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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.03.2023

Lehr- und ereignisreich

Florentia - Im Glanz der Medici
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Wir befinden uns im Florenz der Medici, im Florenz als die Brüder Lorenzo und Giuliano de Medici an der Macht waren. Gemeinsam mit ihnen, mit der aufstrebenden Malerin Fioretta und Leonardo da Vinci erleben ...

Wir befinden uns im Florenz der Medici, im Florenz als die Brüder Lorenzo und Giuliano de Medici an der Macht waren. Gemeinsam mit ihnen, mit der aufstrebenden Malerin Fioretta und Leonardo da Vinci erleben wir, wie verfeindete Familie Pazzi eine Verschwörung plant, um die Macht der Medici zu stürzen.

Ich bin kein Leser von historischen Romanen und hatte eine gewisse Skepsis als ich das Buch begann. Ich habe mich dann kurz "eingegoogelt" und festgestellt, dass so gut wie alle Personen und Ereignisse historisch belegt sind - und so wie ich das gesehen habe, auch wirklich gut recherchiert. Ich habe das Gefühl, beim Lesen wirklich viel gelernt zu haben. Über historische Ereignisse, aber auch einfach über die Zeit an sich, habe ein Gefühl für das Ingrigen-Gerüst rund um die Medici bekommen und ganz nebenbei auch noch einiges über die Anfänge von Leonardo da Vinci und Boticelli gelernt. Wer Lust hat, sich mit dieser Zeit zu beschäftigen, für den ist dieses Buch genau das richtige.

"Florentia" wird aus fünf verschiedenen Perspektiven erzählt - die beiden Medici-Brüder, Floretina, Leonardo und Albiera Pazzi. Die Kapitel sind recht kurz und wechseln sich immer ab, sodass Langeweile keine Sekunde beim Lesen aufkommt. Spannend ist es dabei, die Geschichte immer wieder aus verschiedenen Sichtweisen zu sehen und auch zu wissen, was die Verschwörer der Pazzi-Familie gerade so planen.

Die Sprache ist sehr bildhaft und auch ihr merkt man in vielen Kleinigkeiten die gute Recherche an - ich habe mich beim Lesen sicher geleitet und gut aufgehoben gefühlt. Für meinen Geschmack ging es ihr stilistisch manchmal etwas zu modern oder abgegriffen zu, wenn beispielsweise "vor Wut gekocht" wird, aber darüber kann man hinweglesen.

Alles in einem ein spannender historischer Roman aus dem man viel mitnehmen kann und der sich flott wegliest.

Veröffentlicht am 06.04.2022

Ein ganz spezieller Humor

New York und der Rest der Welt
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"New York und der Rest der Welt" ist eine humoristische Sammlung verschiedenster Textgattungen. Da gibt es Fragebögen, Aufzählungen, Gedankenspiele, Typisierungen und und und. Allein schon diese Vielfalt ...

"New York und der Rest der Welt" ist eine humoristische Sammlung verschiedenster Textgattungen. Da gibt es Fragebögen, Aufzählungen, Gedankenspiele, Typisierungen und und und. Allein schon diese Vielfalt an Textformen macht Freude. Das war auch der Punkt, der es für mich am interessantesten gemacht hat, weil ich immer neugierig war, was als nächstes kommt.

Inhaltlich geht es genauso bunt zu, auch wenn natürlich New York im Fokus steht, aber auch von allem anderen ist genug dabei. Fran Lebowitz hat ihren ganz eigenen Schreibstil, sehr sarakastisch, teilweise fast schon böse, nicht immer lustig, aber immer öfter. Ein bisschen hat es mich stellenweise sogar an den Humor von Loriot erinnert, wenn gerade einmal wieder stark überzeichnet wurde.

Für mich ist es ein Buch zum immer mal wieder in die Hand nehmen und blättern und weniger eins, das man in einem Rutsch durchliest. Das habe ich versucht, habe dabei aber schnell gemerkt, dass die Texte sich dafür dann vielleicht im Stil doch zu ähnlich sind. Ich glaube, isoliert wirken sie einfach besser und machen mehr Spaß.

Veröffentlicht am 27.02.2022

Süße Geschichte übers Tanzen

Ballet School – Der Tanz deines Lebens
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Auf Grund ihrer Vergangenheit hat April eine tiefe Abneigung gegen das Balett, als sie dann eine Wette verliert und ihre beste Freundin Mimi zu ihrem Balett-Training begleitet, eröffnet sich für April ...

Auf Grund ihrer Vergangenheit hat April eine tiefe Abneigung gegen das Balett, als sie dann eine Wette verliert und ihre beste Freundin Mimi zu ihrem Balett-Training begleitet, eröffnet sich für April eine völlig neue Welt. Und auf einmal weiß sie, dass Tanzen alles ist, was sie je wollte und will. Sie fängt an, hart zu trainieren und bekommt kurze darauf durch einen Zufall die Chance an der Aufnahmeprüfung der Royal Ballet School vortanzen zu dürfen ...

Die Geschichte ist ein vielversprechender Reihenauftakt, der Lust auf mehr macht. April ist eine sehr zielgerichtete und sympathische Heldin, die ich auf ihrem Weg gerne begleitet habe. Auch die anderen Personen mochte ich, auch wenn ich manche ihrer Handlungen ein bisschen an den Haaren herbeigezogen fand, aber sie waren nun mal für den Plot nötig und aufgrund der jungen Zielgruppe, fand ich das auch nicht weiter schlimm.

Toll fand ich, dass es die Royal Ballet School wirklich gibt und ich mir das gelesene danach bei Google anschauen konnte und begeister war, wie gut die Autorin hier die Gebäude beschrieben hat. Die Stimmung der Tanzschule kommt sehr gut rüber und ich hätte direkt selbst Lust, jetzt loszulegen.

Es gibt mehrere kleinere und größere Konflikte, die fast alle geklärt werden, was mir auch für einen Reihenauftakt sehr gut gefallen hat, gleichzeitig hat er auber auch Lust auf die Vorsetzung gemacht.

Besonders hervorheben, muss ich auf jeden Fall die tolle Aufmachung des Buches. Der Umschlag ist einfach nur eine wunderschön schillernde Augenweide.

Insgesamt hat mir "Balett School" Spaß gemacht beim Lesen und gerade jüngere Leser haben an der Geschichte bestimmt viel Freude.

Veröffentlicht am 18.02.2022

Beeindruckend und schonungslos

So reich wie der König
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Der Titel "So reich wie der König" klingt nach einem Märchen, nach einer Erzählung aus 1001 Nacht. Und ja, auch den schillernden Reichtum findet man hier, aber gleichzeitig auch bittere Armut. Die Protagonistin ...

Der Titel "So reich wie der König" klingt nach einem Märchen, nach einer Erzählung aus 1001 Nacht. Und ja, auch den schillernden Reichtum findet man hier, aber gleichzeitig auch bittere Armut. Die Protagonistin Sarah wohnt mit ihrer Mutter in den Armenbaracken von Casablanca und sie will nichts mehr als diesem Elend zu entfliehen. Ihr Plan ist es, einen Sohn einer der reichsten Familien der Stadt zu heiraten und sie setzt alles daran, diesen Plan zu verwirklichen.

Die Geschichte zeichnet sich vor allem durch ihre Sprache aus, die sehr poetisch ist und mir den Zugang am Anfang nicht ganz leicht gemacht hat, die aber nach und nach immer mehr Sog entfaltet hat. Der Autorin gelingt es wunderbar die Kontraste der Stadt aufzuzeigen und sie springt scheinbar mühelos zwischen den verschiedenen Welten hin und her. Das ist teilweise alles andere als schön, sondern wirklich schockierend und beklemmend. Es macht nicht unbedingt Spaß, diese Stellen zu lesen, aber gleichzeitig sind sie bewundernswert realistisch beschrieben.

Die Liebesgeschichte steht natürlich im Vordergrund, aber es ist kein Liebesroman, sondern einer, der die Gesellschaft Marokkos in den 90ern beleuchtet und in dem es mindestens so sehr um die soziale Ungleichheit wie um die Liebe geht.

Insgesamt kein einfacher, aber ein sehr kunstvoller und lesenswerter Roman, der einem den Zugang nicht ganz leicht macht, aber auf jeden Fall lohnenswert ist.

Veröffentlicht am 06.06.2021

Glanz und Verfall an der Riviera

Tage mit Gatsby
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"Der große Gatsby" von Scott Fitzgerald ist weitläufig bekannt - anders sieht es dagegen mit der Entstehungsgeschichte dieses Meisterwerkes aus. Denn dieses Buch hat nicht nur seinem Autor, sondern auch ...

"Der große Gatsby" von Scott Fitzgerald ist weitläufig bekannt - anders sieht es dagegen mit der Entstehungsgeschichte dieses Meisterwerkes aus. Denn dieses Buch hat nicht nur seinem Autor, sondern auch dessen Frau Zelda viel abverlangt. Zelda Fitzgerald war eine sehr eigenständige Frau, die Luxus schätzte, selbst kreativ war, aber ein Leben im Schatten ihres Mannes führte. "Tage mit Gatsby" erzählt, welchen Anteil Zelda an diesem Buch hat, wie es geschrieben wurde und was Scotts selbstsüchtiges Verhalten für seine ihm nahestehenden Personen bedeutete.

Zelda war eine lebenslustige Frau und Josephine Nicolas gelingt es wirklich perfekt, ihr Innenleben lebendig werden zu lassen. Die Autorin verwendet dabei eine sehr malerische und ausschweifende Sprache, voller schöner Formulierungen, die zu lesen nicht nur Spaß macht, sondern auch so authentisch erscheint, dass ich mich beim Lesen häufig daran erinnern musste, einen Roman zu lesen und keine originalen Dokumente. Lust aufs Weiterlesen hat dieses Buch definitiv gemacht :)

Dabei ist Zeld selbst so lebendig, dass die Nebenfiguren daneben schon fast verblassen. Es sind viele Leute, die kommen und gehen, aber niemand, der auf mich einen tieferen Eindruck gemacht hätte, vielleicht weil sie ein bisschen austauschbar wirkten.

Die Handlung umfasst in erster Linie die Zeit kurz vor und während Scott den Gatsby schrieb und gibt auch viele spannende Einblicke in den kreativen Schaffungsprozess. Der Epilog springt nochmal ans Lebensende der beiden, was man, meiner Meinung nach lieber weglassen und die Tage für sich hätte stehen lassen sollen.

Insgesamt war "Tage mit Gatsby ein unterhaltsamer Roman, den ich gerne gelesen und bei dessen Lektüre ich auch noch etwas Neues gelernt habe.

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