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Veröffentlicht am 14.02.2021

Ich sehe was, was du nicht siehst

Akademie Fortuna - Wenn Wahrsagen so einfach wäre
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Sorry, die eigentlich Aniversary heißt, ist die jüngste Tochter aus einer Familie der berühmten Fortunes, der sehenden Wahrsager. Jetzt ist sie zwölf und kommt auf die berühmte Akademie Fortuna, wo ihre ...

Sorry, die eigentlich Aniversary heißt, ist die jüngste Tochter aus einer Familie der berühmten Fortunes, der sehenden Wahrsager. Jetzt ist sie zwölf und kommt auf die berühmte Akademie Fortuna, wo ihre Fähigkeiten richtig ausgebildet werden sollen. Leider hat sie das Problem, dass sie im Gegensatz zu ihrer Mutter, der Schulleiterin, und ihrer Schwester, die immer Klassenbeste ist, keine bedeutenden Vorhersagen treffen kann. Ihre sind immer in der sehr nahen Zukunft angesiedelt und weder welterschütternd noch gewichtig, sondern höchstens von der Art, ob das Auto in ein Schlagloch fahren wird und sich die Mutter dabei mit ihrem Lippenstift beschmiert. Als wäre das nicht genug der Probleme, taucht plötzlich nach Jahrzehnten wieder ein Junge aus der Gruppe der Nekromanten auf, der verachteten Wahrsager, die einst etwas Schlimmes getan haben. Und dann ist da auch noch die Familie Astra, die die Familie Fortune stürzen möchte ... Alle Hände voll zu tun für Sorry und ihre neuen Freunde.

Das war eine echt süße Geschichte, die Spaß gemacht hat zu lesen und die durch richtig schöne Bilder ergänzt wurde. Es werden auch typische Probleme von Vorpubertierenden angesprochen - sich nicht gut genug zu fühlen oder Probleme beim Eingewöhnen in eine neue Schule zu haben. Richtig genervt hat mich die Mutter, die tatsächlich geheult hat, nur weil ihre Tochter nicht Klassenbeste ist und sie das spüren ließ. Was ging die mir auf die Nerven - wer solche Eltern hat, braucht keine Feinde mehr. Überhaupt, der Druck, der auf das Kind von Seiten dieser Mutter aufgebaut wurde, war echt schrecklich zu lesen. Ich hätte sie erwürgen können. Was mich in dem Buch ein bisschen gestört hat, war die zu vernünftige und beinahe erwachsene Art, mit der sich die Kids unterhalten haben und ich habe mich auch ernsthaft gefragt, was die überhaupt in dieser Schule lernen sollten, denn sie mussten irgendwie schon seit der ersten Stunde ihre Spezialität beherrschen. Trotzdem hat mir das Buch gut gefallen und ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Veröffentlicht am 07.02.2021

100 % verrückt

Mein geniales Leben
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Sigge hat es echt nicht einfach. Er ist zwölf, hat eine alleinerziehende Mutter und zwei kleine Schwestern und ein Problem. Zumindest ein größtes Problem: Er schielt ein wenig und wird deshalb in der Schule ...

Sigge hat es echt nicht einfach. Er ist zwölf, hat eine alleinerziehende Mutter und zwei kleine Schwestern und ein Problem. Zumindest ein größtes Problem: Er schielt ein wenig und wird deshalb in der Schule gemobbt. Er ist durchaus erleichtert, als seine Mutter mit ihm in ein kleines schwedisches Nest zu ihrer Großmutter zieht, die wiederum zu 50 % Englisch, zu 20 % Deutsch und zu 30 % Schwedisch ist, wie sie sagt. Sigges Ma hält sie für 100 % verrückt, aber das ist nicht verkehrt, findet Sigge. Denn hier, in dem neuen Ort, hat er die ganzen Sommerferien lang Zeit, sich selbst ein cooles Make Over zu verpassen und beliebt zu werden, und seine Oma ist nicht das schlechteste Beispiel dafür. Und dann lernt er auch noch Juna kennen, die Möchtegernschülerreporterin, und einem verrückten und genialem Sommer - wenn nicht sogar Leben - steht nichts mehr im Wege ...

Ich denke, jeder, der mal zwölf war oder gerade am Anfang der Pubertät stand, kann sich ziemlich gut in Sigge und seine Probleme einfühlen. Vielleicht hat sich nicht jeder Strichlisten erstellt, wie man am besten cool wird, aber irgendwelche dummen Sachen haben wir alle gemacht. Und Sigge macht sie meistens auf eine gewisse charmante Weise, die ihn liebenswürdig und ein bisschen trottelig zeigt. Dazu kommt, dass mit der alleinerziehenden Mutter, deren vorübergehender Arbeitslosigkeit und Trennung von dem Vater der beiden Schwestern von Sigge alltägliche Probleme dargestellt werden, die das Leben von Kindern nicht gerade vereinfachen. Das Ganze ist nett verpackt, auch mit ein paar Lebensweisheiten der älteren Generation und durchaus auch amüsant zu lesen.

Veröffentlicht am 03.02.2021

Der Krieger, die Schlange und der Torwächter

Im Zeichen der Mohnblume - Die Schamanin
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im Kaiserreich Nikan kann man nur etwas werden, wenn man in eine wohlhabende oder einflussreiche Familie geboren wird. Einzige Ausnahme: an besteht die Aufnahme in eine Militärakademie. Genau das gelingt ...

im Kaiserreich Nikan kann man nur etwas werden, wenn man in eine wohlhabende oder einflussreiche Familie geboren wird. Einzige Ausnahme: an besteht die Aufnahme in eine Militärakademie. Genau das gelingt dem Waisenmädchen Rin, die jedoch an der Akademie schwer zu kämpfen hat. Sie wird benachteiligt und verhöhnt, weil sie nicht zum Adel gehört. Doch der seltsame Professor Jiang wird auf sie aufmerksam und erkennt, dass in Rin große Macht schlummert. Er unterrichtet sie - doch bevor Rin die Akademie abschließen kann, wird Nikan vom Nachbarland mit Krieg überzogen. Und plötzlich finden sie sich alle inmitten eines Massakers wieder, und die Herkunft spielt keine Rolle mehr, nur noch der Kampf ums Überleben. Rin muss sich entscheiden - entfesselt sie eine Macht, die sie vielleicht nicht kontrollieren kann?

Wow. Der Schreibstil zieht einen direkt in die Handlung und man ist schon mitten drin, bevor Rin überhaupt einen Fuß in die Akademie setzt. Rin ist zum Glück kein typisches Young-Adult-Mädchen, das unbedingt einen Typen braucht, um agieren zu können, und obwohl sie tatsächlich einen bewundert, verliert sie deshalb weder ihren Verstand noch ihre Fähigkeiten. Bis zur Hälfte ist das Buch der Kampf eines Mädchens um Gleichberechtigung und Anerkennung, aber dann kippt die Stimmung enorm und man wird eine unglaublich brutale und grausame Handlung geworfen und manchmal fragt man sich wirklich, ob Rin die richtige Entscheidung trifft. Die Antwort ist gleichzeitig einfach und schwierig: In einem Krieg gibt es keine richtigen oder falschen Entscheidungen, es gibt nur Überleben oder Sterben. Doch so sehr mir der Stil und auch der Großteil des Buches gefallen hat, bin ich mir nicht sicher, ob ich die Reihe fortsetzen werde, denn es war teilweise wirklich jenseits von gut und böse, was die Grausamkeit betrifft und ich weiß nicht, ob die reine Handlung noch genügend Platz für zwei weitere Bücher hergibt oder das Ganze in einem unübertroffenen Blutbad und Gemetzel untergehen wird.

Veröffentlicht am 09.01.2021

Der deutsche Blick

Vaterland
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April 1964: Das dritte Reich hat den Krieg vor zwanzig Jahren gewonnen. Die Nazis beherrschen Europa und Deutschland, insbesondere Berlin, bereitet sich auf den 75. Geburtstag des Führers vor. Ausgerechnet ...

April 1964: Das dritte Reich hat den Krieg vor zwanzig Jahren gewonnen. Die Nazis beherrschen Europa und Deutschland, insbesondere Berlin, bereitet sich auf den 75. Geburtstag des Führers vor. Ausgerechnet jetzt wird die Leiche eines hochrangigen SS-Offiziers gefunden. Xaver March, Ermittler der Mordkommission, wird auf den Fall angesetzt. Doch überall wird gemauert, er findet keinen Zugang zu dem Fall und plötzlich mischt sich auch noch der Sicherheitsdienst ein und entzieht ihm das Ganze. Doch Xaver hat Blut geleckt und je tiefer er gräbt, desto scheußlicher werden die Verbrechen und desto lauter schreit sein Gewissen.

Ich mag ja diese Was-wäre-wenn-Szenarien sehr. Mit diesem Buch hat der Autor wohl vor 25 Jahren in Deutschland einen Skandal heraufbeschworen, hat er doch Ängste und Schuldbewusstsein ordentlich wieder aufgewühlt. Andererseits finde ich das Ganze gar nicht abwegig, schon gar nicht im Licht heutiger Ereignisse betrachtet. Es war eine beklemmende, spannende und durchaus authentische Lektüre, die zwischendrin manchmal ein bisschen langatmig daherkam, ganz besonders, wenn es um das amerikanische Loveinterest von Xaver ging. Dafür riss der Schluss vieles wieder heraus; er war unglaublich intensiv, hoffnungslos, realistisch und vor allem - offen. Nicht was das Schicksal einzelner Beteiligter angeht, aber dafür das Schicksal der ganzen Welt. Fast wie im echten Leben.

Veröffentlicht am 28.12.2020

Dame und Tiger

COLDTOWN – Stadt der Unsterblichkeit
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Tana ist siebzehn und möchte eigentlich nur eine geile Zeit bei einer Party erleben. Doch als sie erwacht, stellt sie fest, dass fast alle anderen Jugendlichen tot sind - in der Nacht sind Vampire gekommen ...

Tana ist siebzehn und möchte eigentlich nur eine geile Zeit bei einer Party erleben. Doch als sie erwacht, stellt sie fest, dass fast alle anderen Jugendlichen tot sind - in der Nacht sind Vampire gekommen und haben sie ausgesaugt. Nur ihr Ex-Freund Aidan und ein Fremder namens Gavril haben überlebt und es gelingt den dreien, gerade noch aus dem Haus zu entkommen, bevor die mörderischen Vampire wieder erwachen. Doch Aidan ist infiziert und der andere Junge ... selbst ein Vampir. Und Tana wurde ebenso verletzt und es könnte passieren, dass sie ebenfalls infiziert ist. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als mit den beiden zur nächsten Coldtown zu fahren, dorthin, wo die Vampire und Infizierten in Ghetto-Städten eingesperrt sind.

Ich hatte anfangs ein bisschen Probleme mit dem Buch. Der Einstieg erschien mir arg young-adultlastig und ich mochte die ewigen Zitate über den Tod am Anfang eines Kapitels nicht, weil mich so was schnell nervt. Aber die Geschichte entwickelte sich schnell zu einer etwas anderen Vampirstory, einer, die mir sehr gut gefiel. Die Vampire sind hier weder kuschelig noch glitzern sie, sondern sie sind reine Raubtiere, die in jeder Form weiterentwickelt sind als Menschen, außer vielleicht in ihrem sozialen Verhalten. Außerdem mochte ich auch Tana, die mal zum Glück weder auserwählt noch supercool war, sondern einfach nur ein nettes Mädchen, das versucht, das Richtige zu tun. Liebe gab es nur dezent und ohne Kitsch, sodass ich im Großen und Ganzen richtig Spaß an dem Buch hatte.