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Veröffentlicht am 15.09.2016

Rückwärts erzählte Familiensaga

Die Sommer mit Lulu
1

Die Engländerin Lulu leitet seit Jahrzehnten ein kleines Strandhotel im Osten Mallorcas. Inzwischen ist sie über 80 Jahre alt, aber wie seit jeher charmant, witzig und großzügig. Eines Tages trifft sie ...

Die Engländerin Lulu leitet seit Jahrzehnten ein kleines Strandhotel im Osten Mallorcas. Inzwischen ist sie über 80 Jahre alt, aber wie seit jeher charmant, witzig und großzügig. Eines Tages trifft sie zufällig auf Gerald, mit dem sie im Jahr 1948 für sehr kurze Zeit verheiratet war und dem sie seither aus dem Weg gegangen ist. Es kommt zum Streit, beide stürzen von den Klippen und ertrinken im Meer. Was ist im Jahr 1948 passiert?

Wir haben es mit drei Handlungssträngen zu tun – die beiden Liebesgeschichten zwischen Lulu und Gerald einerseits und ihrer Kinder aus zweiter Ehe Aegina und Luc andererseits, ferner Geralds Segeltouren, die denen von Homers Odyssee folgen. Die Besonderheit im Aufbau ist, dass rückwärts erzählt wird. Die Geschichte beginnt im Jahr 2005 mit dem Unglück und reicht zurück über die Jahre 1995 mit Lulus 70. Geburtstag, 1983, 1970, 1966, 1956 bis 1948, was zunächst nicht einfach zu lesen ist. Mit jedem Abschnitt erschließt sich mehr, wie Lulu und Gerald ihre Leben gelebt haben und welche Auswirkungen das Ereignis von 1948 auf die Leben ihrer Kinder und Freunde hatte. Die Handlung entwickelt sich nur langsam, so dass ich irgendwann an einen Punkt gelangt bin, an dem ich nur noch wissen wollte, was 1948 passiert ist. Zu meiner Enttäuschung entpuppte sich das Schlüsselereignis als banal und unglaubhaft. Eine Erklärung vermisse ich zu der Frage, ob Lulu ihren Ex-Mann an den Klippen aufgrund noch immer fortwirkenden Hasses beschimpft hat oder ob sie die Beleidigungen ungewollt geäußert hat, weil sich ihr Wesen nach einem Schlaganfall verändert hat. Obwohl die Geschichte auf Mallorca spielt und schöne Impressionen von der Insel vermittelt, ist sie nicht als Strandlektüre geeignet, weil es schon gewisser Konzentration beim Lesen bedarf. Insbesondere die Vielzahl der Romanfiguren lässt sich schwer auseinanderhalten. Sympathisch sind mir von den zumeist als Neureiche, Bohemiens und Lebenskünstler daherkommenden Personen nur die wenigsten.

Für mich ein sich nicht vom Durchschnitt der Bücher abhebender Roman.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Mischung aus Romanze und Thriller

Wenn du mich siehst
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Ein ganz untypischer Roman des Autors, vermischt er doch die Genres Liebesgeschichte und Thriller. Bereits im Prolog wird eine namenlose männliche Person eingeführt, die sich an der Protagonistin rächen ...

Ein ganz untypischer Roman des Autors, vermischt er doch die Genres Liebesgeschichte und Thriller. Bereits im Prolog wird eine namenlose männliche Person eingeführt, die sich an der Protagonistin rächen will. Sodann werden die beiden Hauptfiguren vorgestellt. Colin Hancock ist in der Vergangenheit wegen zahlloser Kneipenschlägereien mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Im Bemühen, sich zu ändern, konzentriert er sich ganz auf sein Ziel, Lehrer zu werden, und den Käfigkampf, um Aggressionen abzubauen. Eines Nachts trifft er auf die mit einer Reifenpanne liegen gebliebene Maria Sanchez, die Anwältin ist. Angesichts des Autors wenig überraschend, entwickelt sich zwischen beiden eine Liebesbeziehung, die durch einen Maria wegen eines ihrer früheren Fälle gnadenlos verfolgenden Stalker gestört wird. Colin setzt alles daran, den Stalker zu fassen …

Die Kapitel sind abwechselnd Colin und Maria gewidmet und werden erzählt von einem beobachtenden Erzähler. Es ist sehr viel Dialog enthalten. Das sprachliche Niveau ist eher einfach gehalten und erinnert mit vielen Aufzählungen der Handlungsabfolge („erst …“, „danach …“, „dann …“) an Grundschulaufsätze. Colin ist aufgrund seiner Vergangenheit nicht gerade ein Sympathieträger. Seine Standardantwort „okay“ auf alle möglichen Fragen, sein Hang zur absoluten Ehrlichkeit und der Umstand, den Stalker im Alleingang wie ein Detektiv zu erwischen, sind etwas befremdlich. An Maria stört mich, dass sie als erfolgreiche junge Rechtsanwältin eingeführt wird, sich dann aber als schwach und ängstlich entpuppt. Die Auflösung des Geschehens um den Stalker fesselt bis zum Schluss.

Alles in allem ein sich im durchschnittlichen Rahmen bewegender Roman.

Veröffentlicht am 04.07.2025

Stark angefangen, schwach nachgelassen

Ungebetene Gäste
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Da die Autorin studierte Psychologin ist, wundert es nicht, dass sie ihren neuesten Roman zum Psychodrama macht. Sie stellt Unwahrheiten und Unausgesprochenes, Moral und Schuld in den Mittelpunkt der Geschichte. ...

Da die Autorin studierte Psychologin ist, wundert es nicht, dass sie ihren neuesten Roman zum Psychodrama macht. Sie stellt Unwahrheiten und Unausgesprochenes, Moral und Schuld in den Mittelpunkt der Geschichte. Aufhänger des Ganzen ist, dass eine junge israelische Mutter – Naomi -nur kurz nicht Obacht gibt auf ihren einjährigen Sohn, so dass dieser zum Hammer des auf dem Balkon tätigen arabischen Bauarbeiters greift und hinunter auf die Straße wirft, wo dann ein Halbwüchsiger erschlagen wird. Der Arbeiter wird als vermeintlicher Attentäter verhaftet und verurteilt, denn Naomi bezeugt nicht sogleich das wahre Geschehen. Mit ihrer Familie verzieht sie dann nach Lagos und hat dort Kontakte zu einer als Psychologin arbeitenden Landsmännin, der geheim gehaltenen Jugendfreundin ihres Mannes, und der israelischen Community.
Der erste der insgesamt drei Teile hat mich wirklich gepackt. Er gibt Gelegenheit, Naomis Verhalten als richtig oder falsch zu bewerten, je nach der eigenen Moralvorstellung. Interessant ist auch, wie die israelische Gesellschaft aufgebaut ist, in der die Araber auf einer unteren Stufe stehen und schnell als Sündenböcke herhalten müssen. Als sich das Setting dann aber mit dem zweiten und dritten Teil nach Nigeria verlagerte, ließ die Geschichte sehr stark nach. Alles wirkt nur noch künstlich aufgesetzt. Es werden zu viele Figuren eingeführt, die für das eigentliche Thema keinerlei Bedeutung haben und für die Fortentwicklung der Handlung überflüssig sind. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass jetzt nur noch krampfhaft Seiten geschunden werden sollten. Dass Naomi etwa stante pede Gefallen an einer nigerianischen Staatswissenschaftlerin fand, die dann in gewisser Weise von Naomi erlangtes Wissen kritisch preisgab, oder Naomis Mann nach siebzehn Jahren das sehr kurze Verhältnis mit seiner Jugendfreundin aufnahm, oder ein verwöhnter Zehnjähriger sich gegenüber seiner Mutter und seiner Psychologin als kleiner Tyrann aufspielt, ist einfach nur abgedroschen und trivial und mag von mir eher nicht gelesen werden.
Schade, stark angefangen, schwach nachgelassen.

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Veröffentlicht am 30.09.2021

Ein einziges Lamentieren

Eine Frau am Telefon
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Erst kürzlich habe ich den neuesten Roman der Autorin „Kleine Fluchten“ gelesen, der mich sehr beeindruckt hat. Er war der Grund, zu dem vorliegenden früheren Buch zu greifen. Doch ich war sehr enttäuscht. ...

Erst kürzlich habe ich den neuesten Roman der Autorin „Kleine Fluchten“ gelesen, der mich sehr beeindruckt hat. Er war der Grund, zu dem vorliegenden früheren Buch zu greifen. Doch ich war sehr enttäuscht. In unendlich langen Monologen telefoniert eine Frau um die 60 mit ihrer erwachsenen Tochter bzw. bespricht deren Anrufbeantworter. Sie lamentiert unentwegt über ihren Ex-Ehemann, Krankheiten, Partnersuche auf Datingportalen. Man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass sie eine psychische Störung hat, was im Text auch angedeutet wird. Mir fehlt jeglicher Tiefsinn und ich war froh, das kurze Büchlein rasch ausgelesen zu haben.

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Veröffentlicht am 28.06.2020

Düstere Familiengeschichte

Vaters Wort und Mutters Liebe
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Meine Vorbehalte Romanen nordischer Autoren gegenüber haben sich wieder einmal bestätigt. Zu düster wirkt diese Familiengeschichte auf mich, was ich nach dem Klappentext nicht erwartet hatte. Das fängt ...

Meine Vorbehalte Romanen nordischer Autoren gegenüber haben sich wieder einmal bestätigt. Zu düster wirkt diese Familiengeschichte auf mich, was ich nach dem Klappentext nicht erwartet hatte. Das fängt schon mit der Gegend an, in der die Geschichte im Wesentlichen angesiedelt ist – dem von Wald beherrschten Tornedal im Norden Finnlands. Die vierzehn (!) wichtigsten Romanfiguren setzen dann meinen Eindruck fort. Sie alle gehören zur Großfamilie Toimi und nach und nach lernen wir sie alle kennen. Jeder von ihnen ist auf eine Weise gestört. Da kommen dann schon einmal Dinge zur Sprache, die man in einem Unterhaltungsroman gar nicht so gerne lesen will. Merkwürdigerweise erkenne ich die Eigenschaften von Vater und Mutter, mit denen sie im Klappentext bedacht werden, an beiden nicht wieder – der Vater soll herrisch sein, was sich allenfalls in Andeutungen nachvollziehen lässt; bis auf einen von ihm verfassten längeren Brief tritt er ohnehin nicht selbst in Erscheinung; die Mutter soll sanftmütig sein und ihre Kinder lieben, allerdings macht sie große Abstufungen zwischen den einzelnen Kindern. Immerhin lassen sich alle Personen gut auseinanderhalten, ein beigefügtes Lesezeichen mit prägnanten Personenbeschreibungen tut hier noch ein Übriges. Sehr unrealistisch sehe ich den zeitlichen Ablauf der Geschichte. Sie beginnt – abgesehen von einigen Rückblenden auf die Herkunft der Eltern - kurz vor Weihnachten 1981 und dauert bis etwa Juli 1982. In diesem nur wenige Monate umfassenden Zeitraum überstürzen sich die Ereignisse: Die stets diesbezüglich abgeneigt gewesene Mutter entschließt sich zur Scheidung, die auch stante pedes vollzogen wird, kauft und bezieht ein neues Haus, lernt einen neuen Mann fürs Leben kennen, lässt sich der älteste Sohn den Hof vom Vater verschreiben und baut auf dem Grundstück ein neues Haus und ja, kommt einer aus der Familie ums Leben. Mehr zum letzten Aspekt will ich nicht verraten, allein nur so viel, dass er allein mich dazu gebracht hat, das sehr ausschweifende Buch bis zum Ende zu lesen, weil ich wissen wollte, was passiert ist. Ob es sich dabei wirklich um Mord handelt, wie es bereits im ersten Satz des Prologs heißt, wird jeder am Ende selbst zu beurteilen haben. Ein letzter Kritikpunkt betrifft die Sprache. Warum werden in einem schwedisch/finnischen Roman immer wieder flapsige englischsprachige Ausdrücke eingearbeitet, z.B. up to no good, keep on swimming, access denied)?

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