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Mianna

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.08.2021

Seelenwärmer

The Comfort Book – Gedanken, die mir Hoffnung machen
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Matt Haig hat in diesem Buch viele Ideen, Gedanken, Anleitungen zusammen gestellt, die durch schwere Zeiten helfen sollen, die Seele wärmen, insbesondere bei Depressionen.
Eigene Ideen und Zitate anderer ...

Matt Haig hat in diesem Buch viele Ideen, Gedanken, Anleitungen zusammen gestellt, die durch schwere Zeiten helfen sollen, die Seele wärmen, insbesondere bei Depressionen.
Eigene Ideen und Zitate anderer Menschen finden sich hier. Es eignet sich zum Durcharbeiten über längere Zeit, ist wie ein Notfallköfferchen und Selbsthilfebuch.
Es eignet sich für Menschen mit Depressionen und Suizidgedanken, ebenso für gesunde Menschen in schwierigen Lebenslagen.
Mal sind es Gedanken, die nur ein paar Zeilen lang sind, mal kleinere Geschichten oder philosophische Ausführungen. Immer sind diese leicht zu überblicken, es braucht nur kurze Momente der Konzentration.
Dabei gibt der Autor einen guten Einblick in das Thema Depression und Suizidalität. Durch seine eigenen Erfahrungen sind seine Schilderungen authentisch. Vieles ist berührend und anregend, macht nachdenklich und gibt Hoffnung. Ganz so wie es der Titel verspricht.

Tolles Selbsthilfebuch. Authentisch, anregend und berührend.

Veröffentlicht am 18.07.2021

Feinfühlige Charakterisierungen

Wildtriebe
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"Wildtriebe" beschreibt das Miteinander und Gegeneinander dreier Frauen unterschiedlicher Generationen auf einem hessischen Bauernhof. Die Geschichte ist sicherlich beispielhaft für das Leben vieler Frauen ...

"Wildtriebe" beschreibt das Miteinander und Gegeneinander dreier Frauen unterschiedlicher Generationen auf einem hessischen Bauernhof. Die Geschichte ist sicherlich beispielhaft für das Leben vieler Frauen auf Bauernhöfen in Deutschland und wird dadurch umso spannender.

Lisbeth hat den "Bethches-Hof" früh übernehmen müssen. Die Brüder sind im Krieg umgekommen, die Eltern alt. Ihr Leben ist durch Pflichten und durch Erwartungen von Außen bestimmt. Ebenso scheint es Marlies zu ergehen, der Schwiegertochter, die es nicht leicht mit Lisbeths Erwartungen hat. Ihre Hoffnungen für ihre Tochter Joanna nach einem selbstbestimmten Leben sind dadurch umso größer.

Ute Mank ist es sehr gut gelungen, ein realistisches und nachvollziehbares Bild der drei Charaktere zu zeichnen. Vorallem werden die Frauen mit ihren Eigenheiten wohlwollend und verständlich beschrieben. Mank zeigt darin ihre gute Beobachtungsgabe und Einfühlungsvermögen.

Angefangen mit der Gegenwart geht es dann chronologisch aus der Vergangenheit wieder in die Gegenwart und darüberhinaus. Die Frauen werden einfühlsam beschrieben und deren Wünsche, Sehnsüchte und Beweggründe werden sehr deutlich. Es ist berührend und beeindruckend die Entwicklungen der Frauen mitzuerleben, die es miteinander nicht leicht haben. Alle versuchen sie ihren Weg zu finden und scheitern scheinbar an sich selbst und den Umständen. Die Erzählung ist packend und dadurch schnell gelesen.

Spannend sind auch die Männercharaktere, die das soziale Gefüge auf dem Hof nachvollziehbar komplettieren. Es wird auch deutlich welche großen Veränderungen und Existenzbedrohungen mit Landwirtschaft verbunden sind.

Das Leben dreier Frauen auf einem Bauernhof. "Wildtriebe" ist eine empfehlenswerte Charakterstudie und Mehrgenerationen-Erzählung. Eindrücklich, einfühlsam und packend.

Veröffentlicht am 15.05.2021

Mexikanische Familiensaga

Das Flüstern der Bienen
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Die Morales sind Großgrundbesitzer im Mexiko des 20. Jahrhunderts. Ihr Leben wird über viele Jahrzehnte hinweg beschrieben, beeinflusst durch die Spanische Grippe, Bürgerkrieg und Landenteignungen.

Anfänglich ...

Die Morales sind Großgrundbesitzer im Mexiko des 20. Jahrhunderts. Ihr Leben wird über viele Jahrzehnte hinweg beschrieben, beeinflusst durch die Spanische Grippe, Bürgerkrieg und Landenteignungen.

Anfänglich ist es schwierig die unzähligen Beteiligten einzuordnen, ihre Position in dem Ganzen zu verstehen. Beatriz und Franzisco Morales bilden den Kern der Geschichte, um die sich die Schicksale der anderen Beteiligten entspinnen. Da ist die Nana Reja, die scheinbar alle Kinder des Dorfes gestillt hat. Diese findet dann durch geheimnisvolle Fügungen den Säugling Simonopio, umringt von einem Bienenschwarm und mit einem entstellten Gesicht. Schon dort zeigen sich die magischen Anteile der Geschichte, die sich bis zum Ende durchziehen und sehr an moralischen Motiven ausgerichtet sind. Die Erzählung wirkt am Ende wie ein Gleichnis und wird dadurch zu einem besonderen Leseerlebnis. Die Schilderungen der Schicksale, die historischen Entwicklungen und die detaillierten Charakterbeschreibungen sind sehr berührend. Die Spannung geht nie verloren, auch wenn die Geschichte einige Schnörkel hat. Die Ausdruckskraft des Ganzen ist besonders.

Umfassende historische und familiäre Beschreibungen. Magisch und berührend. Großes Leseerlebnis!

Veröffentlicht am 22.02.2021

Humorvoll mit Tiefgang

Die Erfindung des Dosenöffners
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Timur Aslan langweilt sich in der Lokalredaktion des Westfälischen Kuriers. Alle anderen in seinem Alter, das sieht er in den sozialen Medien, führen ein aufregendes und perfektes Leben. Umso mehr strebt ...

Timur Aslan langweilt sich in der Lokalredaktion des Westfälischen Kuriers. Alle anderen in seinem Alter, das sieht er in den sozialen Medien, führen ein aufregendes und perfektes Leben. Umso mehr strebt er nach einem Volontariat in einer größeren Redaktion. Er sucht eine gute Story, um sich zu beweisen. Nicht so leicht in einer Kleinstadt.

Die Geschichte lässt sich leicht lesen, kann sogar in einem Stück durchgelesen werden. Es ist spannend, wie Timur sich durch seinen Alltag kämpft: um sich selbst drehend, auf der Suche nach dem perfekten Leben. Er ist sehr sympathisch, nicht nur wegen seiner jugendlichen Sprache und dem schwarzen Humor. Vielmehr noch sind es seine Ansichten, die mit der Zeit herausgearbeitet werden. Auch sein Vater und Annette sind sehr sympathisch und interessante Charaktere. Bei beiden zeigt sich aber erst später, was sie zu bieten haben.

Besonders ist die humorvolle, leichte Art mit der brisante Inhalte spannend verpackt sind. Das ist auch der Reiz der Geschichte, die sogar noch abenteuerliche Formen annimmt. Der Autor, ganz Komiker, zeigt seine genaue Beobachtungsgabe in geschickten Formulierungen. Er spricht auf manchmal witzige, manchmal merkwürdige Weise bedeutende gesellschaftliche Themen an. Der Autor lässt Timur reifen und hält ihm wichtige Erkenntnisse bereit.

Die Geschichte ist berührend und bleibt in Erinnerung. Es ist ein witziges und tiefgründiges Abenteuer eines Heranwachsenden. Unterhaltsam und gesellschaftskritisch.

Veröffentlicht am 11.01.2021

Unerwartet eindrücklich

Ada
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Ada wird 1945 als Kind einer Jüdin in Leipzig geboren und flieht mit ihrer Mutter nach Argentinien. Ein paar Jahre später muss sie sich in Berlin in ihre Heimat einfinden. Sie wächst mit dem Schweigen ...

Ada wird 1945 als Kind einer Jüdin in Leipzig geboren und flieht mit ihrer Mutter nach Argentinien. Ein paar Jahre später muss sie sich in Berlin in ihre Heimat einfinden. Sie wächst mit dem Schweigen ihrer Mutter und den umwälzenden Ereignissen der deutschen Geschichte nach dem zweiten Weltkrieg auf.

Nach "Der Apfelbaum" ist "Ada" der zweite Roman in einer Trilogie. Berkel befasst sich darin mit der Geschichte der Frauen in seiner Familie.

Dieser Roman hat mich unerwartet begeistert. Christian Berkel zeigt sich als wahrer Schriftsteller. Er schafft es die frühere deutsche Geschichte ergreifend zu beschreiben und das aus Sicht einer jungen Frau. Seine einfühlsamen Beschreibungen begleiten Ada in ihrer Entwicklung. Ihre Haltlosigkeit, der große Druck des Schweigens und die Suche nach ihrem Ich sind bewegend und realistisch dargestellt. Ihr Erleben ist raumgreifend.

Berkel hat eine ausdrucksstarke Sprache, bringt Zusammenhänge humorvoll und bildreich auf den Punkt. Die Dialoge im Berliner Dialekt wirken authentisch, ebenso die poetisch anmutenden Gedanken seiner Hauptfigur. Er bringt der Schwere und Eindrücklichkeit ebenso viel Humor und Leichtigkeit entgegen.

Der Roman hat mich ergriffen, mich in das Geschehen eingesaugt, mich bewegt und nachdenklich gemacht. Berkel gelingt es die geschichtlichen Ereignisse nah rücken zu lassen, ihnen die Bedeutung zu geben die ihnen zukommt. Die Geschichte lebt weiterhin in den nächsten Generationen. Mit diesem Gefühl habe ich das Buch beendet.

Ein beeindruckender Roman über die Entwicklung einer Frau in schweren Zeiten und die Umwälzungen des 20.Jahrhunderts in Deutschland. Sehr eindrücklich.