Das ganze Leben ist am fließen.
Der Junge im FlussBei der Bewertung des Buches "Der Junge im Fluss" bin ich etwas hin- und hergerissen.
Es ist ein Buch für und über junge Erwachsene, die sich noch auf der Suche nach ihrem Weg ins Leben befinden. Da ...
Bei der Bewertung des Buches "Der Junge im Fluss" bin ich etwas hin- und hergerissen.
Es ist ein Buch für und über junge Erwachsene, die sich noch auf der Suche nach ihrem Weg ins Leben befinden. Da sind Ben und sein Bruder. Ben will die sichere Insel auf der er lebt nicht verlassen, sein Leben bewahren wie es ist. Bis sein Bruder nach Jahren zurückkommt und er (Ben) eine bittere Wahrheit erfährt. Worauf er sich doch auf seinen Weg machen muss.
Erzählt wird von dem Autor in einer sehr schönen Sprache. Was mich beim Lesen faszinierte, waren die vielen klugen Sätze die immer wieder in die Handlung eingeflochten wurden. Damit sie herausragen, wurden diese kursiv gesetzt.
Einige Beispiele
"Ihm kam der Gedanke, dass sein Wunsch nach Bewahren um ein Vielfaches größer war als sein Interesse an dem, das er bewahrte". ..... "Wenn wir die Dinge nicht hinterfragen, können wir uns ganz auf das Bestehende konzentrieren. Dann sind wir nicht abgelenkt vom Leben und den Veränderungen, die es mit sich bringt". (Seite 27)
"Wir brauchen wohl immer etwas, das uns Orientierung gibt, wenn unser altes Leben sich unwiderruflich verändert". (Seite 55)
"Wenn das Schicksal erst einmal das Leben in vollem Umfang verändert, erscheinen einem alle anderen Wandlungen viel leichter. Selbst wenn man sich vorher nie an sie herangewagt hätte." (Seite56)
"Irgendwann bahnt sich jede Veränderung ihren Weg. Je länger man sich dagegen wehrt, desto stärker wird sie. Bis sie unaufhaltsam wird und einen mit einer neuen Wirklichkeit konfrontiert." (Seite 57)
"Jede Veränderung ist eine Schicksalsprüfung." (Seite 65)
Wie man anhand dieser wenigen, aufgeführten Sätze unschwer erkennen kann, geht es in diesem Buch um Veränderungen des Lebens. Einerseits will man (Ben) vorwärts gehen, andererseits besteht die Angst das Gewohnte aufgeben zu müssen und dabei zu verlieren.
"Manchmal verdeutlicht uns erst das Bild einer neuen Welt, die wir betreten, dass ein Abschnitt unseres Lebens unwiderruflich zu Ende gegangen ist." (Seite 98)
Solche Textbeispiele könnte ich noch viele anführen. Das Buch ist gespickt damit. Was ihnen allen gleich ist, sie sind lesenswert und bringt den Leser dazu, sich längere Zeit damit zu befassen bzw. darüber nachzudenken. Unwillkürlich fragt man sich, wo sind/waren deine Veränderungen und wie bist du damit umgegangen? Gerade junge Menschen wie Ben stehen vor großen Erneuerungen in ihrem Leben. Wie geht man damit um, wenn man sich im Elternhaus und der überschaubaren Welt wohlfühlt, jedoch die Schulzeit zu Ende ist und man die Wahl hat: Was fange ich jetzt mit meinem Leben an? Bleiben oder gehen? In der Kinderpsychologie hat jemand den Satz geprägt: "Halt mich fest, lass mich los", wenn kleine Kinder die ersten Schritte von den Eltern weg ins Unbekannte wagen.
Wie ich oben schrieb, bei diesem Buch handelt es nicht um eine Geschichte die lapidar erzählt wird wie z. B. ein Abenteuerroman mit spannenden Effekten. In diesem Buch geht es um Tiefgründiges. Der Hinweis auf dem Cover besagt es schon und stimmt den Leser ein: "Über die Suche nach dem eigenen Ich".
Und da beginnt, womit ich mich etwas schwer tue. Mir persönlich gleitet das Buch etwas zu stark ins Esoterische ab. Die reichhaltige Bebilderung ist wunderschön, aber ungewöhnlich für einen Roman, dessen Zielgruppe junge Erwachsene sind. Für mich unterstreichen diese Zeichnungen noch den Eindruck des Spirituellen. Vielleicht bin ich im Moment für Esoterik aber auch zu nüchtern gepolt, als dass ich in vollem Maß darauf fliege.
Für mich wäre in dieser Beziehung etwas weniger mehr gewesen. Aber andere Leser zieht vielleicht gerade das an und sehen es dann ganz anders als ich.
Das wäre auf jeden Fall ein sehr schönes Weihnachtsgeschenk für Heranwachsene, die für solche Thematik offen sind.