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Veröffentlicht am 24.02.2021

Komplexe Familiengeschichte mit vielen Geheimnissen

Die vier Gezeiten
2

Wir tauchen tief ein in das Familienleben der Kießlings. Dieses ist von Geheimnissen und Verschweigen geprägt, das immer mehr Verschwiegenheit nach sich zieht.
Da ist Johanne, Matriarchin, die stets alle ...

Wir tauchen tief ein in das Familienleben der Kießlings. Dieses ist von Geheimnissen und Verschweigen geprägt, das immer mehr Verschwiegenheit nach sich zieht.
Da ist Johanne, Matriarchin, die stets alle Fäden in der Hand hielt und nun demenzbedingt oft in ihrer eigenen Welt verharrt. Doch hin und wieder tauchen Erinnerungen auf. Und das sind nicht nur gute: aus dem Osten nach dem 2. Weltkrieg geflüchtet, große Lieben und ein Kind verloren. Das hat sie scheinbar sehr hart gemacht. Anders ihre Tochter Adda, die wiederum ihren Kindern so viel Liebe wie möglich geben will. Aber das Schicksal der Frauen in der Familie lastet auch auf ihr. Und sie türmt auf die bestehenden Geheimnisse weitere auf.
Beide Frauen versuchen, das Beste für ihre Familien zu geben, entfremden sich dabei und gehen im Laufe der Geschichte wieder aufeinander zu. Dieses sich langsam annähern und verstehen ist ein ganz starker, berührender Teil des Buches.
In dieser ganzen Gemengelage taucht wie aus dem nichts Helen auf. Sie ist Adda wie aus dem Gesicht geschnitten und sucht ihre leibliche Mutter. Durch ihr beharrliches Fragen bringt sie viele Steine ins Rollen und schließlich die Wahrheit ans Licht.
Für den Leser passiert dies in vielen Zeitsprüngen, ausführlichen Lebensbeschreibungen und zur jeweiligen Zeit passenden (lokal-)politischen Themen. Die Zeitsprünge erfordern Konzentration beim Lesen, beflügeln aber auch die Fantasie. Die politischen Themen nehmen für mich ein bisschen zu viel Raum ein, zumal sie auch nicht immer direkt mit der Geschichte zu tun haben. Auch das gesamte Familienkonstrukt ist unnötig kompliziert aufgebaut. Ich hätte mir ein paar weniger Figuren gewünscht, dafür die direkt handelnden etwas stimmiger und ausgereifter.
Es ist dennoch ein unterhaltsamer Roman, der in eine inzwischen fast vergessene Zeit entführt.

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Veröffentlicht am 29.04.2026

Widersprüchliches Lesegefühl

Träume aus Salz
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Im Urlaub mit ihrem Freund lernt Flo die spirituelle Sofia kennen. Zwischen beiden Frauen scheint eine Anziehungskraft zu bestehen, die durchaus unterschiedliche Motive hat. Ausgelöst durch die Begegnung ...

Im Urlaub mit ihrem Freund lernt Flo die spirituelle Sofia kennen. Zwischen beiden Frauen scheint eine Anziehungskraft zu bestehen, die durchaus unterschiedliche Motive hat. Ausgelöst durch die Begegnung arbeitet Flo ihr Familienleben auf.

Dies könnte eine richtig mitreißende Geschichte werden. Doch leider verliert sich die Autorin in Nebengeschichten und Stilmitteln. Ich werde mit keiner der Figuren so richtig warm und wenngleich die Familiengeschichte eigentlich sehr intensiv ist, weckt sie keine Gefühle in mir.

Das Insel-Urlaubsgefühl kommt dagegen am Beginn der Geschichte gut rüber. Dieses Treiben lassen, mal hierhin, mal dahin schauen, ist schön beschrieben. Auch der gleitende Wechsel zwischen diesem Urlaubsgefühl und dem immer dringlicher werdenden Aufarbeiten der eigenen Geschichte kann ich gut nachvollziehen.

Vielleicht war meine Erwartungshaltung – geschürt durch den Klappentext – einfach sehr hoch. Ich hätte die Figuren wahrscheinlich ein bisschen tiefgründiger erwartet, die story ein weinig flirrender und geheimnisvoller.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Nicht ganz rund

Nordwindworte
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Mila kehrt nach einer enttäuschenden Beziehung zurück nach Ostfriesland, wo sie aufgewachsen ist und ihre Familie immer noch lebt. Sie übernimmt kurzerhand den Buchladen ihres Vaters und wird direkt ins ...

Mila kehrt nach einer enttäuschenden Beziehung zurück nach Ostfriesland, wo sie aufgewachsen ist und ihre Familie immer noch lebt. Sie übernimmt kurzerhand den Buchladen ihres Vaters und wird direkt ins heimische Leben integriert. Ein Buchsommer ist geplant, der ihre Mitwirkung erfordert und dann ist da noch dieser ominöse Filmdreh, von dem sie sich als Buchliebhaberin irgendwie bedroht fühlt.
Diese Bedrohung nimmt unglaublich viel Raum ein und wirkt für mich irgendwie künstlich erhöht.

Ja, Mila wird von der Hauptdarstellerin des Films gedemütigt und ja, es droht die kurze Sperrung der Straße vor ihrem Laden. Aber das ist dann doch zu wenig Geschichte für ein ganzes Buch. Zumal Mila irgendwie überhaupt nichts unternimmt, um die Bedrohungen zu relativieren, sondern nur abwartet, wie das Kaninchen vor der Schlange. Gleichzeitig wuppt sie alles: Freunde, Buchladen, Laientheater, Buchsommer, schließlich sogar die Unterstützung der Filmcrew und ihre Liebesgeschichte. Da schlägt bei mir ein Realitätsradar an, dass ich leider beim Lesen nicht mehr abschalten kann.

Schade, denn die Figuren sind einfach richtig nett. Und die Liebesgeschichte ist feinfühlig geschrieben. Auch die Szenerie rund um Emden macht Lust, sofort den Norden zu besuchen und vor allem im schön skizzierten Buchladen zu schmökern. Dieser ist so einladend, wie ich es mir von der ganzen Geschichte gewünscht hätte.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Zermürbt mich ebenso wie die Protagonistin

Was ist in meinem Alter sonst noch üblich?
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Was für ein tolles Cover – frühlingshaft, farbenfroh, inspirierend. Die Frau auf dem Cover scheint ein bisschen in ihrer Umwelt zu verschwinden. Das weckt meine Erwartungen an das Buch. Ich vermute, es ...

Was für ein tolles Cover – frühlingshaft, farbenfroh, inspirierend. Die Frau auf dem Cover scheint ein bisschen in ihrer Umwelt zu verschwinden. Das weckt meine Erwartungen an das Buch. Ich vermute, es geht um Suche nach Identität – wie gelingt es mir, wieder ich selbst zu sein? Es geht vielleicht auch um Zukunftsgestaltung, um Pläne, um Klarheit.

Die Erwartungen werden erfüllt- einerseits. Doch andererseits erreicht mich das Buch leider überhaupt nicht. Liegt es an der Protagonistin, die mir fernbleibt? Liegt es an der Sprache, die gleichzeitig verschachtelt, grob und klar ist? Zu vieles ist mir Rückbetrachtung, zu wenig gelingt der Blick nach vorn, den ich mir anhand des Titels gewünscht hätte.

Erika, Mitte 60, wird von ihrem Mann betrogen. Seit 1½ Jahren schon. Sie ist schockiert, blockiert und verzweifelt. Wollte sie doch mit ihrem Mann alt werden, auch wenn die Ehe schon immer mit Problemen behaftet war. Vielleicht weil sie selbst ihren Mann in jungen Jahren betrogen hat und das ein Ungleichgewicht in ihrer Ehe erzeugt hat.

Erikas Gedanken springen hin und her. Die aktuellen Therapiesitzungen geben Anlass, in der Vergangenheit zu wühlen. Und dann wieder in die Verzweiflung der Gegenwart zu springen. Und sich Gedanken zu machen, wie der Mann wohl mit seiner neuen Freundin agiert (lange, oft, wiederholend). Dieses ewige Kreisen um die immer wieder selben Gedanken zermürben mich als Leserin ebenso wie sie Erika zermürben.

Im zweiten Drittel des Buches – es sind nur knapp 190 Seiten in einem ungewöhnlichen kleinen Format- kommt Erika zu der Erkenntnis, dass ihre Ehe die Basis verloren hat „Nicht, weil meine Gefühle nicht aufrichtig gewesen wären, denn ich wusste ja, dass sie es waren, sondern weil Jan nicht an sie geglaubt hatte und immer noch nicht an sie glaubte.“ Für diesen Satz, der so viel Erkenntnis über Beziehungen bringt, hat sich das Buch gelohnt.

Allerdings empfand ich das Lesen als mühsam und teilweise langatmig. Zu eng war mir die Geschichte angelegt. Die wunderschönen Coverfarben sind für mich nicht auf die Story übergesprungen.

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Veröffentlicht am 07.12.2025

Selbstmord? Aufklärung Schicht für Schicht.

Der unsichtbare Elefant
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Thomas Siebenmorgen stürzt vor den Augen einer Kollegin in den Tod. Gewollt? Oder hat er eigentlich in letzter Sekunde einen Rückzug gemacht, der nicht erfolgreich war? Zuerst unabhängig voneinander, später ...

Thomas Siebenmorgen stürzt vor den Augen einer Kollegin in den Tod. Gewollt? Oder hat er eigentlich in letzter Sekunde einen Rückzug gemacht, der nicht erfolgreich war? Zuerst unabhängig voneinander, später gemeinsam, machen sich drei Personen auf, um zu verstehen, was Thomas wohl zu seinem (letzten) Schritt veranlasst hat.

Und dies ist zunächst sehr interessant zu lesen, weil die Perspektiven der drei so unterschiedlich sind und sich dadurch auch erzählerisch gut ergänzen: Maria, als Kollegin, die Thomas viel zu verdanken hat; Victor als Teil des KIT, der Thomas und dessen Familie von früher kennt und schließlich Simon, der als Vertreter der Anwaltskanzlei, in der Thomas arbeitete, den Fall klären soll. Alle drei tauchen in das Leben von Thomas ein. Es geht um Fairness, um Einsamkeit, um Angst. In diesen Momenten spürt man, dass sich der Autor sehr gut in der Welt der großen Kanzleien auskennt. Manchmal ist der Büroalltag fast zu punktgenau erzählt, so dass ich mich wie im Büro fühlte. Das ist für mich gleichzeitig Stärke und Schwäche des Buchs, denn so sehr ich einen Realitätsbezug schätze, muss eben doch nicht jedes Detail ausformuliert werden.

Ja, und dann wird – um die Zwänge des Thomas´ zu verstehen - die Geschichte der Siebenmorgens ausgepackt. Das ist für mich nicht harmonisch eingebettet in die Geschichte und nimmt sehr viel Raum ein. Dieser Teil scheint dem Autor (vielleicht durch die eigene Familiengeschichte (?) unglaublich wichtig zu sein. Dabei verliert mich das Buch, das mich anfangs wirklich gefesselt hat.

Um noch eins drauf zu setzen wird immer wieder Bezug zu Joseph Beuys genommen – auch das scheinbar ein Anliegen des Autors, das aber die Geschichte verzettelt.

Gefühlt habe ich zwei Bücher gelesen, von denen mich eins begeistert und eins verloren hat.
Optisch gefällt es mir gut, dass die Kapitel immer wieder auf das Cover Bezug nehmen. Solche Kleinigkeiten freuen mich. Leider ist die Bindung des Buchs qualitativ nicht ganz hochwertig, schlägt man das Buch weit auf, lösen sich einzelne Seiten.

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