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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.05.2017

witziger Roman, harmlos, aber unterhaltsam.

Billy the Beast. Ein Traum von einem Tiger
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Billy the Beast - Ein Traum von einem Tiger - ist ein ganz witziger Roman, harmlos, aber unterhaltsam.
Der 16jährige Bert wiegt über 100 Kg, das beeinflusst sein Leben bzw. bringt ihn in eine Außenseitersituation. ...

Billy the Beast - Ein Traum von einem Tiger - ist ein ganz witziger Roman, harmlos, aber unterhaltsam.
Der 16jährige Bert wiegt über 100 Kg, das beeinflusst sein Leben bzw. bringt ihn in eine Außenseitersituation. Als er Maskottchen im Tigerkostüm bei einer Eishockeymannschaft wird, ändert das sein Leben. Von der im Klappentext angekündigten Liebesgeschichte ist wenig zu spüren, außer gegen Ende, aber das macht nichts. Was den Roman aus dem Mittemaß herausholt ist die schwierige Familiensituation, unter der Bert leidet. Seine Mutter ist alleinerziehend und etwas unstet, sein Vater ein Egoist.

Obwohl der Roman nicht direkt als Jugendbuch ausgezeichnet ist, erfüllt die Regeln des Genres komplett. Ein jugendlicher, selbstironischer Icherzähler funktioniert fast immer.
Und der Autor hat das konseque
nt und mit Wortwitz gestaltet. Dazu gehört auch der Einsatz von "Wer wird Millionär-Fragen" und ähnlichen Anspielungen. Nur die zu häufigen Wiederholungen von einigen anfangs amüsanten Passagen nutzen sich mit der Zeit ab.

Man darf gespannt sein, was Jörg Menke-Peitzmeyer noch schreiben wird.

Veröffentlicht am 14.04.2017

Florries Weg

Die zwei Leben der Florence Grace
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Tracy Rees Prosa ist typisch englisch! Die Reise der Amy Snow habe ich bereits gelesen, fand es jedoch etwas langweilig. Trotzdem wollte ich der Autorin mit Die zwei Leben der Florence Grace noch einmal ...

Tracy Rees Prosa ist typisch englisch! Die Reise der Amy Snow habe ich bereits gelesen, fand es jedoch etwas langweilig. Trotzdem wollte ich der Autorin mit Die zwei Leben der Florence Grace noch einmal eine Chance geben. Auch diesmal fehlte mir Spannung, aber dennoch konnte man den Roman ganz gut lesen, obwohl sich die 460 Seiten in der Mitte etwas zogen.
Die Passagen am Anfang hatten mich nicht so überzeugt, aber wie Florrie sich entwickelte, hat mir gut gefallen. Sie ist gezwungen sich zu verändern, da sie als fünfzehnjährige verwaist zur Familie ihres Großvaters muss, die zwar reich aber kalt sind. Florrie muss Tiefen und Höhen überstehen, bis sie sich angepasst hat.
Dachte ich anfangs noch, sie würde sich zwischen den Grace-Männern Turlington und Sanderson entscheiden müssen, ist ihre Zuneigung zu einem der Männer doch klar. Doch der Roman ist nicht kitschig. Sie schafft es im Verlaufe des Romans zu einer freien Persönlichkeit zu werden. Sie brauchte dazu keinen Mann. Sanderson ist sympathisch, doch Turlingtin ist ein Säufer und lebensuntüchtig. Florence erkennt das schnell.

Man kann das Buch schnell lesen, kritisch ist anzumerken, dass es relativ wenig Überraschungen in der Handlung gibt.

Ich vergleiche den warmen und ruhigen Erzählton von Tracy Rees mit den von Lucinda Riley, doch bei ihr ist der Fokus klar auf der historischen Zeitebene. Sie beschreibt das 19.Jahrhundert angemessen. Für einfache Leute war das Leben damals hart, vielleicht waren die etablierten deswegen so egoistisch.

Meine Wertung in Sternen: 3 und ein halber! Ich runde dann auf!

Veröffentlicht am 26.03.2017

Portait der Gegenwart

Die Zeit der Ruhelosen
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Die französische Schriftstellerin Karine Tuil  ist eine große Stilistin und beim Anlegen der übergroßen Figuren hält sie sich mit der Eindringlichkeit nicht zurück. Im Mittelpunkt steht der reiche Manager ...

Die französische Schriftstellerin Karine Tuil  ist eine große Stilistin und beim Anlegen der übergroßen Figuren hält sie sich mit der Eindringlichkeit nicht zurück. Im Mittelpunkt steht der reiche Manager François Vély, der Politiker Osman Diboula und der aus Afghanistan zurückgekehrte Romain Roller
Dann gibt es noch Marion, die Francois heiratet und mit Romain eine Affäre anfängt. Leider wird nicht aus ihrer Perspektive heraus erzählt.
Die Autorin bringt den Leuten die Verfassung dieser Protagonisten näher und zeigt psychologische Zustände auf. Sie alle tun sich schwer im Leben, trotz Erfolge, doch Veranlagung oder äußere Umstände lassen sie ruhelos sein.
Die Figuren sind zwar interessant, aber streckenweise kalt und eignen sich kaum zur Identifikation. Man liest deswegen mit einer gewissen Distanz. Zudem ist das Buch thematisch düster gefärbt und komplett ironiefrei.
Dennoch bleiben mir die Figuren nicht gleichgültig, besonders Romains innere Qualen sind berührend, er musste mit ansehen, wie in Afghanistan mehrere seiner Leute bei einem Abschlag getötet oder schwer verletzt und verstümmelt wurden. Das hinterlässt bei ihm eine posttraumatische Belastungsstörung.
Für Francois Probleme habe ich weniger Verständnis, da er letztlich an den Skandalen mit verantwortlich ist. Später trifft es ihn aber unverdient schwer.
Thematisch ist das Buch ambitioniert, doch oft gerät die Handlung ins Stocken. Richtig packend ist aber das Finale, das sich überraschenderweise teilweise im Irak abspielt.
Für mich ist das Buch kein Meisterwerk, das wäre übertrieben, doch dank Karine Tuils glasklarer Prosa ist der Roman ein ästethischer Genus

Veröffentlicht am 17.02.2017

Ungewöhnliches Projekt

Sein blutiges Projekt
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Dieser Roman ist ein Ausflug in die jüngere schottische Geschichte.

Eine ungewöhnliche Idee des Autors. Es fängt mit einem Vorwort an, in dem der Autor erklärt, wie er zu der Geschichte kam.
Dann gibt ...

Dieser Roman ist ein Ausflug in die jüngere schottische Geschichte.

Eine ungewöhnliche Idee des Autors. Es fängt mit einem Vorwort an, in dem der Autor erklärt, wie er zu der Geschichte kam.
Dann gibt .es Einschätzungen einiger Einwohner, die Roderick kannten und ihn unterschiedlich beschreiben
Jetzt kommt Roderiks Manuskript.
Dieser Lebensbericht ist eigentlich mehr als nur ein Bericht über einen Kriminalfall. Durch den frühen Tod der Mutter wird es zu einer tragischen Familiengeschichte.
Roderick Macrae ist ein intelligenter Junge, auch sensibel. Das lässt ihn die Härten des teilweise armseligen Lebens in den Highlands besonders bewusst wahrnehmen. Etwaige Chance, wie die Förderung seines Lehrers, kann er nicht ergreifen, weil sein Vater dagegen war.
Auch die Liebe zu Flora, des Nachbarn Tochter, ist aussichtslos.

Später kommen weitere Erzähler in diversen Berichten im Zusammenhang mit dem Prozess ins spiel und schließlich der lange Abschnitt des Prozess selbst. Das Buch liest sich spannend.

Graeme Macrae Burnet ist ein Schriftsteller, der einen guten, kraftvollen Stil besitzt.

Veröffentlicht am 26.09.2016

Großer Bruder Zorn

Großer Bruder Zorn
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Grosser Bruder Zorn von Johannes Ehrmann ist ein Milieuroman der eine Woche im Berliner Ortsteil Wedding umreisst.

Der Autor hat bei Reportagen etliche skurile Personen getroffen und kann so die Athmosphäre ...

Grosser Bruder Zorn von Johannes Ehrmann ist ein Milieuroman der eine Woche im Berliner Ortsteil Wedding umreisst.

Der Autor hat bei Reportagen etliche skurile Personen getroffen und kann so die Athmosphäre gut einbringen.

In den ersten Seiten muss man sich erst an den rüden Tonfall gewöhnen, aber er passt zu der Geschichte. Nach einiger Zeit kommt man gut zurecht und der Roman wird interessant.
Da gibt es Aris, ein trockener Alkoholiker, der davon träumt ein besonderer Boxpromotor zu sein und dringend Geld braucht.
Serdar der in einem Getränkemarkt jobbt und von einer Boxcarriere träumt
Jessi eine alleinerziehende Mutter arbeitet bei Netto.

Dann gibt es noch ein paar Typen mit eigenartigen Macken, die in die Gegend gehören und in der Geschichte mitmischen.

Es war interessant diese Personen kennen zu lernen und sie ein paar Tage zu begleiten.
Man wünscht ihnen eine bessere Zukunft, aber Serdars Cousin meinte mal: Wer in den Weddinger Kiez einmal gelandet ist, findet nicht mehr raus.

Ein Roman der auch mal die Unterschicht zu Wort kommen lässt.
Mir hat er immer besser gefallen, man muss auch solches Milieu mal kennen lernen.

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