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Veröffentlicht am 24.11.2020

Eine merkwürdige Zufallsbegegnung mitten im Wald

Flüstern mit Megafon
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Eine merkwürdige Zufallsbegegnung mitten im Wald
ist es, die Miriam und Ralph zusammenführt, die beiden Protagonisten von "Flüstern mit Megafon", die uns die Autorin zu diesem Zeitpunkt bereits recht detailliert ...

Eine merkwürdige Zufallsbegegnung mitten im Wald
ist es, die Miriam und Ralph zusammenführt, die beiden Protagonisten von "Flüstern mit Megafon", die uns die Autorin zu diesem Zeitpunkt bereits recht detailliert vorgestellt hat. Zwei Menschen mit einer merkwürdigen - Miriams Fall muss man sogar sagen: grausamen Biografie, die jeder für sich ian einen bestimmten Punkt gelangt sind, der sie in den Wald führte.

Es ist ein Aufeinandertreffen von zwei verlorenen Seelen, die dennoch unterschiedlicher nicht sein könnten. Ralph, ein gestandener Familienvater, fühlt sich in seinem Leben, seinem Beruf als Psychotherapeut, in seiner Ehe mit Sadie, nicht (mehr) gut aufgehoben. Miriam hingegen hatte gar kein "normales" soziales Leben, seit drei Jahren ist sie nicht mehr aus dem Haus gegangen, ihre Kontakte beschränken sich auf ihre beste Freundin und auf einen Nachbarn. Es gibt einen Grund, aber im Hinblick auf ihre Vergangenheit, auf das von ihr Erlebte, ist dieser eher nebensächlich, bzw. unbedeutend. Und man kann gut verstehen, warum Miriam nur noch flüsternd durch die Welt geht.

Was ich allerdings weniger verstehe, ist: aus diesem so fantasievollen, so anregenden Stoff ist einfach nicht genug herausgeholt worden - irgendwie kann ich der Geschichte oft nicht folgen, vieles ist unlogisch und vermag irgendwann auch einfach nicht mehr zu fesseln. Es sind interessante Charaktere, die in der Welt des Romans leben - aber sie sind einfach nicht von dieser Welt! Wäre ja nicht weiter schlimm, wenn sie und ihre Geschichte uns in irgendeiner Form nahegebracht worden wären, doch das ist nicht der Fall - im Gegenteil, ich habe mich mehr und mehr von dieser Geschichte entfernt, so dass der Abschied am Ende des Romans vollkommen emotionslos ausfiel. Für mich keine Geschichte, die mir mißfiel - aber doch eine, die - leider - stellenweise so ziemlich an mir vorbeiging. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies für jemanden das Nonplusultra, der Roman schlechthin sein könnte, daher gibt es von mir nicht einmal eine eingeschränkte Leseempfehlung - obwohl ich an einigen Ideen der Autorin durchaus meine Freude hatte.

Veröffentlicht am 22.11.2020

Rule Britannia!

Teatime mit Lilibet
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Das ist nicht einfach, wie man es sich denken kann - unerwartet kommt die junge schottische Lehrerin und Idealistin Marion Crawford zu Beginn der 1930er Jahre dem Thron ganz nahe. Sie wird als Erzieherin ...

Das ist nicht einfach, wie man es sich denken kann - unerwartet kommt die junge schottische Lehrerin und Idealistin Marion Crawford zu Beginn der 1930er Jahre dem Thron ganz nahe. Sie wird als Erzieherin für die Töchter des Herzogs von York eingestellt und das sind Elisabeth, genannt Lilibet, keine andere als die jetzige Königin von England und deren jüngere Schwester Margaret, zunächst noch ein Kleinkind. Und das, wo sie eigentlich in die Slums ziehen wollte, um dort vor allem Mädchen Bildung nahezubringen.

Doch einmal in der Herzogsfamilie angekommen, kommt sie auch nicht so leicht weg, man appelliert an ihre Treue und vor allem verfällt sie Lilibets Charme - die ist wirklich ein ganz besonderes Mädchen.

Und bald auch nicht mehr Herzogstochter: aus ihrem schüchternen Vater Bertie wird der englische König Georg VI und aus ihrer plumpen, vorlauten Mutter die Königin. Und das bedeutet auch für sie eine große Veränderung: sie ist es, die ihren Vater auf dem Thron beerben wird.

Wir gehen mit Marion, die von allen nur Crawfie genannt wird, und der Königsfamilie durch schwere Zeiten. Und lernen auch andere Mitglieder des Hofstaats kennen, wobei mir sehr zupass kam, dass ich ein großer Fan der Netflix-Serie "The Crown" bin - sonst wäre ich wohl das eine oder andere mal orientierungsmäßig auf der Strecke geblieben.

War ich zunächst absolut begeistert, trat mehr und mehr die Ernüchterung ein: mir kamen einige Entwicklungen doch mehr als abenteuerlich vor. Ein guter und ausgesprochen vielversprechender Ansatz, bei dem, wie ich finde, vieles hätte eleganter gelöst werden können!

Veröffentlicht am 20.11.2020

Schwabenschicksal

Aus und davon
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Hier geht es um Cornelia, eine Frau in ihren Vierzigern, geschieden, Mutter und Physiotherapeutin. Und um ihre Mutter Elisabeth, die bei den Kindern in Stuttgart blebt, während sich Cornelia in die Staaten ...

Hier geht es um Cornelia, eine Frau in ihren Vierzigern, geschieden, Mutter und Physiotherapeutin. Und um ihre Mutter Elisabeth, die bei den Kindern in Stuttgart blebt, während sich Cornelia in die Staaten begibt, um einem Kapitel der Familiengeschichte nachzuspüren.

Sie ist nicht nur von Cornelia verlassen worden, sondern auch von ihrem Mann Hinz, der nach einem Schlaganfall die Reha in Richtung einem neuen Leben verlässt und zum Kurschatten zieht.

Dazwischen sind mythenartige Sequenzen gepackt, die ein älteres Kapitel der Familiengeschichte beleuchten.

Schöne neue Welt - die scheint sich den Männern: Elisabeths Mann Hinz und Cornelias Exmann Dimi zu eröffnen, denen sich beiden neue Möglichkeiten eröffnen, doch was ist mit den dazu gehörenden Frauen? Müssen sie sehen, wo sie bleiben?

Autorin Anna Katharina Hahn kümmert sich um alle Generationen, auch Cornelias Kindern Bruno und Stella wird genug Aufmerksamkeit gewidmet - eine Familiengeschichte der anderen, der modernen Art. Eben ein ganz normales Familienleben in Stuttgart und drum herum. Ein Schwabenleben.

Veröffentlicht am 16.10.2020

Der Tod als verbindendes Element

Das Geschenk des Lebens
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Eigenartig, was für eine große Rolle der Tod in diesem Roman mit dem so lebensbejahenden Titel spielt! Eine Geschichte, die in drei Erzählsträngen, auch in drei Epochen erzählt wird: Eine unbekannte Wasserleiche ...

Eigenartig, was für eine große Rolle der Tod in diesem Roman mit dem so lebensbejahenden Titel spielt! Eine Geschichte, die in drei Erzählsträngen, auch in drei Epochen erzählt wird: Eine unbekannte Wasserleiche in der Seine in Paris, die uns ihre eigene Geschichte erzählt, die in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts spielt.

Dann Pieter in Norwegen, der in den 1950er Jahren ein tragisches Erlebnis hat, aus dem Jahre später etwas geboren wird, eine Entdeckung, die bis heute in der Medizin, speziell im Rettungsdienst, von großer Relevanz ist.

Zuletzt Anouk in Kanada, in den 1990ern (und drumherum), ein Mädchen, später eine junge Frau, die an Mukoviszidose erkrankt ist - das Leben ihrer gesamten Familie ist um diese schwere Krankheit angesiedelt, die Eltern übersehen sich selbst und leider auch einander, bis es zu spät ist.

Ein eher kühler, rationaler Roman, was den Stil angeht - für mich passt das stellenweise nicht ganz zu der Emotionalität des Geschehens. Doch das ist Geschmackssache: ich kann mir vorstellen, dass viele Leser noch weitaus mehr als ich von diesem Roman erfaßt werden!

Veröffentlicht am 09.10.2020

Gegensätze ziehen sich an

Just Like You
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Und genau so einen hat sich Lehrerin Lucy geangelt: 22 Jahre alt, Aushilfsmetzger und dunkelhäutig, wobei letzteres eher keine Bedeutung hat. Zunächst als Babysitter für ihre Jungs geordert, kommen sich ...

Und genau so einen hat sich Lehrerin Lucy geangelt: 22 Jahre alt, Aushilfsmetzger und dunkelhäutig, wobei letzteres eher keine Bedeutung hat. Zunächst als Babysitter für ihre Jungs geordert, kommen sich die beiden bald näher, und das, obwohl Lucy glatte 20 Jahre älter ist und auch dem Lebensstil von Joseph zwar Verständnis, aber durchaus wenig Neigung entgegenbringt.

Am meisten begeistert sind Lucys Jungs - ihre Zuneigung zu Joseph beruht auf Gegenseitigkeit und sie haben nicht das geringste Problem damit, ihn in ihre Familie zu integrieren. Zwar nicht unbedingt als Stiefvater, aber nicht alles braucht gleich einen Namen, bei dem es zu nennen ist.

Dennoch tun sich die beiden - vor allem jedoch Lucy - zunächst ziemlich schwer - sie hat es ziemlich schwer gehabt in den letzten Jahren mit dem Exmann, der doch eigentlich ähnlich drauf war wie sie - und dann aber auch wieder überhaupt nicht.

Eingebettet ist diese On-Off-Liebesgeschichte in die des Brexits - denn wir schreiben das Jahr 2016 und bekommen hier einige spannende Innensichten aus Brittanien vermittelt.

Insgesamt liest sich der Roman flockig-leicht mit der ein oder anderen Länge, als sperrig empfand ich teilweise die Darstellung von Joseph, der doch sehr klischeehaft rüberkommt. Ein paar Klischees haben auch Lucy und ihre Umgebung abbekommen, doch die hätte ich kaum bemerkt, wenn ich nicht so genervt von zahlreichen Darstellungen innerhalb Josephs Umfeld gewesen wäre.

Ein Roman, der dennoch Spaß macht, zumindest streckenweise und den man lesen kann, aber definitiv nicht muss. Bei weitem nicht das Beste von Hornby, auch wenn der altbekannte Schalk hie und da durchblitzt.