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Veröffentlicht am 24.07.2021

Deutsche Geschichte verdichtet an einem Tag

Dreieinhalb Stunden
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In diesem Buch verdichtet sich die deutsche Teilung in wenigen Stunden.
Aus der Sicht verschiedener Passagiere eines Interzonen-Zuges, der am 13. August 1961 von München nach Berlin fährt, wird ...

In diesem Buch verdichtet sich die deutsche Teilung in wenigen Stunden.
Aus der Sicht verschiedener Passagiere eines Interzonen-Zuges, der am 13. August 1961 von München nach Berlin fährt, wird geschildert, welche Spätfolgen die beiden Weltkriege für das persönliche Schicksal von Menschen hatte.
Als sich im Zug die Nachricht des Mauerbaus und der Grenzschließung verbreitet, sehen sich die Menschen plötzlich vor die Wahl gestellt, für immer in ihre Heimat DDR zurückzukehren oder den Zug vor dem Grenzübertritt zu verlassen und ein ganz neues Leben im anderen Teil Deutschlands zu beginnen.
Einzelne kurze Kapitel erzählen von dieser Zugfahrt aus ganz verschiedenen Perspektiven. Durch die Angabe der Uhrzeit wird eine große Dichte erzeugt, da immer wieder deutlich gemacht wird, wie wenig Zeit noch bleibt, bis der Zug die Grenze endgültig überfahren wird.
Eindringlich wird dargestellt, wie schwer es fällt, gemeinsam mit dem Partner oder den Freunden zu entscheiden, ob man weiterfährt oder aussteigt. Weitere Spannung erzeugt die Untersuchung eines westdeutschen Polizisten, der drei Mordfälle aufklären muss.
Weiteren Perspektiven entstehen durch den Vater einer Mitreisenden, der den Polizeieinsatz in Berlin koordinieren muss und eine junge Lokführerin, die den Zug über die Grenze fahren soll und ausgerechnet an diesem Tag für eine Dokumentation gefilmt wird.
Sehr empfehlenswerte zeitgeschichtliche Darstellung dieses deutschen Schicksalstags vor 60 Jahren, die ohne Vorurteile und Moralisierung beide deutsche Perspektiven zur Geltung bringt.

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Veröffentlicht am 18.02.2021

sprachgewaltiger Roadmovie-Roman

Die Erfindung der Sprache
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Der Titel des Buches ist Programm: Die Autorin erfindet Sprache neu, in vielfältiger Weise hinterfragt sie unser Sprechen und wagt neue Wortschöpfungen. Dabei ist das Buch keine anstrengende ...

Der Titel des Buches ist Programm: Die Autorin erfindet Sprache neu, in vielfältiger Weise hinterfragt sie unser Sprechen und wagt neue Wortschöpfungen. Dabei ist das Buch keine anstrengende Lektüre, sondern leicht verständlich und modern.
Gut gefallen hat mir, dass die Geschichte trotz vieler Schicksalsschläge immer positiv berichtet mit einem milden Blick und leichtem Schmunzeln.
Das Buch ist wie der Heimatort der Hauptfiguren: die ostfriesische Insel Platteoog - schroff, aber liebenswert.
Es geht um Ubbo, den Bäcker, der in Tschechien seine Liebe Leska gefunden hat. Um ihre Tochter Oda und deren Mann Hubert. Ihr einziges Kind Adam kam zu früh auf die Welt. Er ist besonders - sehr wissbegierig und intelligent, aber mit Schwierigkeiten im Kontakt zu den Mitmenschen. Auf der Insel wird dies respektiert und alle kümmern sich gut umeinander. Doch diese heile Welt zerbricht, als Hubert auf einer Pilgerreise einfach verschwindet und Oda daraufhin verstummt.
Jahre später macht sich Adam auf die Suche nach seinen Wurzeln. Diese Heldenreise wird mit vielen Rückblicken auf die Familiengeschichte erzählt.




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Veröffentlicht am 04.01.2021

Zeitreise nach Amsterdam

Krone der Welt
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Die Autorin entführt uns nach Amsterdam um 1600. Sie schildert die Lebensgeschichte der drei Geschwister Vincent, Ruben und Betje, die aus mit ihrem Vater aus Antwerpen fliehen mussten und kurz darauf ...

Die Autorin entführt uns nach Amsterdam um 1600. Sie schildert die Lebensgeschichte der drei Geschwister Vincent, Ruben und Betje, die aus mit ihrem Vater aus Antwerpen fliehen mussten und kurz darauf ganz ohne Eltern in der fremden Stadt klarkommen müssen.
Detailliert werden die Lebensbedingungen der damaligen Zeit dargestellt, vor allem in den Bereichen Architektur, Militär, Küche und Seefahrt. Der historische Hintergrund des Krieges der protestantischen Provinzen gegen das katholische Spanien bestimmt das Schicksal der Familie immer wieder.
Das Buch umfasst einen langen Zeitraum für einen historischen Roman, ist daher niemals langatmig.
Geschickt werden Perspektiven und Stil (z.B. Tagebucheinträge eines Seefahrers) gewechselt.

Unbedingte Empfehlung für alle, die gerne in frühere Zeiten abtauchen und mit den Hauptfiguren des Romans mitfühlen möchten.

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Veröffentlicht am 16.11.2020

Kurzweilige Geschichtsstunde

Der Aachener Hund
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Passend zum 500. Jahrestag der Krönung Karls. des V. und zu den passenden Ausstellungen in den Aachener Museen beleuchtet Günter Krieger den Aufenthalt Abrecht Dürers in der Kaiserstadt.

Erzählt wird ...

Passend zum 500. Jahrestag der Krönung Karls. des V. und zu den passenden Ausstellungen in den Aachener Museen beleuchtet Günter Krieger den Aufenthalt Abrecht Dürers in der Kaiserstadt.

Erzählt wird aus der Perspektive seines Freundes Hans Ebner, aus der einer jungen Frau, die als Findelkind aufwuchs, aber nun auf der Suche nach einer neuen Heimat ist ,und aus der des 10-jährigen Bürgermeistersohns Peter.

Dürer wird als sehr menschenfreundlich und aufmerksam dargestellt. Viele geschichtliche Fakten werden ansprechend verpackt und auch Aachener Sagengut findet seinen Niederschlag.

Aber nicht nur für Aachener ist dies eine lohnende Lektüre. Der Autor passt sich sprachlich dem Mittelalter an, trotzdem ist alles leicht verständlich und flüssig erzählt.

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Veröffentlicht am 02.09.2020

gut recherchierte und spannende Story aus dem Berlin des Kalten Krieges

Kinder ihrer Zeit
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Die Zwillinge Emma und Alice werden auf der Flucht aus Ostpreußen getrennt. Erst Jahre später treffen sie sich Berlin wieder. Alice ist in Ostdeutschland in Kinderheimen aufgewachsen und fühlt sich dem ...

Die Zwillinge Emma und Alice werden auf der Flucht aus Ostpreußen getrennt. Erst Jahre später treffen sie sich Berlin wieder. Alice ist in Ostdeutschland in Kinderheimen aufgewachsen und fühlt sich dem sozialistischen Staat verpflichtet, während Emma gemeinsam mit der inzwischen verstorbenen Mutter im Westen der Stadt lebte.

Zu dieser dramatischen Familiengeschichte kommt nun ein Spionagethriller hinzu, da beide durch ihr Umfeld mit den jeweiligen Besatzungsmächten vertraut sind. Alice verdankt dem russischen Offizier Sergej ihre Rettung in Ostpreußen und Emma hat in Major Carter einen frühen Förderer ihres Sprachtalents gefunden und ihr Schulfreund Max arbeitet für eine Organisation, die Flüchtlinge aus der DDR unterstützt.

Die ganze Situation spitzt sich noch zu, als Emma sich in den ostdeutschen Physiker Julius verliebt.

Durch häufige Perspektivwechsel, die dem Leser einen kleinen Wissensvorsprung vor den Figuren des Romans ermöglichen, wird die Spannung zusätzlich erhöht. Der Roman ist sehr gut recherchiert und schildert detailgetreu das Leben in der geteilten Stadt Berlin vom Ende des Weltkriegs bis zum Mauerbau. Auch die Nebenfiguren werden mit starken Eigenheiten gezeichnet, so dass man als Leser kein Namensregister benötigt.

Absolute Leseempfehlung für diese gelungen Mischung aus Spionagethriller, Familiensaga und Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Kalten Krieges.

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