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Veröffentlicht am 28.12.2020

Spannender Auftakt einer Reihe von Kriminalromanen im München der Nachkriegszeit

Das doppelte Gesicht
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München, 1945: Als die in weiten Teilen zerstörte Stadt nach Kriegsende ins Chaos versinkt, erschüttert eine merkwürdige Mordserie an Kriegsheimkehrern die Stadt. Der unerfahrene Ermittler Emil Graf soll ...

München, 1945: Als die in weiten Teilen zerstörte Stadt nach Kriegsende ins Chaos versinkt, erschüttert eine merkwürdige Mordserie an Kriegsheimkehrern die Stadt. Der unerfahrene Ermittler Emil Graf soll im Auftrag der amerikanischen Alliierten die Aufklärungsarbeit leisten. Dabei stolpert er immer wieder über die junge Reporterin Billa Löwenfeld, die 1938 nach Amerika geflohen und nun nach München zurückgekehrt ist. Irgendwie scheint es einen Zusammenhang zwischen den Toten und der Reporterin zu geben…


Meine Meinung:
Der Kriminalroman, der der Auftakt einer Serie mit fünf geplanten Bänden ist, hat mich direkt von Anfang an gefangen genommen. Durch die packende Erzählweise, die abwechselnd aus unterschiedlichen Perspektiven erfolgt, z.B. aus denen von Billa und Emil, entsteht ein sehr gelungener Spannungsbogen, der am Ende wie bei einem sehr guten Film zu einem Showdown führt.
Das Ende war für mich durchaus überraschend, aber es war sehr stimmig und glaubwürdig angelegt.
Die handelnden Personen haben mir gut gefallen. Billa und Emil waren mir gleich sympathisch. Gleichzeitig sind sie als komplexe und tiefgründige Charaktere angelegt, die jeweils ihr Päckchen zu tragen haben. Es bleiben auch noch einige Frage zur Vergangenheit der beiden und ihrer Motivation offen, die hoffentlich in den nächsten Teilen der Serie geklärt werden.
Neben den Protagonisten sind auch die Nebenfiguren sehr glaubwürdig ausgearbeitet. Sehr gut gefallen haben mir z.B. der amerikanische Chef von Emil, Joe, der ihn eingestellt hat und ihm das Rüstzeug guter Ermittlungs- und Polizeiarbeit vermittelt, oder Sam, ein amerikanischer GI, der als väterlicher Freund von Billa agiert.
Neben der spannenden Handlung und den gut angelegten Charakteren fand ich es ganz herausragend, wie man „ganz nebenbei“ vieles über die Situation in München – und in Deutschland generell – nach dem zweiten Weltkrieg erfahren hat. Es ist schon bezeichnend, wie viele Leute mit den Nazis nichts zu tun haben wollten und angeblich alle im Widerstand aktiv waren… Man merkt deutlich, wie gut die Autorin recherchiert hat und wie sie dieses Wissen nebenher einfließen lässt. Dabei kommt sie nie oberlehrerhaft oder mit erhobenem Zeigefinger daher.


Fazit:
Ich habe diesen spannenden extrem fundiert recherchierten historischen Krimi sehr gerne gelesen und konnte ihn, als ich einmal angefangen hatte, praktisch nicht mehr aus der Hand legen. Ich freue mich schon auf die nächsten Teile und bin schon ganz gespannt, wie es mit Billa und Emil weitergeht!

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Veröffentlicht am 18.12.2020

Super recherchiert und toll dargestellt – macht Lust auf einen Urlaub in Franken

Franken Reiseführer Michael Müller Verlag
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Der Reiseführer von Ralf Nestmeyer ist aufgeteilt in 10 Regionen – z.B. die Region rund um Nürnberg, die Rhön oder die Fränkische und Hersbrucker Schweiz.
Innerhalb der Regionen werden verschiedene Orte ...

Der Reiseführer von Ralf Nestmeyer ist aufgeteilt in 10 Regionen – z.B. die Region rund um Nürnberg, die Rhön oder die Fränkische und Hersbrucker Schweiz.
Innerhalb der Regionen werden verschiedene Orte mit ihren Sehenswürdigkeiten, ihrer Geschichte vorgestellt und es werden praktische Tipps zu Unterkünften, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten gegeben.
Neben einer Faltkarte im Maßstab 1 : 500.000 gibt es diverse kleinere Karten zu einzelnen Orten und Details.


Meine Meinung:
Die Reiseführer aus dem Michael Müller Verlag gefallen mir grundsätzlich sehr gut, weil sie gut recherchiert sind, super Tipps haben und auch noch ansprechend gestaltet sind.
Dieser Führer zur Region Franken vereint diese Vorzüge in bester Weise.
Schon beim Durchblättern war ich ganz begeistert und habe Lust bekommen in den Führer hineinzuschmökern. Dank der gut strukturierten Aufteilung in die 10 Regionen und innerhalb dieser nach einzelnen Orten (mit Angaben zu Sehenswürdigkeiten und praktischen Tipps) kann man sich schnell und problemlos zurechtfinden. Wenn man etwas sehr Spezielles sucht, hilft auch das sehr gute Register.

Die Beschreibungen sind kurz, knackig und mit ganz leicht und angenehm humorvoll. Gleichzeitig merkt man, dass sich der Autor extrem gut auskennt und super recherchiert hat. Für die Gegenden, die ich schon besucht habe (z.B. Nürnberg), kann ich bestätigen, dass die wesentlichen Punkte beschrieben werden und die richtigen Schwerpunkte gesetzt werden.
Auch die Tipps sind aktuell und halten das, was sie versprechen. Gut gefallen haben wir darüber hinaus auch die Infokästen, denn sie sind relevant und wirklich informativ.

Dank der sehr schönen Bilder von netten Fachwerkhäusern, schönen Ortskernen, Burgen und Naturdenkmälern habe ich beim Lesen und Durchblättern direkt Lust bekommen, wieder einmal einen Urlaub in Franken einzuplanen.
Der Führer macht wirklich schöne Stimmung!


Fazit:
Wieder ein gelungener Reiseführer aus dem Michael Müller Verlag, der richtig Lust auf Franken macht. Für mich absolut führend auf dem Markt!

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Veröffentlicht am 29.11.2020

Kraftvolle Kurzgeschichten über das Fremdsein und Dazugehörenwollen

Fast ein neues Leben
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Ein Dutzend Kurzgeschichten auf etwas über 100 Seiten – in allen geht es um ganz unterschiedliche Frauen/Mädchen, die aus einem anderen Land („das alte Land“) nach Deutschland gekommen sind und hier dazugehören ...

Ein Dutzend Kurzgeschichten auf etwas über 100 Seiten – in allen geht es um ganz unterschiedliche Frauen/Mädchen, die aus einem anderen Land („das alte Land“) nach Deutschland gekommen sind und hier dazugehören und bloß nicht durch „Anders-Sein“ auffallen wollen.


Meine Meinung:
Eigentlich lese ich nicht oft Kurzgeschichten, aber dieses Buch hat mich völlig umgehauen. Die Geschichten waren alle anders, aber jede hatte das gewisse Etwas, einen „Clue“, einen „Gänsehautmoment“ oder eine völlig überraschende Wendung.
Allen Geschichten ist darüber hinaus gemein, dass sie völlig authentisch daherkommen. Es sind allesamt Geschichten, die das Leben schreibt.
Mich hat es sehr mitgenommen, wie ganz tolle Persönlichkeiten, die die Protagonistinnen sind, unbedingt dazugehören wollen, auf keinen Fall durch ihre Andersartigkeit auffallen wollen. Sie verstecken ihre Eltern, die vielleicht nicht richtig Deutsch können oder halten den Mund, wenn sie sexuelle Belästigung erfahren. An vielen Stellen musste ich ob der deutlichen Fremdenfeindlichkeit deutscher Mitbürger wirklich schlucken. Es war sehr aufschlussreich, diese ganz konkreten Situationen aus der Perspektive der Protagonistinnen zu erleben.
Sehr interessant fand ich beispielsweise auch eine Geschichte, in der die Protagonistin mit einem deutschen Jungen mit einem scheinbar perfekten Leben zusammen ist – und sich dann herausstellt, dass er ganz eigene Probleme hat und sein Leben alles andere als perfekt ist.


Fazit:
Das Buch ist so wichtig und jede Kurzgeschichte entfaltet ihre ganz eigene Kraft – unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 20.11.2020

Ein richtiger Wohlfühlroman von der ersten bis zur letzten Seite

Eva und die Apfelfrauen
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Die fünf Freundinnen Eva, Nele. Marion, Julika und Dorothee sind zwischen 42 und 55 und möchten das Experiment einer gemeinsamen WG ausprobieren, bevor sie endgültig aus dem besten Alter raus sind.
Auf ...

Die fünf Freundinnen Eva, Nele. Marion, Julika und Dorothee sind zwischen 42 und 55 und möchten das Experiment einer gemeinsamen WG ausprobieren, bevor sie endgültig aus dem besten Alter raus sind.
Auf ihre Anzeige hin vererbt ihnen eine alte Damen ein großes Haus mit Garten – doch das liegt nicht in Berlin, sondern in der brandenburgischen Mark…
So wagen die Freundinnen das Abenteuer und ziehen für einen Sommer aufs Land, wo sie sich unter anderem mit der Apfelernte und dem Verarbeiten vieler Äpfel sowie mit netten und weniger netten Dorfbewohnern beschäftigen dürfen.


Meine Meinung:
Tania Krätschmar erzählt so warmherzig und flüssig, dass ich mich beim Lesen – wieder einmal – von der ersten Seite an wohlgefühlt habe. Das Buch hat mein Herz erwärmt und mir wirklich sehr schöne Lesestunden geschenkt, die für mich wie ein kleiner Urlaub waren.
Die fünf Freundinnen sind in ihrer Unterschiedlichkeit alle total gut charakterisiert und mit einem liebevollen Augenzwinkern beschrieben. Jede der fünf entwickelt sich im Laufe der Handlung weiter – und zwar sehr glaubwürdig und stimmig.

Daneben hat mir auch die Anlage der Geschichte und der Spannungsbogen sehr gut gefallen. So konnte ich das Buch nur schwer auf der Hand legen, weil ich immer wissen wollte, wie es weitergeht.

Neben der schönen Geschichte sind auch die Beschreibungen der Natur, der alten Apfelsorten, der Rezepte etc. sehr einladend und unterhaltsam. Ganz nebenher habe ich auf sehr kurzweilige Art einiges gelernt!


Fazit:
Auch dieses Buch von Tania Krätschmar ist ein rundum gelungener Lesegenuss – es ist kurzweilig, unterhaltsam und auf niveauvolle Weise ein echtes Wohlfühlbuch! Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 08.11.2020

Wieder richtig atmosphärisch erzählt mit tollen Figuren

Fräulein Gold: Scheunenkinder
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Im zweiten Band rund um die Hebamme Hulda Gold, der wieder in Berlin, dieses Mal im Jahr 1923 spielt, hat sie eine Wöchnerin im Scheunenviertel, in dem vor allem orthodoxe Juden auf engstem Raum leben. ...

Im zweiten Band rund um die Hebamme Hulda Gold, der wieder in Berlin, dieses Mal im Jahr 1923 spielt, hat sie eine Wöchnerin im Scheunenviertel, in dem vor allem orthodoxe Juden auf engstem Raum leben. Irgendetwas ist komisch in der Familie, die junge Schwangere scheint vor irgendetwas Angst zu haben. Als dann der kleine Junge spurlos verschwindet, macht Hulda sich auf die Suche und recherchiert auf eigene Faust im Scheunenviertel…


Meine Meinung:
Mir hat schon der erste Teil rund um die mutige Hebamme Hulda Gold sehr gut gefallen und ich habe mich über ein Wiedersehen mit den liebgewonnenen und warmherzig beschriebenen handelnden Personen sehr gefreut. Es hat mir in diesem Teil auch wieder sehr gut gefallen, wie Hulda und auch der Kommissar Karl North sich weiterentwickelt haben.
Der beschriebene Kriminalfall, in den Hulda hineingezogen wird, ist auch wieder sehr düster und unheimlich und führt in eine sehr dunkle Welt. Sehr gelungen beschrieben sind ihre Ermittlungen und ihr beherztes Handeln. Es gibt wieder einige überraschende Wendungen, aber insgesamt ist alles sehr stimmig und passend konstruiert.
Am besten hat mir auch in diesem Teil wieder die atmosphärische Beschreibung der Situation in Berlin. Man erkennt schon 1923, dass die Polizei und auch die Gesellschaft von Rechten durchzogen ist, es passiert schon ein erstes furchtbares Pogrom, dass sich gegen sog. „Ostjuden“ richtet… Und sehr authentisch und plastisch wird beschrieben, wie die Menschen unter der Inflation leiden und Lebensmittel mehrere Milliarden oder Billionen Reichsmark kosten.


Fazit:
Der Roman war viel zu schnell ausgelesen. Ich fand ihn wieder richtig gelungen und habe die spannende Geschichte sehr gerne gelesen, aber auch das Wiedersehen mit den liebgewonnenen Figuren.

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