Profilbild von tigerbea

tigerbea

Lesejury Star
offline

tigerbea ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit tigerbea über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.01.2021

Bewegende Familiensaga

Hotel Quadriga
0

Der Konditorensohn Karl Jochum ist erst 13 Jahre alt, als er im Juni 1871 eine Militärparade über die Straße "Unter den Linden" ziehen sieht. Sie verkündet ein neues Deutsches Reich. Als er die Quadriga ...

Der Konditorensohn Karl Jochum ist erst 13 Jahre alt, als er im Juni 1871 eine Militärparade über die Straße "Unter den Linden" ziehen sieht. Sie verkündet ein neues Deutsches Reich. Als er die Quadriga auf dem Brandenburger Tor erblickt, beschließt er, etwas im Leben erreichen zu wollen und die bescheidenen Verhältnisse, in denen er aufwuchs, hinter sich zu lassen. Er eröffnet ein eigenes Café, kehrt zurück und will das beste Hotel Berlins eröffnen.

Jenny Glanfield startet mit "Hotel Quadriga" eine 3teilige opulente Serie rund um ein glamouröses Hotel in Berlin. Es ist unverkennbar, daß sie sich hierbei das Hotel Adlon als Vorbild auserwählt hat. Die Beschreibungen sind so bildhaft, daß man direkt dieses Hotel vor Augen hat und den Flair, den dieses Hotel ausstrahlt, auf der Haut spürt. Aber auch geschichtlich hat dieses Buch einiges zu bieten. Die Politik und die Gegebenheiten der Zeit sind fundiert und gut recherchiert dargestellt. Hier wird eine Familiengeschichte erzählt, die authentisch in die Zeit paßt und damals wichtige Themen aufgreift. Ein wenig muß man sich bei den Charakteren konzentrieren. Bis man alle erfasst hat dauert es aufgrund der Anzahl etwas. Jedoch sind auch diese sehr gut dargestellt. Sie sind stimmig, agieren glaubhaft und man kann sich in sie und ihre Handlungen hinein versetzen. Jeder Band dieser Serie ist in sich abgeschlossen und behandelt eine bestimmte Zeitspanne. Richtig Spaß bereitet es, die Bände nahtlos hintereinander zu lesen. Dies ist jedoch keine Voraussetzung - es lohnt allerdings!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.01.2021

Ein kleines, aber feines Büchlein

Ein dänischer Winter
0

Die 18jährige Minna verliert im Dezember 1929 ihre Anstellung als Schreibkraft, der ihre Familie ernährte.. Damit nicht genug, entscheidet sich Carl, der von ihr angebetete Mann, offensichtlich für eine ...

Die 18jährige Minna verliert im Dezember 1929 ihre Anstellung als Schreibkraft, der ihre Familie ernährte.. Damit nicht genug, entscheidet sich Carl, der von ihr angebetete Mann, offensichtlich für eine andere Frau. Als sie die Möglichkeit bekommt, als Dienstmädchen bei Familie Blixen eine Anstellung antreten zu können, nimmt sie diese nur zu gerne an.

Zur gleichen Zeit plagen Karen Blixen in Afrika Sorgen. Um die Kaffeeplantage ist es nicht gut bestellt, ihre Beziehung steckt in einer Krise. Als sie erfährt, daß ihre Mutter erkrankt ist, reist sie nach Dänemark. Dort begegnet sie Minna und findet trotz aller Unterschiede in ihr eine Zuhörerin für ihre Sorgen und jemanden, der ihr Trost spendet.

Sanne Jellings läßt in ihrem Roman "Ein dänischer Winter" zwei Frauen aufeinandertreffen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite das Dienstmädchen Minna aus ärmlichen Verhältnissen, auf der anderen Seite die Baronin Karen Blixen. Doch so unterschiedlich sie sind - in ihren Sorgen sind sie sich nahe. Ihre Probleme werden hier sehr intensiv dargestellt und man leidet gerade mit Minna sehr mit. Das Leben von Karen in Afrika wird hier als Rahmenhandlung eingesetzt. Dies kommt mir hier etwas zu kurz - hätte mich dies doch noch mehr interessiert. Vielleicht hätte ich dadurch zum Charakter Karen mehr Bezug bekommen. Vom Schreibstil her ist das Buch im eher anspruchsvollen Segment angesiedelt. Es ist definitiv nicht "einfach so" zu lesen, bereitet jedoch Spaß und macht Freude.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.01.2021

Gruselige Vorstellung

Die App – Sie kennen dich. Sie wissen, wo du wohnst.
0

Hendrik und Linda bewohnen ein Traumhaus in Hamburg-Westerhude. Alles ist per App steuerbar, man muß sich um nichts kümmern. So haben sie sich ihr gemeinsames Heim vorgestellt. Doch Linda verschwindet ...

Hendrik und Linda bewohnen ein Traumhaus in Hamburg-Westerhude. Alles ist per App steuerbar, man muß sich um nichts kümmern. So haben sie sich ihr gemeinsames Heim vorgestellt. Doch Linda verschwindet nachts spurlos. Die Polizei ist ratlos, Hendrik steht vor einem Rätsel. Denn offenbar hat sich jemand an der App zu schaffen gemacht. Auch von Außenstehenden, die vor der gleichen Situation wie er stehen, wird er vor dem App-System gewarnt...

Arno Strobel hat es wieder geschafft - er hat mich mit "Die App" gnadenlos gefesselt. Ich hatte so manches Mal eine Gänsehaut. Die Vorstellung, daß eine App darüber bestimmt, wann ich das Haus verlassen darf - einfach gruselig. Was genau dahinter steckt bleibt ein Geheimnis - hier muß jeder das Buch selbst lesen. Und dies ist sehr zu empfehlen. Denn es ist von Beginn an spannend. Immer wieder meint man der Lösung nahe zu sein, hat immer neue Verdächtige und würde Hendrik am liebsten warnen. Denn selbst die Polizei erscheint hier sehr zwielichtig. Und dies erhöht den Gruselfaktor, denn wenn man schon bei der Polizei nicht sicher sein kann, wem man vertraut - wer bleibt dann noch? Geschickt spielt Arno Strobel hier mit Ängsten, Verzweiflung und Mißtrauen. All dies durchlebt Hendrik - und mit ihm der Leser. Man möchte ihm helfen, erlebt alles durch einen gelungenen Schreibstil hautnah und ist in jeder Beziehung "mittendrin". Worum es im Endeffekt geht? Darüber bittet Arno Strobel nichts zu verraten - es ist aber brisant....

Ein echter Pageturner, der gelesen werden muß!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.12.2020

Tolles neues Ermittlerteam in Ostfriesland

Langeooger Schampus. Ostfrieslandkrimi
0

Kurz vor der Abreise aus dem Langeoog-Urlaub muß Hajo Scholten feststellen, daß seine Frau Marianne und der 10jährige Sohn Marten spurlos verschwunden sind. Von Marianne bleibt nur eine mysteriöse Nachricht. ...

Kurz vor der Abreise aus dem Langeoog-Urlaub muß Hajo Scholten feststellen, daß seine Frau Marianne und der 10jährige Sohn Marten spurlos verschwunden sind. Von Marianne bleibt nur eine mysteriöse Nachricht. Die beiden Inselkommissare Gerret Kolbe und Rieke Voss sind sich sicher, daß hier ein Verbrechen vorliegt. Als kurz darauf eine Leiche gefunden wird, weisen die Spuren zu einem Waldhaus, in dem abendliche Partys gefeiert werden, auf denen Marianne unter dem Namen "Mary Ann" keine Unbekannte war. Ist der Täter hier zu finden - oder doch bei Hajo Scholten?

Marc Freund beschert dem Leser mit "Langeooger Schampus" den ersten Fall für das neue ostfriesische Ermittlerduo Gerret Kolbe und Rieke Voss. Und dieser Fall ist so prickelnd spannend wie Schampus! Gekonnt legt er Spuren, die immer wieder neue Verdächtige liefern, man rätselt ständig hin und her und kommt einfach nie auf die wirkliche Lösung. Dadurch hält sich die Spannung wirklich bis zum Schluß. Dadurch, und auch durch den wirklich guten Schreibstil, ist das Buch sehr kurzweilig und fesselt. Man kann gar nicht anders - man liest sich fest. Die Charaktere sind so unterschiedlich, daß man sich fragt, wie sie eigentlich zusammen arbeiten können. Während Gerret Kolbe auf Anhieb sympathisch und hilfsbereit ist, ist Rieke Voss zunächst die "Zicke". Mit ihr muß man erst einmal warm werden. Dies dauert jedoch etwas länger. Das Buch lebt jedoch nicht nur von dem spannenden Kriminalfall, sondern auch von wunderbaren Landschaftsbildern die im Kopf entstehen und ganz besonders auch von Kolbes Vergangenheit, die ihn wohl als Kind schon nach Langeoog geführt haben muß, denn ihm kommt einiges sehr bekannt vor. Dieses Geheimnis zieht sich wohl durch die Serie - und macht extrem neugierig auf eine Fortsetzung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.12.2020

Technik, die man besser nicht hat

Die Stimme
0

Die Journalistin Jo zieht nach ihrer Scheidung in die Wohnung ihrer Freundin Tabitha. Dort installiert: Home-Assistant "Electra". Eigentlich eine praktische Sache, doch Electra beginnt ein Eigenleben zu ...

Die Journalistin Jo zieht nach ihrer Scheidung in die Wohnung ihrer Freundin Tabitha. Dort installiert: Home-Assistant "Electra". Eigentlich eine praktische Sache, doch Electra beginnt ein Eigenleben zu führen. Sie scheint Dinge über Jo zu wissen, die aktuell sind, jedoch auch weit in die Vergangenheit reichen. Plötzlich ist das Bankkonto leer, Freunde wenden sich ab, denn niemand glaubt Jo. Jo muß unweigerlich an ihren Vater denken, der schizophrene Schübe erlitt und sich das Leben nahm.

"Die Stimme" von S. K. Tremayne nimmt sich eines immer beliebteren technischen Gegenstandes an - dem Home-Assistant. Nach diesem Buch wird man sich das doppelt gut überlegen, ob man so etwas besitzen möchte. Es ist einfach gruselig, wenn dieses Gerät aus dem Nichts heraus unheimliche Sätze sagt. Hier läuft es einem kalt den Rücken herunter. Die Handlung beginnt etwas langsam, kommt aber dann ganz gewaltig in Fahrt. Die Kapitel besitzen eine angenehme Länge und enden stets so, daß man fast gezwungen wird weiter zu lesen. Jo ist sehr gut beschrieben. Durch die Erzählperspektive aus ihrer Sicht erhält man Einblick in ihr Innerstes, fragt sich, ob ihre Wahrnehmung so richtig ist oder ob sie tatsächlich so krank ist, wie ihr Vater war. Man ist in dieser Frage wirklich hin- und hergerissen, wechselt ständig seine Meinung, sieht hinterher in jedem einen Verdächtigen und wird in die Story hineingezogen.
Mich hat dieses Buch wirklich gefangen genommen - und kann es jedem empfehlen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere