen geschildert, dass mich die Geschichte fast an eine Persiflage erinnert anstatt an eine sensible Schilderung in einem Jugendroman. Zwar gelingt es Sams Not zu zeigen, doch ich nehme ihm übel, wie wenig er bereit ist auf Jessica einzugehen.

Ich bin sehr an queren Themen und Perspektiven interessiert und hatte viel von diesem Buch erwartet, gerade weil der Autor in „Der Junge im gestreiften Pyjama“ gezeigt hat, wie eindrucksvoll und sensibel er Geschichten erzählen kann. „Mein Bruder heißt Jessica“ bleibt hinter diesen Erwartungen zurück.

Fazit: Ein Buch, das Kinder und Jugendliche an das Thema heranführen kann, aber keins das in Erinnerung bleibt.

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Veröffentlicht am 25.10.2020

Viktorianisches London meets Tausendundeine Nacht

Ministry of Souls – Das Schattentor
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Jack ist angehender Soulman im Ministerium für endgültige Angelegenheit, dessen Aufgabe es ist, die verirrten Seelen Verstorbener auf die andere Seite zu befördern und England damit von störenden Geistern ...

Jack ist angehender Soulman im Ministerium für endgültige Angelegenheit, dessen Aufgabe es ist, die verirrten Seelen Verstorbener auf die andere Seite zu befördern und England damit von störenden Geistern zu befreien.
Leider lassen die Anerkennung und die angestrebte lukrativen Aufträge auf sich warten, weil ausgerechnet die zugewiesene Verstorbene Agathe sich Jacks Versuchen erfolgreich widersetzt.
Doch das Schicksal spielt Jack in die Karten. Trotz fehlendem Berufsabschluss erhält er einen wichtigen Auftrag im Buckingham Palace. Dort soll er, ohne Aufsehen zu erregen, eine ermordete arabische Gesandtschaft überführen. Leider läuft nichts wie im Lehrbuch, denn Jack findet unter den Leichen die noch lebenden Prinzessin Naima und wird von einem brutalem Schattenbiest angegriffen. In seiner Panik rettet er sich und die Prinzessin in die Zwischenwelt. Dieser Verstoß gegen die goldenen Regel der Soulmen setzt eine dramatische Kettenreaktion in Gang.

Der Einstieg in den ersten Band des Ministry of Souls ist wirklich grandios. Dem Autor gelingt es mit vielen atmosphärischen Details und gut recherchierten Fakten das viktorianische London aufleben zu lassen. Das erschaffenen Ministerium für endgültige Angelegenheiten erinnert in dieser Kulisse an die Welt von Harry Potter und die Einführung in die Grundregeln dieser Fantasywelt gelingt mit viel Witz und humorvollen Dialogen.

Mit den Geistern und der Zwischenwelt baut der Autor seine Welt in Richtung Märchen aus Tausendundeiner Nacht aus und schafft damit die Grundlage für ein ganz eigenes Fantasyspektakel. Leider bleibt die Geschichte darin dünn, Fragen werden nur unzulänglich beantwortet, und sie verkommt zu einer Hetzjagd durch die Kulissen. Auch kann Jack leider als Held nicht überzeugen. Er bleibt blass und erhält keine Chance charakterlich zu wachsen.

Die Nebencharaktere sind dafür laut, schrill und grandios. Sie stehlen Jack schon bald die Show und reißen die Story an sich. Sie sind es auch, die den Leser dranbleiben lassen und der Geschichte Spannung und Witz verleihen.

Fazit: Ein blasser Held in einer rasante Hetzjagd mit humorvollen Nebencharakteren vor fantastischer Kulisse. Für die nächsten Bände ist noch viel Entwicklungsspielraum.

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Veröffentlicht am 30.08.2020

Etwas schwächer als der Reihenauftakt

Doktor Maxwells chaotischer Zeitkompass
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Nachdem Max einen furiosen Einstieg in die Geschichte und das St. Mary`s in Band eins genommen hat, muss sie sich in Band 2 schon in leitender Funktion beweisen. Dabei gleicht der Verlauf der Missionen ...

Nachdem Max einen furiosen Einstieg in die Geschichte und das St. Mary`s in Band eins genommen hat, muss sie sich in Band 2 schon in leitender Funktion beweisen. Dabei gleicht der Verlauf der Missionen sehr ihrem chaotischen und impulsiven Charakter.

Auch in diesem Band wird mit humorigen Situationen, Spannung und experimentellen historischen Verknüpfungen nicht gespart. Da Max mittlerweile zum Stammpersonal mit Routine gehört, hatte ich an machen Stellen Probleme der Expertenterminologie sowie der Personen- und Ereignisvielfalt der Handlung zu folgen. Die Konflikte und historischen Abläufe sind sehr miteinander verzahnt und reihen sich in rascher Folge aneinander. Das bringt eine Menge Tempo und Spannung, am Ende ist es mir jedoch nicht gelungen, alles zu durchschauen. Auch rochen mir manche sich ergebende zufällige Lösungen von Problemen und Missionszielen sehr nach Deus ex Machina.

Auf der anderen Seite wissen die turbolente Story und die witzigen Dialoge sehr gut zu unterhalten, so dass ich die Schwächen auch schnell wieder verzeihe.

Fazit: humorvolle und rasantes Zeitabenteuer, bei dem man ab und zu ein Auge zu kneifen muss

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