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Veröffentlicht am 03.08.2021

Sollte Pflichtlektüre sein

Nie, nie, nie
1

Schwangerschaft und Fortpflanzung- ein Thema, das jeden Menschen an einem gewissen Punkt seines Lebens früher oder später beschäftigen wird. Nicht jeder denkt mit Freude oder Sehnsucht darüber nach, manch ...

Schwangerschaft und Fortpflanzung- ein Thema, das jeden Menschen an einem gewissen Punkt seines Lebens früher oder später beschäftigen wird. Nicht jeder denkt mit Freude oder Sehnsucht darüber nach, manch einer fühlt sich nicht dafür gewachsen.

Und doch meint ein Großteil der Gesellschaft Frauen jederzeit darauf ansprechen zu können, egal wie eng bekannt man mit ihr ist.

Linn Stromsborgs namenlose Protagonistin möchte keine Kinder bekommen. Mit dieser Einstellung unterscheidet sie sich grundlegend von ihrer Familie und ihrem Freundeskreis, was grundsätzlich ja nicht schlimm wäre, würden die das akzeptieren können.

Dieses Thema und unser Umgang damit ist so immens wichtig. Keine andere Frage beeinflusst unser Leben so grundlegend wie, die ob wir Kinder bekommen sollten. Diese Entscheidung sollte man nicht leichtfertig treffen, sie vor allem von niemandem als seiner eigenen Meinung abhängig machen.

Dieses Buch begleitet die namenlose Frau in ihrem Alltag, erzählt von den verschiedenen Erlebnissen, die sie immer wieder mit dem Thema Kinderwunsch konfrontieren, sei es durch Gespräche mit Familienmitlgiedern oder schildert die Erfahrungen, die ihr Freundeskreis mit der Kinderfrage machen.

Es ist umwerfend, wie die Autorin es schafft, wertungsfrei von diesem Thema zu erzählen. Sie schafft es, dem Leser genug Raum zu lassen, sich selbst Gedanken über des Gelesene zu machen und sich eine eingene Meinung zu bilden. Allein die Gestaltung des Textes, der sichtbare Freiräume lässt, lädt ein zum Innehalten und Nachdenken.

Die Geschichten bilden die verschiedensten Erfahrungen ab, ohne darüber zu urteilen. Dadurch wirkt es manchmal, als würde man einen Spiegel vorgehalten bekommen, man erkennt sich selbst oder eigene Erlebnisse in den Zeilen wieder. Und das trifft stellenweise ganz schön ins Herz.

"NIe, nie, nie" ist auf jeden Fall ein Buch, das einen nicht kalt lässt. Ich denke jede Frau wird ein Stück von sich selbst in diesem Buch wiederfinden.

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Veröffentlicht am 09.06.2021

Immer wieder überzeugend

Behemoth
1

Ich kann jedes Mal nur erneut meinen imaginären Hut ziehen vor der Kreativität und gleichzeitigen Detailverliebtheit dieses Autorenduos.

In ihrem neuen Buch haben wagen die beiden Brüder mal wieder einen ...

Ich kann jedes Mal nur erneut meinen imaginären Hut ziehen vor der Kreativität und gleichzeitigen Detailverliebtheit dieses Autorenduos.

In ihrem neuen Buch haben wagen die beiden Brüder mal wieder einen Blick voraus:

In der nahen Zukunft hat die Menschheit sowohl Mond als auch Mars besiedelt, nachdem das Leben auf der Erde kaum noch möglich ist. Doch auch diese Besiedelung kann keine endgültige Lösung sein, weshalb am Bau dreier Generationenschiffe gearbeitet wird, die ihre Besatzung zu einem weit eintfernten bewohnbaren Planeten bringen sollen. In der etwas weiter entfernten Zukunft befinden sich diese Schiffe noch immer auf Kurs, ihre Besatzung hat sich in verschiedene Richtungen entwickelt. Doch alle zeigen aus verschiedenen Gründen Interesse, als auf ihrem Kurs ein unbekanntes Objekt auftaucht.

Der Schreibstil von T.S. Orgel ist wirklich einmalig: selten findet man so viel technischen Background, der die Geschichte gleichzeitig vollkommen logisch erscheinen lässt und trotzdem die Spannung hoch hält. Die Gefahr, dass das Ganze zu sehr ins Theoretisieren abrutscht, besteht bei ihren Büchern nie.

Gleichzeitig schaffen sie es, die verschiedensten Figuren aus allen Kultur- und Gesellschaftsschichten zu erschaffen (und glaubt mir, es sind nicht wenige), die durch ihre Vielschichtigkeit, ihre Ecken und Kanten, aber auch ihren Humor überzeugen können. Vor allem begeistern mich auch bei "Behemoth" die starken, klugen Frauenfiguren, die den Männern regelmäßig die Show stehlen. Sie sind nicht nur die heimlichen, sondern offensichtlichen Stars dieses Abenteuers.

Und auch genre-gesättigte SciFi-Kenner werden bei diesem Buch auf ihre Kosten kommen, denn das Autorenduo versteht es hervorragend, Anspielungen zu ihren liebsten Serien, Filmen und Büchern einzubinden, ohne dass es gewollt wirken würde.

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Veröffentlicht am 29.04.2021

Ode an die Außenseiter

Die ganze Wahrheit (wie Mason Buttle sie erzählt)
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Dieses Buch ist für alle, die sich in der Schule nicht so aufgenommen und akzeptiert fühlen. Die sich vielleicht ab und zu allein gelassen sehen und von größeren oder stärkeren Kindern geärgert werden: ...

Dieses Buch ist für alle, die sich in der Schule nicht so aufgenommen und akzeptiert fühlen. Die sich vielleicht ab und zu allein gelassen sehen und von größeren oder stärkeren Kindern geärgert werden: ihr seid nicht allein und ihr werdet mit Sicherheit Freunde finden, die euch so akzeptieren wie ihr seid!

Mason Buttle ist ein solches Kind. Er sticht nicht nur aufgrund seiner Größe und Legasthenie aus der Masse seiner Klassenkameraden hervor. Dank seiner einzigartigen, unverfälschten Sichtweise auf die Welt und seine Mitmenschen wird er von den Nachbarskindern gehänselt und schikaniert, nicht zuletzt, weil sein bester Freund vor zwei Jahren bei einem tragischen Unfall ums Leben kam. Doch als Calvin in sein Leben tritt, beginnst sich sein Alltag langsam zum Guten zu wenden.

Ich denke, mit diesem Jungen werden sich viele Kinder identifizieren können. Nicht nur von seinen Mitschülern, die sportlicher und beliebter sind, wird er geärgert. Auch die Erwachsenen scheinen seine Denkweise einfach nicht zu verstehen oder stellen immer die falschen Fragen.

Dieses Buch spricht unheimlich wichtige Themen an, die man auch als Erwachsener unbedingt mal aus der Sicht eines Kindes erklärt bekommen sollte. Es geht um Ausgrenzung, Anderssein unter Gleichaltrigen, aber auch darum, was Erwachsene mit ihrem Verhalten und ihren Aussagen bei Kindern anrichten können und wie wichtig es manchmal ist, ihnen einfach mal zuzuhören.

Die Geschichte bietet eine Vielzahl interessanter Figuren, mit verschiedenen Krankheiten, Problemen oder Lebenskonzepten, ohne die jeweilige Situation zu bewerten. Aus Masons Sicht sind all diese Menschen normal und gleich beachtenswert.

Auch erzählerisch macht das Buch einiges her: es ist einerseits eine Familiengeschichte, andereseits bringen die Rätsel um Bennys Tod auch ziemlich viel Spannung und Krimirätsel mit. Jüngere Kinder sollten die Geschichte deshalb villeicht lieber gemeinsam mit ihren Eltern lesen, um das Gelesene leichter verarbeiten zu können.

Insgesamt finde ich diese weltoffene, bunte Geschichte einfach wundervoll und wünsche jedem einen Mason Buttle als Freund!

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Veröffentlicht am 31.03.2021

Alltagsdiskriminierung

Kim Jiyoung, geboren 1982
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Cho Nam-Joo beschreibt in ihrem Buch, wie das typische Leben für eine Frau in Korea aussieht.

Gemeinsam mit ihr tauchen wir in die Familiengeschichte von Kim Jiyoung ein, erfahren wie sich die Frauen ...

Cho Nam-Joo beschreibt in ihrem Buch, wie das typische Leben für eine Frau in Korea aussieht.

Gemeinsam mit ihr tauchen wir in die Familiengeschichte von Kim Jiyoung ein, erfahren wie sich die Frauen ihrer Familie über mehrere Generationen ihr Leben gestaltet haben. Wie sie dabei täglich Rückschritte gegenüber Brüdern, Vätern und Ehemännern hinnehmen mussten, wie sie täglich von der Gesellschaft dazu gezwungen wurden, zurückzuweichen in die zweite Reihe.

Mich hat dieses Buch unheimlich beeindruckt. Zum einen gibt es einen tieferen Einblick in die koreanische Kultur und trägt dabei sehr zur Erweiterung meines Weltbildes bei.

Zum anderen zeigt es sehr deutlich die Alltagsdiskriminierung gegenüber Frauen, nicht nur in Korea sondern überall auf der Welt. Immer wieder kann ich Parallelen zu eigenen Erfahrungen ziehen, fühle mich bestätigt und verstanden.

Gleichzeitig macht mich das Buch unheimlich wütend. Weil die Frauen so passiv bleiben. Keine steht auf, fängt an sich zu wehren. Sie akzeptieren scheinbar die ihnen von den Männern zugedachte Rolle. Ob das daran liegt, dass sie keinen Ausweg sehen, wird dabei nicht so ganz klar.

Dafür bewirkt der Text bei mir selbst eine umso größere Reaktion. Ich beginne, meinen eigenen Alltag zu analysieren, Interaktionen mit Männern zu hinterfragen. Und bei unangebrachten Gesten oder Sätzen eher mal den Mund aufzumachen.

Fazit:
"Kim Jiyoung" ist in sofern ein unheimlich starkes Buch, da es den Leser erreicht und eine direkte Reaktion bei ihm auslöst.

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Veröffentlicht am 31.03.2021

Poetisches Mexiko

Das Flüstern der Bienen
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Auch wenn ich bisher noch nie in Mexiko gewesen bin, konnte ich dank Sofia Segovia zumindest gedanklich dieses Land bereisen.

Im Mexiko der 1920er Jahre wird die Bevölkerung von Landwirtschaftsreformen, ...

Auch wenn ich bisher noch nie in Mexiko gewesen bin, konnte ich dank Sofia Segovia zumindest gedanklich dieses Land bereisen.

Im Mexiko der 1920er Jahre wird die Bevölkerung von Landwirtschaftsreformen, Revolution und der Spanischen Grippe auf Trab gehalten. In diese aufgewühlte Zeit wird der kleine Simonopio geboren; ein Findelkind, das eine besondere Beziehung zur Natur und den Bienen zu haben scheint. Ein Kind das zu einem jungen Mann heranwächst, der im Leben seiner Ziehfamilie eine ganz besondere Rolle spielen wird.

Den Charakter dieses Buches in Worte zu fassen, fällt mir ausnehmend schwer. Es ist eine historische Geschichte und spielt in einer kulturell sehr interessanten Zeit. Gleichzeitig ist es aber vor allem die Familiengeschichte der Familie Morales, deren Mitglieder einem im Laufe der Erzählung sehr eng ans Herz wachsen. Nicht zuletzt besitzt das Buch dank Simonopio aber auch einige fast schon mystische Elemente. Insgesamt entsteht so ein wundervoller, einzigartiger Cocktail an Erzählkunst, der durch den ganz besonderen, fast schon poetischen Erzählstil getoppt wird.

Es gibt so viele Passagen, deren Worte einem tief ins Herz schneiden, Mut machen oder einen zum Schmunzeln bringen.

Fazit: Ein absolutes Herzensbuch, wenn man es zulässt.

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