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Veröffentlicht am 01.01.2022

The eye of the zebra

Im Auge des Zebras
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Wie kann jemand zur selben Zeit überall in Deutschland Verbrechen begehen? Acht Jungs werden entführt, von ein und demselben Mann. Zur selben Zeit. Olivia Holzmann vom LKA Berlin steht vor einem Rätsel ...

Wie kann jemand zur selben Zeit überall in Deutschland Verbrechen begehen? Acht Jungs werden entführt, von ein und demselben Mann. Zur selben Zeit. Olivia Holzmann vom LKA Berlin steht vor einem Rätsel und ihr Mentor Boesherz hat sich vom Ermitteln zurückgezogen und ist keine Hilfe. Sie findet heraus, dass es der Täter darauf angelegt hat, einen alten Fall geklärt zu haben, der nie gelöst wurde, doch da gab es in zwanzig Jahren keinen Fortschritt, wie soll sie ihn in kurzer Zeit lösen? Doch gerade die Zeit ist für den Täter von entscheidender Bedeutung.

Den Anfang fand ich ziemlich gut, ging es dabei doch um Tricks und Gegentricks und Olivia bewies eindeutig eine Coolheit, die mich beeindruckte. Diese verlor sie jedoch schon nach dem ersten Abschnitt, stattdessen entpuppte sie sich als dauergestresste Frau, die ohne Boesherz nichts auf die Reihe bekam und sich zu einer Reihe von Fehlentscheidungen entschloss. Angeblich sollte das ein Olivia-Holzmann-Krimi sein, in dem sie "aus dem Schatten ihres Mentors" tritt - tatsächlich ist es aber eben jener Mentor, der mit Glückskekssprüchen und Yoda-Gehabe (nur mit besserer Kleidung und Grammatik) den Fall löst, und zwar auf genau die Weise, die sein Sohn vorhergesagt hat.

Von Polizeiarbeit gab es hier auch nicht viel zu sehen. Von den erwähnten Glückskekssprüchen abgesehen möchte uns der Autor auch das Erforschen von Gerüchen als Profiling verkaufen und natürlich sind sowohl Boesherz als auch sein Sohn die Reinkarnation von Sherlock Holmes und Richter Di in einem. Olivia darf als trotteliger weiblicher Lestrade ihren Schlüssen hinterherstolpern. Ihre Erkenntnisse bekam sie von Kriminellen auf dem Servierbrett präsentiert und was die restlichen Polizisten in diesem "Krimi" tun, außer sich in "Täter hineinzuversetzen", weiß ich eigentlich auch nicht so richtig.

Im Übrigen habe ich es gestrichen, wenn AutorInnen anfangen, mir ihre Meinung zum Gendern (ja, wir haben es kapiert, ihr findet es Sch...), aufzwingen zu wollen. Zuerst Neuhaus, jetzt Kliesch.

Dieser Auftakt war alles, nur nicht überzeugend. 1,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 23.12.2021

Unterirdisch

Der Gräber
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Jedes Jahr im November verschwinden Leute aus ihren Häusern. Immer ist jemand durch den Keller durchgebrochen und hat sie geholt, die einzigen Spuren sind blutige Schleifspuren. Die Polizei steht vor einem ...

Jedes Jahr im November verschwinden Leute aus ihren Häusern. Immer ist jemand durch den Keller durchgebrochen und hat sie geholt, die einzigen Spuren sind blutige Schleifspuren. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Zur selben Zeit erhält die Lektorin Anika ein Manuskript, in dem jemand Morde beschreibt, in denen sich jemand unterirdisch mit Hilfe von Erdwesen in Anwesen gräbt. Der kurz vor dem Aus stehende Verlag bringt mit diesem Buch einen Bestseller heraus, der ihn rettet. Doch kann es sein, dass der echte Mörder dieses Buch geschrieben hat? Oder dass ein vor Jahren verschwundener Autor dahintersteckt?

Ich kann echt nicht sagen, was sich der echte Autor bei diesem Buch gedacht hat. Während die ersten paar Seiten wenigstens noch andeutungsweise Spannung beinhalteten, wurde der Rest immer abstruser und langweiliger. Die Ermittler ermittelten nicht, dafür wurde uns erzählt, dass die Ermittlerin eine komische Frau ist, die keine Beziehungen braucht, weil Einbauküchen (und Tinder) auch ganz schön sind. Ähnlich seltsam ist die Lektorin drauf. Überhaupt habe ich in dem ganzen Buch keinen Sympathieträger gefunden, dafür jede Menge Blabla. Muss ich noch erwähnen, dass hier nirgends Logik zu finden war, die paar Worte des Gräbers abgehackt, langweilig und auf keinen Fall bestsellerwürdig und dass es am Ende auch keine vernünftige Auflösung gab? Enttäuschend. Absolut enttäuschend. 1,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 25.11.2021

In ewiger Langeweile

In ewiger Freundschaft (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 10)
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Es war einmal eine Autorin. Die war zwar megaberühmt, bekam aber entweder den Hals nicht voll oder hatte Komplexe, weil ein paar ihrer Bücher mal in der Ramschkiste zu finden waren. Also dachte sie: Ich ...

Es war einmal eine Autorin. Die war zwar megaberühmt, bekam aber entweder den Hals nicht voll oder hatte Komplexe, weil ein paar ihrer Bücher mal in der Ramschkiste zu finden waren. Also dachte sie: Ich schreibe jetzt mal ein Buch, in dem ich mit Leuten aus der Buchbranche abrechne und und außerdem jedem, der bei drei nicht auf dem Baum ist, meine eigenen Bücher noch mal um die Ohren haue.

Gesagt, getan.

Und schon war genau dieses Buch wieder auf den Bestsellerlisten und die Autorin hat alles richtig gemacht. Happy End.

Außer vielleicht für manche Leser. Solche wie mich. Ich hätte gern einen Fall gehabt, der mich interessiert. Der spannend geschrieben ist, ohne dass ich dauernd von alten Titeln der Autorin lesen muss. Ohne dass es zu ständigen Wiederholungen kommt, ohne dass die Charaktere alles, aber auch wirklich alles noch einmal durchkauen und dennoch nicht bei 1 + 1 auf 2 kommen.

Ein Buch, in dem nicht der (natürlich!) adlige Hauptcharakter von der eigenen Autorin schlimmer angehimmelt wird als einer der verdächtigen Autoren von der Chefin der Kriminalpolizei.

Ich hätte gern ein Buch gelesen, in dem es ohne Eigenlob abgeht. Ein Buch, in dem eine der Protagonistin nicht sagt: Gendern ist Mist, was soll der Quatsch. Ein Buch, in dem nicht auf jeder Seite gebrüllt wird: Wir sind reich und der Klimawandel geht uns am A... vorbei, Hauptsache, wir fahren unsere fetten Boliden oder Geländewagen.

Von einem Krimi war hier jedenfalls nicht viel zu finden, zumal eine wichtige Person erst irgendwann zum Schluss aus dem Hut gezaubert wurde.

Eigentlich hätte mich das Thema wirklich interessiert. Aber die Umsetzung war einfach furchtbar. Und wirklich nur geeignet für Leute, denen es zu peinlich ist, die Bahnhofsheftchen über den mega gutaussehenden Adligen und seine Liebschaften zu lesen. 1,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 04.09.2021

Beyond Boredom

Der Schwur der Göttin, Band 1: Beyond Eternity
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Nayla ist ein ganz normales Mädchen, bis zu dem Tag, an dem sie unbeschadet einen Autounfall überlebt. Man erzählt ihr zwar, dass sie noch ausweichen konnte, aber sie weiß genau, dass sie frontal auf den ...

Nayla ist ein ganz normales Mädchen, bis zu dem Tag, an dem sie unbeschadet einen Autounfall überlebt. Man erzählt ihr zwar, dass sie noch ausweichen konnte, aber sie weiß genau, dass sie frontal auf den anderen Wagen prallte. Kurze Zeit später kommen zwei megaheiße neue Typen an ihre Schule: einer megaheiß und von freundlichem Gemüt, der andere megaheiß und düster. Völlig unerklärlich fühlt sich Nayla zu dem Megaheiß-und-düster hingezogen. Doch dann erfährt sie etwas von ihren Eltern, das ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt. Und aus Gründen darf sie sich auch nicht zu Megaheiß-und-düster hingezogen fühlen.

Als die Autorin dieses Buch schrieb, so stelle ich mir vor, hatte sie eine Checkliste, die sie der Reihe nach abhakte:

Megaheißes Mädchen, das natürlich nicht weiß, dass sie megaheiß ist? Check.

"Normal" bis Tag X? Check.

Megaheiße Typen, natürlich zwei auf einmal? Check.

Sidekicks, die als Stichwortgeber dienen, um Naylas Charaktereigenschaften hervorzuheben? Check.

Eine megacoole Fähigkeit/Hobby? Was könnte man da nehmen? Oh, Bogenschießen klingt cool. Recherche? Ach, wer braucht das schon, ich habe doch Winnetou-Filme gesehen, ich weiß, wie das geht.

Spätestens an dieser Stelle wurde mein Bedürfnis, das Buch an die Wand zu werfen, nach all diesen anderen Stellen übermächtig. Man merkt mit jedem Satz, jedem Wort, dass die Autorin außer vielleicht einen Kinderbogen aus Plastik so ein Teil noch niemals gesehen, geschweige denn in den Händen gehalten hat bzw. auch nur Grundlagen dessen wenigstens recherchiert hat, wovon sie schreibt. 50 Meter im Schulsport? Lächerlich. Im Wald auf Bäume schießen und den Pfeil dann wieder aus dem Holz ziehen? Doppelt lächerlich.

Man könnte noch drüber hinwegblicken, wenn das eine einmalige Sache im Schulsport gewesen wäre. Aber es soll ja als Naylas Megafähigkeit gelten, also definiert sie sich zum Teil darüber. Das wäre so, als wollte die Autorin über Autorennen schreiben und lässt den Weltmeister in einem Golf 4 antreten und an allen anderen vorbeifahren. Ohne Training selbstverständlich. Und ohne Sprit. Mit drei Rädern.

Dazu kommt, dass dieses Mädchen Nayla von Seite zu Seite nicht nur immer mehr Gehirnzellen verliert (siehe das Bodyguard-Thema, das selbst Leuten mit einem IQ von 21 aufgefallen wäre), sondern sie wird immer bitchiger (siehe ihren Eltern gegenüber). Müssen wir noch über die "unerklärliche" Anziehungskraft zwischen ihr und Megaheiß-und-düster, dessen einzige Attribute darin bestehen sowie aus seiner Freizeitbeschäftigung Herumkritzeln und - ach ja, seinen grünen Augen? Nein, ich erwähne jetzt nur noch das einzig Positive an diesem Buch: Naylas Tierliebe.

Ich habe dieses Machwerk bei ca. der Hälfte abgebrochen, weil ich mich durch all diese angesprochenen Dinge extrem genervt fühlte. Da empfehle ich doch lieber das Buch gleichen Titels (das Jahre früher erschien). Ist zwar auch kein Meisterwerk, aber wenigstens witzig und die Autorin schreibt nicht über Dinge, von denen sie keine Ahnung hat. 1,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 15.07.2021

Slaughter Quay

Die Verlorenen
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Jonah Colley hat vor zehn Jahren seinen Sohn verloren. Einmal kurz eingenickt und der kleine Junge verschwand spurlos vom Spielplatz. Seitdem geht sein Leben den Bach runter. Sohn weg, Frau weg, Motivation ...

Jonah Colley hat vor zehn Jahren seinen Sohn verloren. Einmal kurz eingenickt und der kleine Junge verschwand spurlos vom Spielplatz. Seitdem geht sein Leben den Bach runter. Sohn weg, Frau weg, Motivation weg. Und dann meldet sich ein alter Freund und bittet ihn um Hilfe. Um Mitternacht. Am Schlachter-Kai. Als Colley dort ankommt, findet er ein Haus voller Leichen vor. Und plötzlich gerät er in eine Spirale aus Gewalt, Lügen und Schatten der Erinnerungen. Können die Morde im Lagerhaus etwas mit dem Verschwinden seines Sohnes zu tun haben?

Wenn das einzig Gute an einem Hörbuch der Sprecher ist, spricht das nicht für das Buch. (Pun intented.) Ich bin immer noch ein bisschen fassungslos, dass dieses zusammengestöpselte Geschwurbel von demselben Autor sein soll wie die David-Hunter-Bücher. Egal, wie hart ich nachdenke, abgesehen vom Sprecher finde ich absolut nichts, was ich an diesem Buch positiv erwähnen könnte. Schon allein Jonah Colley. Selten zuvor habe ich einen Protagonisten gefunden, der ähnlich dämlich, unfähig und lernresistent ist. Der große Polizist, Mitglied einer bewaffneten Einheit, stolpert von einer Falle in die nächste, lässt sich wirklich von Hinz und Kunz austricksen und hinters Ohr hauen und kriegt alle Naselang so viel auf die Nase, dass er von rechts wegen tot sein müsste. Die furchtbar konstruierten Zusammenhänge der Geschichte tun regelrecht weh und Logik ... nein. Die sucht man leider vergeblich. Ich weiß nicht, wie oft ich während des Hörens die Augen verdreht habe - es ist geradezu ein Wunder, dass ich nicht mit Schielen angefangen habe. Sämtliche Charaktere wurden wie in einem Schattentheater marionettengleich über die Bühne gezogen. Ich weiß nicht, was hier passiert ist. Hat der Autor mit seinem Lektor gewettet, dass er völligen Blödsinn schreiben und trotzdem damit fett Kohle verdienen kann? In dem Fall hat er gewonnen. Wir Leser/Hörer haben dabei leider verloren. Zum Beispiel wertvolle Lebenszeit. Allein für den Sprecher gibt es die 1,5 Punkte, der Rest ist Schweigen.