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Veröffentlicht am 03.01.2021

Viel mehr als (nur) ein Kochbuch

Uri Buri - meine Küche
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Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass Uri Buri bzw. Uri Jeremias ein mir völlig unbekannter Name war, bevor ich dieses Buch erstmals gesehen habe. Und auch dann hat mich das Cover nicht sonderlich ...

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass Uri Buri bzw. Uri Jeremias ein mir völlig unbekannter Name war, bevor ich dieses Buch erstmals gesehen habe. Und auch dann hat mich das Cover nicht sonderlich angesprochen. Ein weiteres Fischkochbuch eben, das ich eher desinteressiert aufgeschlagen habe. Doch dann hat mich bereits das kurze, aber sehr eindrückliche Vorwort von Uri Buri gepackt. Dieser Mann hat eine Lebensphilosophie, die sein ganzes Handeln bestimmt. Was er macht, das macht er richtig und umfassend. Folgerichtig ist "Uri Buri - Meine Küche" viel mehr als ein Kochbuch.

Eine sehr ausführliche Einleitung beschreibt das Leben und das Team Uri Buris. Wunderschöne Fotos ergänzen diesen Text. Erst dann folgt ein noch ausführlicherer Teil, in dem es ausschließlich um Fisch geht: Einkauf, Verarbeitung und die verschiedenen Zubereitungsarten. Und erst dann folgt der in einem normalen Kochbuch zu erwartende Rezeptteil. Überwiegend handelt es sich dabei natürlich um Fischrezepte, es gibt aber auch einige Salate, Desserts und Beilagen.
Überrascht hat mich die Einfachheit dieser Rezepte. Wenige Zutaten, eine sehr präzise Zubereitungsanleitung und zum Abschluss Anmerkungen, die Anregungen beinhalten, manchmal aber auch einfach nur sehr unterhaltsam sind. Zu jedem dieser Rezepte gibt es ein Foto, das passend zu Uri Buri ohne Schnickschnack einfach nur ein sehr appetitlich aussehendes Gericht darstellt.

Dieses Buch ist für mich viel mehr als ein Kochbuch und ich kann nicht sagen, welcher Teil mir am besten gefallen hat. Ein absolutes Highlight in diesem Genre!

Veröffentlicht am 03.10.2020

Herrliche Satire auf den Kunstbetrieb

Ein Mann der Kunst
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Herrlich überzeichnet, dabei aber auch sprachlich überzeugend erzählt Kristof Magnusson von einem exzentrischen Maler, der sein eigenes Museum bekommen soll. Dazu ist aber die Zustimmung aller Mitglieder ...

Herrlich überzeichnet, dabei aber auch sprachlich überzeugend erzählt Kristof Magnusson von einem exzentrischen Maler, der sein eigenes Museum bekommen soll. Dazu ist aber die Zustimmung aller Mitglieder des Fördervereins erforderlich. Der eitle Kurator des Museums will die jährliche Reise des Vereins dazu nutzen, auch die Zweifler zu überzeugen.

Der Kunstbetrieb wird pointiert karikiert, Eitelkeiten und Machtkämpfe sind sicher etwas überspitzt dargestellt, aber doch so nah an der Realität, dass sie glaubwürdig sind. Kristof Magnusson hält dem Bildungsbürgertum mit diesem gesellschaftskritischen Roman den Spiegel vor.

Man muss kein Kunstliebhaber sein, um dieses Buch zu mögen. Eine gewisse Nähe zum Kulturbetrieb sollte trotzdem vorhanden sein, um die wunderbar entwickelten Details wirklich schätzen zu können.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.09.2020

Empfehlenswertes Schwergewicht nicht nur für Neueinsteiger

Vegan! Das Goldene von GU
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Auf 400 Seiten finden sich Basics und ausgeklügelte Rezepte für Veganer und die, die einfach lecker essen wollen, dazu aber nicht unbedingt tierische Produkte brauchen.
Grob unterteilt ist das Buch in ...

Auf 400 Seiten finden sich Basics und ausgeklügelte Rezepte für Veganer und die, die einfach lecker essen wollen, dazu aber nicht unbedingt tierische Produkte brauchen.
Grob unterteilt ist das Buch in Frühstück, Salate, Suppen, Hauptgerichte, Küchenklassiker und natürlich Süsses. Bei vielen Rezepten ist die Zutatenliste überschaubar bzw. ein Großteil der Zutaten ist im Normalfall vorrätig. Die Beschaffung der fehlenden Nahrungsmittel sollte auch keine große Herausforderung darstellen.
Die Arbeitsschritte sind sehr leicht verständlich geschrieben, meist auf einer Buchseite untergebracht und zusätzlich veranschaulicht durch ein sehr ansprechendes ganzseitiges Foto.
Aufgrund des Gewichtes von immerhin 1,5 kg klappen die Seiten beim Kochen nicht zu.
Mein Fazit nach inzwischen mehreren ausprobierten Gerichten ist durchweg positiv, allerdings sollte man sich vorher überlegen, ob man dieses Monstrum tatsächlich auch nutzen will.

Veröffentlicht am 18.03.2026

Drei Zeiten, ein Thema: Gewalt gegen Frauen

Spiegelland
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Rebekka Frank hat für ihren Roman „Spiegelland“ mit dem Teufelsmoor eine ausgesprochen faszinierende Landschaft als Schauplatz gewählt. Auch das nahegelegene Künstlerdorf Worpswede und seine Bewohner finden ...

Rebekka Frank hat für ihren Roman „Spiegelland“ mit dem Teufelsmoor eine ausgesprochen faszinierende Landschaft als Schauplatz gewählt. Auch das nahegelegene Künstlerdorf Worpswede und seine Bewohner finden in einer der Zeitebenen Eingang in die Handlung. Erzählt wird eine Familiengeschichte, in der sich Gewalt gegen Frauen wie ein roter Faden durch die Generationen zieht – angesiedelt in den Jahren 1756, 1999 und 2025.

Im Jahr 1756 steht die selbstbewusste und freidenkende Moormagd Aletta vor einer begrenzten Lebenswahl: Heirat oder ein Dasein als unverheiratete Tante im Haushalt ihres Bruders. Andere Perspektiven sind Frauen nicht eröffnet. Obwohl der wohlhabende Stoffer, den sie seit ihrer Kindheit kennt, um sie wirbt, entscheidet sie sich für das entbehrungsreiche Leben an der Seite ihres Bruders und ihrer Schwägerin. Gemeinsam wagen sie den Versuch, ein Stück Moor urbar zu machen und sich dort niederzulassen – gewalttätige Konflikte mit dem Nachbarort und mit Stoffer sind vorprogrammiert.

1999 flieht Cato mit ihrer Tochter Kira vor der Gewalt ihres Ehemannes Sven in das Haus im Moor, das sie kürzlich von ihrer Großmutter geerbt hat. In der Hoffnung, dort unentdeckt zu bleiben, versucht sie, an ihre früheren Erfahrungen als Journalistin anzuknüpfen und für den Lebensunterhalt zu sorgen. Doch früher oder später muss sie sich den rechtlichen Auseinandersetzungen stellen und den Kampf um das Sorgerecht für ihre Tochter aufnehmen.

Im Jahr 2025 hat der 14-jährige Elias etwas getan, das ihn und seine Mutter Kira zutiefst erschüttert. Er flieht zu seiner Großmutter Cato, die ihm ohne Vorbehalte Zuflucht gewährt. Im Moor begegnet er zufällig der gleichaltrigen, sehr reflektierten Tara, mit der er Freundschaft schließt. In Gesprächen mit ihr und seiner Großmutter beginnt Elias, sich zu öffnen und sein eigenes Verhalten zu hinterfragen.

Die Verknüpfung dieser drei Zeit- und Handlungsebenen ist hervorragend gelungen. Motive werden geschickt aufgegriffen und weitergeführt, sodass kaum Brüche entstehen. Besonders eindrucksvoll und informativ ist die Schilderung des harten Lebens von Aletta und ihren Mitstreitern.

Etwas zu positiv wirkt hingegen zunächst Catos Situation unmittelbar nach ihrer Flucht, auch wenn die weitere Entwicklung sowie die rechtlichen Aspekte sehr realitätsnah dargestellt sind. Weniger fesselnd empfand ich den aktuellen Handlungsstrang um Elias, auch wenn er für die Gesamtaussage des Romans eine wichtige Rolle spielt.

Trotz dieser kleineren Kritikpunkte habe ich das Buch sehr gern gelesen und kann mir gut vorstellen, auch weitere Werke der Autorin zu entdecken.

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  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.09.2025

Gesellschaft der Zukunft?

Gesellschaftsspiel
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Die Schwestern Isabelle und Annika sowie ihre Tante Dagmar verbinden zunächst nur wenige Gemeinsamkeiten. Als Gabi, deren Mutter beziehungsweise Schwester, einen Schlaganfall erleidet und im Sterben liegt, ...

Die Schwestern Isabelle und Annika sowie ihre Tante Dagmar verbinden zunächst nur wenige Gemeinsamkeiten. Als Gabi, deren Mutter beziehungsweise Schwester, einen Schlaganfall erleidet und im Sterben liegt, müssen sich die drei Frauen notgedrungen zusammenfinden.

Annika lebt in den USA und ist aufgrund der zunehmenden Ausländerfeindlichkeit und rassistischen Tendenzen in Deutschland sehr kritisch gegenüber ihrem Heimatland.
Isabelle ist Lehrerin und alleinerziehende Mutter. Sie ist engagiert, aber auch ständig am Limit durch die Mehrfachbelastungen. Dagmar lehrt an der Uni Soziologie, hat aber in lebenspraktischen Belangen ausgesprochene Defizite.

In die emotional schwierige Situation platzt die Meldung über ein Experiment, das ausgerechnet in ihrer Stadt Weimar stattfinden soll. Der amerikanische Tech-Milliardär und Spiele-Erfinder „Double Z“ hat die geschichtsträchtige Stadt im Osten Deutschlands auserkoren, um ein neues Gesellschaftsmodell per App zu testen. Die BewohnerInnen bestimmen direkt über die App Syndicate mit, schwerfällige Entscheidungsprozesse fallen weg. Eine ganze Stadt wird zum Testfall für die Gesellschaft der Zukunft.

Die Reaktion der drei Frauen fällt ganz unterschiedlich aus. Annika bleibt zunächst eher emotionslos, auch wenn ihr Freund Wang absolut begeistert ist. Dagmar versucht die Idee mit ihrem sozialwissenschaftlichen Hintergrund in allen Facetten zu durchdringen und Isabelle setzt sich gemeinsam mit ihren Schülern mit der App auseinander.

Stilistisch ist der hochaktuelle Roman nicht ganz einfach zu fassen. Das eigentlich emotional belastende Familiengeschehen rückt ein bisschen zu sehr in die Hintergrund. Hinzu kommen die eingestreuten Social Media Posts, die zwar gut zu dem Thema des Romans passen, den Lesefluss aber unterbrechen und bewusst stören.

Trotz einiger Schwächen ist der Roman empfehlenswert aufgrund seiner aktuellen Thematik. Es ist zwar Fiktion, aber erschreckend realistisch und die Handlung regt definitiv zum Nachdenken an.

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