Profilbild von Girdin

Girdin

Lesejury Star
offline

Girdin ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Girdin über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.11.2020

Actionreicher Spionageroman mit toughen Figuren, die eigennützig und mit wenig Gefühl handeln

Die Republik
0

Der unter Pseudonym schreibende Autor Maxim Voland lässt seinen Roman „Die Republik“ in einer Parallelwelt spielen, in der im Jahr 1949 die drei Westmächte sich zurückzogen und die Sowjetunion die Kontrolle ...

Der unter Pseudonym schreibende Autor Maxim Voland lässt seinen Roman „Die Republik“ in einer Parallelwelt spielen, in der im Jahr 1949 die drei Westmächte sich zurückzogen und die Sowjetunion die Kontrolle über das heutige Gebiet Deutschlands mit Ausnahme von West-Berlin erhielt. Jedoch spielt die Handlung nicht in einem historischen Setting, sondern in der Gegenwart. Inzwischen ist die DDR ein ernstzunehmender Faktor auf den internationalen Märkten, doch zum Westen hin sind die Grenzen weiterhin gesichert.

Eines Tages ereignet sich im Ostteil Berlins ein Giftgasanschlag, der vielen Zivilbürgern das Leben kostet. Der Vorfall ist schwer einzuordnen und wirft Fragen auf. Vor allem wird befürchtet, dass weiterer Schaden entstehen könnte. Unruhe entsteht unter den allgemein bekannten Agentenorganisationen der Welt. Zu Protagonisten werden ein Stasi-Oberst der DDR, eine MI6 Mitarbeiterin im Westteil Berlins und ein Dolmetscher aus Frankreich, der erstmalig zu Besuch bei seiner Familie im Saarland an sowie seine Cousine.

Der Roman ist nicht für sensible Leser gedacht. Ganz nach Bond-Manier agieren hier die verschiedenen Geheimdienste zu ihrem eigenen Vorteil. Verschwörungen, Intrigen, alte Abrechnungen zwischen den Agenten sind an der Tagesordnung. Jeder manipuliert so gut und so geheim er kann. Jeder Einsatz kostet zahlreiche weitere Opfer. Die Frage danach, warum und wieso sich der der Giftgasanschlag in Berlin ereignen konnte bleibt lange im Verborgenen. Bis fast zum Schluss wird der Drahtzieher gesucht. Aus dieser Hinsicht hält der Roman lange den Spannungsanteil. Die Figuren konnten meine Sympathie nicht wecken, wozu Rachegelüste ohne Rücksicht auf weitere Opfer beitrugen. Die Trauer der in den Fall verwickelten Zivilisten über die hinzunehmenden Verluste ist kurz und nur im Ansatz vorhanden.

Der Autor lässt immer wieder einen Teil Alltag in der DDR-Anteil durchblitzen, wie es heute sein könnte, wenn sich die Geschichte damals, wie oben erwähnt, ereignet hätte. Das Gedankenspiel ist durchaus eigenwillig und beachtenswert. Durch den hohen Anteil unterschiedlicher Agentenorganisationen verlangt es Aufmerksamkeit, die Mitwirkenden den entsprechenden Geheimdiensten zuzuordnen und im Blick zu behalten, wer auf welcher Seite mit welcher Motivation steht. Ein Personenverzeichnis und ein Glossar am Ende des Buchs ist hierbei hilfreich.

„Die Republik“ von Maxim Voland ist ein actionreicher Spionageroman mit vielen toughen Figuren, die eigennützig und mit wenig Gefühl handeln. Komplotte werden geschmiedet, Hinterhalte gelegt, Angriff und Verteidigung erbarmungslos umgesetzt und es gibt einige unerwartete Wendungen in einem ungewöhnlichen fiktiven Szenario bei dem Deutschland sich geschichtlich ganz anders entwickelt hat wie wir es kennen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.11.2020

Folge deinen Träumen und genieße dein Leben Tag für Tag

Für einen Sommer unsterblich
0

Wenige Wochen lang scheint das Leben für Claudine, kurz Claude genannt, still zu stehen, nichts ist mehr wie sonst und nichts so wie erwartet. In ihrem Roman „Für einen Sommer unsterblich“ für Leser ab ...

Wenige Wochen lang scheint das Leben für Claudine, kurz Claude genannt, still zu stehen, nichts ist mehr wie sonst und nichts so wie erwartet. In ihrem Roman „Für einen Sommer unsterblich“ für Leser ab 14 Jahren erzählt die US-Amerikanerin Jennifer Niven die Geschichte ihrer 18-jährigen Protagonistin in dem Zeitraum kurz vor deren High School Abschluss bis hin zum Studienbeginn. Sie lässt Claude selbst erzählen, so dass ich als Leser ganz dicht an der Figur war.

Kurz vor ihrer Abschlussfeier erfährt Claude, die in einer Kleinstadt in Ohio lebt, dass sich ihre Eltern scheiden lassen. Zunächst soll sie darüber nach außen hin noch Stillschweigen bewahren. Ihre Mutter entscheidet sich, vorläufig auszuziehen und mit Claude gemeinsam auf einer Insel vor der Küste Georgias den Sommer zu verbringen. Die Pläne von Claude für ihre Sommerferien sind hinfällig. Ihre Laune verschlechtert sich noch mehr als sie erfährt, dass ihre langjährige beste Freundin sich verliebt hat. Eher widerwillig folgt sie ihrer Mutter und begegnet auf der Insel Jeremiah, von dem sie sich auf eine ganz neue Weise wahrgenommen fühlt.

Jennifer Niven schreibt auch in dieser Geschichte erneut sehr gefühlsbetont. Sie bringt deutlich zum Ausdruck wie falsch sich das Leben für Claude plötzlich anfühlt, nachdem sie von der Scheidung erfahren hat. Ihre Protagonistin schimpft mit sich selbst, weil sie keinerlei Anzeichen wahrnahm, obwohl sie sich mit beiden Elternteilen sehr gut versteht. Auf die Zeit nach der High School, in der es Abschied nehmen von zu Hause, sich eine neue Umgebung erschließen und neue Freunde finden heißt, hat sie sich emotional vorbereitet. Die Entscheidung ihrer Eltern trifft sie unerwartet und macht sie traurig und wütend, weil sie machtlos ist, etwas dagegen zu unternehmen. Das Geständnis ihrer Freundin bringt sie ins Grübeln und macht sie sprachlos. Sie fühlt sich nicht mehr wahrgenommen und benötigt Zeit zu erkennen, dass sie selbstbewusster werden muss.

Als sie Jeremiah kennenlernt hält sie ihn zunächst für besserwisserisch, doch er begegnet ihr mit Zuneigung und Nonchalance. Beide finden eine gemeinsame Basis darin, sich nicht ineinander zu verlieben, aber den Sommer in jeder ihnen gebotenen Art zu genießen. Einige Inselbewohner stehen Jeremiah aufgrund seiner Vergangenheit skeptisch gegenüber. Hierin zeigt die Autorin die Schwierigkeit, sein Leben zu ändern und sein früheres Image hinter sich zu lassen.

In ihren Roman lässt Jennifer Niven eigene Erfahrungen einfließen, wie aus dem Dankeswort am Ende des Buchs zu erfahren ist. Die Figuren handeln authentisch, die widerstreitenden Gefühle von Claude fand ich nachvollziehbar. Aber dennoch fehlt der Geschichte ein gewisser Schwung oder etwas Spannung im Hintergrund. Fast von Beginn an ist klar, dass das Leben von Claude sich Studienbeginn drastisch verändern wird, ganz egal wie sie ihren Sommer gestaltet. Die Ausführungen des Insellebens ziehen sich stellenweise durch Belanglosigkeiten.

In ihrem Roman „Für einen Sommer unsterblich“ zeigt Jennifer Niven erneut ihre einfühlsame Art zu schreiben. Anhand der 18-jährigen Claude verdeutlicht sie, dass man seinen Wünschen und Träumen folgen und jeden Tag seines Lebens genießen soll. Gerne empfehle ich das Buch an junge Leser und Erwachsene weiter.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.11.2020

Für alle, die am Leben zum Ende des 1. Jahrtausends interessiert sind

Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit
0

Der historische Roman „Kingsbridge – Der Morgen einer neuen Zeit“ ist die Vorgeschichte der mit diesem Buch auf vier Bände angewachsenen Bestseller-Reihe „Kingsbridge“ des Engländers Ken Follett. Der Roman ...

Der historische Roman „Kingsbridge – Der Morgen einer neuen Zeit“ ist die Vorgeschichte der mit diesem Buch auf vier Bände angewachsenen Bestseller-Reihe „Kingsbridge“ des Engländers Ken Follett. Der Roman beginnt im Jahr 997 und schildert die Handlungen der Protagonisten in den darauffolgenden zehn Jahren.

An der englischen Küste sind die Wikinger gefürchtet, die vom Meer her die Dörfer überfallen, Bewohner zum Verkauf als Sklaven entführen, Werthaltiges mitnehmen und schließlich Haus und Hof anzünden. Auch im kleinen Ort Combe kommt es zu einem solchen Angriff. Der nach Unabhängigkeit von seinem Elternhaus suchende, bald 18-jährige Edgar bemerkt in der Nacht des Überfalls die Boote der Wikinger als Erster und es gelingt ihm, die Glocke des Klosters zur Warnung der Bewohner zu läuten. Für viele ist es jedoch zu spät, auch das Elternhaus von Edgar geht in Flammen auf und sein Vater, ein Bootsbauer, wird getötet.

Der englische Adel war damals verpflichtet, die Bewohner zu schützen. Zum Ausgleich ihres Eigentums erhalten die Mutter und die drei Brüdern daher einen unrentabler Bauernhof in Dreng’s Ferry, dem späteren Kingsbridge, zugewiesen. Der Ort besteht zu diesem Zeitpunkt aus wenigen Häusern, einer Schenke und einer Kirche besteht. Nur eine Fähre führt über den Fluss, keine Brücke.

Währenddessen hat sich Ragnhild, die Tochter des Grafen von Cherbourg, in der Normandie darauf eingestellt, dass für sie ein passender Gatte gesucht wird. Die gebildete und manchmal überheblich wirkende junge Frau möchte eine Partnerin für ihren Gemahl sein, doch das entspricht nicht den Konventionen ihrer Zeit. Als sie den Aldermann von Shiring trifft, der Herr über einen Teil Westenglands ist, entwickelt sie tiefere Zuneigung zu ihm.

Wie Ken Follett selber im Nachwort schreibt, gibt es wenig Schriftliches aus der Zeit des 10. Und 11. Jahrhundert. Weil die Gebäude meistens aus Holz bestanden, ist auch hier wenig Anschauungsmaterial zu finden. Und dennoch gelingt es dem Autor den Alltag so zu beschreiben, dass ich mir ihn als Leser sehr gut vorstellen konnte. Das einfache Volk ist von den Entscheidungen ihrer Herrschaft abhängig, Ränke und Intrigen sind an der Tagesordnung, Verschwörungen und immer neue mündlich ausgehandelte Verträge unter Partnern, die sich je nach Interessenlage zusammenfinden, sind üblich.

Das tägliche Leben zu meistern ist für alle hart, egal welcher gesellschaftlichen Schicht sie angehören. Wechselhaftes Wetter und Ungeziefer, die sich auf die Ernte auswirken sowie Krankheiten, für die keine Heilmöglichkeit bekannt ist, reduzieren die Bevölkerung. Hinzu kommen die Gefahren durch vagabundierende Banden und Überfälle durch die Wikinger, die mit ihren schnellen Booten von See aus überraschend angriffen. Nicht allen Landstrichen in England ging es gleichmäßig gut, so blickten die Menschen aus Wales und Cornwall mit Neid auf die in östlicheren Gebieten angesiedelten reicheren Engländer. Dadurch, dass ein Teil des Romans in Frankreich spielt, und durch die Figur der an vielen Dingen interessierten Ragnhild stellt Ken Follett einige politische und gesellschaftliche Unterschiede zu England heraus.

In seinem historischen Roman „Kingsbridge – Der Morgen einer neuen Zeit“ versteht es Ken Follett ein weiteres Mal die damalige Zeit auf seine gekonnte Weise lebendig werden zu lassen. Dabei legt er sehr viel Wert auf Details. Seine gut beschriebenen und dadurch vorstellbaren Figuren, deren Charakter eher statisch ist, agieren in der Zeit um das Jahr 1000. Die Kenntnis der übrigen Bücher der Kingsbridge Serie ist für das Lesen nicht erforderlich. Der Roman ist eine Empfehlung für alle Fans der Reihe, aber auch für diejenigen, die am Leben zum Ende des ersten Jahrtausends interessiert sind.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.10.2020

Auftakt der Dilogie der Drei-Städte-Saga Hamburg, Köln und San Remo

Und die Welt war jung
0

Der Roman „Und die Welt war jung“ von Carmen Korn spielt im Zeitraum von 1950 bis 1959 und nimmt drei Familien in den Mittelpunkt, die verwandt beziehungsweise miteinander befreundet sind. Es ist ein Jahrzehnt, ...

Der Roman „Und die Welt war jung“ von Carmen Korn spielt im Zeitraum von 1950 bis 1959 und nimmt drei Familien in den Mittelpunkt, die verwandt beziehungsweise miteinander befreundet sind. Es ist ein Jahrzehnt, in dem Deutschland geprägt ist vom Wiederaufbau bis hin zum zaghaften Anfang einer Frauen- und Friedensbewegung. Das Schlagwort „Wirtschaftswunder“ wird für diese Zeit oft benutzt, um das schnelle Wachstum der damaligen Wirtschaft auszudrücken. Carmen Korn verknüpft ihre Erzählung eng mit ihren Figuren, die in Hamburg, Köln und San Remo leben. Auch hier zeigt sich, wie die handelnden Personen durch die dem Wandel unterliegende Umgebung geprägt werden.

Der Galerist Heinrich und Gerda Aldenhoven wohnen mit ihren jungen erwachsenen Kindern Ursula und Ulrich und zwei alleinstehenden Kusinen von Heinrich in Köln. Zunächst wird der Alltag durch die angespannte finanzielle Situation des Haushalts beeinflusst, denn es wird noch wenig in Kunst investiert. Schon viele Jahre lang kennt Gerda ihre beste Freundin Elisabeth Borgfeldt, die mit ihrem Mann Kurt in Hamburg in einem Mehrparteienhaus lebt. Zum Haushalt gehört auch die verheiratete Tochter Nina und der Enkel Jan, dessen Vater als im Krieg verschollen gilt. Als Bankangestellter hat Kurt ein sicheres Einkommen, das wohlüberlegt ausgegeben werden möchte.

Heinrichs Schwester Margarethe ist mit dem italienischen Restaurator Bruno Canna verheiratet und wohnt mit ihm in San Remo. Das Ehepaar hat den jungen erwachsenen Sohn Gianni, der sich darauf vorbereitet in den Blumenhandel der Familie einzusteigen. Brunos Beruf bietet zwar den nötigen Abstand zu seiner Mutter, die als Patriarchin über ihre Familie wacht, doch keine Beschäftigungsgarantie.

Carmen Korn führt eine hohe Anzahl Personen durch die von ihr beschriebene Zeit. Um den Überblick zu behalten ist ein Personenverzeichnis und Stammbäume der Familien dem Roman vorgeschaltet. Bei der Vorstellung der Figuren gibt die Autorin einen kurzen Abriss über deren familiären beziehungsweise beruflichen Hintergrund. Das Jahr wird beim Jahreswechsel entsprechend angekündigt, die dann folgenden Kapitel sind mit Tag und Monat betitelt. Die drei Handlungsstränge werden kontinuierlich fortgesetzt und folgen den Handlungsorten.

Wie in ihrer Jahrhundert-Trilogie so findet sich auch in diesem Roman der eigenwillige Schreibstil der Autorin mit kurzen Kapiteln, verkürzten Sätzen und der zügig voranschreitenden Entwicklung durch einige Zeitsprünge. Darin spiegelt sich die Vergänglichkeit des Moments wider und die Chance zu Neuanfängen. Die Schatten des Kriegs sind in einigen Aspekten immer noch zu spüren, deutlich wird das vor allem bei Nina, die ihren Ehepartner vermisst. Über die Jahre hinweg wächst die Kaufkraft der Bevölkerung und jenseits der Grundversorgung kann langsam auch daran gedacht werden, sich darüber hinaus wieder etwas Schönes zu leisten. Aber alle Protagonisten haben ihre eigenen Sorgen und Nöte und auch jenseits des Krieges wird jung gestorben, was der ganzen Geschichte einen durchgehend melancholischen Touch verleiht.

Deutlich wird auch die Gebundenheit, vor allem der Frauen an die Gesetze und die Konventionen ihrer Zeit. In der Generation der Kinder der Paare, die im Fokus stehen, schafft Carmen Korn dementgegen das Bild der Frau, die im Beruf Erfüllung findet. Sie kennt die von ihr gewählten Orte aus eigener Erfahrung sehr gut, was den Schilderungen Authentizität verleiht. Immer wieder lässt sie den örtlichen Dialekt einfließen und beschriebt bei Mahlzeiten die regionale Küche. Daneben konnte ich über gerade aktuelle Filme, Musik und Bücher lesen. Die Geschichte spielt allerdings nur im städtischen Bereich, so dass die Nachkriegsentwicklung auf dem Lande außen vor bleibt. Die historischen Hintergründe sind bestens recherchiert. Einige Ausführungen innerhalb der fiktiven Handlungsstränge sind kleinteilig und führen zu wenigen Längen.

„Und die Welt war jung“ ist der Auftakt der Dilogie einer Drei-Städte-Saga von Carmen Korn, die im gewohnt rasanten Stil durch die 1950er Jahre dreier Familien führt, die in Hamburg, Köln und San Remo leben. Das Buch endet mit einem Cliffhanger, der mich auf die baldige Fortsetzung hoffen lässt. Für alle Carmen Korn-Fans ist der Roman ein Muss, gerne empfehle ich ihn allen Lesern, die historische Romane aus dem letzten Jahrhundert mögen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.10.2020

Der historische Roman thematisiert die wenig bekannte Seite Berlins als Modemetropole

Das Lichtenstein - Modehaus der Träume
0

Der Roman „Das Lichtenstein – Modehaus der Träume“ von Marlene Averbeck ist der erste Teil einer Trilogie, die das fiktive Warenhaus Lichtenstein am Hausvogteiplatz in Berlin, der Inhaber sowie einige ...

Der Roman „Das Lichtenstein – Modehaus der Träume“ von Marlene Averbeck ist der erste Teil einer Trilogie, die das fiktive Warenhaus Lichtenstein am Hausvogteiplatz in Berlin, der Inhaber sowie einige der Angestellte in den Mittelpunkt stellt. Im ersten Teil schildert die Autorin die Ereignisse in den Jahren 1913 bis 1918.

Die Kapitel wechseln zwischen vier Hauptfiguren und sind mit deren Vornamen betitelt. Hedi ist eine davon. Sie hat gerade das Lyzeum beendet und lebt bei ihrer Mutter Hilde, die vor kurzem verwitwet ist. Hilde wünscht sich eine baldige Heirat ihrer Tochter, damit diese gut versorgt ist für die Zukunft. In ihrem Haushalt putzt die aufstrebende Schauspielerin Ella. Sie ist eine weitere Hauptfigur, die zurzeit allein von ihrer Gage noch nicht leben kann. Hedi hält wenig von dem Wunsch ihrer Mutter und besorgt sich stattdessen eine Stellung beim Lichtenstein als Ladenmädchen, um zum Unterhalt beizutragen. Dort freundet sie sich mit der ausgebildeten Schneiderin Thea an. Neben Hedi, Ella und Thea ist auch Jacob Lichtenstein, der ältere Sohn des Warenhausgründers, Protagonist des Romans.

Ihre Hauptfiguren hat Marlene Averbeck geschickt ausgewählt, um verschiedene Aspekte des Lebens in Berlin im Zusammenhang mit einem Warenhaus nachzuzeichnen. Die Autorin zeigt am Beispiel des innovativ denkenden Jacob, dass Besitz und damit Vermögen allein nicht glücklich machen und Streitigkeiten in der Familie bedeutenden Einfluss auf die Führung des Unternehmens nehmen können. Thea kommt aus einfachen Verhältnissen, sie ist die älteste von drei Kindern. Ihre Ausbildung, zu der ich mir mehr Informationen gewünscht hätte, gibt ihr eine gute Basis für einen beruflichen Aufstieg. An der Seite Ellas konnte ich in die Welt des Schauspiels, der Musik und Kunst eintauchen.

Der Beginn des Kriegs 1914 verändert vieles, nicht nur für die handelnden Personen, sondern auch für das Unternehmen. Das Lichtenstein kämpft mit Umsatzeinbußen und schwindender männlicher Mitarbeiterzahlen. Doch das sind nicht die einzigen Schwierigkeiten bei der Führung des Warenhauses. Die ständigen Herausforderungen, denen die Protagonisten ausgesetzt sind, bilden eine gewisse beständige Hintergrundspannung im Roman. Der Wechsel der Personen zwischen den Kapiteln mit kleinen Cliffhangern ließen mich schnell weiterlesen, um den jeweiligen Handlungsstrang weiter verfolgen zu können.

Marlene Averbeck zeigt in ihrem Roman „Das Lichtenstein“ die wenig bekannte Seite Berlins als Modemetropole. Es wird deutlich, welchem Wandel Mode und ihre Herstellung unterworfen ist. „Kleider machen Leute“ gilt auch für die Berliner aller gesellschaftlichen Schichten, was für die „Modemacher“ heißt, dass sie die neuesten Trends aufgreifen und bestenfalls selbst setzen sollten. Dank guter Recherche wirkt die Darstellung der permanenten Neuerungen im Verkauf des Warenhauses realistisch und vorstellbar, die handelnden Personen agieren durchgehend natürlich im Umfeld der damaligen Zeit, ihre Entscheidungen und Meinungen passen sie meist den aktuellen Entwicklungen an. Gerne empfehle ich das Buch weiter und freue mich auf die Fortsetzung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere