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Veröffentlicht am 15.06.2021

Magisch, mystisch, düster, spannend

Das Geheimnis der Sternenuhr
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Imogen ist ziemlich oft von ihrer kleinen Schwester Marie genervt. Ständig meckert sie, dass sie in Imogens Theaterstücken nicht die Rolle erhält, die sie gerne hätte. Heute ist Imogen (11) besonders genervt, ...

Imogen ist ziemlich oft von ihrer kleinen Schwester Marie genervt. Ständig meckert sie, dass sie in Imogens Theaterstücken nicht die Rolle erhält, die sie gerne hätte. Heute ist Imogen (11) besonders genervt, denn ihre Mutter hat mal wieder einen neuen Verehrer und sie dürfen mit Oma in das Café in der Villa Haberdash. Der Neue ist furchtbar und im Café macht Marie ihr alles nach! Wutentbrannt rennt Imogen in den Park hinter dem Tor, und folgt dort einem Nachtfalter, der sie zu rufen scheint. Tatsächlich führt er sie zu einer Tür in einem alten Baum, durch die sie tritt und sich staunend umsieht, als sie das Geräusch einer krachenden Tür hört: Marie ist ihr heimlich gefolgt und hat die Tür geschlossen. Es gibt kein Zurück! Der Falter führt sie aus dem Baum in ein fremdes, abweisendes Reich bis zu einer Stadtmauer. Überall hängen dort die Schädel von Monstern, die die Stadt Jaroslaw stets nach Sonnenuntergang heimsuchen. Der junge Prinz Miroslaw bietet ihnen Schutz, denn ihm ist langweilig und er hat keine Freunde. Je genauer sie sich umsehen, desto stärker spüren sie, dass hier etwas nicht stimmt und das Königreich ernsthaft bedroht ist. Wenn Miro ihnen hilft, den Weg zurück zu finden, helfen ihm die Schwestern, die Schrecken der unheimlichen Skret zu beenden.

Als die Mädchen mit dem jungen Prinzen den Freundschafts- und Hilfspakt besiegeln, ahnen sie nicht, wie eng alles miteinander verbunden ist, und dass der Falter sie zur Hilfe gerufen hat, aber nicht für den Prinzen.

Super angenehm sind die extrem kurzen Kapitel, die den häufigen Szenen- und Perspektivwechseln entsprechen. Das beschleunigt das Lesen ungemein, da man immer denkt: ach, ein Kapitel geht noch! Sehr motivierend. Auch durch den hohen Dialoganteil fliegt man nahezu durch die Geschichte und es ist sehr lebendig. Gerade diese Lebendigkeit in dieser dem Untergang geweihten Welt wirkt sehr atmosphärisch. Obwohl alles so fremd ist, fühlt man sich gleich als Teil des Ganzen und wird Teil der Geschichte. Wir fanden die Geschichte unglaublich ansprechend erzählt, gerade auch wegen dieser immer wieder aufflammenden Genervtheit der Schwestern voneinander, die aber immer wenn es darauf ankommt fest zusammenhalten! Dennoch ist Familie in diesem Abenteuer nicht immer positiv. Dass die Mutter so viele wechselnde „Männerbekanntschaften“ hat, hat mir für die Mädchen wirklich leid getan, meine Tochter hat es sehr irritiert. Sie merken aber auch in Jaroslaw, wo sie den Heimweg nicht kennen, wie sehr ihnen ihre Mutter fehlt. Miro hingegen hat seine Eltern verloren und lebt bei seinem Onkel, der aktuell das Reich an seiner Statt regiert. Doch in der letzten Zeit scheint er das Interesse an seinem Neffen verloren zu haben und ganz in seiner Sammelleidenschaft für seltene Kostbarkeiten und der Aufmerksamkeit der jungen, schönen Anneschka aufzugehen.

Mit Imgoen und Marie kommt ein neuer Blickwinkel in das Reich. Sie hinterfragen erstmals, was es mit den Skret und den Lesni, dem Volk, das einst im Wald lebte, auf sich hat. In ihrer Neugier fragen sie nicht nur nach, sie beobachten und hinterfragen auch, was Miro bislang als gegeben betrachtete. Sind die Skret wirklich Monster, nur weil sie abstoßend aussehen, oder sind die Lesni wirklich minderwertige Menschen? Interessante Frage, die man sich nicht früh genug stellen kann, auch nicht in unserer Welt!

Ich habe das Buch gemeinsam mit meiner fast 12 jährigen jüngsten Tochter gelesen. Der hat diese unheilschwangere Atmosphäre sehr gut gefallen, weil es auch mal so anders ist. Sie ist eigentlich sehr empfindsam und mag auch gerne Bücher, in denen es um Alltägliches geht und für meinen Geschmack „nichts passiert“, aber hier fand sie es toll, dass so viele geheimnisvolle, unvorhersehbare und spannende Dinge passierten. Außerdem haben alle der Beteiligten so ihre Macken, wobei sie mit der „nervigen“ kleinen Schwester Marie am meisten mitgefühlt hat und es nur schwer vorstellbar fand, ein kleiner, einsamer, reicher Prinz zu sein. Aber dass das bisweilen herrisch macht, das war ihr schon klar.

Was uns beide allerdings wirklich störte: irgendwie muss bei der Lektorierung die Auflösung des Geheimnisses der Sternenuhr verloren gegangenen sein. Ja, es kommt immer wieder eine Sternenuhr vor, auch wer sie geschaffen hat, aber nicht, welches Geheimnis sie nun in sich birgt und was sie mit dem fulminanten Finale auf sich hat. Da fehlte uns der Bezug zum Titel. Im Englischen kamen dann auch noch die Schattenfalter mit ins Spiel, deren Geheimnis für uns gelöst wurde, die im deutschen Titel aber leider keine Erwähnung finden. Für diejenigen, die sich über die düstere Stimmung dieses Buches ärgern: das kann man doch eigentlich schon am Cover erkennen, dass das kein Buch der reinen Glücksgefühle sein wird. Diese kommen aber schon vor, auch die Dankbarkeit, die die Kinder am Ende für ihr Schicksal und ihre Familie empfinden.

Ein wirklich ungewöhnliches und spannendes Buch voller Magie, aber auch echten Gefahren, dessen Ende nicht nur eitler Sonnenschein ist und eine Fortsetzung ermöglicht.

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Veröffentlicht am 01.06.2021

Alltagstauglich, lecker, dauert etwas

Ultimativ Tasty
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Die Tasty-Kochbücher sind mir schon mehrfach aufgefallen und sie klingen halt einfach lecker! Das ist auch das Grundprinzip! Es soll schmecken! Geschmack ist alles, naja, es soll auch machbar sein!
Das ...

Die Tasty-Kochbücher sind mir schon mehrfach aufgefallen und sie klingen halt einfach lecker! Das ist auch das Grundprinzip! Es soll schmecken! Geschmack ist alles, naja, es soll auch machbar sein!
Das es immer schnell geht, wird nicht versprochen, denn Geschmack braucht nun mal bisweilen seine Zeit.
 
Beim ersten Blick in das Buch war ich echt enttäuscht und dachte, dass es nichts für mich sei, aber dann mehrten sich ganz schnell die Lesezeichen... Zuerst lachte mich nämlich ein ultimativer Schokokuchen an, doch stand dort bei den Zutaten: Schokokuchenbackmischung. Äh, bitte? Ja, bisweilen werden fertige Zutaten verwendet und aufgepeppt, so dass auch eine Mega-Schokotorte möglich wird, aber es wird auch richtig gebacken, mit dem Battle Fudgy Brownies gegen Cakey Brownies, die wirklich von der Pike auf gebacken werden und richtig schokoladig sind. Nicht nur für Kinder ein Traum. Für die Schokotorte wird auch mit einer Fotoanleitung der komplizierte Teil des Rezeptes erklärt, mit bezifferten Bildern und dem Schritt-für-Schritt-Erklärtext im Kästchen nebenan. Entsprechend viele Seiten nimmt dieses Rezept auch ein, trotz der Backmischung als Grundlage. Es geht aber auch ohne Gluten und für Menschen, die sensibel auf Weizenmehl reagieren gibt es auch ein Extra-Hinweis-Kästchen (das wohl eher für die nötig ist, die ausnahmsweise mal für einen sensiblen Gast backen, die Betroffenen wissen meistens schon Bescheid).
Wie der Brownie Battle ausgegangen ist? Na ja, ich war ja bislang kein Fan von Brownies, da ich sie echt immer sehr trocken fand. Die Fudgy Brownies sind da aber meilenweit von entfernt, sie sind so saftig, dass man sie auch gut auf Vorrat backen kann und man eigentlich echt erleichtert ist, dass die Kalorienangabe fehlt, denn sie haben es in sich! Ich würde ja nun sagen, dass es ein kinderleichtes Rezept sei... allerdings wurde ich beim Backen an die Tür gerufen und ich konnte gerade noch verhindern, dass meine elfjährige Tochter die Form ohne die 340 g Schokochips und 90 g Weizenmehl in den Backofen schob... Tja, man sollte in jedem Alter das Rezept zu Ende lesen und nie zu ungeduldig sein...

Ein Kapitel widmet sich ganz den vegetarischen Gerichten und ausgerechnet diesen haben wir uns gewidmet, weil die Suppenrezepte so verführerisch waren und das Wetter so ekelig-nass-kalt. Schnell mal eine Suppe gegen das Frösteln.... Also, auch wenn hier Dosentomaten bzw. Tiefkühlerbsen die Basis bilden, so ist es doch nicht mit Dosensuppe oder gar Tütensuppe vergleichbar. Denn auch wenn man keine Tomaten häuten muss, was doch recht aufwendig ist, so werden die Zwiebeln, der Knoblauch und die Möhren durchaus selbst geschält, gehackt und gedünstet. Vitamine kennen diese schmackhaften Suppen also nicht nur vom Hörensagen.
Bis auf die TK-Erbsen hatte ich alle Zutaten vorrätig und konnte sofort loslegen.
Apropos Vorräte: Wie üblich bei Kochbüchern beginnt es nicht gleich bei den Rezepten, sondern mit den Grundlagen, denn immerhin ist es ja auch ein Grundkochbuch. In Willkommen in der Küche werden also die Grundzutaten, die Grundausstattung, Küchentipps und Grundsätzliches zu diesem Buch (da es ja für einige, so wie mich, das erste dieser Reihe sein könnte) erklärt. Anschließend kommt Teil I: Beeindrucke dich selbst! Natürlich sind auch dies Rezepte für mehrere Personen, aber eben auch Alltagsspeisen, mit Käse, Fleisch, Geflügel, Fisch & Meeresfrüchte, Eierspeisen, Vegetarisch und Desserts. Das finde ich super praktisch, wäre ich Vegetarierin wüsste ich sofort, welche Teile ich auslassen kann, aber so überblättere ich alles, was aus dem Wasser kommt. Mich nervt es nämlich immer, wenn zwischen leckeren Rezepten so „fieses“ Zeugs aus dem Wasser auftaucht und Vegetariern geht es sicherlich mit Fleisch nicht anders... Teil II Beeindrucke deine Freunde wird dann schon anspruchsvoller, nachdem man aber schon die Alltagsgerichte gemeistert hat, kann man sich dann auch an anspruchsvolleres für die Gäste heranwagen, egal ob zum Brunch, zum Spieltag, abends beim Date oder zu Feiertagen! Hinter der Danksagung kommt dann das Register...

Ich liebe ja Rezeptbücher mit Lesebändchen, auf die muss man hier verzichten, aber eines alleine reicht eh nie aus ;)

Von den 160 Rezepten sind einige neu für dieses Buch entstanden und auch entsprechend gekennzeichnet, mit einem orangenen Sonnenstern mit rotem Rand

. Es lässt sich also nicht durch einen Blick ins Netz ersetzen. Die Rezepte sind fast alle bebildert, mit wenigen Ausnahmen, wobei ich auf ein Foto einer Erbsensuppe auch wirklich verzichten kann, möge das Foto auch noch so geschmackvoll sein. Bei Toastadas mit Rührei sieht es aber schon anders auch und auch beim Mais Chowder hätte ich mir gerne ein Bild zur Appetitanregung gewünscht.

Wie schon bei den Brownies beschrieben sind die Rezepte kein Hexenwerk, aber sie erfordern Geduld, denn auch wenn sie einfach sind, sind es doch mehr als nur 3 Zutaten, da sollte man schon gründlich lesen. Dann gelingt es aber auch, es gab dieses Mal absolut keine Küchenkatastrophen bei mir, anders als beim früheren Test eines Werkes eines internationalen Spitzenkochs, der mir die Grenzen meiner persönlichen Kunst deutlich vor Augen führte... Fazit: kein Fastfood, kein Hexenwerk, sondern lecker und alltagstauglich, doch braucht gutes Essen bisweilen echt Zeit, auch bei einfachen Rezepten muss sich das Aroma entfalten können.

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Veröffentlicht am 10.05.2021

Gestatten: Parker Pyne, vergnügliche Kurzurlaubskrimis

Mord unter Palmen
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Ja, ich bin ein treuer Fan der Queen of Crime. Aber Urlaubskrimis mit Parker Pyne klangen auch für mich gänzlich unbekannt. Wer war dieser mir unbekannte Ermittler? Parker Pyne ist kein klassischer Ermittler, ...

Ja, ich bin ein treuer Fan der Queen of Crime. Aber Urlaubskrimis mit Parker Pyne klangen auch für mich gänzlich unbekannt. Wer war dieser mir unbekannte Ermittler? Parker Pyne ist kein klassischer Ermittler, doch was er eigentlich genau macht, verrät auch seine ominöse Zeitungsanzeige nicht, die er regelmäßig in der Times schaltet: „Sind sie glücklich? Wenn nicht, konsultieren Sie Parker Pyne, 17 Richmond Street“. Er ist ein unscheinbarer pensionierter Regierungsbeamter, mit wachen und gütigen Augen, der vor allem sehr gut zuhören und beobachten kann. Durch sein unauffälliges Aussehen wird er leicht unterschätzt. Seine berufliche Laufbahn hat ihm ein angenehmes finanzielles Polster geschaffen, um sich nunmehr Reisen in exotisch aufregende Orte mit Städten des klassischen Altertums zu leisten. Allerdings lässt ihn auch im Urlaub das Verbrechen nicht los und gleich bei der Anreise mit dem Orient Express, Ziel Istanbul, lernt er eine junge, gutaussehende und reiche Amerikanerin kennen. Sie kommen ins Gespräch, doch bei einem Zwischenfall, wird ihr Juwelenkoffer gestohlen. Wie gut, dass Parker Pyne zur Stelle ist! Doch Istanbul ist nur ein Zwischenziel, mit einer Reisegruppe im Kleinbus soll es weiter nach Bagdad gehen. Eine holprige Strecke, die einen der Reisenden das Leben kostet. Den Unfall schließt Parker Pyne schnell aus, hat sein waches Auge doch ein kleines feines Detail bemerkt. Die Flugweiterreise nach Shiraz ist da deutlich angenehmer, doch die Erzählungen seines deutschen Piloten lassen ihn stutzen und Urlaub hin oder her, muss Parker Pyne vor Ort überprüfen, ob das Erzählte sich nicht doch ganz anders zugetragen hat. Als er mit einer weiteren Reisegruppe historische Stätten und Höhlen besichtigt, verliert die junge Schönheit der Gruppe einen Perlstecker, der ein Vermögen kostete. Obwohl sie sich in einer Höhle befinden, ist von diesem Schatz keine Spur zu finden. Scheinbar unlösbar, aber nicht für Parker Pyne. Schlussendlich hofft er sich endlich bei einer Nilkreuzfahrt erholen zu können. Allerdings stirbt die unangenehme Mitreisende Lady Grayle keines natürlichen Todes, dessen ist er sich sicher und er findet auch heraus, wer es wie und warum tat.

Kurze unterhaltsame Krimis an traumhaften Orten, an die es nicht jeden verschlägt, auch heute nicht, da das Reisen und Fliegen bis zur Pandemie selbstverständlich schien. Doch nicht nur die ungewöhnlichen Orte sind reizvoll. Mit Parker Pyne ist Agatha Christe eine Art männliche Miss Marple gelungen. Gut, Parker Pyne strickt nicht und erzählt nichts von seinem Heimatort, dafür liebt er Zahlen und Tabellen und ordnet alles Unbill in Kategorien. Das hilft ihm das Unwichtige von dem Wesentliche zu trennen. Unaufdringlich dringt er so in die seelischen Abgründe seiner Mitreisenden ein, entlockt ihnen kleine Geheimnisse, beobachtet still und zieht verblüffende Schlussfolgerungen! Für mich sind diese kleinen, feinen Kurzkrimis ganz herrliche Gute-Nacht-Geschichten. Sie sind eine angenehme Unterhaltung an Traumorten, voller eigenwilliger Charaktere. Nie so grausam oder dramatisch, dass ich nicht einschlafen könnte, oder wenn doch Albträume bekäme. Dafür kann ich beim morgendlichen Aufwachen noch gut zu Ende hören, was mir abends entgangen ist. Der Abwechslungsreichtum dieser kurzen Episoden lässt mich auch immer wieder gespannt auf Parker Pynes nächsten Coup wider Willen warten. Dieser unscheinbare, ältere Herr, der mit seiner Leibesfülle britische Gediegenheit ausstrahlt ist mir dabei nicht nur vertraut geworden, er hat auch meine Sympathien gewonnen. Immer wieder gelingt es ihm, mich zu überraschen, wobei seine Lösungen durchaus logisch sind. Sprecher Stephan Benson ist zum Glück noch nicht im Ruhestand, klingt allerdings absolut nach einem gemütlichen, bedächtigen älteren Herren, der es nur gut mit uns meint. Sympathisch und unaufdringlich. Absolut passend. Seine Interpretation der weiblichen Rollen ist nicht ganz so brillant, aber gerade noch so, dass es nicht als zu gekünstelt oder verstellt nervt. So wird die Lesung abwechslungsreich und lebendig und ich hätte ihm gerne noch länger zugehört!

Für mich ein kurzweiliges und abwechslungsreiches Hörvergnügen, dass mich von exotischen Orten träumen ließ und angenehm unterhalten hat!

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Veröffentlicht am 09.05.2021

Unvergessen!

Einer muss doch anfangen!
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Heute wäre Sophie Scholl 100 Jahre alt geworden. Ob sie solange gelebt hätte weiß man natürlich nicht, da sie am 22. Februar 1943 gemeinsam mit ihrem Bruder Hans von den Nationalsozialisten als Widerstandskämpferin ...

Heute wäre Sophie Scholl 100 Jahre alt geworden. Ob sie solange gelebt hätte weiß man natürlich nicht, da sie am 22. Februar 1943 gemeinsam mit ihrem Bruder Hans von den Nationalsozialisten als Widerstandskämpferin verurteilt und hingerichtet wurde, mit nur 21 Jahren. Möge ihre studentische Widerstandsbewegung „Die weiße Rose“ nie vergessen werden und möge sie uns daran erinnern für Freiheit, Gleichheit und Demokratie einzustehen. Demokratie bedeutet Rechte und Pflichten des Einzelnen und dies haben die jungen, kritischen Studenten vorbildlich gelebt. Doch wer war sie wirklich? Was trieb sie an? Wovon träumte sie? Was hat „Die weiße Rose“ unternommen? Diesen Fragen nähert sich Werner Milstein in „Einer muss doch anfangen! - Das Leben der Sophie Scholl“ an. Im Mittelpunkt dieses dokumentarischen Buches für Jugendliche und junge Erwachsene steht der Mensch Sophie Scholl. Es ist gut verständlich geschrieben, sachlich und gut recherchiert. Manchmal hätte der Autor, der immerhin an einem Berufskolleg unterrichtet sprachlich mehr auf die Zielgruppe eingehen sollen. Zahlreiche Fotos und Querverweise, sowie Quellennachweise lassen das Leben plastischer erscheinen und laden zu weitergehender Beschäftigung mit der Biografie dieser jungen Kämpferin für Freiheit, Gerechtigkeit und Leben ein. Ich nahm immer an, dass mit Sophie und Hans die Familie Scholl alle Kinder auf einen Schlag verlor, mir war gar nicht bekannt, dass sie noch einen weiteren Bruder Werner hatten. Auch die „Frontfamulatur“ war mir unbekannt! Ich habe also noch eine Menge Interessantes gelernt. Es lässt sich mit seinen gut strukturierten kurzen Kapiteln leicht lesen, ohne oberflächlich zu sein und würde sich auch sehr gut für den Einsatz im Schulunterricht eignen. Für eine Biografie finde ich es sehr jugendfreundlich gemacht, wobei diese Altersgruppe nicht unbedingt schnell mal eben zu Biografien greift, wenn ein Roman nebenan sie anlacht. Daher fände ich den Einsatz im Unterricht unglaublich empfehlenswert. Möge ihre Bedeutung und ihr Engagement nie vergessen werden, damit diese jungen Menschen nicht umsonst gestorben sind! Ich bin ihnen für ihren Widerstand unglaublich dankbar, auch heute noch! R.I.P. Sophie Scholl! Bewegend und nachhaltig beeindruckend!

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Veröffentlicht am 17.04.2021

Trau Dich! und gibt niemals auf!

Versuchen
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Ein Junge kommt in das Atelier eines alten Bildhauers und bestaunt seine Werke. Er schaut ihm bewundernd bei der Arbeit zu, traut sich aber nicht, es selbst zu versuchen. Er hat Angst zu versagen. Der ...

Ein Junge kommt in das Atelier eines alten Bildhauers und bestaunt seine Werke. Er schaut ihm bewundernd bei der Arbeit zu, traut sich aber nicht, es selbst zu versuchen. Er hat Angst zu versagen. Der alte Meister ermutigt ihn, es dennoch zu probieren, denn ohne Scheitern kein Gelingen. Es sind auch die Misserfolge und das Scheitern, die uns ausmachen und prägen. Würde alles auf Anhieb gelingen, wüsste man es gar nicht so sehr zu schätzen. Das Misslingen gehört zu uns und unserer Selbstfindung einfach dazu. Kein Grund zu verzweifeln, sondern einfach weiterzumachen!

„Versuchen“ das neue Bilderbuch nach dem Welterfolg „Vielleicht“: „Versuche, was du nicht kannst, um herauszufinden, was du kannst“. Es ist ein Mut-mach-Bilderbuch, dass dazu ermutigt etwas zu wagen, etwas auszuprobieren, damit man herausfindet was man kann. Es ermutigt dazu zu scheitern und an seinen Fehlern zu wachsen. Wer nichts wagt, kann nichts erreichen, er bleibt in Sicherheit, aber er kann auch nie wahre Größe erlangen.

Die Altersempfehlung ist von 6 – 8 Jahren. Teilweise finde ich das passend. Gerade ein Bild des Bildhauers finde ich für diese Altersgruppe sehr gut verständlich: Wenn Kinder Laufen lernen und gleich zu Beginn fallen, bleiben sie nicht sitzen, sondern stehen wieder auf und probieren es so lange, bis sie Laufen können! Ein sehr nachvollziehbares Bild für Kinder, allerdings finde ich den Bildhauer nicht ganz so geeignet, als Anschauungsmaterial, da sicherlich nur Kinder aus der Bildungsschicht, sich etwas unter einem Bildhauer vorstellen können. Bildhauerei ist auch nicht einfach ein Loskloppen auf einen Stein, dafür ist das Material zu kostbar. Man lernt erst etwas über seine Materialien, über Techniken und legt dann los, alles andere wäre einfach zu kostspielig. Ein Maler wäre für Kinder von 6 – 8 Jahren sicherlich nahe liegender. Auch beim Malen haben viele Kinder Angst zu beginnen, weil es nicht schön genug sein könnte, aber nur Übung macht den Meister. Die Vorgänge und Materialien sind Kindern allerdings vertraut. Sprachlich finde ich es ebenfalls recht anspruchsvoll. Ich bezweifle das Kinder von 6 – 8 Jahren die Begriffe „wertschätzen“ und „es heißt, man ist nach vorne getreten...“ wirklich begreifen. Die Botschaft ist sehr wichtig, für jedes Alter. Die Altersgruppe von 6 – 8 Jahren kann schon selbst lesen, aber noch nicht so gut abstrahieren. Da wäre für mich, bisweilen weniger, aber einfacherer Text, mehr gewesen. Die Umsetzung finde ich sehr poetisch, vielschichtig und inspirierend, aber eben auch etwas abstrakt und daher eher ein wunderschönes Bilderbuch für Erwachsene. Man muss es nicht vor Kindern verstecken, man kann besonders einige Passagen auch gut gemeinsam Lesen und Betrachten, aber auch die hochwertigen Illustrationen haben eine deutliche Unschärfe, überlassen viel der Fantasie und arbeiten mit einem erheblichen Abstraktionsgrad. Die Illustrationen sind wirklich wunderschön, meist in zweifarbigen Schattierungen gehalten, mit nur wenigen, verhaltenen Farbelementen. Es überwiegt ein grau-weißer Eindruck, doch wer es wagt genauer hinzuschauen, entdeckt eine Vielzahl an Farben, die sich besonders ausgeprägt an einer immer wieder auftauchenden Katze zeigt.

Ein wunderschönes Buch, von der Botschaft her, der Sprache und der Illustrationen von Eileen Hurst, für mich nur nicht unbedingt für Kinder von 6 bis 8 Jahren. Diese fragen nämlich eher: was macht die Katze da immer? Tja, das kann ich leider auch nicht verraten, aber ich kann bestätigen, dass es sich lohnt, es immer zu versuchen und nicht aufzugeben, sich nicht entmutigen zu lassen von Fehlschlägen. Vielleicht soll die Katze ja Kinder ermutigen, ihre Eltern so lange um ein Haustier anzubetteln, bis sie Erfolg haben?

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