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Veröffentlicht am 31.05.2021

Eine stilistisch bemerkenswerte Reise in die 1920er

Tage mit Gatsby
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Schon das Titelbild dieses Buches ist eine absolute Freude. Herrliche Farben, ein zum Thema und zur Zeit passendes Motiv, ein Blickfänger. Der gesamte Buchumschlag ist liebevoll gestaltet, hier stimmt ...

Schon das Titelbild dieses Buches ist eine absolute Freude. Herrliche Farben, ein zum Thema und zur Zeit passendes Motiv, ein Blickfänger. Der gesamte Buchumschlag ist liebevoll gestaltet, hier stimmt alles. Auch inhaltlich kann der Roman, der aus der Sicht Zelda Fitzgeralds vom Sommer 1924 berichtet, in dem Scott Fitzgerald „Der Große Gatsby“ schrieb, erfreuen.

Dies geschieht insbesondere durch den außergewöhnlichen Schreibstil (der lediglich bei den Dialogen abfällt). Ich war sofort hingerissen von diesem Sprachkönnen, gerade bei einem Romandebüt ist dies bemerkenswert. Die Autorin malt mit ihren Wörtern opulente Bilder, findet Formulierungen, die ich gleich mehrfach gelesen habe. Die Metapherverliebtheit wirkt gelegentlich ein wenig überbordend, paßt aber zu dieser Geschichte, in der das Überbordende das Leitmotiv ist. Die Sprache ist kunstvoll, etwas blumig, man merkt, wie an diesen Formulierungen liebevoll gefeilt wurde.

Zelda Fitzgerald als Ich-Erzählerin zu nehmen, erfordert Mut, Recherche und Einfühlungsvermögen, wurde aber gelungen umgesetzt. Zeldas Erzählstimme klingt glaubhaft und zeigt, wie intensiv die Autorin sich mit ihrer Persönlichkeit beschäftigt hat. Auch die Welt der 1920er lebt auf. Die fiebrigen Partys in New York und Paris sieht man ebenso vor sich wie die schleppende Schläfrigkeit der Sommertage an der französischen Riviera. Auch hier merkt man die sorgfältige Recherche. Allerdings wiederholen sich viele Szenen. Partys werden immer wieder minutiös geschildert und da es in der Natur der Sache liegt, daß sie sich nur marginal unterscheiden, wurde es irgendwann zäh, immer wieder zu ähnliche Schilderungen zu lesen, in denen sich gut gekleidete Menschen bei Champagner affektiert unterhalten, Zelda durch zu viel Alkohol ausflippt und die Party im Streit endet. Auch die Auseinandersetzungen von Scott und Zelda sowie die Flirtereien Zeldas ähnelten sich zu sehr, teilweise bis hin zu den Formulierungen. Der Mittelteil des Buches zieht sich somit und hat etwas von einer Endlosschleife.

Als weitere Schwachstelle empfand ich die etwas krampfhafte Einbindung von Hintergrundinformationen und Personen. Oft ist sie zwar gelungen, mehrmals aber merkt man, daß die Informationen um ihrer selbst Willen eingefügt werden, was immer etwas ungeschickt wirkt. Dies merkt man auch bei mehreren Personen aus dem Umfeld der Fitzgeralds. Während uns einige immer wieder begegnen, vertraut werden und gelungen zur Geschichte beitragen, bleiben andere bloße Namen, die hier und da eingeworfen werden und für die meisten Leser kaum Bedeutung haben dürften. Einige Personen werden recht ausführlich beschrieben, kommen in einer Szene vor, ohne Wirkung auf die Geschichte zu haben, und verschwinden wieder. Das ist leider nicht gelungen und passiert hier zu oft.

Erfreulich sind Zeldas Erinnerungen, die uns relevante und interessante Informationen über die Vorgeschichte dieses Paars geben. So bleibt der Erzählrahmen zwar im Sommer 1924, wird aber inhaltlich über diese Zeit heraus erweitert ohne den Lesefluß zu stören. Es ist erfreulich, wie gut diese Rückblenden eingebunden wurden. Faszinierend waren auch die Einblicke in Scott Fitzgeralds Arbeitsweise, die Hintergründe des Gatsby und einiger anderer Werke. Ein Epilog gibt uns Informationen über die späteren Jahre und endet berührend. Ohne die Längen und Wiederholungen wäre das Buch perfekt gewesen, aber auch so war es insbesondere wegen des herrlichen Schreibstils eine Lesefreude und ist für jeden, der an den Fitzgeralds interessiert ist, oder einfach in das Lebensgefühl der wilden 1920er eintauchen möchte, empfehlenswert.

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  • Geschichte
Veröffentlicht am 31.05.2021

Eher eine - ausgesprochen informative - Reise durch Asien

In 80 Zügen um die Welt
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Schon das fröhliche Titelbild weckt Urlaubsgefühle, der Titel „In 80 Zügen um die Welt“ umgehende Jules-Verne-Assoziationen. Sieben Monate lang reiste Monisha Rajesh in Zügen umher und berichtet davon ...

Schon das fröhliche Titelbild weckt Urlaubsgefühle, der Titel „In 80 Zügen um die Welt“ umgehende Jules-Verne-Assoziationen. Sieben Monate lang reiste Monisha Rajesh in Zügen umher und berichtet davon in einer unterhaltsamen Mischung aus Anekdoten, Hintergrundinformationen und Erlebtem.

„Um die Welt“ ist hier etwas vollmundig – die südliche Hemisphäre wird komplett ausgelassen (wobei man der Fairness halber sagen muß, daß es bei Verne nicht anders war). Das mag sicher auch an der Zug-Infrastruktur liegen. So führt die Reise sie von London durch Europa, Asien und Nordamerika, dann geht es wieder durch Asien und Europa zurück. Über zwei Drittel des Buches widmen sich den asiatischen Ländern. Aus Europa erfahren wir letztlich nur etwas über Lourdes, eine überteuerte Reinigung in Italien und verwirrende venezianische Kanäle. Die immerhin achtundzwanzig europäischen Stationen (darunter Madrid, Rom, Warschau, Riga) sind keine Erwähnung wert. Das fand ich irritierend und bedauerlich und hier werden durch Titel, Klappentext und Städteliste eindeutig falsche Erwartungen geweckt.

Allerdings ist das, was berichtet wird, vielfältig und interessant. Die Autorin erzählt farbig von den diversen Zügen, in denen sie im Laufe ihrer Reise so ziemlich alle Komfortstufen erfährt. Unterhaltungen mit anderen Reisenden oder Leuten vor Ort bieten ausgezeichnete Einblicke in die Reise- und Lebensumstände unterschiedlicher Länder und sorgen dafür, dass wir nicht nur Land, sondern auch Leute erfahren. Diese persönliche Komponente ist erfreulich, eine weitere leider die große Schwäche des Buches: die Autorin selbst. Während sie einerseits den Kontakt zu den Menschen mit ehrlichem Interesse sucht, ist es andererseits unangenehm, ihre ständige Arroganz lesen zu müssen. Sie bedient sich vieler Vorurteile (Kleinstädte in den USA? Dort besteht laut ihr die Gefahr, von Hinterwäldlern auf offener Straße erschossen zu werden.) und wer sich nicht genau so verhält, wie sie es möchte, wird gnadenlos herabgesetzt. Einem dänischen Ehepaar, das keine Lust auf eine Unterhaltung hat und sich den wiederholten (!), hartnäckigen Versuchen der Autorin, die dies missachtet, schließlich durch demonstratives Lesen entzieht, wird viel Raum gewidmet, die Autorin beklagt sich anhaltend über eine solche „Unfreundlichkeit“ und freut sich, daß dieses Paar vor einem besonders schönen Streckenabschnitt aussteigt und diesen somit nicht mehr genießen kann. Ich habe immer wieder den Kopf geschüttelt, wenn sie giftig über Leute schreibt, die nichts getan haben, außer ihren Erwartungen nicht zu entsprechen. Es wurde zunehmend unangenehm zu lesen. Auch ihre ständige Herablassung vergiftete das Leseerlebnis. Hinzu kommt, daß diese sich mit einer ziemlichen Doppelmoral verbindet. Immer wieder läßt sie uns an ihren Meinungen teilhaben. So verteufelt sie gerne die zunehmende Abhängigkeit von Smartphones und Tablets, erwähnt andererseits mit solcher Hingabe iPads, Macbooks und andere Produkte dieses Herstellers, dass ich irgendwann ganz ernsthaft nach einem „Sponsored by“-Vermerk suchte. Sie erklärt uns gerne ihre Gewissenskonflikte in manchen Situationen, handelt aber in keiner dieser Situation danach. Auch das ging – ebenso wie die Überemotionalität – immer mehr auf die Nerven.

Abgesehen davon schreibt sie in einem zugänglichen, gut lesbaren Stil, oft mit herrlich trockenem Humor (an zwei Stellen finden sich leider zwei sehr alberne Szenen) und manch geradezu poetischen Formulierungen. Herrlich ist auch, wie viel man hier erfährt. Historische Hintergrundinformationen werden durch Interviews mit Zeitzeugen gelungen bereichert und sind berührend, manchmal beklemmend. Politische Hintergründe werden gut dargestellt und in den meisten Fällen benennt die Autorin glasklar die wirklichen Intentionen, die z.B. von China hinsichtlich Tibet gerne verfälscht dargestellt werden. Lediglich bei Nordkorea scheint sie sich entgegen ihrer mehrfach bekundeten Absicht etwas von der Propaganda einlullen zu lassen. Trotzdem ist ihr Bericht über den dortigen Besuch eine der interessantesten Passagen des Buches. Auch aus anderen Regionen, über die man sonst wenig erfährt – z.B. Kasachstan, dem uigurischen Gebiet, Tibet – gibt es hier farbige, informative Berichte. Zu bekannteren Ländern findet die Autorin Themen, die eher unbekannt sind und kann so viele neue Facetten beitragen. Bedauerlich ist es, daß sie die grausame Behandlung von Tieren in vielen dieser Länder völlig außer Acht läßt. Kleine Bemerkungen zeigen, daß sie in Situationen ist, in denen sie diese sieht, aber sie übergeht sie völlig. Als ihr von einem Gericht erzählt wird, bei dem lebendige, junge Mäuse gegessen werden, entfährt ihr, die so gerne ihre hehren moralischen Prinzipien darlegt, kein kritisches Wort – im Gegenteil: sie bekommt Hunger. Daß sie am Ende der Fahrt dann auch noch Foie Gras ißt, natürlich ohne ein Wort über die unfassbare Tierquälerei, die dahinter steht, paßt leider auf traurige Weise dazu und hat mich wirklich wütend gemacht.

Bedauerlich ist, daß der Leser völlig im Dunkeln gelassen wird, an welchem Tag der Reise wir uns gerade befinden, welcher Monat – oder auch nur welche Jahreszeit – gerade herrscht. Es gibt Übersichtskarten der Reise und eine Liste der 80 Züge und ihrer Ziele, das hat mir gefallen, aber abgesehen davon wissen wir nie, wie viel Zeit schon vergangen ist, auch die einzelnen Etappen werden den Kapiteln leider nicht vorangestellt, wie ich es von anderen Reiseberichten kenne. Sehr schön dafür zwei Abschnitte mit Farbfotos in ausgezeichneter Qualität.

Ich habe trotz der oben aufgeführten Schwächen genossen, wie viel ich in diesem Buch erfahren habe und wie informativ und vielfältig dies geschah. Größtenteils ist es eine wirklich gelungene Mischung.

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Veröffentlicht am 30.03.2021

Das Besondere der Katzen-Mensch-Beziehung

Das Geschenk eines Regentages
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"Das Geschenk eines Regentages" betrachtet in vier Geschichten die Beziehungen zwischen Katzen und ihren Menschen. Das Buch beginnt mit einer so poetisch-herrlichen Sprache, daß ich ganz hingerissen war. ...

"Das Geschenk eines Regentages" betrachtet in vier Geschichten die Beziehungen zwischen Katzen und ihren Menschen. Das Buch beginnt mit einer so poetisch-herrlichen Sprache, daß ich ganz hingerissen war. Eine Katze liegt in einem Karton am Straßenrand und verabschiedet sich langsam vom Leben. Ich habe selten eine Szene gelesen, die durch ihre zart-feine Sprache und die elegante Melancholie derart berühren konnte. Auch im restlichen Buch finden sich immer wieder sehr schöne Passagen, die sprachlich erfreuen und berühren. Die ersten Seiten des Buches bleiben dann allerdings stilistisch unerreicht, was ich etwas schade fand. Das Buch ist aber stilistisch ein durchweg angenehmes Leseerlebnis.

Die vier Geschichten haben jeweils einen anderen menschlichen und Katzen-Protagonisten. So lernen wir also vier Katzen und ihre Menschen genauer kennen, aber auch weitere Katzen, einen Hund und einige weitere Menschen. Alle Geschichten spielen in derselben Gegend, die Katzen kennen sich, die Menschen kennen sich teilweise oder lernen sich kennen. So besteht also bei allen Geschichten ein verbindener Faden und man begegnet in späteren Geschichten auch manchmal "alten Bekannten" wieder. Das zweite verbindende Element ist, daß die menschlichen Protagonisten jeweils eine Lebenskrise durchmachen und die Katzen ihnen dabei helfen. Das ist eine zauberhafte Botschaft und ich habe es genossen, zu lesen, auf welche Arten die Katzen jeweils für ihre Menschen da sind. In der letzten Geschichte wurde es dann leider etwas zu unrealistisch.

Dies ist ohnehin ein Punkt, der mir beim Buch nicht besonders gut gefallen hat. Es ist in großen Teilen überhaupt nicht realistisch, möchte das sicher auch gar nicht sein. Die Tiere plaudern wie Menschen miteinander, diese Unterhaltungen erinnerten mich oft an Kinderbücher und waren für meinen Geschmack zu kindlich. Es gibt hier zwar auch schöne Momente - genau wie ihre Menschen haben die Katzen ebenfalls ihre Beziehungen und Freundschaften, ihre Probleme, helfen einander - aber es war mir eben einfach zu wenig realistisch. Zwischendurch kommt auch noch eine etwas esoterisch-philosophische Note hinein und das war einfach gar nicht mein Fall. Auch waren mir die Tiere teils zu vermenschlicht.

Sehr gut gefallen hat es mir dagegen, wenn die Gefühlswelt der Katzen geschildert wurde - natürlich findet hier auch eine gewisse Vermenschlichung statt, aber oft ist es so gut geschildert, daß man sich gut vorstellen kann, daß eine Katze so empfindet. Mir hätte es wesentlich besser gefallen, wenn es in diesem realistischeren Rahmen geblieben wäre. Wenn der Kater der ersten Geschichte von Miyu aus dem Karton gerettet wird und sie allmählich kennenlernt und z.B. berichtet, wie herrlich es ist, auf Miyus Pullover zu schlafen, oder wie er sich freut, wenn sie nach der Arbeit nach Hause zurückkommt, denkt man an die eigenen Katzen, die sich ebenso verhalten. Das ist sehr gelungen.
Wenn ein Katzenbaby von seiner Mutter weggerissen wird und sich fast ständig alleine in einem Haus wiederfindet, dann tut das richtig weh und ist leider gar nicht weit hergeholt. Überhaupt muß man hier als Katzenliebhaber darüber hinwegsehen, daß diese Katzen fast durchgehend nicht artgerecht gehalten werden. Als eine junge Frau auch noch sagt, da sie berufstätig sei, könne sie keine zwei, sondern nur eine Katze halten, bin ich zusammengezuckt. Gerade dann braucht die Katze Gesellschaft!

Schön waren die Einblicke in die japanische Gesellschaft und den Alltag. Hier erhalten wir zahlreiche Facetten des Lebens, sehr vielfältig und gut geschildert.

Die Geschichten sind sehr kurz - die Seitenzahl des hübsch gestalteten Buches ist ein wenig irreführend, weil die Schrift ziemlich groß ist - und somit auch schnell gelesen. Dadurch bleiben es Vignetten und so manches Mal hätte ich mir gewünscht, wir hätten etwas mehr erfahren. Letztlich ist es, wenn man sich auf dieses Format eingelassen hat, aber auch interessant, diese kurzen Blicke zu erhalten. Das Wesentliche enthalten sie absolut und sie sind sehr eingängig geschildert. Es gab so viele rührende Momente, die zeigen, wie sehr Tiere einem helfen können, wie tief das Band zwischen Mensch und Katze sein kann. Auch die Botschaft ganz am Ende rührt ganz tief an.

"Das Geschenk eines Regentages" ist ein ungewöhnliches Buch, sowohl von der Idee wie auch von der Ausführung her. Schon deshalb wird es mir in Erinnerung bleiben. Auch wenn es mir teilweise zu unrealistisch wurde, fand sich hier viel, was ich nachempfinden konnte, was mich zum Nachdenken brachte, mich berührte. Die Liebe zwischen Mensch und Katze ist hier wundervoll und vielfältig geschildert.

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Veröffentlicht am 27.03.2021

Gut und enthusiastisch erklärte Methode mit ansprechenden Audiodateien

Endlich wieder gut schlafen - mit Progressiver Selbsthypnose
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Das Buch „Endlich wieder gut schlafen mit Progressiver Selbsthypnose“ ist eine Kombination aus Text und runterladbaren Audiodateien, mit denen man die Selbsthypnose direkt ausprobieren und lernen kann. ...

Das Buch „Endlich wieder gut schlafen mit Progressiver Selbsthypnose“ ist eine Kombination aus Text und runterladbaren Audiodateien, mit denen man die Selbsthypnose direkt ausprobieren und lernen kann. Zunächst wird die Methode an sich erklärt. Das ist anschaulich und nachvollziehbar beschrieben, angenehmerweise ohne den Lesefluß störende diverse Formen des Genderns, worauf auch zu Beginn hingewiesen wird. Ebenfalls angenehm fand ich es, dass die Autorin erklärt, warum sie in den Audioübungen das „Du“ verwendet. Die Erklärungen zur Methode zeigen deutlich den Enthusiasmus der Autorin, für meinen Geschmack war das stellenweise etwas zu viel, gerade auch weil oft erwähnt wird, dass man sich „schon bald“ über Resultate freuen wird, dass es „leicht und schnell“ geht.
Ich fand es bedauerlich, dass es kaum Hilfen und Erklärungen für jene gibt, die Anfangsschwierigkeiten mit der Methode haben. Ich habe deshalb anderweitig nach Informationen suchen müssen. Ein paar einfache Tips bei Anfangsschwierigkeiten oder welche Art Übungen eher geeignet sind, wenn man z.B. nicht gut die Kontrolle abgeben kann, oder auch der Hinweis, dass es Abstufungen der Trancefähigkeit gibt, hätten schon weitergeholfen. So fühlt man sich etwas alleine gelassen, wenn es alles nicht so problemlos klappt, wie Klappentext und Buch suggerieren. Gerade bei einem Ratgeber, der anders als eine persönliche Konsultation keine vorherige Anamnese/Problemabklärung beinhalten, auch keine Möglichkeit für Rückfragen und Problemdiskussionen bieten kann, finde ich diesen Aspekt wichtig. Auch die vorhandenen – leider ganz am Ende stehenden – Hinweise, wann die Methode nicht oder nicht ausschließlich angewendet werden sollte, hätten etwas mehr Ausführlichkeit vertragen.
Die Audiodateien sind gelungen. Lisa Exenberger hat eine angenehme Stimme und eine Wiener Aussprache, die ich sehr gerne höre. Sie spricht ruhig und beruhigend, sachlich, aber warm, verzichtet auf einen „spirituellen“ Tonfall, der so manche Audiodatei anderer Anbieter eher albern klingen läßt. Man fühlt sich beim Zuhören geborgen. Die Dateien sind zwischen 5 und 16 Minuten lang. Das ist für eine kleine Übung am Tag eine angenehme Länge. Zum Einschlafen ist es mir allerdings viel zu kurz. Gerade wenn man wie ich Probleme mit dem Entspannen hat, reicht das nicht aus. Kaum habe ich mich ein wenig eingefunden, ist die Audiodatei schon zu Ende. Gerade weil es von einigen Übungen auch Einschlafvarianten gibt, fand ich es schade, dass nicht eine einzige davon wenigstens eine halbe Stunde lang ist. - Mir hat auch ein wenig Hintergrundgeräusch gefehlt. Ab und an hört man kurz ein Windspiel, um einen Abschnitt zu beenden, und das empfand ich als sehr angenehm, ich hätte es gerne öfter gehört. Sonst ist es abgesehen von den Sätzen der Sprecherin absolut still. Das ist eine bewußte Entscheidung der Autorin, für mich sind leise Hintergrundmusik oder gleichmäßige Geräusche (z.B. Meeresrauschen) hilfreicher. Insgesamt sind die Dateien aber angenehm und die erwähnten Punkte absolute Geschmackssache.
Den Erklärungen der Methode folgen ausführliche Informationen über die Funktionsweise des Gehirns, Wahrnehmung, Suggestion, Auswirkungen von Streß und ähnlichen Themen. Das war für mich der beste Teil des Buches! Hier werden komplexe Themen herrlich einfach und unterhaltsam erklärt. Ich habe diese Texte mit Vergnügen gelesen. Mir bereits Bekanntes war prägnant zusammengefaßt und bot mir manchmal neue Perspektiven. Die vielen mir neuen Informationen waren sehr interessant, ich habe Einiges gelernt. Sehr schön finde ich auch, dass wissenschaftlich fundiert erklärt wird, warum und wie Selbsthypnose funktioniert. Die letzten über 30 Seiten des Buches bestehen lediglich aus den Texten der Audiodateien.
Zwischen den Sachtexten werden die verschiedenen Entspannungsmethoden vorgestellt, hier finden sich dann auch die Links zu den jeweiligen Audiodateien. Diese kann man unproblematisch mit einem Passwort von der Website runterladen. Die Kurzvorstellungen der einzelnen Methoden sind gelungen und ich fand es gut, dass hier gleich mehrere Methoden (z.B. Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training) vorgestellt werden. So kann man, wenn einem eine Methode nicht liegt, eine andere probieren und sich bequem mit mehreren kurz vertraut machen.
Bei mir hat die Selbsthypnose leider nicht geklappt, ich habe keine Wirkungen der Übungen oder Verbesserung meiner Schlafprobleme erlebt. Das fließt in die Bewertung natürlich nicht ein, da ich ganz erhebliche, hartnäckige Schlafprobleme habe und für Entspannungsübungen nicht sonderlich talentiert bin. Gerade deshalb hatte ich mir von dem Buch aber eben auch mehr Hilfestellung und die Behandlung eventueller Anfangsschwierigkeiten erhofft.
So ist diese Buch-Audio-Kombination eine gelungene Einführung zum Thema, die mit vielfältigen, gut erklärten Aspekten und angenehm gesprochenen Audiodateien absolut punkten kann und mit etwas mehr Berücksichtigung von Problemen und „schwierigen Fällen“ perfekt wäre.

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Veröffentlicht am 07.02.2021

Origineller Fall vor herrlicher Kulisse mit schwieriger Protagonistin

Grenzfall - Der Tod in ihren Augen
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Bei diesem Buch wurde ich hauptsächlich davon gelockt, dass es hier um einen Fall geht, der, wie der Titel schon zeigt, seine Spuren in zwei Ländern hinterläßt und somit ein deutsch-österreichisches Ermittlerteam ...

Bei diesem Buch wurde ich hauptsächlich davon gelockt, dass es hier um einen Fall geht, der, wie der Titel schon zeigt, seine Spuren in zwei Ländern hinterläßt und somit ein deutsch-österreichisches Ermittlerteam zusammenführt. Das hätte Raum für interessante Vergleiche von Ermittlungsarbeit und Mentalität geboten, für unterhaltsame interkulturelle Betrachtungen und Begegnungen. Diese Erwartung wurde leider nicht erfüllt, dazu später mehr.

Wir begleiten hier die junge Oberkommissarin Alexa, die gerade aus Nordbayern in die Bergwelt Oberbayerns versetzt wird, welche nicht unbedingt ihr Fall ist. Es liest sich unterhaltsam, wie sie sich hier an neue Gegebenheiten gewöhnen muß, zugleich ist es eine gute Methode, dem Leser relevante Informationen zu vermitteln, wir lernen die Gegend und ihre Besonderheiten gewissermaßen mit Alexa zusammen kennen. Zusätzlich muß Alexa sich in ein neues Team einfinden und das gleich in leitender Funktion. Das wäre an sich interessant gewesen, aber ich fand es nicht gut umgesetzt. Anscheinend sollte dem Leser vermittelt werden, dass Alexa als Frau in einem fast durchgängig von Männern besetzten Team ihre Probleme hat, allerdings ist es vor allem Alexas Verhalten, das problematisch ist. Sie fällt schnell und unbegründet negative, oft abwertende Urteile über andere, wirft dem männlichen Kollegen genau den Ehrgeiz vor, den sie selbst hat und sieht überall Affronts, während sie sich manchmal mehr mit der Reviermarkierung als den Ermittlungsarbeiten beschäftigt. Das ließ mich lange nicht mit Alexa – immerhin der Protagonistin – mitempfinden, passte nicht zu dem, was uns vermittelt werden sollte, und überlagerte stellenweise das Fallgeschehen zu stark. Dies gibt sich allmählich, wird von der Erzählweise etwas differenzierter, was dieser Komponente der Geschichte von Anfang an gut getan hätte.

An sich ist der Schreibstil aber sehr angenehm. Man kommt sofort rein, es liest sich erfreulich und das Erzähltempo hat mir fast durchweg sehr gefallen. Ich habe mich sehr über die realistisch und fundiert geschilderte Ermittlungsarbeit gefreut, die ohne künstlich rasante Szenen und unwahrscheinliche Zufälle auskommt. Hier gibt es auch mal Sackgassen, es wird mal etwas übersehen, es werden Spuren verfolgt, Leute verhört – ich fand es sehr angenehm, dies ohne unnötige Effekte zu lesen und fand es nie langweilig. Ebenfalls erfreulich: es gibt zwar Privatkram der Ermittler, wie es bei Serien wohl unvermeidbar ist, aber er überlagert die Geschichte nicht und ist nur selten zu ausführlich geschildert. Im Mittelpunkt stehen Fall und Ermittlungen. Schade ist es, wie bereits erwähnt, dass die Deutschland-Österreich-Komponente kaum eine Rolle spielte. Ein gemeinsames Ermitteln in dem Sinne findet nicht statt, ein Austausch kaum, die Möglichkeiten, die sich aus dieser Konstellation boten, wurden nicht genutzt. Das fand ich enttäuschend, gerade weil diese Komponente in Titel, Klappentext etc. so hervorgehoben wird.

Sehr schön sind dagegen die Beschreibungen der Gegend, welche uns übrigens vorne im Umschlag auf einer schön gestalteten Karte gezeigt wird. Tolle Idee! Ich habe die Berge, die malerischen Städtchen, die beschaulichen Seen regelrecht vor mir gesehen und konnte absolut in die Atmosphäre hineinsinken. Hier wurde mit vielen liebevollen Details gearbeitet, die aber nie zum Selbstzweck werden, sondern die Atmosphäre gelungen unterstreichen. Das klappt auch größtenteils bei den Charakteren, nur vereinzelt gleitet es ein wenig in Klischees ab. – Auch die Fallschilderungen sind gelungen. Der Fall an sich ist bereits ungewöhnlich, geschickt werden hier und da Informationen eingebaut, die etwas beklemmend Grausiges haben. Details und Beschreibungen sind auch hier hervorragend gelungen. Ein besonderes Kompliment dafür, dass es keinen überlangen Showdown gibt und auch nicht die unrealistische, überbenutzte „Täter erklärt Ermittler während des Showdowns ausgiebig und bereitwillig Motivation und Vorgehen“-Szene gibt. Das hat mich wirklich aufjubeln lassen und die Autorin zeigt sehr gut, dass es keine solchen 08/15-Szenen und ellenlange Showdowns braucht, um Spannung aufzubauen. Ihr gelingt dies durch überraschende Wendungen, ein paar Andeutungen, ein paar falsche Spuren und einem letzten Teil, der an Tempo aufnimmt, aber dabei nicht übertreibt. Sehr schön!

Die Fallauflösung selbst hat mich dann leider ein wenig enttäuscht, zum einen, weil einige meiner Erwartungen ziemlich verpufften, zum anderen, weil sie für mich teilweise unstimmig ist. Ganz am Ende geht es dann auch leider nicht ohne wirklich immens großen Zufall und einer Entwicklung, die mir für das Genre und allgemein nicht unbedingt zusagt.

So erfreut „Grenzfall“ mit einem ungewöhnlichen Fall vor herrlicher, durch den Schreibstil absolut zum Leben erweckter Kulisse und angenehmen Realismus sowie dem Verzicht auf billige Showeffekte, auch wenn mich einzelne Aspekte nicht überzeugt haben.

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