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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.11.2020

Gelungener Auftakt für eine vielversprechende Serie

Spectrum
1

Ethan Cross hat mich mit seinem Erstlingswerk enttäuscht, weshalb ich mit sehr geringen Erwartungen an dieses Buch herangegangen bin, aber jeder hat doch eine zweite Chance verdient, oder? Bei Ethan Cross ...

Ethan Cross hat mich mit seinem Erstlingswerk enttäuscht, weshalb ich mit sehr geringen Erwartungen an dieses Buch herangegangen bin, aber jeder hat doch eine zweite Chance verdient, oder? Bei Ethan Cross war das auf jeden Fall eine gute Idee, den dieses Buch hat mich sehr gut unterhalten.
Der Schreibstil ist sehr flüssig und baut Spannung auf, durch die kurzen Kapitel und die ständigen Schauplatz- bzw. Erzählerwechsel liest sich das Buch sehr schnell und wird nie langatmig obwohl es einen eigentlich sehr kurzen Zeitraum sehr genau beleuchtet. Zu kompliziert wird es nur an passenden Stellen, wenn z.B. das Genie Burke loslegt irgendwelche hochkomplexen Zusammenhänge zu beschreiben, etc.Auch die Charaktere sind sehr gut gezeichnet, so, dass sowohl die "Bösen" als auch die "Guten" real und nachvollziehbar wirken und einem eigentlich jede der Personen ans Herz wächst. Vor allem Burke, das Herzstück dieser Reihe, kann man einfach nur lieb haben, und diesem Charakter verzeiht man einfach alles.Neben Spannung bis zur letzten Seite bietet das Buch auch Momente zum schmunzeln. Alles in allem ein sehr gelungener Thriller an dem es eigentlich nichts auszusetzen gibt.

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Veröffentlicht am 02.01.2026

Unerwartete Wendungen

Ruf der Leere
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In Daniel Alvarengas "Ruf der Leer" geht es um den jungen Erwachsenen Felix, Medizinstudent, Sohn eines wohlhabenden Professors, der eigentlich nur mit seinem Freund, der gerade wieder aus Australien zurückgekommen ...

In Daniel Alvarengas "Ruf der Leer" geht es um den jungen Erwachsenen Felix, Medizinstudent, Sohn eines wohlhabenden Professors, der eigentlich nur mit seinem Freund, der gerade wieder aus Australien zurückgekommen ist, und ein paar anderen Freunden und "Anhängsel" ein nettes Wochenende in einer Waldhütte verbringen möchte. Doch sie bleiben nicht lange unter sich - der Tod in Person kommt sie besuchen und sagt ihnen, dass nur eine:r von ihnen überleben wird. Wer das sein wird? Das dürfen sie selbst entscheiden.
Der Roman wird jedoch nicht nur aus der Felix Perspektive erzählt, sondern auch oft von Laura, seiner Ex-Freundin, und ab und zu auch anderen Charakteren. Dabei wechselt die Handlung ständig zwischen der Gegenwart in der Hütte und der Vergangenheit mit dem Fokus auf Felix und Laura und einem Seminar in Medizinethik. Eine "einfache Lösung", wie das Buch enden könnte, ist schnell gefunden und es scheint auch immer wieder Hinweise auf genau so ein Ende zu geben. Doch Alvarenga geht nicht den einfachen Weg und trotzdem wirkt auch sein Ende natürlich und nachvollziehbar - und die Hinweise auf das andere Ende sind vermutlich sogar absichtlich so gesetzt.
Sprachlich überzeugt der Autor mit einer Leichtigkeit und Schroffheit, die die Charaktere echt und nahbar wirken lässt - vielleicht nicht unbedingt sympathisch, aber auch das gut zu schreiben, muss gelernt sein! Durch den Sprachstil fliegt man nur so durch die knapp 400 Seiten und hat nie das Gefühl, dass das Ganze künstlich in die Länge gezogen würde.
Mein größter Kritikpunkt liegt tatsächlich an meiner Namensschwäche, denn die wichtigsten Charaktere Felix, Fabian, Bill, Ben, Laura und Lena zu nennen war nicht unbedingt notwendig - es gibt auch Namen, die sich nicht so ähnlich sind.

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Veröffentlicht am 16.06.2025

Ruhig und warm trotz schwieriger Themen

Der Kaiser der Freude
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Wie schon bei seinem ersten Roman, merkt man auch bei "Der Kaiser der Freude", dass Ocean Voung eine wunderbare Art zu Erzählen hat. Dieses Mal geht es um den queeren Hai mit vietnamesischen Wurzeln, der ...

Wie schon bei seinem ersten Roman, merkt man auch bei "Der Kaiser der Freude", dass Ocean Voung eine wunderbare Art zu Erzählen hat. Dieses Mal geht es um den queeren Hai mit vietnamesischen Wurzeln, der von Grazina, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Litauen nach Amerika gekommen ist, vom Brückengeländer "gepflückt" wird und mit ihr nach Hause geht, wo er sich um sie kümmert. Durch die Pflege der alten Frau, die beinhaltet, dass sie ihre Medikamente gegen die Demenz nicht, aber auch dass er ihr vorspielt, ihr Mann oder "Sergeant Pepper" zu sein, und einem neuen Job in einem Fast-Food-Lokal lernt Hai wieder zu leben und findet eine Gemeinschaft.
Besonders beindruckend ist, wie ruhig Voung von alldem erzählt. Trotz schwierigen Themen wie Demenz, Drogenkonsum, Krebserkrankungen und vielen mehr, wirkt der Roman nie reißerisch oder unnötig brutal erzählt. Voung findet eine Sprache, bei der der Roman eigentlich ziemlich leicht und angenehm daher kommt, bei der das Miteinander, die Wärme im Vordergrund steht. Der Roman wirkt wie ein Lächeln mit Tränen in den Augen.

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Veröffentlicht am 12.06.2025

Lehrreich trotz Schwächen

Gaming – Eine Pixel-Zeitreise
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Der Sachcomic "Gaming - Eine Pixelzeitreise" präsentiert die Geschichte der Videospiele. Der Autor, Jean Zeid, der Videospiele studiert hat und diverse Ausstellungen zum Thema kuratiert, und die Zeichnerin, ...

Der Sachcomic "Gaming - Eine Pixelzeitreise" präsentiert die Geschichte der Videospiele. Der Autor, Jean Zeid, der Videospiele studiert hat und diverse Ausstellungen zum Thema kuratiert, und die Zeichnerin, Émilie Rouge, eine leidenschaftliche Gamerin, begeben sich auf eine Zeitreise durch die wichtigsten Stationen in der Entwicklung der beliebten Games und müssen dabei auch die eine oder andere Prüfung bestehen, um wieder nach Hause zu kommen.
Von der Geschichte habe ich mir von Anfang an nicht viel erwartet, soll es doch erstrangig um die Wissensvermittlung gehen und dementsprechend war sie auch nicht wirklich besonders. Man sollte auch nicht zu viel darüber nachdenken, denn dann fallen einem die großen Probleme, wie Plotholes oder das Pacing auf, oder das die Aufgaben teilweise komplett irrelevant oder unklar sind. Es war aber schön, dass die Handlung da war, denn das hat den Comic etwas aufgelockert. Der Fokus ging weg von reinem Aufzählen von Fakten und das Buch ließ sich einfacher und schneller lesen.
Interessant war der Aufbau und die Auswahl der präsentierten Fakten. Dadurch, dass die Kapitel zuerst in die verschiedenen Technologien aufgeteilt sind (ein Kapitel über Spielautomaten, eines über Videokonsolen, eines über PCs) wirkt der Aufbau stellenweise chaotisch, weil sehr viel in der Zeit gesprungen wird. Auch innerhalb der Kapitel finden teilweise nicht nachvollziehbare Zeitsprünge statt, sodass ich manchmal geglaubt habe, dass im druck Seiten verwechselt wurden. Da wurde sich manchmal schon auf eine Entwicklung bezogen, die erst ein zwei Seiten später überhaupt erklärt wurde.
Auch die Auswahl ist manchmal durchaus fragwürdig. Es ist durchaus lobenswert, dass der Autor auch auf unbekannte Entwickler:innen und Spiele aufmerksam machen möchte, jedoch gibt es ein falsches Bild, wenn nur das passiert. In manchen Kapiteln, erwähnt er zuerst, dass es kaum Frauen in der Entwicklungsgeschichte gab und stellt im weiteren Verlauf fast nur Frauen vor. Da denke ich mir dann eben auch: Wenn es so wenige gab, wieso sind sie hier dann so omnipräsent? Auch wird ein gewisses Grundwissen über die großen Namen und Titel vorausgesetzt, so werden sie zwar kurz erwähnt, aber teilweise nicht beschrieben.
Der Comic hat bestimmt seine Schwächen, trotzdem gibt er einen guten Überblick, über die Entwicklung der Videospielindustrie und zeigt auch unbekannte Gesichter und Spiele und inspiriert so, auch neue Spiele auszuprobieren.

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Veröffentlicht am 28.03.2025

Sci-Fi über anthropozentrisches Weltbild

Lyneham
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Im Roman "Lyneham" von Nils Westerboer geht es darum, dass die Menschen, nachdem sie die Erde nun komplett zerstört haben, auf einen weit entfernten Planeten auswandern - kommt einem wohl bekannt vor. ...

Im Roman "Lyneham" von Nils Westerboer geht es darum, dass die Menschen, nachdem sie die Erde nun komplett zerstört haben, auf einen weit entfernten Planeten auswandern - kommt einem wohl bekannt vor. Dort werden sie vor verschiedene Probleme gestellt, wie unsichtbare Wesen, die bereits dort leben und eine Atmosphäre, die sehr sauerstoffarm ist und somit für Menschen nicht lebensfähig. Die Forscher:innengruppe, die zuerst dort ankommt, versucht alles, um den Planeten habitabel zu machen, doch nicht alle sind über die Vorgehensweisen, die die Eindringline einsetzen, glücklich.
Die Leser:innen verfolgen zwei Erzählstränge. Auf der einen Seite gibt es Henry Meadows, der gerade mit seinem Vater und seinen Geschwistern auf dem neuen Planeten angekommen ist, auf dem bereits die neue Gesellschaft gegründet wurde. Die Familie versucht sich an die neuen Gegenheiten zu gewöhnen und sich in die Gesellschaft einzugliedern.
Die ethisch interessantere, wenn auch komplexere, Perspektive, da viele viele Fachbegriffe und eine stark wissenschaftliche Sprache verwenden werden, ist die von Henrys Mutter, Mildred Meadows. Sie ist bereits früher angekommen und war Teil der "Pioniere", die den Planeten auf die Ankunft der Menschen vorbereiten sollte. Mildred ist unglücklich über die invasive Vorgehensweise, mit der sich die Gruppe den Planeten zu eigen machen möchte. Sie versteht ihre Rolle als "Einwandernde" und möchte lieber versuchen eine Symbiose mit der neuen Welt anzustreben, anstatt auch diese zu zerstören.
Beide Perspektiven sind durchaus interessant. Die Kapitel aus Henrys Sicht sind wesentlich einfacher zu lesen und bieten somit eine gute Abwechslung zu den stark wissenschaftlichen Kapiteln. Durch diesen Fokus wirkt Mildred auch unnahbar, man baut kaum Sympathien für sie auf. Dafür ist es bei Henry umso einfacher. Bei ihm stehen die Gefühle, die neuen Eindrücke und seine Ängste und Unsicherheiten im Vordergrund. Man kann gut mit ihm mitfühlen und so eine Verbindung zu ihm aufbauen.
Am Ende bleibt vor allem der Gedanke, wie wir mit unserer Welt umgehen und unter welchen Umständen ein Auswandern auf einen neuen Planeten passieren sollte. Westerboer stellt klar, dass das anthropozentrische Weltbild, bei dem sich derzeit die Menschheit als absoluten Mittelpunkt sieht, in diesem Fall überdacht werden muss und wir uns nicht einfach neue Planeten unter den Nagel reißen können, weil wir unsere Welt zerstört haben.

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